Moderatorin Katrin Bauerfeind"Ich war so naiv!"

Als Studentin wurde Katrin Bauerfeind zur Starmoderatorin. In ihrer alten Mensa spricht sie über Ehrgeiz, Zweifel und den Traum vom Leben als Eisverkäuferin. von 

Diese Mensa könnte eine Raststätte sein: Dort, wo die A3 auf die A560 trifft, in Sankt Augustin bei Bonn, liegt die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Neben dem Autobahnkreuz gibt es hier noch ein Einkaufszentrum, einen Parkplatz und die Zentrale der Konrad-Adenauer-Stiftung; es sieht aus, als wäre alles aus demselben Beton gegossen. »Willkommen im Nirgendwo!«, sagt Katrin Bauerfeind, 28, zur Begrüßung. Vier Jahre hat sie hier studiert, parallel moderierte sie die Internetsendung »Ehrensenf«. Fünfmal pro Woche präsentierte sie viereinhalb Minuten lang Fundstücke aus dem Netz – und bekam mehrere Preise dafür. Heute moderiert Katrin Bauerfeind im seriösen Kulturfunk: 3sat, ZDF, öffentlich-rechtliche Radiosender. Zum Mittag wählt sie Gulasch mit Erbsen, »wie früher«.

ZEIT CAMPUS: Frau Bauerfeind, Sie haben hier in Sankt Augustin Technikjournalismus studiert. Waren Sie glücklich?

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Katrin Bauerfeind: Tja, leider hatte ich kein klassisches Studentenleben. Meine Kommilitonen traf ich nur an der Hochschule. Unsere gemeinsamen Wege beschränkten sich auf den Gang aus dem Hörsaal in die Mensa und zurück. Sehr schade. Es gab hier einfach keinen Ort, an dem man hätte abhängen können, und wir haben ja auch nicht alle in einer Stadt gewohnt, sondern waren im Umland verstreut. Trotzdem war es eine wichtige Zeit für mich.

ZEIT CAMPUS: Warum?

Bauerfeind: Ich habe gelernt, diszipliniert zu sein. Davor fiel ich eher unter die Kategorie faule Sau. An der Hochschule habe ich einen fast krankhaften Ehrgeiz entwickelt. Ich habe Fächer belegt, in denen ich in der Schule nie gut war – Mathe und Physik – nur um mir zu beweisen, dass ich das kann, wenn ich will. Nebenbei habe ich acht Praktika gemacht. Ich stand ziemlich unter Druck.

Ich finde, man sollte unbedingt auf vielen Hochzeiten tanzen

ZEIT CAMPUS: Woher kam der Druck?

Bauerfeind: Der kam von überallher. Die Professoren haben gepredigt, niemand werde etwas geschenkt bekommen. Mein ganzes Umfeld, die Medien, die Familie: Alle haben mir das Gefühl vermittelt, dass man mit »einfach mal machen« nicht weit kommt. Stattdessen hieß es überall, man müsse sich richtig anstrengen. Ich hatte keine Angst, aber irgendwie hatte ich all das doch verinnerlicht.

ZEIT CAMPUS: Waren Sie sehr zielstrebig?

Bauerfeind: Nein, eigentlich gar nicht. Nach dem Abitur wussten die meisten meiner Mitschüler, was sie später werden wollten. Ich hingegen wusste noch nicht mal, dass man sich bis zum 15. Juli für die Uni bewerben muss. Dann sagte mein Vater: »Jetzt überlegst du dir mal, was du machen willst.« Er hat mich in sein Arbeitszimmer geführt, mich vor den Rechner gesetzt und mich eingeschlossen. Alle zwei Stunden kam er rein und nahm eine Bewerbung entgegen. Am Ende habe ich mich für evangelische Theologie, Architektur, Kommunikationsdesign, Lehramt und Schauspiel beworben.

ZEIT CAMPUS: Warum fiel es Ihnen damals so schwer, sich für ein Fach zu entscheiden?

Bauerfeind: Ich finde, man sollte unbedingt auf mehreren Hochzeiten tanzen, solange man nicht überall der schlechteste Tänzer ist. Das ist viel besser, als mit Scheuklappen ein Ziel zu verfolgen und unterwegs die richtige Abzweigung zu verpassen. Die Stellenanzeige von Ehrensenf zum Beispiel fand ich, als ich eigentlich gerade eine Reise nach Argentinien planen wollte, ein alter Traum von mir. Aus der Reise wurde nichts, also habe ich mich als Moderatorin bei Ehrensenf beworben. Beim Casting war ich entspannt und ziemlich albern.

ZEIT CAMPUS: Weil es Ihnen nicht so wichtig war?

Bauerfeind: Ja, und das war vielleicht mein Glück: Ich wurde genommen. Die Arbeit ließ sich gut mit dem Studium vereinbaren, das Team war super, wir haben schnell Preise bekommen, und wenig später durfte ich vertretungsweise das Trendmagazin Polylux in der ARD moderieren.

Leserkommentare
  1. 17. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mak

    Antwort auf "...isch ... "
  2. Katrin Bauerfeind erscheint hier genauso sympathisch wie in ihren Sendungen.

    Diese Bemerkung fiel auf: "Als ich meinem Produzenten bei Ehrensenf davon erzählt habe, schaute der mich mit ernster Miene an und fragte, ob das nicht noch eine Nummer zu groß für mich sei."

    Tja, so erlebt man viele Unternehmer und andere Leistungsträger dieser Gesellschaft. Mangels eigener Fähigkeiten oder Möglichkeiten im eigenen Bereich sieht man seine Mitarbeiter zu nicht mehr fähig als man selbst zu bieten hat. Gut, dass Katrin Bauerfeind bei den öffentlich-rechtlichen ist.

  3. "»Willkommen im Nirgendwo!«, sagt Katrin Bauerfeind, 28, zur Begrüßung." Da dachte ich wow, so jung ist die?Allerdings habe ich das aus nachgeschaut und festgestellt, dass Frau Bauerfeind Jahrgang '82 ist. Soweit ich richtig rechnen kann, ist sie somit 30 Jahre. Was natürlich immer noch super jung ist, für das was sie bisher gemacht hat.

    An die Redaktion: Wenn schon aufgewärmte Artikel nochmal bringen, dann bitte die zeitliche Angaben korrigieren. Danke!

  4. >> Die Umverteilung zum Staat wird nicht die Probleme dieser Menschen lösen, ... <<

    ... da auf einen interessanten Gesichtpunkt hin.

    Aber lassen Sie uns zunächst einmal sehen, wie sich "dieser Mensch" Bauerfeind im Interview zum Thema Umverteilung äußert.

    Ach, er äußert sich *gar nicht*!?! Hmmm.

    Ist ihr Kommentar beim falschen Artikel gelandet?

    Oder stülpen Sie wahllos irgendwelchen Leuten Ihre Feindbilder über, um ein Ziel für Ihren Aggressionsabbau zu haben?

    Antwort auf "wenig informativ"
  5. ihr empfehlen mit dem rauchen aufzuhoeren, das tut ihrer Stimme irgendwie nicht gut. Und auch nicht ihren Zaehnen.

  6. ...aber wer ist das eigentlich ? (Ernst gemeint!)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Infamia
    • 21. Oktober 2012 17:52 Uhr

    @Guy of Gisborne

    www.google.de

    Wenn man so manche Kommentare hier liest, würde man sich oft freuen, wenn unter jedem Kommentar stehen würde:

    Wenn Sie sicher sind, dass Sie den Kommentar einstellen wollen, drücken Sie OK

    OK

    Sind Sie ganz sicher?

    JA

    Wirklich, noch können Sie davon absehen!

    Usw.

    Manches Gemähre bliebe einem so hoffentlich erspart.

    Zum eigentlichen Interview. Ich finde Katrin Bauerfeind sehr erfrischend und würde mir mehr Ihres Schlages im deutschen Fernsehen wünschen. Dass Sie raucht, geschenkt. Ihre Stimme profitiert in dem Fall davon.

    • Infamia
    • 21. Oktober 2012 17:52 Uhr

    @Guy of Gisborne

    www.google.de

    Wenn man so manche Kommentare hier liest, würde man sich oft freuen, wenn unter jedem Kommentar stehen würde:

    Wenn Sie sicher sind, dass Sie den Kommentar einstellen wollen, drücken Sie OK

    OK

    Sind Sie ganz sicher?

    JA

    Wirklich, noch können Sie davon absehen!

    Usw.

    Manches Gemähre bliebe einem so hoffentlich erspart.

    Zum eigentlichen Interview. Ich finde Katrin Bauerfeind sehr erfrischend und würde mir mehr Ihres Schlages im deutschen Fernsehen wünschen. Dass Sie raucht, geschenkt. Ihre Stimme profitiert in dem Fall davon.

    Antwort auf "Tschuldigung..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ich mag sie auch, sie ist witzig und scheint nicht borniert&abgehoben zu sein. Aber das mit dem rauchen ist mir eben aufgefallen, sie klingt wie ne alte Tante. Das ist nun mal eben nicht so mein Ding (auch als Mann) ;p

    Und falls sie tatsaechlich die Kommentare hier liesst - man kanns ja nicht ausschliessen - ich wuerd sie trotdzem nicht von der Bettkante stossen.lol.

    ...ich war auf ihrer "Seite", ich kenne sie trotzdem nicht ! Schön, daß sie in ihnen einen solch treuen Fan gefunden hat ! Ich hoffe sie haben ihre GEZ-Gebühren bezahlt !
    Es gibt übrigends keine OK Taste bei ZO !
    Aber sonst war ihr Beitrag echt witzig !
    (Das war ironisch gemeint !)

  7. ich mag sie auch, sie ist witzig und scheint nicht borniert&abgehoben zu sein. Aber das mit dem rauchen ist mir eben aufgefallen, sie klingt wie ne alte Tante. Das ist nun mal eben nicht so mein Ding (auch als Mann) ;p

    Und falls sie tatsaechlich die Kommentare hier liesst - man kanns ja nicht ausschliessen - ich wuerd sie trotdzem nicht von der Bettkante stossen.lol.

    Antwort auf "Gruselig"

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