PromotionWas machen Sie da, Frau Doktor?

Junge Wissenschaftler opfern die besten Jahre ihres Lebens der Promotion. Wir haben nachgefragt, woran sie forschen – und warum das wichtig ist. von Elisabeth Weidinger

Jessica Bahr, 24, Medizin: "Ich untersuche, was an Sex-Mythen dran ist"

ZEIT CAMPUS: Wie heißt Ihre Doktorarbeit?

Bahr: "Fakt und Fiktion über Sexualität. Was wir über Sex denken und die empirische Realität dazu".

Anzeige

ZEIT CAMPUS: Was machen Sie da?

Bahr: Eine Literaturrecherche – also keine Feldforschung in Schlafzimmern. Ich lese Studien, die Mediziner und Psychologen zum Sexualverhalten durchgeführt haben. Deren Ergebnisse bündele und vergleiche ich.

ZEIT CAMPUS: Warum ist das wichtig?

ZEIT Campus 6/2012
ZEIT Campus 6/2012

Bahr: "Dumm fickt gut", "Männer kommen immer zu früh" und "Frauen haben nach der Schwangerschaft keine Lust mehr": Das sind Beispiele für Sexmythen, die ich untersuche. Stimmen sie wirklich? Oft gibt es nicht nur die eine, klare Antwort. Denn im Sex gibt es viele Variationen – und die sind alle gut und normal. Es kommt darauf an, Verschiedenes auszuprobieren und herauszufinden, was einem Spaß macht. Das ist eine der Erkenntnisse meiner Doktorarbeit. Ihr Mehrwert ist also eher gesellschaftlich als wissenschaftlich.

ZEIT CAMPUS: Wie lange arbeiten Sie daran?

Bahr: Insgesamt waren das jetzt zwei Jahre, parallel zum Studium, wie es bei Medizinern üblich ist. Demnächst gebe ich die Arbeit ab. Ich überlege, sie danach noch zu einem populärwissenschaftlichen Sachbuch umzuschreiben. Oft scheitert ein erfülltes Sexleben an unbegründeten Ängsten – das muss nicht sein! 

Leserkommentare
  1. dieser Kommentar. Danke!

    Antwort auf "Doktorand"
    • Sazae
    • 11. November 2012 22:21 Uhr

    Ich würde gerne wissen, wie Sie zu der Erkenntnis kommen, dass es in den von Ihnen genannten Fächern "überhaupt keinen Sinn macht" zu promovieren? Oder soll am Ende der Arbeit in diesen Disziplinen dann einfach kein (böser) Titel vergeben werden?
    Meiner Meinung nach darf sich nur derjenige solch ein Urteil bilden, der einen Einblick in all diese Disziplinen hat ... sonst stoßen Sie nämlich ganz schnell den Leuten vor den Kopf, die in diesen Gebieten arbeiten.

    Antwort auf "wiss. Herausforderung"
  2. Derartige Schöngeistigkeiten dann aber bitte nicht von Steuergeldern finanziert erforschen. In ein Peer-reviewed Journal schafft man es auch nicht, ohne Nützlichkeit. Diese ist natürlich weit gefasst, aber der Erkenntnisgewinn muss für die Gesellschaft einen Nutzen haben. Ausbildungen als armselig zu bezeichnen, ist allerdings auch ein schönes Zeichen eines Elfenbeinturmforschers, wenn überhaupt.

    Antwort auf "Zitat:"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • R_IP
    • 12. November 2012 9:46 Uhr

    Wer legt das fest, was für einen Nutzen diese Fächer für die Gesellschaft haben? Sie etwa? Gott bewahre! Hauptsache, der Mensch kann fressen, saufen und sich reproduzieren? Darauf liefe Ihre Forderung schließlich hinaus. Welchen Vorteil für die politische Kultur eines Landes, für das menschliche Zusammenleben allgemein sowie für die Ausbildung einer individuellen Einzelpersönlichkeit das interesselose Wohlgefallen (Kant) an schöngeistigen Betrachtungen hat, mögen Sie nicht im Ansatz zu erahnen.

    Sie haben mein aufrichtiges Beileid, Sie ungebildeter Mensch....

  3. Es geht darum zu zeigen, daß man selbständig und nach wissenschaftlichen Regeln ein Thema bearbeiten kann. Es geht nicht eigentlich um das Thema. Wer sich darüber erregt, daß die Themen vielleicht der Gesellschaft keinen Profit bringen oder wenig wissenschaftliche Relevanz besitzen, der übersieht gleich doppelt: 1. wie oft ein "Dr" als Einstellungskriterium erwartet wird, und 2. wie sehr gerade die Bildung im gegenwärtigen Konsens als reines Mittel zum Zweck gesehen wird, nämlich zum Zweck des beruflichen Aufstiegs.

    Bildung hat längst aufgehört, ein Wert an sich zu sein, eine kulturelle Leistung. Sie wird ökonomisiert wie alles andere auch. Erst wurde der wirtschaftliche Nutzen über die gesellschaftliche Relevanz gesetzt, nun wird der Karrierenutzen als wirtschaftlicher Nutzen promoviert. Das ist das Gleiche.

    Auch "Edel-Prostituierte" sind am Ende Huren, das geht der Bildung nicht anders. Die Freier sind dann jedoch die letzten, die darüber zu jammern ein Recht hätten.

    • saja
    • 12. November 2012 8:33 Uhr

    "Der Doktortitel sollte nur noch für Naturwissenschaftler sein, so wie es viele Professoren fordern. In Fächern wie Medizin, Geschichte, Psychologie, Jura etc. macht das überhaupt keinen Sinn."

    Sie scheinen wenig zu wissen über die Fächer, die Sie hier über einen Kamm scheren. Medizin und Psychologie haben starke naturwissenschaftliche Anteile. Psychologen schließen an einigen Unis sogar regulär mit einem Dr. rer. nat. ab. Dass Doktorarbeiten in der Medizin noch viele Wünsche offen lassen, liegt nicht an der Disziplin, sondern an den vergleichsweise niedrigen Ansprüchen für eine erfolgreiche Doktorarbeit in diesem Fach.

    Antwort auf "wiss. Herausforderung"
    • topjob
    • 12. November 2012 9:37 Uhr
    22. Empirie

    Da Ihnen offensichtlich nicht ganz klar ist, was genau ein empirischer Ansatz in der Forschung ist, würde ich Ihnen eher davon abraten, eine Promotion zu beginnen.

    Antwort auf "Lächerlich"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Vielen Dank für den gut gemeinten Ratschlag, aber ich bin bereits promoviert. Ich befürchte allerdings, das Thema eignet sich kaum für eine User-Diskussion im Campus-Teil der Online-Ausgabe einer Tageszeitung.

    • topjob
    • 12. November 2012 9:42 Uhr

    Wie schön, dass Sie gesellschaftliche Stereotype sofort erkennen. Ob dies allerdings für "alle" gilt, wie Sie hier mal eben ohne Beweis behaupten, darf bezweifelt werden - sonst wären diese Klischees kaum so langlebig und omnipräsent.

    In der Erläuterung der Dissertation ist deutlich geworden, dass viele Menschen keine erfüllte Sexualität haben, weil sie sich von den genannten und anderen Stereotypen beeinflussen lassen. Für diese Menschen wäre die Erkenntnis, dass ihre Ängste unbegründet sind, sehr wichtig.

    Daher wäre es wünschenswert, wenn Sie über sich selbst hinausdenken und auch die Bedürfnisse Ihrer Mitbürger mit bedenken könnten, bevor Sie eine Forschung aufgrund Ihres eigenen, gefühlten Durchblicks einfach verwerfen.

    Antwort auf "Lächerlich"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Genau, Klischess sind allein deshalb so langlebig, weil Frauen wirklich schlechter einparken, Männer dauernd Bier trinken und Fußball schauen und "die Neger alle faul" sind oder "dumm" eben "gut fickt" (siehe Artikel, ich fasse es immer noch nicht, so unterirdisch ist das).

    Das Problem, das ich mit sochen "wissenschaftlichen" Arbeiten habe, ist, dass das Niveau solcher "Forschung" in der Regel ganz in der Nähe des Forschungsgegenstands angesiedelt ist. Das belegt auch das Interview mit der angehenden Promovendin. Bei solchermaßen banalen, vorhersehbaren und in der Regel hochgradig ideologieverseuchten Themen ist das übrigens sehr häufig der Fall.

    • R_IP
    • 12. November 2012 9:46 Uhr
    24. Nutzen

    Wer legt das fest, was für einen Nutzen diese Fächer für die Gesellschaft haben? Sie etwa? Gott bewahre! Hauptsache, der Mensch kann fressen, saufen und sich reproduzieren? Darauf liefe Ihre Forderung schließlich hinaus. Welchen Vorteil für die politische Kultur eines Landes, für das menschliche Zusammenleben allgemein sowie für die Ausbildung einer individuellen Einzelpersönlichkeit das interesselose Wohlgefallen (Kant) an schöngeistigen Betrachtungen hat, mögen Sie nicht im Ansatz zu erahnen.

    Sie haben mein aufrichtiges Beileid, Sie ungebildeter Mensch....

    Antwort auf "Schöngeistiges"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • G Eich
    • 12. November 2012 21:19 Uhr

    Wer legt das fest, was unter Nutzen für die Gesellschaft zu verstehen ist? Sie etwa? Gott bewahre! "Fressen, saufen und sich reproduzieren?" - darauf beschränkt sich Nutzen ihrer Ansicht nach. Wie häufig Strohmannargumente in Online-Diskussionen angebracht werden, mögen Sie nicht im Ansatz zu erahnen. Ein Einführungskurs Volkswirtschaftslehre stünde ihnen gut zu Gesicht.

    Sie haben mein aufrichtiges Beileid, Sie ungebildeter Mensch....

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT Campus
  • Schlagworte Promotion | Dissertation | Student | Hochschule
Service