1. Minuten zählen

Das Gegenteil von Aufschieben ist Anfangen. Vorher drei Fragen klären: wann, wo und wie. Zum Beispiel: Morgen will ich um 9 Uhr in die Bibliothek, dazu muss ich den Bus um 8.30 Uhr nehmen. Zum Arbeiten brauche ich zwei Bücher, die ich aus dem Institut holen muss. Die Anfangszeit sollte auf die Minute eingehalten werden. Wer zehn Minuten durchgehen lässt, schiebt schnell zwei Stunden auf.

2. Kleine Schritte machen

Ein Arbeitsplan ist wertlos, wenn er zu vage ist. Besser: Arbeitseinheiten mit konkreten Zielen festlegen. Man sucht also nicht den ganzen Tag irgendwie nach einem Thema für die Hausarbeit, sondern überlegt vorher, wo genau man Informationen finden kann. Zum Beispiel: in Buch A und Buch B die Inhaltsangaben studieren und Stichworte herausschreiben.

3. Die Zeit verdoppeln

Es gilt die 50-Prozent-Regel: Man braucht für alles doppelt so lange, wie man anfangs denkt. Wer das bei der Planung berücksichtigt, sorgt dafür, dass er den Plan auch wirklich einhalten kann – und verschafft sich damit jeden Tag Erfolge.

4. Tagebuch führen

Wer protokolliert, wie er arbeitet, kann das eigene Arbeitstempo besser einschätzen: Wie viel Zeit verbringe ich wirklich mit Arbeiten? Und wie viel lediglich mit dem Gedanken daran? Außerdem lässt sich so feststellen, wovon man sich gerne ablenken lässt. Ist das zum Beispiel Hunger, kann man leicht vorsorgen.

5. Grenzen ziehen

Es sollte abends eine feste Erholungszeit geben, in der nicht mehr gearbeitet wird. Viel länger als sechs oder sieben Stunden ist auf Dauer niemand effektiv.

6. Arbeit verbieten

Um die Ressource Arbeitszeit aufzuwerten, kann man sie bewusst verknappen. Zum Beispiel so: Pro Tag setzt man sich zwei realistische Arbeitseinheiten (zu Beginn viel-leicht nur jeweils zwanzig Minuten). Für den Rest des Tages ist Arbeiten strikt verboten. So muss man nicht ständig neu Arbeits- und Freizeit aushandeln und kann freie Stunden ohne schlechtes Gewissen genießen. Klappt das, darf man die Arbeitszeit nach und nach erhöhen.

7. Nicht abwarten

Der richtige Moment wird vielleicht nicht kommen – es bringt darum nichts, darauf zu warten, in der richtigen Stimmung, nicht mehr müde oder nicht mehr lustlos zu sein. Lieber die Aufgabe mit dem kleinsten denkbaren Schritt angehen und herausfinden, wo es hakt.

8. Sich selbst belohnen

Wer für die Uni lernt, bekommt nur abstrakte Belohnungen, und auf die muss man außerdem lange warten. Für die Motivation ist es aber wichtig, sich für Anstrengungen auch auf die Schulter zu klopfen. Deshalb: Nach der Arbeit immer kleine Belohnungen schaffen.

9. Hilfe suchen

Depression und Aufschieben treten oft gemeinsam auf und können sich verstärken. Nichts klappt mehr, die Depression kommt, und wegen der Depression klappt nichts mehr. Hier sollte man nicht zögern, einen Psychologen um Rat zu fragen.

10. Weiterlesen

Viele Tipps zum Umgang mit dem Aufschieben hat der Psychologe Hans-Werner Rückert in seinem Buch »Schluss mit dem ewigen Aufschieben« (Campus Verlag 2011) zusammengefasst. Weitere Hinweise gibt es auf der Internetseite der Universität Münster. Auch lesenswert: Der Aufschiebe-Blog des kanadischen Psychologie-Professors Timothy Pychyl.