JobsucheNicht blenden lassen!

Warum der erste Eindruck bei der Suche nach dem passenden Arbeitgeber täuschen kann. von Maren Lehky

ZEIT Campus 6/2012
ZEIT Campus 6/2012

Ein beeindruckender Stand auf der Bewerbermesse: durchdesignt, toll beleuchtet, mit loungiger Musik, attraktiven Menschen hinter und einer langen Schlange vor den Info-Tischen. Das sind sie, die großen Namen unter den Arbeitgebern, die mit dem tollen »Arbeitgeberimage«, bei denen die Zahl der Bewerbungen die der Stellen um ein Vielfaches übersteigt. Bei Umfragen zu den beliebtesten Arbeitgebern stehen stets besonders viele Großkonzerne vorne. Häufig sind es Unternehmen, die Markenprodukte herstellen und die man schon daher kennt.

Wonach bewerten wir Unternehmen, wenn wir auf der Suche nach unserem ersten Job sind? Leider genauso oft nach dem äußeren Eindruck, wie wir auch Menschen schnell in Schubladen stecken. Was viele sich bei ihrer Wahl nicht bewusst machen: Große Konzerne arbeiten oft nicht nur bei ihren Produkten mit ausgeklügelten Marketingstrategien, sondern auch dann, wenn es um ihr Image als Arbeitgeber geht. Im Fachjargon spricht man von »employer branding«. Häufig werden sogar spezialisierte Agenturen mit der Aufgabe betraut, die »Arbeitgebermarke« zu stärken, ein Unternehmen also für den Nachwuchs besonders attraktiv erscheinen zu lassen. Dazu gehören beeindruckende Stände auf Hochschulmessen genauso wie Image-Anzeigen, eine einladende Website oder der interaktive Facebook-Auftritt.

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Dagegen ist nichts zu sagen. Doch sollte man nicht nur nach dem Äußeren gehen. Ich habe oft Einsteiger erlebt, die ihren Traumjob nicht ergatterten und sich mit wenig Glanzvollem zufriedengeben mussten: Die Firma steht am Rande des Gewerbegebietes, das Vorstellungsgespräch findet auf dem Nadelfilzteppich statt, und keiner spricht davon, man sei die Elite von übermorgen. Aber plötzlich merkten sie: »Ich werde gefördert und integriert, bekomme spannende Aufgaben.« Da ist Glück im Spiel, aber nicht nur. Die Chefs in solchen Firmen wissen: Wo nicht jederzeit Ersatz bereitsteht, muss man sich um die Talente kümmern, die man hat. Gerade hier lohnt sich deshalb ein zweiter Blick beim Bewerben.

Maren Lehky
Maren Lehky

Maren Lehky ist Unternehmens- und Personalmanagement-Beraterin in Hamburg. In ihrer Kolumne, die im ZEIT CAMPUS Magazin und auf ZEIT ONLINE erscheint, gibt sie Berufsanfängern Karrieretipps.

Denn umgekehrt habe ich auch schon Frust bei Einsteigern erlebt, wenn trotz Hochglanzeindruck ein ganz normales Arbeitsleben auf sie wartete. Die Wirklichkeit ist eben manchmal genauso ernüchternd wie die Erkenntnis, dass der tolle neue Pudding vom Werbeplakat auch nur ein Pudding ist. Die Kollegen haben keine Zeit für die Einarbeitung; das Umlaufprogramm umfasst nicht so viele schicke Stationen, wie man glaubte; und man darf längst nicht so viel umsetzen, wie man eigentlich will. Die älteren Kollegen wundern sich dann häufig über die Ansprüche der »Jungen«. Die aber hat nicht zuletzt das Unternehmen selbst geweckt, als es sich bemühte, in den schönsten Farben zu leuchten.

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Leserkommentare
    • hg2000
    • 16. Januar 2013 11:23 Uhr

    Für mich ein unverzichtbares Tool bei der Jobsuche:
    www.kununu.com

    Auch hier gibt es natürlich Fake-Einträge, aber für einen ersten Eindruck wirklich sehr hilfreich.

    2 Leserempfehlungen
  1. In großen Unternehmen herrscht meist mehr Politik als irgendwas Arbeitsbezogenes. Von daher empfinde ich kleine Unternehmen als angenehmer, da dort auch nicht gleich 20 Leute sich auf eine freigewordene Stelle bewerben und die Aufstiegschancen dann größer sind. Das Gehalt mag dann zwar etwas geringer sein, aber wer nicht super geldgeil ist, der kann auch damit leben (sind ja keine Hungerlöhne).

    Wenn ein Arbeitgeber mit großem Gehalt winkt ist sowieso Vorsicht geboten, weil sich dann oft unbezahlte "Mehrarbeit" für den AG lohnt, denn "bei dem Gehalt MUSS die Mehrarbeit mit drin sein" - und schon hat man eine 60-Stunden-Woche und kein Privatleben mehr.

    Das soll aber jeder für sich entscheiden, mir persönlich herrscht zu viel Politik und zu wenig Kommunikation in den großen Konzernen. Das ist mir das bißchen Gehalt mehr einfach nicht wert.

    2 Leserempfehlungen
    • WWBC
    • 16. Januar 2013 13:55 Uhr

    die vielleicht auch Bewerbern hilft, das Vorstellungsgespräch nicht als Beichte zu begreifen

    Eine Leserempfehlung

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  • Schlagworte Bewerbung | Karriere | Arbeitgeber
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