ZEIT CAMPUS: Waren Sie in der ARD immer noch so entspannt und albern?

Bauerfeind: Ich versuche, mir das zu bewahren. Aber natürlich hatte ich Lampenfieber. Irgendwann kam von 3sat das Angebot, während der Berlinale täglich 20 Minuten live zu moderieren und über die neuesten Filme und Stargäste zu berichten. Ich dachte: "Aha, die Berlinale, da ist doch manchmal auch George Clooney zu Besuch! Klar, das mache ich." Ich war so naiv! Als ich meinem Produzenten bei Ehrensenf davon erzählt habe, schaute der mich mit ernster Miene an und fragte, ob das nicht noch eine Nummer zu groß für mich sei. Erst da bekam ich eine Ahnung, was mich erwartete. 

ZEIT CAMPUS: Und, was hat Sie erwartet?

Bauerfeind: Am dritten Tag stand plötzlich Clint Eastwood vor mir. Ich dachte, ich breche zusammen. Die Kollegen hatten ein Interview mit ihm auf dem roten Teppich arrangiert.

ZEIT CAMPUS: Und dann?

Bauerfeind: Ist er plötzlich aus dem Auto gestiegen, auf mich zugelaufen, umringt von Fotografen, und hat mich aus seinen unfassbar blauen Augen angeguckt. Vorher hatte man mir gesagt, dass ich ungefähr eine Minute für dieses Interview habe. Der rote Teppich hat seine eigenen Gesetze. Und ich habe mit der unkreativsten Frage überhaupt angefangen: "Wie gefällt Ihnen Berlin?" Gut natürlich. Wir haben noch kurz über seine Filme geredet, dann war es vorbei. Ich war danach völlig erschöpft. Sieben Tage ging das noch so weiter, von morgens bis abends: Interviewpartner finden, Interview führen, nächsten Interviewpartner finden. Drei Tage später musste ich hier in Sankt Augustin meine Diplomarbeit verteidigen.

ZEIT CAMPUS: Haben Sie schon mal richtig versagt?

Bauerfeind: Ein Jahr später sollte ich die Eröffnungsgala der Berlinale moderieren. Es kamen um die 1700 Gäste. In den Wochen davor fühlte ich mich, als stünde ich auf einem Seil und könnte jeden Moment abstürzen. Und dann erst diese riesige Bühne! 20 Meter nach links, 20 Meter nach rechts, das alles sollte ich füllen. "Das geht schon, zeig mehr Präsenz", sagte mein Trainer. Aber ich war einfach zu unerfahren für diesen Job. Der Tagesspiegel schrieb am nächsten Tag: "Fehlerfrei, aber uninspiriert."

ZEIT CAMPUS: Zweifeln Sie in solchen Momenten, ob Sie das Richtige tun?

Bauerfeind: Ich habe ständig an mir gezweifelt, vor allem am Anfang. Als ich bei Ehrensenf aufgehört habe, wusste ich einige Wochen nicht, wie es weitergeht. Selbst jetzt denke ich manchmal: "Was, wenn mich niemand mehr mag? Wenn die Stimmung umschlägt und es heißt: Die Bauerfeind nervt, die wollen wir nicht mehr sehen?" Als Moderatorin zu arbeiten ist immer ein bisschen unsicher. Manchmal denke ich, ich wäre besser Eisverkäuferin geworden. Dann wäre das Leben einfach, es gäbe nur Schoko-, Vanille- und Erdbeereis. Aber das geht natürlich vorbei, und im Moment bin ich sehr glücklich mit dem, was ich mache.

ZEIT CAMPUS: Was sind das für Momente, in denen Sie Ihr Job glücklich macht?

Bauerfeind: Zum Beispiel, wenn sich ein Gesprächspartner öffnet und wirklich etwas von sich preisgibt. Momente, in denen alles passt und man ganz beflügelt aus dem Gespräch geht. Das gelingt natürlich nicht immer. Aber Nora Tschirner hat mal zu mir gesagt: "Die einzige wichtige Frage ist, ob du deine Miete bezahlen kannst. Den Rest der Zeit machst du einfach das, worauf du Bock hast, dann wird das Gute schon kommen."