Wie halte ich Abstand zu meinem Job?, fragt Jessica Schultka, 27, Pastorin aus Leipzig

Wer bei der Arbeit oft mit den Sorgen anderer zu tun hat – als Pastorin zum Beispiel, als Lehrer oder Psychologe –, den hat der Job oft noch zu Hause fest im Griff.

Mit unangenehmen Folgen: Wenn Gedanken um berufliche Probleme kreisen, reagiert der Körper, als wäre er noch immer am Arbeitsplatz. Er schüttet weiter Stresshormone aus, und die machen uns genau dann zu schaffen, wenn wir eigentlich zur Ruhe kommen sollten. Der Blutdruck steigt, die Immunabwehr ist geschwächt, die Verdauung gestört. Aus beruflich bedingter Anspannung wird Dauerstress. Der lässt uns schlecht schlafen und verhindert die Erholung, die nach der Arbeit eigentlich jeder braucht. Dadurch wiederum sinkt die Leistungsfähigkeit, sodass wir die Sorgen der uns Anvertrauten und eigene berufliche Probleme immer schwerer bewältigen können.

Was tun, wenn man einmal in diesen Teufelskreis geraten ist? Am besten jeden Arbeitstag mit einem festen Ritual beenden.

Das mag für manchen albern klingen, wirkt aber fast immer Wunder. Damit man wirklich loslassen kann, hilft es, kurz vor dem Feierabend alles aufzuschreiben, was am nächsten Arbeitstag erledigt werden muss. Das entlastet das Kurzzeitgedächtnis.

Zu Hause angekommen, sind es ebenfalls Rituale, die den Übergang erleichtern: sich umziehen, in die Badewanne steigen, Kopfhörer aufsetzen, Musik aufdrehen. Das schnellste Mittel, um Distanz zu gewinnen, Stresshormone abzubauen und die Gedanken von der Arbeit loszureißen, ist Bewegung. Als sozialer Ausgleich empfiehlt sich eine Sportart, bei der man nicht alleine ist. Wer Sport nicht mag, kann sich auf andere Gedanken bringen, indem er Freunde trifft, mit denen er gut reden kann – nur möglichst nicht nur über den Job. Manche schalten am besten ab, wenn sie meditieren. Generell gilt: Je stärker sich der Ausgleich von der Arbeit unterscheidet, desto besser lässt man sie hinter sich.