LebensplanungMein Studium gehört mir

Lesen, Reisen, Lieben – oder möglichst schnell fertig werden? Wir zeigen, wie man an der Uni den eigenen Zielen folgt und die Studienordnung dabei nicht zu wichtig nimmt. von , , Laura Cwiertnia und Jana Baurmann

Was mache ich hier eigentlich? Irgendwann kommt wohl in jedem Studium dieser Moment, in dem man sich die Frage stellt. In einer trockenen Vorlesung vielleicht oder kurz danach, beim Auswendiglernen des Stoffes. Beim Blick auf den Modulplan, der kaum Freizeit lässt. Oder im Seminar, wenn der Termin für die sechste Klausur des Semesters bekannt gegeben wird. Was mache ich hier eigentlich?

Die Beantwortung dieser Frage kann einem niemand abnehmen. Wie ein Studium auszusehen hat, glauben zwar viele zu wissen. Doch sie widersprechen sich dabei ständig. Zum Beispiel steht im Studienverlaufsplan, wie man alle Module genau so belegt, dass man in jedem Semester die richtige Menge an Creditpoints sammelt, um in der Regelstudienzeit wieder aus der Uni raus zu sein. Dazu passt nicht, was viele Dozenten schon in ihrer ersten Seminarsitzung sagen: Wer sich wirklich für ein Fach begeistere, wer eine Theorie oder eine Technik verstehen und nicht bloß auswendig lernen wolle, der müsse viel Zeit investieren. Was denn jetzt?

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»Man braucht einen roten Faden im Studium!«, das fordern seit Jahren die Personalchefs der großen Unternehmen. Sie wollen die passenden Praktika im Lebenslauf sehen, die passenden Schwerpunktfächer, am besten noch die passenden Hobbys. Aber inzwischen beschweren sich einige Personalchefs darüber, dass ihnen viele Bewerber die gleichen Bewerbungsunterlagen schicken: mit rotem Faden, aber ohne Persönlichkeit. Sie sagen, es fehle vielen Uni-Absolventen an Außergewöhnlichem, an Ecken und Kanten und auch an Lebenserfahrung. Tja, dumm gelaufen.

Deshalb wäre es ehrlicher, wenn jede Studienordnung statt mit einer Modulbeschreibung mit denselben Sätzen beginnen würde. Sie lauten: »Machen Sie sich frei von dem, was andere von Ihnen wollen, und überlegen Sie, welche Ziele Sie an der Uni erreichen wollen. Und dann: Machen Sie das einfach.«

ZEIT Campus 6/2012
ZEIT Campus 6/2012

Denn schaut man sich unter den älteren Kommilitonen um, dann scheint es so, als könne das wirklich klappen: sich trotz Praktika, Creditpoints und Klausurterror im Bachelorstudium Freiräume erkämpfen.

»Was machen Sie hier eigentlich?« – das haben wir Studenten gefragt. Wir haben Geschichten gesammelt, wie man trotz Bachelorstress das Lernen, Leben und Lieben nicht vergisst (oder wie man schneller studiert als alle anderen). Das Ergebnis sind sechs ganz unterschiedliche Ziele fürs Studium – und dazu Tipps, wie man ihnen näher kommt.

Leserkommentare
  1. Gleich im ersten Beispiel - Bachelor in 9 statt 6 Semestern. Wie schön, wenn man reiche Eltern hat oder irgendwelchen Pillepalle studiert, wo man nebenbei Zeit hat, zu arbeiten. Allen anderen sitzt die BaföG-Deadline im Nacken, und da ist es nicht wirklich realistisch, 9 Semester statt 6 zu brauchen, schon gar nicht, wenn man sich aufs Studium auch konzentrieren möchte, weil man gute Noten will und braucht.

    Sorry, aber solche Artikel sind doch bescheuert. Hedonistische Lebenstips für Leute, die sich's leisten können.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Fehlt nur noch der Hinweis, dass die Studiengebühren auch bei einer solchen Haltung (..."gehört mir!"...) absolut unsozial angesehen und offen bekämpft werden.
    Sagen Sie das mal jemandem, der als Geselle neben der Arbeit die Meisterprüfung machen möchte! Oder dem 16-jährigen Lehrling, der während seiner zeitlich klar umrissenen Lehre selbstverständlich auch in zunehmendem Maße eine für den Lehrbetrieb brauchbare Arbeit abliefern muss!

    Es mag recht merkwürdig klingen, aber ich denke, dass viele wirklich arme Studenten von Bafög nur träumen können.
    Ich habe nie Bafög bekommen. Meine Eltern haben wohl zu viel verdient. Leider habe ich davon noch nie was gemerkt, denn Geld für mein Studium hatten sie nie. Na ja, das Geld musste wohl ins Benzin für den Arbeitsweg investiert werden.

    Ich denke viele Studenten verstecken sich gerne hinter der ganzen Bafög-Rückzahlung.
    Ich habe so ziemlich alles zum Bafög gelesen was es gibt und ich kenne die Grenzsätze wirklich gut.
    Wenn ein Student den Höchstförderungsbetrag beim Bafög bekommt, dann ist ein Elternteil höchstwahrscheinlich verstorben oder geht maximal Teilzeit arbeiten. Mathematisch ist das nicht anders zu erklären.
    Bafög ist dafür da, dass Mutti schön zu Hause bleiben kann und das Kind trotzdem studieren kann. Es geht also vornemlich um die Erhaltung des klassischen Familienbildes.

    Ich gönne wirklich jedem sein Bafög, aber das man darüber jammert, dass man mit Bafög maximal 10 000 Euro Schulden macht, ist schon ein wenig übertrieben.

    Insofern, wer über die Deadline beim Bafög jammert, sollte nicht vergessen, dass mancher Student mit weit über 10.000 Euro Schulden ins Berufsleben startet und nebenbei trotzdem jobben geht.
    Bafögberechtigte Studenten tragen nicht die Last der Welt auf ihren Schultern.
    Dieses Wissen macht das Studieren auch entspannter.

    • DK1987
    • 14. Dezember 2012 15:01 Uhr

    Ich kenne genug Leute, die in ihrer Welt lebten, aber das sind diejenigen, die gerade Erfolg (Finanzielle Erfolge) haben.

    Schauen Sie sich Dietrich Mateschitz an.
    Er hat für sein Wiwi-Studium 10 Jahre gebraucht und ist heute der Redbull-Gründer.

    Ausnahmen? Sicher, aber mittlerweile gibt es zu viele Ausnahmen davon.

    Ich sage nicht, dass man deshalb extra extremst "chillen" sollte, aber es gibt immer offene und spannende Wege.

    Oder wollen Sie wirklich ganz abstrakt 6 Semester, Praktika, ohne Lücken im Lebenslauf erfüllen und sich selbst zum Sklaven machen?

  2. Fehlt nur noch der Hinweis, dass die Studiengebühren auch bei einer solchen Haltung (..."gehört mir!"...) absolut unsozial angesehen und offen bekämpft werden.
    Sagen Sie das mal jemandem, der als Geselle neben der Arbeit die Meisterprüfung machen möchte! Oder dem 16-jährigen Lehrling, der während seiner zeitlich klar umrissenen Lehre selbstverständlich auch in zunehmendem Maße eine für den Lehrbetrieb brauchbare Arbeit abliefern muss!

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Eliteproblemchen"
  3. Parties, lange brauchen und verliebt sein geben den zukünftigen Chefs die Ecken und Kanten, deren Fehlen sie bemängeln?
    Schließe mich dem ersten Kommentar zudem an - wenn man's Geld hat (und sich zudem später vorm zukünftigen Chef plausibel rechtfertigen kann/möchte)... Mit so enger Semesterbegrenzung beim Bafög und Langzeitstudiengebühren (bei meiner Uni nach 4 Semestern über Regelstudienzeit - worin auch Urlaubssemester enthalten sind, d.h. da kommt man doch recht schnell hin) ist das sehr vielen Studenten jedoch nicht möglich. Da kann bereits ein Semester mehr zur Qual werden.

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  4. "Aber inzwischen beschweren sich einige Personalchefs darüber, dass ihnen viele Bewerber die gleichen Bewerbungsunterlagen schicken: mit rotem Faden, aber ohne Persönlichkeit."

    Tja, das kommt halt davon, wenn man im BA/MA-System nicht mal Milimeter vom vorgegeben Stoff abweichen darf, will man keine Credits riskieren. Heraus kommt dann eben der austauschbare 08/15 - Bewerber, der sich nur in der Endnote von anderen unterscheidet. Aber selbst da geht ja die Tendenz dazu, nur noch gute Noten zu vergeben.

    Aufgrund spontaner Amnesie wird dann natürlich vergessen, dass es gerade die Wirtschaft war, die dieses absurde System auf den Weg bringen wollte.

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  5. ich verfolge nach einem fast reinem dauer-lern informatik bachelor einen ausgeglichenen master mit hin und wieder partyeinlagen und erlernen eines 2ten fachs auf eigene faust (musik) und belege nur kurse die mich interessieren und würde nie auf die idee kommen potentielle arbeit"geber" in meinen gedanken um erlaubnis zu fragen was ich lernen soll...

    soweit kommts noch. die können ihre BA studenten damit volltrödeln. Das einzigste argument das zieht ist die finanzierung aber das muss sich ja nicht ausschließen. ich verstehe die völlig arbeitgeber unterwürfige menge an studenten überhaupt nicht, erwartet ihr einen korb geschenke dafür oder was? im endeffekt zählt auch die persönlichkeit des menschen an sich, wie "weit" er die leiter nach oben klettern kann (sich verkaufen können) und damit meine ich nicht powerpoint folien zusammen zu klicken. Im wissenschaftlichem bereich braucht man eben eien gewisse zeit um die theoretischen dinge auch soweit zu durchdringen bis man es praktisch umsetzen kann, mit prüfungsfragen lernen klappt das leider nicht.

    ich denke den trugschluss den sich die (böse) wirtschaft macht ist das immer jüngere studenten weniger ausgaben bedeuten aber sie haben vergessen das sie sich wohl bewusst sind für den stress auch angemessen bezahlt zu werden...

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  6. Was soll denn dieser Artikel aussagen? Jeder Student soll doch selbst entscheiden, was er will. Und ganz ehrlich: Jemand, der nicht weiss, wie man feiert, ist kein Student, sondern ein Langweiler.

    Also aus meiner Sicht kein Elitenproblem, sondern ein Problem des Pöbels, der sich an der Uni rumtreibt....

    Und einen Tipp noch: Nehmt IMMER die Studienordnung GANZ WICHTIG! Sonst kann man sich das Studium in den Hintern stecken, auch wenn man toll feiern geht, reisen war oder sonst was gemacht hat.
    Die einzige Verpflichtung, die ein Student nämlich hat, ist sich an die Studienordnung zu halten. Und wem das nicht passt, der soll halt nicht studieren!

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