Ständig höre ich von meinem Kollegen: »Nur noch zwölf Jahre bis zum Ruhestand, ich muss das nicht mehr lernen!« Gemeint ist die Technik. Vor dem Computer fühlt sich der Professor dumm. Das mag der Professor nicht. Also lässt er das mit der Technik lieber sein.

So war es früher. Doch Umfragen haben ergeben: Vor nichts haben Professoren inzwischen mehr Angst, als in der Technik den Anschluss zu verlieren. Wir alle kennen einen schneidigen jungen (oder alten!) Kollegen, der am Computer Wunder vollbringt. Er wird bestaunt, beneidet – und gehasst. Wir bekommen Minderwertigkeitskomplexe, denn viele von uns tippen mit dem Ein-Finger-Adler-Suchsystem und fürchten das nächste Update von Microsoft Word.

Unser Unbehagen wurzelt tief: Wir beobachten, wie unser Hoheitswissen schrumpft. Früher konnten wir jedes Rededuell gewinnen, jedes schwache Argument überspielen, weil wir uns besser ausdrücken konnten. Nun hinken wir in der medialen Ausdrucksweise unseren Studenten hinterher. Und plötzlich zeigt sich, dass doch nicht jedes Argument so fest sitzt. Die Technik zwingt uns, das zu tun, was wir am wenigsten mögen: Wir müssen uns auf Neues einlassen und dazulernen.

Professor Fritz Breithaupt, 44, erklärt an dieser Stelle das Innenleben der Professoren. Er lehrt an der Indiana University