Nathalie Keigel, 28, Geschichte: "Ich erforsche die jugoslawische Mode der sechziger Jahre" 

ZEIT CAMPUS: Wie heißt Ihre Doktorarbeit?

Keigel: "Zwischen Ost und West? Jugoslawische Modewelten in den 1960er Jahren und ihre politischen, kulturellen und sozialen Zuschreibungen".

ZEIT CAMPUS: Was machen Sie da?

Keigel: Im Frühling habe ich in Zagreb, im heutigen Kroatien, die Kartei einer der ersten jugoslawischen Modelagenturen entdeckt. Mit ihrer Hilfe konnte ich Menschen aus der damaligen Modeszene finden. Demnächst fahre ich nach Belgrad, im heutigen Serbien.

ZEIT CAMPUS: Warum ist das wichtig?

Keigel: Die Mode schafft einen guten Zugang, um Zeitzeugen zu ihrem Alltag in dem untergegangenen Staat zu befragen – trotzdem ist sie noch kaum erforscht. Jugoslawien positionierte sich politisch zwischen Ost und West, am Umgang mit Mode lässt sich das kulturell ablesen. Sie war in dem sozialistischen Staat zunächst umstritten. Doch nach seinem Bruch mit Josef Stalin propagierte der jugoslawische Präsident Tito vom Beginn der 1950er Jahre an, den Lebensstandard zu erhöhen. Die staatlich kontrollierten Verlage begannen, Frauenzeitschriften zu drucken, die auch über westliche Mode berichteten.

ZEIT CAMPUS: Wie lange arbeiten Sie daran?

Keigel: Ich forsche seit anderthalb Jahren, in zwei Jahren wäre ich gerne fertig.