Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance – dieser Satz ist leider wahr. Wer einmal in einer Schublade steckt, kommt so schnell nicht wieder heraus. Ich kenne das aus eigener Beobachtung, zum Beispiel im Fall »Kurzrock«: Ein Trainee, nennen wir sie Lea, hatte diesen Spitznamen schon wenige Wochen nach ihrem Start in einem internationalen Unternehmen weg. Lea war eine attraktive und intelligente Frau, studiert und promoviert. Sie hatte eine vielversprechende Karriere vor sich. Doch ihre Röcke waren so kurz, dass von der Sachkompetenz nichts rüberkam. Leas Karriere verlief nur mäßig.

In vielen Firmen gibt es heute keine schriftliche Kleiderordnung mehr. Das heißt aber nicht, dass es egal wäre, wie Sie dort auftreten. Kleidung unterstreicht Kompetenz, sie ist eine Leinwand, vor der unsere Äußerungen gesehen werden. Der kurze Rock, ein ungepflegter Haarschnitt oder Sandalen im Büro schwächen Ihren professionellen Eindruck. Auch ein unangepasster und schräger Look mit Selbstgenähtem oder einem wilden Mustermix kann Ihnen in vielen Berufen schaden. Man könnte unterstellen, dass Sie so nachlässig und schräg arbeiten, wie Sie aussehen.

So anziehen wie es die Funktion erfordert

Was heißt das alles, wenn Sie nicht in einer klassischen Anzugträgerbranche arbeiten? Schauen Sie sich um, verschaffen Sie sich vor Ihrem ersten Arbeitstag einen Eindruck vor Ort. Und orientieren Sie sich an den besser gekleideten Kollegen. Es ist hilfreich, sich so anzuziehen, wie es die Funktion erfordert, die man anstrebt. Aber übertreiben Sie dabei nicht. Wer overdressed ist, schafft schnell Grenzen zu seinen Kollegen. Es ist Ihrer Karriere nicht förderlich, als Praktikant im dreiteiligen Anzug aufzulaufen – es sei denn, alle kleiden sich so. Auffällige Markenlogos und Statussymbole können ebenfalls Abstand schaffen.

Einige Tipps, die auch heute noch fast überall gelten: Tragen Sie gute und geputzte Schuhe, Socken, die zur Hosenfarbe passen, und einen Gürtel, den man sieht (also: Hemd in die Hose, bitte). Ein gepflegter Haarschnitt schadet nicht, und Hemden und Blusen halten Sie am besten so weit geschlossen, dass weder vom Brusthaar noch vom Dekolleté eine Ablenkungsgefahr ausgeht. Ihre Tasche sollte nach Arbeitsleben aussehen, und der Mantel oder die Jacke, mit der Sie morgens ins Büro kommen, braucht nicht expeditionstauglich zu sein. Beide Geschlechter sollten auf gepflegte Hände und Nägel achten, die Herren den Nagellack aber Seal überlassen. Es geht darum, nicht unangenehm durch Äußerlichkeiten aufzufallen.

Auch in Branchen, in denen es lockerer zugeht, sollten Sie stilvoll bleiben. Auf Nummer sicher gehen Sie, wenn Sie sich zwei Kleiderschrankabteilungen einrichten: eine private und eine für den Job. Die gemütliche Cargohose, das verwaschene Lieblings-T-Shirt oder das kurze Sommerkleidchen sind im Privatfach wahrscheinlich am besten aufgehoben.

Wenn Sie immer noch unsicher sind: Fragen Sie nach! Zum Beispiel bei interessanten, erfolgreichen Kollegen. Oder bei der Fachverkäuferin in einem Kleidungsgeschäft. So vermeiden Sie, mit einem gemeinen Spitznamen in der falschen Schublade zu landen.