Dresscode : Achtung, Schublade!

Auch in Zeiten großer Lässigkeit sollte man sich am Arbeitsplatz lieber etwas konservativer kleiden, rät unsere Kolumnistin Maren Lehky.

Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance – dieser Satz ist leider wahr. Wer einmal in einer Schublade steckt, kommt so schnell nicht wieder heraus. Ich kenne das aus eigener Beobachtung, zum Beispiel im Fall »Kurzrock«: Ein Trainee, nennen wir sie Lea, hatte diesen Spitznamen schon wenige Wochen nach ihrem Start in einem internationalen Unternehmen weg. Lea war eine attraktive und intelligente Frau, studiert und promoviert. Sie hatte eine vielversprechende Karriere vor sich. Doch ihre Röcke waren so kurz, dass von der Sachkompetenz nichts rüberkam. Leas Karriere verlief nur mäßig.

In vielen Firmen gibt es heute keine schriftliche Kleiderordnung mehr. Das heißt aber nicht, dass es egal wäre, wie Sie dort auftreten. Kleidung unterstreicht Kompetenz, sie ist eine Leinwand, vor der unsere Äußerungen gesehen werden. Der kurze Rock, ein ungepflegter Haarschnitt oder Sandalen im Büro schwächen Ihren professionellen Eindruck. Auch ein unangepasster und schräger Look mit Selbstgenähtem oder einem wilden Mustermix kann Ihnen in vielen Berufen schaden. Man könnte unterstellen, dass Sie so nachlässig und schräg arbeiten, wie Sie aussehen.

So anziehen wie es die Funktion erfordert

Was heißt das alles, wenn Sie nicht in einer klassischen Anzugträgerbranche arbeiten? Schauen Sie sich um, verschaffen Sie sich vor Ihrem ersten Arbeitstag einen Eindruck vor Ort. Und orientieren Sie sich an den besser gekleideten Kollegen. Es ist hilfreich, sich so anzuziehen, wie es die Funktion erfordert, die man anstrebt. Aber übertreiben Sie dabei nicht. Wer overdressed ist, schafft schnell Grenzen zu seinen Kollegen. Es ist Ihrer Karriere nicht förderlich, als Praktikant im dreiteiligen Anzug aufzulaufen – es sei denn, alle kleiden sich so. Auffällige Markenlogos und Statussymbole können ebenfalls Abstand schaffen.

Maren Lehky

Maren Lehky ist Unternehmens- und Personalmanagement-Beraterin in Hamburg. In ihrer Kolumne, die im ZEIT CAMPUS Magazin und auf ZEIT ONLINE erscheint, gibt sie Berufsanfängern Karrieretipps.

Einige Tipps, die auch heute noch fast überall gelten: Tragen Sie gute und geputzte Schuhe, Socken, die zur Hosenfarbe passen, und einen Gürtel, den man sieht (also: Hemd in die Hose, bitte). Ein gepflegter Haarschnitt schadet nicht, und Hemden und Blusen halten Sie am besten so weit geschlossen, dass weder vom Brusthaar noch vom Dekolleté eine Ablenkungsgefahr ausgeht. Ihre Tasche sollte nach Arbeitsleben aussehen, und der Mantel oder die Jacke, mit der Sie morgens ins Büro kommen, braucht nicht expeditionstauglich zu sein. Beide Geschlechter sollten auf gepflegte Hände und Nägel achten, die Herren den Nagellack aber Seal überlassen. Es geht darum, nicht unangenehm durch Äußerlichkeiten aufzufallen.

Auch in Branchen, in denen es lockerer zugeht, sollten Sie stilvoll bleiben. Auf Nummer sicher gehen Sie, wenn Sie sich zwei Kleiderschrankabteilungen einrichten: eine private und eine für den Job. Die gemütliche Cargohose, das verwaschene Lieblings-T-Shirt oder das kurze Sommerkleidchen sind im Privatfach wahrscheinlich am besten aufgehoben.

Wenn Sie immer noch unsicher sind: Fragen Sie nach! Zum Beispiel bei interessanten, erfolgreichen Kollegen. Oder bei der Fachverkäuferin in einem Kleidungsgeschäft. So vermeiden Sie, mit einem gemeinen Spitznamen in der falschen Schublade zu landen.

Verlagsangebot

Der ZEIT Stellenmarkt

Jetzt Jobsuche starten und Stellenangebote mit Perspektive entdecken.

Job finden

Kommentare

24 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

When did we forget our dreams?

Es ist meines Erachtens wichtig, dass Zeit online über derartige "Eindrücke" und "Regeln" berichtet. Nicht weil man sich daran halten sollte... sondern weil sich jeder Mensch irgendwann in seinem Leben fragen muss, ob er solche Regeln tragen und ertragen will. Sollten Unternehmen, die ihre Mitarbeiter anhand optischer Kriterien beurteilen nicht ökonomische Nachteile erleiden? Ist es nicht vermutlich besser, Kompetenz in den Vordergrund zu stellen? Wirtschaftlichkeit und Effizienz werden nicht durch Kleidung, sondern durch Arbeit erreicht.

Die Einteilung einer jungen Frau als "Frau Kurzrock" ist ebenso sexistisch, wie menschenverachtend. Wenn die logische Konsequenz daraus sein soll, dass die Damen sich eben konformer kleiden soll, dann widerspricht dies meines Erachtens §1 GG. Vielmehr sollte ein Appell an Personalvorstände und ähnliche gerichtet werden, sich nicht von Äußerlichkeiten leiten zu lassen und den Menschen als Ganzes wahrzunehmen.

Text im Jack Welsh Motivations Stil

Ich erinnere mich an den Rocklängen-Fall. Die Karriere verlief wegen unpassender Kleidung zunächst mäßig, nachdem die junge Frau sich anlässlich eines Arbeitgeberwechsel neu eingekleidet hat, startete sie voll durch - sie können das auch schaffen.
Zum Glück gibt es auch Arbeitgeber, deren Toleranzgrenze bzgl. des Äußeren höher ist und die auf Kompetenz statt auf Business-Schick landen.

Die alten Regeln verschwinden auch manchmal über Nacht, dann gibt es ein schönes downsizing, angefangen bei den Firmenwagen bis hin zum Hinweis, beim Kunden nicht mehr gar so "bankermäßig" aufzulaufen, weil der Kunde langsam gespannt hat, wer den ganzen schönen Schein zahlt.

Sehe ich ähnlich

Der Artikel schreibt etwas hinter der Zeit her. In dem von der Branche eher konservativen Unternehmen, in dem ich arbeite, hat sich in den letzten elf Jahren, die ich hier arbeite, einiges geändert.

Möglich war / ist:
Anfangs fünf Tage in der Woche mit Krawatte. Dann freitags ohne Krawatte. Dann im Sommer ohne Krawatte. Dann freitags casual. Dann immer ohne Krawatte. Zwischenzeitlich sieht auch unterwöchig casual (ich nehme mir das auch raus).

Frauen (auf Rocklänge will ich hier nicht eingehen) habe es aus meiner Sicht etwas leichter mit der Kleidung, weil die Grenze nicht so hart ist wie bei Männerkleidung (dort formell=Anzug, informell=kein Anzug). Das formelle Gegenstück der Frauen zum Anzug der Männer, das Kostüm/Hosenanzug ist längst nicht mehr prägend, sondern irgendwelche Übergänge zum casual.