Jessica Bahr, 24, Medizin: "Ich untersuche, was an Sex-Mythen dran ist"

ZEIT CAMPUS: Wie heißt Ihre Doktorarbeit?

Bahr: "Fakt und Fiktion über Sexualität. Was wir über Sex denken und die empirische Realität dazu".

ZEIT CAMPUS: Was machen Sie da?

Bahr: Eine Literaturrecherche – also keine Feldforschung in Schlafzimmern. Ich lese Studien, die Mediziner und Psychologen zum Sexualverhalten durchgeführt haben. Deren Ergebnisse bündele und vergleiche ich.

ZEIT CAMPUS: Warum ist das wichtig?

Bahr: "Dumm fickt gut", "Männer kommen immer zu früh" und "Frauen haben nach der Schwangerschaft keine Lust mehr": Das sind Beispiele für Sexmythen, die ich untersuche. Stimmen sie wirklich? Oft gibt es nicht nur die eine, klare Antwort. Denn im Sex gibt es viele Variationen – und die sind alle gut und normal. Es kommt darauf an, Verschiedenes auszuprobieren und herauszufinden, was einem Spaß macht. Das ist eine der Erkenntnisse meiner Doktorarbeit. Ihr Mehrwert ist also eher gesellschaftlich als wissenschaftlich.

ZEIT CAMPUS: Wie lange arbeiten Sie daran?

Bahr: Insgesamt waren das jetzt zwei Jahre, parallel zum Studium, wie es bei Medizinern üblich ist. Demnächst gebe ich die Arbeit ab. Ich überlege, sie danach noch zu einem populärwissenschaftlichen Sachbuch umzuschreiben. Oft scheitert ein erfülltes Sexleben an unbegründeten Ängsten – das muss nicht sein! 

Alexander, 29: »Ich überlege, wie man das Polareis besser messen kann«

Alexander Beitsch, 29, Geowissenschaften: "Ich überlege, wie man das Polareis besser messen kann" 

ZEIT CAMPUS: Wie heißt Ihre Doktorarbeit?

Beitsch: "Mikrowellen-Satelliten-Fernerkundung von Meereis – Verbesserungsmöglichkeiten der Messalgorithmen".

ZEIT CAMPUS: Was machen Sie da?

Beitsch: Satelliten messen, wie viel der Ozeanoberfläche mit schwimmendem Eis bedeckt ist. Für meine Dissertation untersuche ich Störfaktoren und überlege, wie wir diese Messungen präziser machen können.

ZEIT CAMPUS: Warum ist das wichtig?

Beitsch: Das "ewige Eis", das an den Polen auf den Meeren schwimmt, hält gar nicht so ewiglich, wie der Name besagt: 2012 wurde ein neues Rekordminimum gemessen. Bis 2040 könnte das Polareis in den Sommermonaten sogar ganz verschwunden sein. Anders als beim Festlandeis wird das Abschmelzen nicht dazu führen, dass der Meeresspiegel steigt. Trotzdem gibt es ernste Folgen: Das maritime Ökosystem wird gestört und langfristig auch das Klima verändert, weil das Abschmelzen des Eises wichtige Strömungen der Weltozeane aus dem Gleichgewicht bringen könnte. Manche Wissenschaftler befürchten sogar kurzfristige Folgen und führen die kalten Winter 2010 und 2011 auch auf das geringere Meereis der europäischen Arktis zurück.

ZEIT CAMPUS: Wie lange arbeiten Sie daran?

Beitsch: Ich bin im zweiten Doktorjahr und würde die Arbeit gerne im Frühjahr 2014 abschließen. 

Nathalie, 28: »Ich erforsche die jugoslawische Mode der sechziger Jahre«

Nathalie Keigel, 28, Geschichte: "Ich erforsche die jugoslawische Mode der sechziger Jahre" 

ZEIT CAMPUS: Wie heißt Ihre Doktorarbeit?

Keigel: "Zwischen Ost und West? Jugoslawische Modewelten in den 1960er Jahren und ihre politischen, kulturellen und sozialen Zuschreibungen".

ZEIT CAMPUS: Was machen Sie da?

Keigel: Im Frühling habe ich in Zagreb, im heutigen Kroatien, die Kartei einer der ersten jugoslawischen Modelagenturen entdeckt. Mit ihrer Hilfe konnte ich Menschen aus der damaligen Modeszene finden. Demnächst fahre ich nach Belgrad, im heutigen Serbien.

ZEIT CAMPUS: Warum ist das wichtig?

Keigel: Die Mode schafft einen guten Zugang, um Zeitzeugen zu ihrem Alltag in dem untergegangenen Staat zu befragen – trotzdem ist sie noch kaum erforscht. Jugoslawien positionierte sich politisch zwischen Ost und West, am Umgang mit Mode lässt sich das kulturell ablesen. Sie war in dem sozialistischen Staat zunächst umstritten. Doch nach seinem Bruch mit Josef Stalin propagierte der jugoslawische Präsident Tito vom Beginn der 1950er Jahre an, den Lebensstandard zu erhöhen. Die staatlich kontrollierten Verlage begannen, Frauenzeitschriften zu drucken, die auch über westliche Mode berichteten.

ZEIT CAMPUS: Wie lange arbeiten Sie daran?

Keigel: Ich forsche seit anderthalb Jahren, in zwei Jahren wäre ich gerne fertig. 

Rike, 30: »Ich untersuche Schlangenblut und Krokodilherzen«

Rike Campen:, 30, Biologin: "Ich untersuche Schlangenblut und Krokodilherzen"

ZEIT CAMPUS: Wie heißt Ihre Doktorarbeit?

Campen: "Adaption des Herzkreislaufsystems von Reptilien an unterschiedliche physiologische Bedingungen".

ZEIT CAMPUS: Was machen Sie da?

Campen: Ich arbeite mit einer Software an einer mathematischen Modellierung des Herz-Kreislauf-Systems von Reptilien.

ZEIT CAMPUS: Warum ist das wichtig?

Campen: Anders als Menschen können Schlangen, Krokodile oder Schildkröten ihren Blutfluss steuern. Damit nehmen sie Einfluss auf die Sauerstoffversorgung einzelner Organe. Seit den 1970er Jahren fragen sich Biologen, warum das so ist. Darauf möchte ich jetzt endlich eine Antwort finden. Mit diesem Thema betreibe ich Grundlagenforschung. Im Gegensatz zur angewandten Forschung verfolgt sie keinen direkten Zweck, führt aber trotzdem zu wichtigen Erkenntnissen. Und manchmal gibt es ungeahnte Folgen: So half die Entdeckung eines Frosches im Regenwald, der seine Kaulquappen im Magen ausbrütet, bei der Entwicklung eines neuen Medikaments gegen Magensäurebeschwerden.

ZEIT CAMPUS: Wie lange arbeiten Sie daran?

Campen: Ich bin seit 2009 dran und werde im April 2013 fertig. Danach würde ich gerne in der Forschung bleiben, ob an der Universität oder außerhalb, weiß ich aber noch nicht.