Professorenkolumne : Warum Profs Extremsport treiben

Die Formel des Extremsports war immer schon: Aufgeben kommt nicht infrage. Beim wissenschaftlichen Arbeiten ist das nicht anders, meint Fritz Breithaupt.

Im Juli bin ich bei einer öffentlichen Etappe der Tour de France mitgefahren, 200 Kilometer durch die Pyrenäen. Viele meiner Kollegen machen sogar Extremsport. Gletscherklettern, Hanggliding, Triathlon. Unsere Studenten glauben, dass wir etwas kompensieren wollen.

Professor Fritz Breithaupt

 44, erklärt an dieser Stelle regelmäßig das Innenleben der Profs. Er lehrt an der Indiana University, USA

Dabei folgen wir nur den gleichen Mustern wie an der Uni. Die Formel des Extremsports war immer schon: Aufgeben kommt nicht infrage. Das ist auch die Formel des akademischen Betriebs: Gelobt sei, wem nicht die Puste ausgeht. Viele saßen, bevor sie Prof wurden, für Jahre als unterbezahlte Privatgelehrte auf der Ersatzbank. Jeder vernünftige Mensch hätte das Handtuch geschmissen. Nicht so der Professor.

Die Eigenschaft, die einen zum Prof macht, ist der Unwille, aufzugeben. Wenn eine Labormaus in einem Labyrinth in eine Sackgasse gerät, dreht sie um. Stößt der Prof auf eine Wand, holt er Anlauf und rennt dagegen. Nicht einmal, sondern immer wieder. Wissenschaft entsteht, wenn die Wand umstürzt. Bleibt die Wand stehen, gibt es nur Kopfschmerzen. Beim Sport werden wir für diesen Hang zum Irrationalen belohnt: Anders als an der Uni dürfen wir für Schweiß und Leid umgehend mit Applaus von den Zuschauern rechnen.

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Kommentare

41 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

@ #2: ev. missinterpretiert?

@limdaepl: Nun, ich glaube, das ist auch bei den Profs der Fall - sie machen Sport, der ihnen Spaß macht. Aber da sie Herausforderung und Durchbeißertum gewöhnt sind, ist Extremsport wohl eher was für diesen Menschenschlag als "Gewöhnliches".
Mit anderen Worten: Professorentitel und Extremsport haben uU die selbe Wurzel im Charakter, anstatt dass das eine aus dem anderen entspringt oder umgekehrt.

Verwertbarkeit

Was Sie schreiben ist zwar sicher richtig und entspricht auch meiner Meinung, aber ich glaube nicht, dass der Autor das in diesem Fall gemeint hat. Hier liegt wohl eher ein klassischer Fall der Korrelation vor...

Die treffendere Deutung wäre also "Professor X macht Sportart A, weil die Ausübung von Sportart A die selbe Mentalität erfordert, wie die, die man benötigt, um Professor zu sein"

Hanggliding

There are old pilots and there are bold pilots but there are very few old bold pilots.
Wer mit der Einstellung "Aufgeben kommt nicht infrage" Luftsport betreibt, sollte sich nach einem anderen Hobby umsehen. Zumal der Tod auch der akademischen Karriere nicht förderlich ist.
Allzeit eine sichere Landung,
Volodya

Solange

... die Damen und Herren nicht als Erstarrte an den Rändern des Everest-Aufstiegs enden, wäre gegen die Extrembestrebungen nichts einzuwenden.

Allein, manch Prof übt sicher Extremes aus, Sport ist das aber, vom Erscheinungsbild her, nicht automatisch. Vorsicht also mit pauschalem Heldentum.

Daumen hoch für die fitten und vorbildlichen Charaktere, deren Mixtur aus Leben und Lehre noch intakt ist.