Studienfinanzierung : Wie finanziere ich mein Studium?

Kredite, Bildungsfonds, Stipendien: Sie alle füllen das Portemonnaie. Worauf muss man achten? Ein Überblick über Aufnahmeverfahren, Zinssätze und Rückzahlungen

Studienkredit von der Bank

Rund 50.000 Studenten haben 2011 einen Studienkredit neu aufgenommen. Am beliebtesten ist das staatliche Angebot der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Ihre Kredite werden von fast allen großen Banken vermittelt. Weitere Angebote gibt es unter anderem von der Deutschen Bank und einigen regionalen Sparkassen und Raiffeisenbanken. Durchschnittlich werden zwischen 500 und 650 Euro monatlich ausgezahlt. Bei der Deutschen Bank sind es in den ersten zwölf Monaten nur 200 Euro, ab dem zweiten Jahr das Vierfache. Am längsten (sieben Jahre) zahlen die KfW (höchstens 54.600 Euro) und die Evangelische Kreditgenossenschaft (höchstens 35.000 Euro).

Ein Sonderfall ist der KfW-Bildungskredit. Dieser finanziert, anders als der Studienkredit, nur einen bestimmten Zeitraum des Studiums, etwa den Endspurt vor dem Abschluss. Bis zu 7.200 Euro kann man auf diese Weise von der KfW bekommen.

Bei der Wahl des Kredites sollte man auf die sogenannte Ruhephase achten. Wann ist die erste Rückzahlung fällig? Bei der Deutschen Bank etwa muss man ein Jahr nach der letzten Auszahlung mit dem Zurückzahlen beginnen. Hat man also für die ersten beiden Semester einen Kredit aufgenommen, muss man noch während des Studiums mit dem Tilgen anfangen. Bei der KfW dagegen bleiben nach Studienende noch 23 Monate bis zur ersten Rate, egal wie viele Semester der Kredit in Anspruch genommen wurde.

Die Kredite haben entweder einen variablen Zins, das heißt, er wird jeweils dem allgemeinen Zinsniveau angepasst, oder einen Festzins. Bei der KfW kann man sich zwischen beiden Optionen entscheiden: Variabel liegt der Zins bis Oktober 2012 bei 3,7 Prozent und fest zwischen 4 und 4,9 Prozent, je nach Reststudienzeit. Der Festzins der Deutschen Bank liegt zurzeit bei 7,9 Prozent. Zurückzahlen muss man das Geld hier innerhalb von zwölf Jahren, beim KfW-Studienkredit hat man dafür 25 Jahre Zeit.

Geld aus dem Bildungsfonds

Bei Bildungsfonds kommt das Geld von Privatinvestoren oder Hochschulen. Die Studenten müssen in einem Auswahlverfahren überzeugen. Dabei hilft es, gute Noten zu haben und überzeugend erklären zu können, was man in und mit seinem Studium erreichen will. Wer überzeugt, bekommt monatlich bis zu 1.000 Euro, außerdem gibt es Seminare zum Thema Stressbewältigung oder Rhetorik und einen Mentor. Für die Rückzahlung bleiben meist drei bis sieben Jahre Zeit, manchmal auch länger. Zurückgezahlt wird ab dem ersten Gehalt, mit Ausnahme der »Studienförderung Deutsche Bildung«, wo es zwei Jahre nach Studienende losgeht. Je kleiner der Verdienst ausfällt, desto geringer sind die Zinsen (3 bis 10 Prozent). Die DKB hat einen Festzins von 6,5 Prozent.

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Kommentare

27 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Hat jemand Erfahrungen?

Meine Eltern sind nicht gerade reich und müssen viel Steuern nachzahlen, dennoch beträgt mein BaFöG-Anspruch ganze 18 Euro. So ein Kredit über 200,- / Monat würde vieles einfacher machen. Rückzahlen müsste ich dann bei der gewünschten Laufzeit und dem Zinssatz rund 5000,-. Hat jemand bereits einen privaten Kredit aufgenommen und kann mir seine Erfahrungen schildern?

KfW Kredit

Ich hatte den im Artikel erwähnten KfW Kredit vor einiger Zeit aufgenommen. Kann ich nur empfehlen, wenn du dich wirklich für einen Kredit entscheiden solltest. Besonders mit Hinblick auf die niedrigeren Zinssätze im Vergleich zu anderen Bankangeboten. Weitere Konditionen des KfW-Kredits werden ja bereits im Artiekl erwähnt.
Weitere Informatione sind auf der Homepage der KfW zu finden.

Erfahrung Bildungsfonds: Festo Bildungsfonds

Ich bin seit Beginn meines Studiums Mitglied im Festo Bildungsfonds, einem Bildungsfonds für sog. MINT-Studiengänge (Studiengänge mit naturwissenschaftlichem Hintergrund).
Neben einem Studienkredit, der bei Berufseinstieg (und wirklich erst dann) einkommensabhängig zurückgezahlt wird bekommt man hier Weiterbildungsmaßnahmen angeboten, wie beispielsweise Rhetorikseminare und Stressmanagementseminare aber auch fachliche Weiterbildung, z.B. Prozessmanagement oder Szenario-Technik.
Was aber eigentlich noch viel besser ist, ist das Netzwerk aus Unternehmenspartnern und aus anderen Studenten, das man während dieser Zeit im Bildungsfonds knüpfen kann. Die Netzwerkpartner werden in Regionalgruppen (die auch von Mitgliedern des Festo Bildungsfonds geleitet werden) erkundet.

Auch wenn ich am Ende meines Studiums Schulden habe, die ich erstmal zurückzahlen muss, würde ich mich immer wieder für den Festo Bildungsfonds bewerben. Man hat die Möglichkeit, viele viele Leute aus ganz Deutschland kennen zu lernen und lernt auch Unternehmen sowie deren Vertreter aus Branchen kennen, auf die man so vielleicht nicht gestoßen wäre. Außerdem lernt man jede Menge über sich selbst. Was ja im Grunde noch viel wichtiger ist als Geld :)

Infos gibts unter www.festo-bildungsfonds.de

Liebe Grüße!

Stipendien

Viel wichtiger, als der Hinweis dass das "Deutschlandstipendium" fehlt (was ich persönlich absolut richtig finde, danke @ Redaktion) :
Zumindest für die großen Stiftungen wie Adenauer, Ebert, Böll Stiftung usw. muss Mensch nicht vorgeschlagen werden - bewerbt euch alle. Die vielen kleineren Werke werden sich über Bewerbungen vermutlich sogar freuen, meines Wissens nach sind einige schlicht zu unbekannt oder zu speziell, um alle Mittel los zu werden.