BDSMKaffeeklatsch und Peitsche

An der Universität Hamburg werden Sadomaso-Neulinge vom Asta beraten. von Nora Jakob und

Wenn Luna sich jeden Mittwoch mit Freunden auf einen Tee auf dem Campus trifft, spricht sie nicht über Klausurstress oder Alltagskrisen in der WG, sondern über Sex und Schmerz, Unterwerfung und Dominanz. Luna, 22, studiert Volkswirtschaftslehre – und ist Sadomasochistin. Sie leitet das SM-Café an der Universität Hamburg. In einem Raum gegenüber dem Audimax sitzt sie an einem Couchtisch, auf dem sich Mensatabletts stapeln, Astra und Club Mate gibt es gegen Vertrauenskasse, selbst das obligatorische Che-Guevara-Poster hängt an der Wand – hier allerdings zeigt es den Revolutionär als Dragqueen, mit Lidschatten und Lippenstift. »Eine revolutionäre Sexualität ist nötig«, steht darunter.

Bis zu zwölf Gäste empfängt Luna jede Woche. »Unerfahrene und Neugierige sind ausdrücklich willkommen«, sagt sie. »Wenn jemand überfordert ist, helfen wir gerne weiter.« Wie viele Sadomasochisten es gibt, weiß niemand so genau. Schätzungen gehen von fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung aus. Markus Kempen vom Verein BDSM Berlin vergleicht ihre Situation mit der von Schwulen und Lesben – vereinzelt komme es noch zu Diskriminierung und Kündigungen.

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ZEIT Campus 5/2012
ZEIT Campus 5/2012

In Hamburg wird das SM-Café vom Queer-Referat angeboten, einem von zehn Gremien des Allgemeinen Studierendenausschusses. Es ist aus dem Schwulenreferat hervorgegangen und beschreibt sich etwas umständlich als Angebot für alle Studenten, »die sich nicht innerhalb heteronormativer Strukturen bewegen wollen bzw. können«. Für sie betreibt das Queer-Referat eine Fachbibliothek, unterstützt eine Ringvorlesung zur Gendertheorie und bietet Rat und Hilfe an – seit vier Jahren auch im SM-Café. »Queer ist alles, was nicht heteronormativ ist«, erklärt Luna. »Und heteronormativ ist Blümchensex zwischen einem Mann und einer Frau, die am besten noch zwei Kinder und einen Golden Retriever haben.« Ob die Gäste ihres Cafés homo- oder heterosexuell sind, spiele keine Rolle, sagt Luna: »Im SM werden solche Grenzen aufgehoben.«

Ihren bürgerlichen Namen will Luna nicht verraten, sie befürchtet Scherereien mit ihrer Krankenkasse. Dort sei »noch nicht ganz raus«, dass Sadomasochismus keine sexuelle Störung sei. Vielleicht sollten die Sachbearbeiter mittwochnachmittags mal bei ihr im Café vorbeischauen.

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Leserkommentare
  1. 1. WoW...

    bin ich froh, dass es den ASTA gibt. Endlich hat eine weitere Kernaufgabe neben dem Schwulen- und Lesbenreferat und der Fahrtenfinanzierung zu Anti-Atomkraftdemos gefunden, die die Gebührenerhebung bei den Studenten gerechtfertigt.

  2. 2. .....

    " [...] heteronormativ ist Blümchensex zwischen einem Mann und einer Frau, die am besten noch zwei Kinder und einen Golden Retriever haben."

    Warum so abwertend? Warum lässt man nicht jedem Menschen seinen Lebensentwurf, mit dem er glücklich ist?

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    • GDH
    • 23. August 2012 17:57 Uhr

    Ich hab' den Kommentar nicht als abwertend verstanden sondern als augenzwinkernde Überzeichnung. Spätestens der Teil mit dem Hund sollte doch deutlich machen, dass hier mit einem Klischee gespielt wird, quasi als Gegenpol zu dem etwas sperrigen Wort "heteronormativ".

    Ja, ich habe das ebenso als unnötige Abwerung verstanden (fast hätte ich Ihren Kommentar wiederholt, aber da stand es ja schon), gerade als ich die Idee und die Dame sympathisch fand.

    Schade, daß man meint, sich so abgrenzen zu müssen. Wie kann man Toleranz erwarten, wenn man automatisch "die anderen" (in diesem Falle: Menschen ohne SM-Neigung aber theoretischer Toleranz demgegenber) so despektierlich beschreibt. Ich möchte nämlich als non-SMer nicht automatisch in die Spießer-Kategorie gepresst werden.

    So ist der Sache nicht gedient, sehr schade...

    " [...] heteronormativ ist Blümchensex zwischen einem Mann und einer Frau, die am besten noch zwei Kinder und einen Golden Retriever haben."

    Weil man sich doch versichern muß, wie cool und ganz doll progressiv man ist. Deswegen gibt man sich auch so mega-geheimnisvolle Künstlernamen wie "Luna". Und Kinder sind ja sowieso doof.

    [/Ironie]

    Retrodiskriminierung. Arm.

  3. Das unnötigste Organ an einer Hochschule überhaupt und politisch dermaßen ideologisch verseucht, dass man sich fast schon davor fürchten muss.

    Und dann immer dieses Binnen-I in allen Artikeln -.-

    Das Beispiel hier aus Hamburg zeigt mal wieder, wie weltfremd sich die Asta-MitgliederInnen (mal ehrlich, das sieht doch dumm aus) fühlen und Gebühren der Studenten verschwenden. Typisch links halt

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    ...meinen Sie gleich?

    Wenn ich mir so die Angebote des Astas bei uns anschaue - über Hilfe für Behinderte und Schwule, Lerngruppen, Ausflugsfahrten, Sportturniere - und mir dann anschaue, was so der politische Gegenpol, die Burschenschaften, anbietet - nämlich Fechten, Glitzerrüstungen mit Plastikorden und Ausschlussverfahren für Schwarze oder sonstige augenscheinliche Ausländer sowie Frauen - bin ich doch ganz froh, Linker statt Rechter zu sein. Ist halt auch eine Frage des Intellekts.

    Schoen, dass Sie gerade ein Beispiel ausgewaehlt haben, in dem Gendern gar nicht noetig gewesen waere - oder haben Sie schon einmal von einer Mitgliederin gehoert?
    Das Binnen-I sieht also Ihrer Meinung nach "dumm" aus. Dass es Ihnen auffaellt, ist einer der Gruende, warum ich es verwende. Ueber die Ungleichbehandlung der Geschlechter sollten auch Sie nicht hinweglesen. Im wahrsten Sinne des Wortes.

  4. ...meinen Sie gleich?

    Antwort auf "Asta abschaffen"
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    • jodre
    • 23. August 2012 17:34 Uhr

    AStA € 9,16

    http://www.asta-uhh.de/fi...

    Die rund 750.000 € die von den Studenten eingezogen werden, um den ganzen Schwachsinn zu finanzieren.

    Zum Beispiel die Vorlesung "Jenseits der Geschlechtergrenzen" für lächerliche 3000 €. Klar, an einer Uni gibt's ja auch keine anderen Probleme, wie Bücherknappheit, schlechtes Essen oder zu wenig Fahrradstellplätzen. Da ist doch ein ideologisches Projekt, welches nix mit der Hochschule zu tun hat genau das richtige! (Hinweis: Es könnte Ironie vorhanden sein)

  5. Außer, dass das Ganze verdammt nach dem "letzten Menschen" riecht, der wirklich nichts mehr hat als sich selbst. Ganz abgesehen vom Barbarismus, seine Existenz über seine Sexualität zu definieren. In einem Interview hat sich der verstorbene Gore Vidal - selbser bi- bzw. homosexuell - recht deutlich über die Zurschaustellung der eigenen Schlafzimmergewohnheiten zu Wort gemeldet.

    Seiner Meinung nach gibt es Homo- oder Heterosexualität in dem Sinne nicht. Sexualität sei kein Zustand, vielmehr gebe es sexuelle Handlungen.

    Es zeigt auch, wie destruktiv die These war, wonach das Private politisch sei, während essenzielle Fragen ins Private abgedrängt werden. Wenn Freiheit nur noch in Fragen von "alternativen Lebensentwürfen", wer wie poppt und Freizeitdrogen diskutiert wird, könnten wie sie eigentlich auch abschaffen.

    "Heteronormative Strukturen", auch das ein herrlicher Kunstgriff, den "alternativen Lebensentwurf" [Ironie aus] der Mehrheit zu problematisieren bzw. zu diskreditieren.

    Während unser jetziger Gesellschaftsentwurf sowohl gesellschaftlich, ökonomisch als auch spirituell immer fragwürdiger wird, gender-mainstreamen sich die Astas (HH ist nicht der einzige) zu Tode. Das nenne ich mal eine gelungene Elitenförderung.

    • yeksaa
    • 23. August 2012 17:32 Uhr

    dass man mit so etwas schon hausieren geht - der Gesellschaft scheint nichts mehr "heilig" - alles muss ausgetreten werden.....

    • jodre
    • 23. August 2012 17:34 Uhr

    AStA € 9,16

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    Gute neun Euro für die studentische Vertretung. Da fällt ja pro Semester mindestens einmal Kino aus.

    • essilu
    • 23. August 2012 17:35 Uhr
    8. [...]

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare. Danke, die Redaktion/au.

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  • Schlagworte Sexualität | Gewalt | Student
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