SpitzbergenVor dem Hörsaal lauern die Eisbären

Auf Spitzbergen bekommen Studenten regelmäßig Schulungen im Umgang mit Waffen – um sich gegen Eisbären zu verteidigen. Durch die Tiere kamen schon einige Menschen ums Leben von Jana Gioia Baurmann

Wenn er will, bekommt Simon Kamprath von seiner Uni eine Waffe und eine Signalpistole geliehen. Der 24-Jährige studiert eigentlich Meteorologie in Hamburg, gerade macht er ein Auslandssemester an der UNIS in Longyearbyen, der Universität Spitzbergen. Longyearbyen ist ein kleiner Ort, in dem die Häuser bunt sind und spitze Dächer haben. Eine Dorfidylle, an deren Grenze die Gefahr lauert: Auf der weitläufigen Insel Spitzbergen wohnen insgesamt etwa 2.500 Menschen – und mindestens 3.000 Eisbären.

Unbewaffnet sollte man Longyearbyen daher nicht verlassen, Warnschilder mit einem weißen Bären erinnern daran. Denn Eisbären können, anders als Knut und Flocke vermuten lassen, aggressiv werden und Menschen angreifen. Wie alle Studenten an der UNIS hat deshalb auch Simon Kamprath gelernt, eine Waffe zu benutzen. Schon zweimal hat er den Safety-Kurs besucht. Der ist Pflicht für alle, auch für die ausländischen Studenten, die hier die Hälfte der Kommilitonen ausmachen. Vier bis sechs Tage dauert die Schulung, vier Stunden davon wird Schießen geübt. Dazu werden die Studenten mit einem Bus über die Insel gefahren, die fast so groß ist wie Belgien. Am Ende der Fahrt quält der Bus sich die verschneiten Serpentinen hinauf bis zum Ziel: einem Schießstand.

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Dort wartet schon Fred Skancke Hansen, ein freundlich aussehender Mann mit dünnem Haar. Früher war er beim Militär, heute bringt er Studenten bei, mit Großkaliberwaffen zu schießen. Nach dem ersten Mal hatte Simon Kamprath blaue Flecken an der Schulter. 20 Schüsse hatte er abgefeuert, die Waffe saß zu locker, der Rückstoß war hart. Er traf kein einziges Mal. Inzwischen klappt es besser. Die UNIS besitzt 20 Waffen. Um sie auszuleihen, kann man sich montags, mittwochs und freitags in eine Liste eintragen. »Mit dem Kurs fühle ich mich sicherer«, sagt Simon Kamprath. Ein mulmiges Gefühl bleibt trotzdem. Denn es kamen auch schon Einheimische durch Eisbären ums Leben, die besser vorbereitet waren als er.

ZEIT Campus 4/2012
ZEIT Campus 4/2012

Simon Kamprath ist bislang keinem Eisbären begegnet. Aber sollte er einmal angegriffen werden, weiß er, wie er reagieren muss: nicht direkt schießen. Erst die Signalpistole abfeuern. Und wenn das nicht hilft: mit der Waffe auf die Brust des Bären zielen. Dort, wo Lunge und Herz sitzen. 

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Leserkommentare
  1. "Trägt dort eigentlich jeder (Einheimische) eine Großkaliberwaffe?"

    Vermutlich nur diejenigen, welche nicht gefressen werden wollen?

    Und "Ausweichen" in Eis und Schnee dürfte wegen der taktischen Vorteile der Bären nur selten gelingen, wobei; wer sollte nach Ihrer Meinung als Zweiter eine Waffen ziehen (Unsinn, da es um Langwaffen geht)? Der Bär?

    MfG KM

    Antwort auf "Interessant"
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    Eigentlich sollte ich bei ihrer Antwort nur "lol" schreiben, aber ich versuchs einfach mal...
    Ausweichen, in dem Sinne, gar nicht erst in die Problemstellung zu kommen, gegen einen Bären kämpfen zu müssen.
    Das selbe meinte ich auch mit dem "als erstes eine Waffe ziehen", um ihren Waffentrieb zu erfüllen, als erstes eine Großkaliberwaffe anlegen.

    Meine Kritik an dem Artikel war lediglich, dass eigentlich nur die Waffennutzung, die einen geringen Teil der Schulung ausmacht, beschrieben wird, jedoch von den sonstigen Sachen nichts!

    Dass sie eine recht liberale Auffassung des Waffenrechts haben, ist mir aus ihren anderen (oft guten) Kommentaren bekannt.

    • tobmat
    • 24. Juni 2012 12:32 Uhr

    "Es gibt das Great Ape Project, das anstrebt, erst einmal für Menschenaffen Grundrechte zu etablieren."

    Und wie wollen die Menschenaffen diese Rechte einfordern oder sich selbst an diese Rechte halten?

    Das sind immer nur Gesetze von Menschen für Menschen. Wir haben bereits ein breites Spektrum an Schutzrechten. Wenn wir die anwenden ist schon viel geholfen.
    Länder die das nicht haben, werden sich auch an diese Grundrechte nicht halten. Siehe Walfang.

  2. Eigentlich sollte ich bei ihrer Antwort nur "lol" schreiben, aber ich versuchs einfach mal...
    Ausweichen, in dem Sinne, gar nicht erst in die Problemstellung zu kommen, gegen einen Bären kämpfen zu müssen.
    Das selbe meinte ich auch mit dem "als erstes eine Waffe ziehen", um ihren Waffentrieb zu erfüllen, als erstes eine Großkaliberwaffe anlegen.

    Meine Kritik an dem Artikel war lediglich, dass eigentlich nur die Waffennutzung, die einen geringen Teil der Schulung ausmacht, beschrieben wird, jedoch von den sonstigen Sachen nichts!

    Dass sie eine recht liberale Auffassung des Waffenrechts haben, ist mir aus ihren anderen (oft guten) Kommentaren bekannt.

    • otto_B
    • 24. Juni 2012 20:10 Uhr

    "Unglaublich mit was für Methoden ....."

    Ich würd mal nicht gleich so lospoltern.

    Norwegen ist ein gut organisierter Staat. Vonseiten der Verantwortlichen wird man schon abgewogen haben, was ein tragbares Risiko ist, und was nicht.
    Die haben dort doch ihre praktischen Erfahrungen....

    Wer sich das mit dem Schießprügel nicht zutraut, der muß ja nicht hinfahren....

    Was im Artikel ungesagt blieb:
    Wenn tatsächlich geschossen wurde, ist der Vorgang umfassend zu protokollieren. Der Eisbär ist auch in Norwegen geschützt.
    Der Staat dort bringt beides, Sicherheit für Bürger und Gäste, wie auch Artenschutz offensichtlich mit Erfolg unter einen Hut.

    Antwort auf "Lustige Tipps"
    • otto_B
    • 24. Juni 2012 20:33 Uhr

    ".... anders als Knut und Flocke vermuten lassen....."

    Muß das sein, daran zu erinnern?
    Wo, im entferntesten, hat so ein unseliges Medien- und Werbespektakel aus unserer -naturfernen- Großstadtwelt auch nur irgendwas mit der Realität zu tun?

  3. 14. Bären

    Schweden: 1 Toter durch Braunbären in den letzten 100 Jahren... (ohne Gewähr)
    Werfen Sie einmal einen Blick in die Unfallstatistik Straßenverkeh ;) und generell, Angst haben is auch ned gesund

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    • tobmat
    • 25. Juni 2012 12:55 Uhr

    In Rumänien kommen jedes Jahr etwa 2-3 Menschen durch Bärenangriffe ums Leben. Die Zahl der Verletzten ist entsprechend höher.
    Dabei ist zu beachten das es sich hierbei fast ausschließlich um Bären handelt die sich an den Menschen gewöhnt haben oder von Bären abstammen die per Hand aufgezogen wurden.
    Bei solchen Bären bleibt praktisch nur der Abschuss, da sie das Verhalten nicht mehr ablegen und auch an ihren NAchwuchs weitergeben.

    Am Ende sollte immer beachtet werden: "Der Bär ist keine blutrünstige Bestie, aber auch kein friedliches Lämmchen."

    Hier mal ein schöner Artikel dazu:
    "http://www.siebenbuerger.de/zeitung/artikel/kultur/9157-weder-bestie-noc...

  4. wo der Jogger auf dem Bild seine Großkaliberwaffe versteckt (plus Signalpistole)?

  5. 16. youhou

    Da muss ich unbedingt Auslandsemester machen !!!

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  • Schlagworte Norwegen | Auslandsstudium | Hochschule
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