In den sogenannten Kreativbranchen darf auch der Chef zweifellos Turnschuhe tragen – wenn sie dort nicht sogar zur Berufskleidung gehören. Aber in einer Anwaltskanzlei? Kommt sehr auf die Kanzlei an beziehungsweise darauf, wie sicher sie sich ihrer Seriosität ist. Steht die Reputation außer Frage, könnten Sneakers erlaubt sein. Ist der Ruf der Anwälte aber angeknackst oder muss gar erst neu erobert werden, dürfte außer Pferdeleder kein anderes Schuhmaterial infrage kommen.

Denn es ist nun einmal so, dass man mit Turnschuhen nicht modisch punkten kann. Sie sind keine Novität, und erst recht nicht mehr extravagant. Um mit ihnen nicht nachlässig oder schlampig zu wirken, kommt es sehr auf die Kombination und die Art der Turnschuhe an.

Ich habe einmal wegen einer Fußverletzung zum Dreiteiler Chucks getragen, und dafür viel spontanes Lob im Büro geerntet, was mich misstrauisch machte – als wollte man mich für eine Anwandlung von Jugendlichkeit feiern. Anwandlungen von Jugendlichkeit sind immer peinlich. Vielleicht löste aber auch die Verletzung den Sympathieschub aus. Man müsste einmal einen modischen Großversuch starten, ob sich der Turnschuh nicht, von der Wirkung her, auch durch einen Gipsfuß oder einen Verband ersetzen ließe.