Demonstranten vor dem griechischen Parlament während des Generalstreiks Ende September in Athen © Louisa Gouliamaki/AFP/GettyImages

»Meine Uni hat ihr Kapital in griechischen Staatsanleihen angelegt«

Fedonas Brotzakis, 24, hat mehrere Monate im Protestcamp am Syntagma-Platz gewohnt und für seine Zukunft in Griechenland gekämpft. Jetzt will er Athen verlassen, sagt er

Anfang des Jahres hat in Athen ein 60-jähriger Mann Selbstmord begangen. Er hat einen Brief hinterlassen, der in den Zeitungen abgedruckt wurde: Er könne es nicht mehr ertragen, arbeitslos zu sein und seiner Tochter zur Last zu fallen, schrieb er. Viele, die ihn nicht kannten, kamen zu dem Ort, an dem er sich umgebracht hatte, und zündeten Kerzen an. Das war ein Akt der Solidarität, den es zu Beginn der Krise nicht gegeben hätte. Als die Probleme sich vor ein paar Jahren verschärften, war sich jeder selbst der Nächste. Inzwischen rücken die Menschen zusammen – obwohl die Lage katastrophal ist. Die Uni musste in griechische Staatsanleihen investieren, 70 Prozent des Geldes sind weg. Im Labor an der Uni, wo ich Chemie studiere, wurde der Etat auf null gefahren.

Ich bin immer noch in derselben Studentengruppe aktiv wie vor einem Jahr. Damals haben wir eine der größten Demonstrationen seit dem Ende der Militärjunta mit auf die Beine gestellt. Jetzt kümmern wir uns um Menschen, die sonst keine Hilfe bekommen würden: Verarmte, Obdachlose, Alte. Wir versuchen mit denjenigen, denen es noch nicht ganz schlecht geht, Solidaritätszentren zu schaffen, wo es medizinische Versorgung und Nahrung geben soll.

Sobald ich meine Abschlussarbeit fertig habe, gehe ich aber erst einmal für meine Promotion nach Amsterdam. Wenn ich den Doktor habe, will ich zurück nach Griechenland – ich werde hier wirklich gebraucht.