Kreativität Wie machen Sie das?

Ein Modedesigner, eine Autorin und eine Musikerin erzählen, wie sie kreativ arbeiten. von Marisa Schulz

»Meine Mode entsteht spontan«

ZEIT Campus 6/2012
ZEIT Campus 6/2012

»Ich bin kein Designer, der lange nach Inspirationen sucht. Meine Mode entsteht eher spontan. Ich schneidere und drapiere meine Kleider direkt an den Schneiderpuppen. Ich probiere viel aus. Dabei komme ich von einer Idee zur nächsten, und wenn es nichts wird, dann wird es eben etwas anderes. Wenn mir wirklich nichts einfällt, bekomme ich eine Panikattacke. Aber das ist auch in Ordnung, ich brauche immer Druck, um zu arbeiten. Dann bin ich viel produktiver.«

Vladimir Karaleev, 30, ist ein Modedesigner. Seit einigen Saisons präsentiert er seine Kollektionen auf der Berliner Fashion Week.

»Ich warte auf die Langeweile«

»Das Leben löst bei mir die besten Ideen aus. Dafür muss ich alles ganz genau beobachten, wach sein für Details und offen für Zufälle. Ich muss frei sein, mich ruhig und leer halten, nicht an irgendwelche Probleme denken. Dann fliegen mir die Ideen zu. Manchmal mache ich auch bewusst nichts und warte auf Langeweile. Das provoziert einen kreativen Moment, dann fange ich an, mir etwas auszudenken, um mir die Zeit zu vertreiben.«

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Juli Zeh, 38, ist Schriftstellerin und Juristin. Ihr neuester Roman »Nullzeit« ist im August im Schöffling & Co. Verlag erschienen.

»Viel lesen macht mich kreativ«

»Beim Schreiben von Songtexten bekomme ich Abstand zu Dingen, die ich nicht zu Ende gedacht habe und die mich bedrücken. Dabei werde ich sehr sensibel und lebe in meiner eigenen Welt. In diesen Phasen brauche ich aber auch Input von außen. Ich lese sehr viel, höre Hörbücher. Nur fremde Musik höre ich nicht. Am besten kann ich nachts schreiben, wenn es ruhig ist und niemand etwas von mir will. Ich habe schon mal Silvester verpasst, weil ich so ins Schreiben versunken war. Den Lärm von den Böllern und Knallern habe ich erst später auf meiner Aufnahme gehört.«

Mieze Katz, 33, schreibt als Frontfrau der Elektropop-Band MIA alle Songtexte selbst. Anfang des Jahres ist ihr fünftes Album »Tacheles« erschienen.

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Leserkommentare
  1. Kreativität ist die eine Seite. Die andere ist die Vermarktung der Kreativität. Und wer dabei nicht mindestens genau so kreativ sein kann, der kann so kreativ sein wie es nur eben geht, er (oder sie) wird niemals wirklich Früchte seiner Kreativität ernten. Im Gegenteil, man gefährdet sich unter Umständen sogar damit. Aber wenn man versucht, sich ruhig und leer zu halten und nicht an irgendwelche Probleme denken ohne dabei auf den Kick für die nächste kreative Idee zu warten. (Die ja sowieso nur entsteht um ein Konkurrenz zu bieten, abzugrenzen sich zu behaupten.) Dann ist die Stille die man so in sich erzeugen kann sich selbst genug. Sie braucht keinen Zweck, keine Funktionalität. Und das ist wirklich heilsam und entspannend und gleichzeitig etwas das der Gesellschaft und den Menschen fehlt wie sonst kaum etwas anderes.

    2 Leserempfehlungen
  2. Die meißten Menschen sind bei ihrer Arbeit "kreativ". Die Tätigkeit einen Roman zzu schreiben ist nicht kreavitver, als die Steuergesetzgebung zu modifizieren. Letztendlich erfordern die technischen und wissenschaftlichen Berufe sogar eine höhere Kreativität, weil man hier Schwächen und Mängel nicht mit Schwafel und La-La-La umgehen kann.

    Bei der Erschaffung von Literatur und Musik finde ich ehrlich gesagt, die Verknüpfung mit den handwerklichen Aspekten viel interessanter. Wie bekommt die Mietze Katze zum Rhythmus bei ihren Texten? Was sind dabei die Rahmenbedingungen, wie z.B. die verwendeten Instrumente, etc?

    Ob jetzt jemand seine Einfälle beim Duschen, Autofahren oder gar auf der Toilette hat, finde ich nicht interessant.

    Eine Leserempfehlung

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