Griechische StudentenWie geht es euch heute?

Fast 150.000 Griechen demonstrierten im Sommer 2011 auf den Straßen von Athen. Drei von ihnen haben wir damals begleitet – und sie jetzt gefragt, was sich verändert hat. von 

Demonstranten vor dem griechischen Parlament während des Generalstreiks Ende September in Athen

Demonstranten vor dem griechischen Parlament während des Generalstreiks Ende September in Athen  |  © Louisa Gouliamaki/AFP/GettyImages

»Meine Uni hat ihr Kapital in griechischen Staatsanleihen angelegt«

Fedonas Brotzakis, 24, hat mehrere Monate im Protestcamp am Syntagma-Platz gewohnt und für seine Zukunft in Griechenland gekämpft. Jetzt will er Athen verlassen, sagt er

Anfang des Jahres hat in Athen ein 60-jähriger Mann Selbstmord begangen. Er hat einen Brief hinterlassen, der in den Zeitungen abgedruckt wurde: Er könne es nicht mehr ertragen, arbeitslos zu sein und seiner Tochter zur Last zu fallen, schrieb er. Viele, die ihn nicht kannten, kamen zu dem Ort, an dem er sich umgebracht hatte, und zündeten Kerzen an. Das war ein Akt der Solidarität, den es zu Beginn der Krise nicht gegeben hätte. Als die Probleme sich vor ein paar Jahren verschärften, war sich jeder selbst der Nächste. Inzwischen rücken die Menschen zusammen – obwohl die Lage katastrophal ist. Die Uni musste in griechische Staatsanleihen investieren, 70 Prozent des Geldes sind weg. Im Labor an der Uni, wo ich Chemie studiere, wurde der Etat auf null gefahren.

Ich bin immer noch in derselben Studentengruppe aktiv wie vor einem Jahr. Damals haben wir eine der größten Demonstrationen seit dem Ende der Militärjunta mit auf die Beine gestellt. Jetzt kümmern wir uns um Menschen, die sonst keine Hilfe bekommen würden: Verarmte, Obdachlose, Alte. Wir versuchen mit denjenigen, denen es noch nicht ganz schlecht geht, Solidaritätszentren zu schaffen, wo es medizinische Versorgung und Nahrung geben soll.

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Sobald ich meine Abschlussarbeit fertig habe, gehe ich aber erst einmal für meine Promotion nach Amsterdam. Wenn ich den Doktor habe, will ich zurück nach Griechenland – ich werde hier wirklich gebraucht.

Leserkommentare
  1. Eine Leserempfehlung
  2. "Vor rund einem Jahr unterbrach Theodora Vardouli, 27, ihr Studium am MIT in Boston, um in Athen mitzudemonstrieren. Inzwischen lebt sie wieder in den USA, besucht aber noch oft ihre Familie in Griechenland..."

    So schlecht dürfte es wohl den Griechen doch nicht gehen, wenn sie mal zum Demonstrieren hin und herfliegen können! Plus Studiengebühren, die es in den USA gibt! Und die MIT ist teuer!

    RETTEN WIR GRIECHENLAND!

    3 Leserempfehlungen
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    Wissen Sie bescheid, wie sich die Studentin finanziert? Haben Sie da besondere Informationen erhalten? Immerhin gibt es an den renommierten Universitäten auch Stipendienprogramme. Wissen Sie, ob die Studentin in den USA nebenher arbeitet?

    Und selbst wenn eine Familie es sich leisten kann, ihre Tochter zum Studieren in die USA zu schicken, was sagt das darüber aus, 'wie schlecht es den Griechen gehen dürfte'? Können Sie erläutern, warum Sie glauben, eine Einzelsituation derart verallgemeinern zu können, obwohl die Presse mittlerweile die prekäre Lage der überwiegenden Mehrheit der Griechen ziemlich treffend darstellt?

    Fragen über Fragen, auf die ich keine Antwort habe. Aber ich gebe zu, dass ich keine Antwort habe...

    Take a minute to think about it!

  3. Wissen Sie bescheid, wie sich die Studentin finanziert? Haben Sie da besondere Informationen erhalten? Immerhin gibt es an den renommierten Universitäten auch Stipendienprogramme. Wissen Sie, ob die Studentin in den USA nebenher arbeitet?

    Und selbst wenn eine Familie es sich leisten kann, ihre Tochter zum Studieren in die USA zu schicken, was sagt das darüber aus, 'wie schlecht es den Griechen gehen dürfte'? Können Sie erläutern, warum Sie glauben, eine Einzelsituation derart verallgemeinern zu können, obwohl die Presse mittlerweile die prekäre Lage der überwiegenden Mehrheit der Griechen ziemlich treffend darstellt?

    Fragen über Fragen, auf die ich keine Antwort habe. Aber ich gebe zu, dass ich keine Antwort habe...

    Take a minute to think about it!

    7 Leserempfehlungen
    • Euwie
    • 09. Oktober 2012 12:35 Uhr

    Kann ich mir gut vorstellen. Staatsanleihen galten als besonders sicher (hahaha..). Und die Unis wurden wohl dazu verdonnert, ihr Geld nicht in "windige" Aktiengeschäfte anzulegen (jetzt mal kein hahaha!) sondern halt in besonders Sichere, also Staatsanleihen.

    So viel ich weiß gilt das auch für deutsche Lebensversicherer. Auch die sind gesetzlich gezwungen worden, einen Teil in "sichere" Anleihen zu investieren...

    Aber wie schon gesagt, die Alternativen (Aktien, Fonds, undsoweiter) wären auch jetzt nicht sooo viel besser gewesen.

    Eine Leserempfehlung
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    Bargeld? Das klassische Sparkonto?

    Also, wenn eine Institution (z.B. Universität) Geld übrig hat, dann muss sie damit wohl kaum spekulieren. Erste Maxime ist sicher, das Geld sicher aufzuheben. Unter dem Aspekt wäre das klassische Bankkonto (oder am Besten gestreut 5-10 Bankkonten) der sicherere Platz als Aktien, Fonds oder (Ramsch-)Anleihen.

    Wenn die Aussage im Artikel stimmt "...meine Uni musste in griechische Staatsanleihen investieren" (was ich nicht bezweifle), dann ist das mit ein Indiz für die Verfilzung in Griechenland, bei der Amtsträger wissentlich Entscheidungen gegen die Interessen ihres Amtes treffen.

    Ja, das ist so.
    Auch die griechische Rentenkasse musste in Staatsanleihen investieren und hat durch den Haircut entsprechend Geld verloren.

  4. Bargeld? Das klassische Sparkonto?

    Also, wenn eine Institution (z.B. Universität) Geld übrig hat, dann muss sie damit wohl kaum spekulieren. Erste Maxime ist sicher, das Geld sicher aufzuheben. Unter dem Aspekt wäre das klassische Bankkonto (oder am Besten gestreut 5-10 Bankkonten) der sicherere Platz als Aktien, Fonds oder (Ramsch-)Anleihen.

    Wenn die Aussage im Artikel stimmt "...meine Uni musste in griechische Staatsanleihen investieren" (was ich nicht bezweifle), dann ist das mit ein Indiz für die Verfilzung in Griechenland, bei der Amtsträger wissentlich Entscheidungen gegen die Interessen ihres Amtes treffen.

  5. Ja, das ist so.
    Auch die griechische Rentenkasse musste in Staatsanleihen investieren und hat durch den Haircut entsprechend Geld verloren.

  6. Vielleicht wurden nicht die entsprechenden Fragen gestellt, aber was auffällt - keiner der drei äussert sich über Ursachen der Krise, keiner macht sich Gedanken über Lösungen, darüber wie ein Griechenland der Zukunft aussehen könnte, wie es funktionieren könnte, was sich alles ändern müsste bzw. muss.

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    .
    ... "wie geht es Euch heute?" ... und nicht "was würdet ihr als die künftige Elite Eures Landes gerne tun um die Lage der Griechen in Griechenland zu verbessern?" oder so ähnlich.

  7. .
    ... "wie geht es Euch heute?" ... und nicht "was würdet ihr als die künftige Elite Eures Landes gerne tun um die Lage der Griechen in Griechenland zu verbessern?" oder so ähnlich.

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  • Schlagworte Student | Griechenland | Euro-Krise
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