Kolumne "Warum haben Professoren Angst vor Computern?"
Die Technik zwingt die Profesoren, sich auf Neues einlassen, schreibt unser Kolumnist Fritz Breithaupt
Ständig höre ich von meinem Kollegen: »Nur noch zwölf Jahre bis zum Ruhestand, ich muss das nicht mehr lernen!« Gemeint ist die Technik. Vor dem Computer fühlt sich der Professor dumm. Das mag der Professor nicht. Also lässt er das mit der Technik lieber sein.
So war es früher. Doch Umfragen haben ergeben: Vor nichts haben Professoren inzwischen mehr Angst, als in der Technik den Anschluss zu verlieren. Wir alle kennen einen schneidigen jungen (oder alten!) Kollegen, der am Computer Wunder vollbringt. Er wird bestaunt, beneidet – und gehasst. Wir bekommen Minderwertigkeitskomplexe, denn viele von uns tippen mit dem Ein-Finger-Adler-Suchsystem und fürchten das nächste Update von Microsoft Word.
Unser Unbehagen wurzelt tief: Wir beobachten, wie unser Hoheitswissen schrumpft. Früher konnten wir jedes Rededuell gewinnen, jedes schwache Argument überspielen, weil wir uns besser ausdrücken konnten. Nun hinken wir in der medialen Ausdrucksweise unseren Studenten hinterher. Und plötzlich zeigt sich, dass doch nicht jedes Argument so fest sitzt. Die Technik zwingt uns, das zu tun, was wir am wenigsten mögen: Wir müssen uns auf Neues einlassen und dazulernen.
Professor Fritz Breithaupt, 44, erklärt an dieser Stelle das Innenleben der Professoren. Er lehrt an der Indiana University
- Datum 30.07.2012 - 17:40 Uhr
- Quelle ZEIT Campus
- Kommentare 26
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herrschaftswissen word? vielleicht sogar power point?
da steht die professur aber auf dünnen füßen
Eventuell kennt Professor Fritz Breithaupt die Feinheiten von Word nicht!
Ist er eventuell Geisteswissenschaftler, der nur Texte verbreiten möchte?
Funktionale Word6 Dokumente mit Makros wird man wahrscheinlich heute nicht mehr mit den neuesten Wordversionen öffnen können, ohne eine Menge von Fehlermeldungen zu bekommen und festzustellen, dass viel Arbeit umsonst war. Irre ich mich?
Das gleiche gilt für das gesamte Officeprogramm.
Insbesondere die MINT-Professoren haben diesen Aspekt auch genutzt.
Wer hat schon Lust sich laufend mit so etwas zu beschäftigen?
Mich interessieren Antworten.
Er ist „Geisteswissenschaftler“!
es ist nicht sinvoll sich dauernd Up-zudaten, weil zeitraubend, anstrengend und oft nicht ergiebig. Ich versuche da auch lange Zyklen zu schaffen, soweit es eben geht. Schließlich ist ein Computer ja nur ein Hilfsmittel, wenn auch in vielerlei hinsichtlich ein sehr nützliches. Professoren sollen aber gut forschen und gut lehren. Das schließt nicht aus, dass man stets auf den neuesten technischen Stand ist, aber das ist keine Bedingung für einen guten Professor. Ob ein Wisssen gesichert und ein Argument plausibel ist hängt übrigens nicht davon ab, ob es im Buch oder im Internet verbreitet wird.
Es ist vielleicht ein extremes Beispiel, aber im 21. Jahrhundert muss ein Professor sich zumindest rudimentär mit IT beschäftigen. Egal welcher Fachrichtung. Also, was ist passiert?
Ein Freund von mir (Informatiker) hatte vor einiger Zeit an einer Universität ein neues IT-System in Betrieb genommen, und hatte dazu dann auch Schulungen durchgeführt. Mit dabei war auch ein Professor für Soziologie.
Im Verlauf der Schulung stellte sich heraus, daß jener Professor nicht wusste, was eine Webseite ist. Kein Scherz. Er wusste es wirklich nicht. Er fand es nicht für notwendig, sich auch nur im Ansatz mit den neuen Entwicklungen der IT zu beschäftigen. Er lies das alles seine Sekretärin und seine Studenten machen.
Man mag nun der Meinung sein, daß ein Professor das nicht wissen müsse, um ein guter Professor zu sein, weil ja für Wissen es unerheblich ist, ob es in einem Buch steht oder im Internet?
Ich würde sagen: Weit gefehlt. Gerade in diesem Beispiel: Wie kann ein Soziologieprofessor im 21. Jahrhundert wertvolle Forschungsbeiträge leisten, wenn er keine Ahnung von der gewaltigen Umwälzung der Kommunikationsstrukturen hat? Wie z.B. will er den arabischen Frühling adäquat einschätzen? Die Bewegung der Piratenparteien? Globalisierung? Sorry für die harten Worte, aber die Forschungsergebnisse dieses Professors können nichts anderes sein als elfenbeinturmmäßiges Glasperlenspiel.
Es ist vielleicht ein extremes Beispiel, aber im 21. Jahrhundert muss ein Professor sich zumindest rudimentär mit IT beschäftigen. Egal welcher Fachrichtung. Also, was ist passiert?
Ein Freund von mir (Informatiker) hatte vor einiger Zeit an einer Universität ein neues IT-System in Betrieb genommen, und hatte dazu dann auch Schulungen durchgeführt. Mit dabei war auch ein Professor für Soziologie.
Im Verlauf der Schulung stellte sich heraus, daß jener Professor nicht wusste, was eine Webseite ist. Kein Scherz. Er wusste es wirklich nicht. Er fand es nicht für notwendig, sich auch nur im Ansatz mit den neuen Entwicklungen der IT zu beschäftigen. Er lies das alles seine Sekretärin und seine Studenten machen.
Man mag nun der Meinung sein, daß ein Professor das nicht wissen müsse, um ein guter Professor zu sein, weil ja für Wissen es unerheblich ist, ob es in einem Buch steht oder im Internet?
Ich würde sagen: Weit gefehlt. Gerade in diesem Beispiel: Wie kann ein Soziologieprofessor im 21. Jahrhundert wertvolle Forschungsbeiträge leisten, wenn er keine Ahnung von der gewaltigen Umwälzung der Kommunikationsstrukturen hat? Wie z.B. will er den arabischen Frühling adäquat einschätzen? Die Bewegung der Piratenparteien? Globalisierung? Sorry für die harten Worte, aber die Forschungsergebnisse dieses Professors können nichts anderes sein als elfenbeinturmmäßiges Glasperlenspiel.
Amerikanische bildungsystem "investiert" (ist leider nicht das richtige wort).
Da freut sich die amerikanische uni mal wieder. Ueber jahre lang finanziert von Deutschland und der EU. Das komplette studium einschliesslich postdoc wurde laut seinem lebenslauf von entwerder Deutschen oder EU organisationen finanziert (wir sprechen hier von erheblichen geldern). Am ende bekommt das amerikanische system einen hervoragend ausgebildeten wissenschafter, zum nulltarif. Ich moechte den fullbright travel grant nicht unterschlegen, er ist jedoch was das finanzielle angeht marginal. Die ist nicht als angriff auf herrn Breihaupt gemeint. Die schwirigkeiten jedoch einen rechner zu bediehnen kann ich ehrlich nicht nachvollziehen. Selbst geisteswissenschaftler haben die verpflichtung auf dem aktuellen stand zu sein. Das gehoert nun mal zum job.
Hier die info.
http://www.indiana.edu/~g...
http://www.indiana.edu/~g...
Aus dem Artikel:
"Wir beobachten, wie unser Hoheitswissen schrumpft. Früher konnten wir jedes Rededuell gewinnen, [...] Die Technik zwingt uns, das zu tun, was wir am wenigsten mögen: Wir müssen uns auf Neues einlassen und dazulernen."
Ich zitiere mal aus der Wikipedia, Eintrag "Wissenschaft":
"Wissenschaft ist die Erweiterung des Wissens durch Forschung, dessen Weitergabe durch Lehre, [...] Forschung ist die methodische Suche nach neuen Erkenntnissen [...] Lehre ist die Weitergabe de[s] aktuellen Stand der Forschung sowie die Unterstützung bei deren Vertiefung."
Ein Professor, der es am wenigsten mag, sich auf Neues einzulassen und dazuzulernen? Wie verträgt sich das mit der "Erweiterung des Wissens" und "methodischer Suche nach neuen Erkenntnissen"?
Ein Professor, der sich mit "Hoheitswissen" brüstet, und dem es offensichtlich in erster Linie darum geht, Rededuelle zu gewinnen (also weniger um objektive Wahrheitsfindung, wozu zwingend gehört, ehrlich zuzugeben wenn man unrecht hat)? Wie verträgt sich dies mit der methodischen Suche nach neuen Erkenntnissen und der Weitergabe des aktuellen Standes der Forschung?
Professoren, auf die die Beschreibung in diesem Artikel zutrifft, haben ganz offensichtlich ihren Beruf verfehlt. Wären solche Professoren nicht verbeamtet (oder im Tenure Track), dann müsste man sie sofort wegen Leistungsverweigerung feuern.
Jeder Wissenschaftler ist bestrebt, sich neues Wissen anzueigenen! Nur die Frage ist was für ein Wissen?
Die neueste Softwaregeneration zu beherschen ist, m.E. ein für den Job notwendiges, aber unnützes Wissen, weil das Softwareunternehmen die Hohehiet des Wissens besitz!
Beispiel: Der Betriebsystemhersteller meint unter dem Tastenkürzel STRG+'c' / STRG + 'v' nicht mehr kopieren und einfügen zu veranlassen sondern eine Kalenderfunktion. Als Verbraucher kann ich sagen, das ist schrott, das will und kauf ich nicht, aber in einem Institut, oder Firma habe ich keine Wahl!
Und probleamtisch wird es dann, wenn die eigenen entwickelten Programme und Texte nicht mehr funktionieren!
D.h. die IT- Industrie kassiert m.E.
1. hier zu viel, weil wir diese Leute, warum auch immer bewundert werden
2. gefährdet den echten wissenschftlichen Fortschritt, weil kostbare Zeit für das erlernen der technologie und Sicherung des bestehenden Wissens benötigt wird.
Jeder Wissenschaftler ist bestrebt, sich neues Wissen anzueigenen! Nur die Frage ist was für ein Wissen?
Die neueste Softwaregeneration zu beherschen ist, m.E. ein für den Job notwendiges, aber unnützes Wissen, weil das Softwareunternehmen die Hohehiet des Wissens besitz!
Beispiel: Der Betriebsystemhersteller meint unter dem Tastenkürzel STRG+'c' / STRG + 'v' nicht mehr kopieren und einfügen zu veranlassen sondern eine Kalenderfunktion. Als Verbraucher kann ich sagen, das ist schrott, das will und kauf ich nicht, aber in einem Institut, oder Firma habe ich keine Wahl!
Und probleamtisch wird es dann, wenn die eigenen entwickelten Programme und Texte nicht mehr funktionieren!
D.h. die IT- Industrie kassiert m.E.
1. hier zu viel, weil wir diese Leute, warum auch immer bewundert werden
2. gefährdet den echten wissenschftlichen Fortschritt, weil kostbare Zeit für das erlernen der technologie und Sicherung des bestehenden Wissens benötigt wird.
Was man hier wieder an Kommentaren liest... Modeerscheinung Facebook und Twitter. Welchen Stellenwert das digitale Leben in meiner jungen Generation hat, können sich die meisten hier immer noch nicht vorstellen. Für uns sind unsere Rechner auf jeden Fall nicht nur Hilfsmittel. Das kann man traurig finden. Oder nicht.
Und wenn man keine Lust hat ständig zu updaten, dann bleibt man halt bei WinXP und kauft sich bei Bedarf einen gebrauchten Rechner... Dann landen die zumindest nicht in afrikanischen "Recycling"-Kippen. Am besten bleiben Sie beim Festnetzanschluss mit Wählscheibe, dieser ganze Smartphone-Euphorie ist eh bloß Schnickschnack.
"Was man hier wieder an Kommentaren liest... Modeerscheinung Facebook und Twitter. Welchen Stellenwert das digitale Leben in meiner jungen Generation hat, können sich die meisten hier immer noch nicht vorstellen."
Das gilt wahrscheinlich nicht nur für die "junge Generation". Aber gerade weil die Bedeutung von IT-Werkzeugen sehr groß sein kann, wächst auch der Wunsch, sich einzurichten und sich auf erworbene Techniken verlassen zu können.
Bei Facebook steht man dann z.B. nach wenigen Jahren mit einer Änderung der Nutzungsbedingungen vor der Wahl, das Portal entweder zu Bedingungen zu nutzen, unter denen man sich da nie angemeldet hätte, oder auf eine ganz andere Platform zu wechseln.
"Und wenn man keine Lust hat ständig zu updaten, dann bleibt man halt bei WinXP und kauft sich bei Bedarf einen gebrauchten Rechner"
Und wie lange geht das? Es braucht doch nur in 5 Jahren Ihr Mainboard kaputt zu gehen. Wahrscheinlich bekommen Sie dann schon keines mehr, das Treiber für XP mitbringt. Und gebraucht das richtige Ersatzteil zu finden, ist oft auch problamtisch, weil man i.d.R. den Ersatz sofort braucht und keine Zeit hat, erst den Ausgang einer Ebay-Auktion und den folgenden Versandt abzuwarten.
Das ist genau das Problem, das ich schon ansprach:
Natürlich gibt es immer mal wirklich nützliche Neuerungen. Ein Großteil des Aufwands entsteht aber dadurch, dass man für die GENAU GLEICHEN Tätigkeiten regelmäßig neuen Kram braucht, weil der Alte nicht mehr unterstützt wird.
"Was man hier wieder an Kommentaren liest... Modeerscheinung Facebook und Twitter. Welchen Stellenwert das digitale Leben in meiner jungen Generation hat, können sich die meisten hier immer noch nicht vorstellen."
Das gilt wahrscheinlich nicht nur für die "junge Generation". Aber gerade weil die Bedeutung von IT-Werkzeugen sehr groß sein kann, wächst auch der Wunsch, sich einzurichten und sich auf erworbene Techniken verlassen zu können.
Bei Facebook steht man dann z.B. nach wenigen Jahren mit einer Änderung der Nutzungsbedingungen vor der Wahl, das Portal entweder zu Bedingungen zu nutzen, unter denen man sich da nie angemeldet hätte, oder auf eine ganz andere Platform zu wechseln.
"Und wenn man keine Lust hat ständig zu updaten, dann bleibt man halt bei WinXP und kauft sich bei Bedarf einen gebrauchten Rechner"
Und wie lange geht das? Es braucht doch nur in 5 Jahren Ihr Mainboard kaputt zu gehen. Wahrscheinlich bekommen Sie dann schon keines mehr, das Treiber für XP mitbringt. Und gebraucht das richtige Ersatzteil zu finden, ist oft auch problamtisch, weil man i.d.R. den Ersatz sofort braucht und keine Zeit hat, erst den Ausgang einer Ebay-Auktion und den folgenden Versandt abzuwarten.
Das ist genau das Problem, das ich schon ansprach:
Natürlich gibt es immer mal wirklich nützliche Neuerungen. Ein Großteil des Aufwands entsteht aber dadurch, dass man für die GENAU GLEICHEN Tätigkeiten regelmäßig neuen Kram braucht, weil der Alte nicht mehr unterstützt wird.
Es ist vielleicht ein extremes Beispiel, aber im 21. Jahrhundert muss ein Professor sich zumindest rudimentär mit IT beschäftigen. Egal welcher Fachrichtung. Also, was ist passiert?
Ein Freund von mir (Informatiker) hatte vor einiger Zeit an einer Universität ein neues IT-System in Betrieb genommen, und hatte dazu dann auch Schulungen durchgeführt. Mit dabei war auch ein Professor für Soziologie.
Im Verlauf der Schulung stellte sich heraus, daß jener Professor nicht wusste, was eine Webseite ist. Kein Scherz. Er wusste es wirklich nicht. Er fand es nicht für notwendig, sich auch nur im Ansatz mit den neuen Entwicklungen der IT zu beschäftigen. Er lies das alles seine Sekretärin und seine Studenten machen.
Man mag nun der Meinung sein, daß ein Professor das nicht wissen müsse, um ein guter Professor zu sein, weil ja für Wissen es unerheblich ist, ob es in einem Buch steht oder im Internet?
Ich würde sagen: Weit gefehlt. Gerade in diesem Beispiel: Wie kann ein Soziologieprofessor im 21. Jahrhundert wertvolle Forschungsbeiträge leisten, wenn er keine Ahnung von der gewaltigen Umwälzung der Kommunikationsstrukturen hat? Wie z.B. will er den arabischen Frühling adäquat einschätzen? Die Bewegung der Piratenparteien? Globalisierung? Sorry für die harten Worte, aber die Forschungsergebnisse dieses Professors können nichts anderes sein als elfenbeinturmmäßiges Glasperlenspiel.
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