DesignIdeen für den Mülleimer

Zwei Designstudenten wollen Flaschensammlern den Alltag erleichtern. von Daniel Kastner

Sie leuchten mit Taschenlampen in Mülleimer, schieben Einkaufswagen voller Leergut durch die Straßen und warten bis zum Morgengrauen vor den Klubs: Pfandflaschensammler sieht man überall in deutschen Städten. Zwei Studenten wollen ihnen jetzt beim Sammeln helfen. »Wenn Leute im Müll wühlen müssen, stimmt etwas nicht«, sagt der Designstudent Paul Ketz aus Köln. Er hat den Pfandring erfunden, eine Stahlkonstruktion, die er an öffentlichen Mülleimern anbringen will.

Die Idee: In dem Ring kann man leere Flaschen bequem abstellen, genauso einfach kann man sie wieder einsammeln. Seine Erfindung sei »ökonomisch, ökologisch und sozial sinnvoll«, sagt Ketz. Den Vorwurf, dass er damit am Elend der Flaschensammler grundsätzlich nichts ändert, weist er zurück. »Es ist doch utopisch, anzunehmen, dass in absehbarer Zeit keiner mehr auf das Pfandsammeln angewiesen ist«, sagt er.

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Der Berliner Kommunikationsdesigner Jonas Kakoschke sieht das ähnlich. »Besser, man macht was Kleines als gar nichts«, sagt er. Als sich in seiner WG mal wieder das Altglas türmte, startete er die Internetseite pfandgeben.de, auf der Flaschensammler Handynummer und Sammelgegend veröffentlichen.

Wer daheim in Pfandflaschen erstickt, kann den Flaschenabholer in der Nachbarschaft anrufen. Die Seite ist erfolgreich: Fast 800 Sammler haben sich bisher registriert. Auch Paul Ketz aus Köln ist zuversichtlich, dass die bürokratischen Hürden für seine Erfindung bald genommen sind – und der Pfandring noch dieses Jahr in Serie geht.

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Leserkommentare
  1. "Und die, die sowieso eher oben schwimmen, machen daraus eine Geschäftsidee."

    Bis auf diesen einen Satz stimme ich mit Ihnen überein, aber wo sehen Sie hier die Geschäftsidee? Bei pfandgeben.de? Vielleicht ist es anders, als ich es mir vorstelle, aber das sieht recht unkommerziell aus. Auf der Seite ist zumindest auf den ersten Blick keine Werbung und dass die Betreiber den Pfandsammlern eine Provision fürs Vermitteln abknöpfen, kann ich mir kaum vorstellen.

    Antwort auf "Entlarvend"
  2. Bei einem Pfandschlupf (nicht eingelöstes Pfand) von 300 Mill. Euro jährlich, wandern auf Grund der beinhalteten MWSt 57 Mill. Euro zum Finanzminister.
    Allein das könnte doch schon ein Grund sein sich das Pfand wieder zu holen. Wir wollen doch keine Steuern verschenken? Oder ;-)

    • JAM030
    • 28. August 2012 11:39 Uhr

    Und wäre es nicht einfacher, Flaschensammlern einen 10-Euro-Schein in die Hand zu drücken, anstatt Automaten samt Service anzubieten?

    Endlich gibt es eine Lösung, damit sich Arme und Obdachlose endlich mal nützlich für die Gemeinschaft machen und dieses unästhetische Im-Müll-Wühlen ein Ende hat - und Gutmenschen beruhigt schlafen können.

    Antwort auf "Entlarvend"
  3. Auch wenn es keine neue Idee ist, finde ich sie gut. In meiner Stadt wurden in einigen Stadtteilen mittlerweile Flaschenkästen an Mülleimern angebracht. Dies kommt denke ich beiden Seiten zu Gute. Derjenige, der sich schnell was unterwegs was zu trinken kauft, kann dort seine Flaschen abstellen und derjenige der davon leider leben muss, braucht nicht weiter im Müll zu suchen. Desweiteren kann man in Supermärkten seinen Flaschenpfand an Bedürftige spenden. So kann man mit kleinen Mitteln auch etwas bewirken.

    • clair11
    • 28. August 2012 11:46 Uhr

    Hier gibt es schon Leute, die Pfandkisten an öffentlich Mülleimer anbringen ("Flaschen bitte hier abstellen für Sammler"), oder aber auch Aufkleber ("Flaschen bitte neben den Eimer stellen").

    Die Idee an sich ist gut, allerdings habe ich mich auch schon gefragt, ob das den Sammlern wirklich hilft. Denn dann nehmen auch Nicht-Bedürftige die Flaschen mit, eben weil sie nicht im Mülleimer rumwühlen müssen.

    Auch habe ich mich gefragt wann öffentliche Flaschesammlung als Geschäftsidee kommt (z.B. verschlossene Behälter für Sammlung Pfandflaschen auf Fussgängerzonen für karitative Zwecke) und irgendeine Organisationen die Privatperson-Bedürftige aus dem Bereich verjagen.

  4. 8. [...]

    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wer Pfandflaschen sammelt muss nicht automatisch als bedürftig eingestuft werden. Ich habe auch schon Leute abends im dicken Merzedes an den FlaschenContainer fahren sehen, um dann mit einem Teleskopgreifer Pfandflaschen aus dem Container zu fischen. Auch viele ältere Leute betreiben Pfandflaschensammeln als eine Art Freizeitbeschäftigung zur aufbesserung der Rente.
    Also Pfandflaschensammler wird es immer geben und daher finde ich das auch eine gute Idee, wobei ich nen einfachen, festgemachten Flaschenkasten sinvoller finde, als irgendein schicker Designer-Ring, in den dann nur ein Teil der Flaschen reinpassen.

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  • Schlagworte Design | Student
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