Kolumne"Warum haben Professoren Angst vor Computern?"

Die Technik zwingt die Profesoren, sich auf Neues einlassen, schreibt unser Kolumnist Fritz Breithaupt von Fritz Breithaupt

Ständig höre ich von meinem Kollegen: »Nur noch zwölf Jahre bis zum Ruhestand, ich muss das nicht mehr lernen!« Gemeint ist die Technik. Vor dem Computer fühlt sich der Professor dumm. Das mag der Professor nicht. Also lässt er das mit der Technik lieber sein.

So war es früher. Doch Umfragen haben ergeben: Vor nichts haben Professoren inzwischen mehr Angst, als in der Technik den Anschluss zu verlieren. Wir alle kennen einen schneidigen jungen (oder alten!) Kollegen, der am Computer Wunder vollbringt. Er wird bestaunt, beneidet – und gehasst. Wir bekommen Minderwertigkeitskomplexe, denn viele von uns tippen mit dem Ein-Finger-Adler-Suchsystem und fürchten das nächste Update von Microsoft Word.

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ZEIT Campus 4/2012
ZEIT Campus 4/2012

Unser Unbehagen wurzelt tief: Wir beobachten, wie unser Hoheitswissen schrumpft. Früher konnten wir jedes Rededuell gewinnen, jedes schwache Argument überspielen, weil wir uns besser ausdrücken konnten. Nun hinken wir in der medialen Ausdrucksweise unseren Studenten hinterher. Und plötzlich zeigt sich, dass doch nicht jedes Argument so fest sitzt. Die Technik zwingt uns, das zu tun, was wir am wenigsten mögen: Wir müssen uns auf Neues einlassen und dazulernen.

Professor Fritz Breithaupt, 44, erklärt an dieser Stelle das Innenleben der Professoren. Er lehrt an der Indiana University

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Leserkommentare
    • Chali
    • 30. Juli 2012 18:06 Uhr

    Das Wissen um die Bedienung einer amerikansichen Software - das ist schon "unser Hoheitswissen"? Das ist schon alles?

    • GDH
    • 30. Juli 2012 18:22 Uhr

    Dass sich Menschen dagegen entscheiden, sich mit neuer Technik zu beschäftigen, mag auch triftige Gründe haben. Um beim Beispiel des Word-Updates zu bleiben:

    Sich ein neues Programm anzueignen, das etwas grundlegend neues tut (z.B. Textverarbeitung) ist erstmal spannend und nützlich. Wer aber nach wenigen Jahren feststellt, dass er die Dinge, die er gelernt hat, nicht mehr machen kann ohne sich neue Versionen auf's Auge drücken zu lassen, mit denen die im Wesentlichen gleiche Aufgabe schon wieder anders erledigt wird, verliert schnell die Lust (bei aller Aufgeschlossenheit für neues).

    Wer heute vor dem Ruhestand steht, kann leider nicht sagen "ich lerne jetzt noch einmal diesen Computerkram und kann das dann für den Rest meines Lebens". Wer sich heute Software zulegt, muss damit rechnen, dass er es in 10 Jahren schon nicht mehr benutzen kann (im Zweifel kann er keinen Computer mehr kaufen, auf dem noch das Betriebssystem läuft, das er für seine alte Software braucht).

    Zu der Überwindung, sich auf neues einzulassen, kommt damit noch die Frustration, dass dieses Neue nicht besonders langlebig ist.

  1. Gibt es tatsächlich noch Lehrstühle, die nicht auf TeX umgestiegen sind!?

    [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/ls

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    In meinem ingenieurwissenschaftlichen Umfeld (Uni) sind die meisten mit Office unterwegs. Weil einheitlich.

  2. In meinem ingenieurwissenschaftlichen Umfeld (Uni) sind die meisten mit Office unterwegs. Weil einheitlich.

    Antwort auf "Ich bin erstaunt"
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    • Petka
    • 31. Juli 2012 11:54 Uhr

    ... und die Datenstandards OOXML und ODF werden unterschiedlich interpretiert (gerendert). Einfach mal an Studierenden bei Abschluß einer Arbeit vorbeigehen und dem Fluchen lauschen.

    Klar werden auch Word-Templates verteilt, sei es für Seminare, Paper oder gar Arbeiten. Das ist ein nettes Entgegenkommen denjenigen gegenüber, die keine Lust haben sich mit der Technik auseinanderzusetzen. Also ganz im Ton des Artikels.

    Natürlich kann man als Ingenieursstudierender seine zwei großen Arbeiten auch mit Word/Open-/LibreOffice schreiben. Die Mühe und den Ärger mit der WYSIWYG-Idee hat man als einzelner eben auch nur einmal pro Arbeit. Will man aber ein wenig häufiger größere Arbeiten digital anfertigen und auch sinnvoll weiternutzen geht irgendwann kein Weg an Textsatz wie LaTeX vorbei, um geistig gesund zu bleiben.

    • wd
    • 30. Juli 2012 19:25 Uhr

    Funktionale Word6 Dokumente mit Makros wird man wahrscheinlich heute nicht mehr mit den neuesten Wordversionen öffnen können, ohne eine Menge von Fehlermeldungen zu bekommen und festzustellen, dass viel Arbeit umsonst war. Irre ich mich?
    Wer hat schon Lust sich laufend mit so etwas zu beschäftigen?
    Mich interessieren Antworten.

  3. 6. Leider

    ist es mit der IT nicht so wie beim Fahrrad- oder Autofahren.
    Andererseits - überlassen die meisten Professoren die ich kenne das Schreiben ihren Doktoranden oder ihren Sekretärinnen.
    Zudem muss man nicht jede Modeerscheinung (Twitter, Facebook etc.) mitmachen - zumindest solange der Nutzen noch nicht so ganz klar ist.

  4. Was für Professoren sind das denn? Germanistik? Philosophie? Theologie? MINT-Profs kennen sich i.A. sehr wohl mit IT aus!

  5. Da spricht Herr Breithaupt etwas Wahres an. Es sind wirklich häufig die Geisteswissenschaftler.
    Die MedienINkompetenz fängt schon beim Anschließen des Laptops an den Beamer an.

    Aus erster Hand weiß ich, dass die Hochschule/Universität ihre Professoren und Dozenten mit der Technik alleine lässt. Einführungskurse für Professoren sollten da gemacht werden!

    Wenn sich das ändern würde, würden vielleicht mehr Dozenten darauf zurückgreifen und sie auch benutzen als ungenutzt stehen zu lassen.

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  • Schlagworte Hochschule | Computer | Hochschullehrer | Bildung
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