LebensplanungMein Studium gehört mir
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Ziel Nr. 1: Verstehen

Mehr lesen, als man unbedingt muss? Die Philosophiestudentin Lina Brion, 25, sagt: Das kann auch im Bachelor klappen

»Mir war von Anfang an klar, dass ich für meinen Bachelor ein bisschen länger brauchen werde«, sagt Lina Brion, »ich hatte keine Lust, durchs Studium zu hetzen.« Diesen April hat sie ihren Abschluss in Kulturwissenschaften und Philosophie an der Berliner Humboldt-Universität gemacht, in neun Semestern statt der vorgesehenen sechs. In einem Fach wie Philosophie sei man versucht, »immer noch ein bisschen mehr zu lesen«, sagt sie. »Es braucht Zeit, um Wissen aufzubauen und herauszufinden, was einen innerhalb des Studiums wirklich interessiert.«

Ob die Uni das zulässt, hängt vom Hochschulgesetz des jeweiligen Bundeslandes ab. In Berlin brauchte Lina Brion für jedes zusätzliche Semester eine Unterschrift vom Studienfachberater. Auch in Hamburg wird niemand exmatrikuliert, der die Regelstudienzeit überschreitet, man muss aber zu einem psychologischen Beratungsgespräch. In Thüringen hingegen werden Studenten, die mehr als zwei Jahre überziehen, mit Langzeitgebühren von 500 Euro pro Semester bestraft. Eine Übersicht für alle Bundesländer gibt es zum Download beim Deutschen Studentenwerk.

Über Abgabefristen für Hausarbeiten konnte Lina Brion mit ihren Professoren sprechen. »Die Dozenten haben selbst noch vor der Bologna-Reform studiert, also ganz anders als wir heute«, sagt sie. »Außerdem wissen sie aus ihrer eigenen Arbeit, dass die Qualität der Forschungsergebnisse unter starkem Druck leiden kann.« Viele hätten sie deshalb ermutigt, selbst Verantwortung für ihre Zeitplanung zu übernehmen. Ob Dozenten so viel Verständnis haben, hängt auch davon ab, welche Rechte und Pflichten sie selbst haben. »Es lohnt sich, die Studienordnung zu lesen, zur Studienfachberatung zu gehen und herauszufinden, wer welche Entscheidungsspielräume hat«, sagt Brion. Bei Schwierigkeiten helfe oft auch die Fachschaft.

Finanzierung im Blick behalten

Wer nicht jobbt oder von der Familie unterstützt wird, sondern ein Stipendium oder Bafög bekommt, muss seine Finanzierung im Blick behalten: Mit der Regelstudienzeit endet auch das Bafög. Länger bekommt man das Geld nur, wenn man schwerwiegende Gründe vorbringen kann, wie zum Beispiel eine Schwangerschaft, eine Krankheit oder den Tod eines Elternteils. Urlaubssemester helfen nicht: Dann pausieren nämlich auch die Bafög-Zahlungen. Etwas leichter ist es, ein Stipendium bis zu drei Semester zu verlängern: Neben Kindern und Krankheit zählen in der Regel auch soziales Engagement oder Auslandsaufenthalte. Wer kurzfristig Geld braucht, kann einen Bildungskredit der KfW-Bank aufnehmen (bis zu 7200 Euro).

Seit dem Sommer macht Lina Brion ihren Master in Philosophie. »Jetzt weiß ich besser als zu Beginn meines Bachelorstudiums, was ich kann und was ich lernen will«, sagt sie. »Und ich kann meine Arbeitsweise und meinen Arbeitsrhythmus viel besser einschätzen.«

Weiterlesen: Warum es sich lohnen kann, ein paar Jahre länger an der Uni zu bleiben und zu promovieren, lesen Sie hier.

Leser-Kommentare
  1. Gleich im ersten Beispiel - Bachelor in 9 statt 6 Semestern. Wie schön, wenn man reiche Eltern hat oder irgendwelchen Pillepalle studiert, wo man nebenbei Zeit hat, zu arbeiten. Allen anderen sitzt die BaföG-Deadline im Nacken, und da ist es nicht wirklich realistisch, 9 Semester statt 6 zu brauchen, schon gar nicht, wenn man sich aufs Studium auch konzentrieren möchte, weil man gute Noten will und braucht.

    Sorry, aber solche Artikel sind doch bescheuert. Hedonistische Lebenstips für Leute, die sich's leisten können.

    9 Leser-Empfehlungen
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    Fehlt nur noch der Hinweis, dass die Studiengebühren auch bei einer solchen Haltung (..."gehört mir!"...) absolut unsozial angesehen und offen bekämpft werden.
    Sagen Sie das mal jemandem, der als Geselle neben der Arbeit die Meisterprüfung machen möchte! Oder dem 16-jährigen Lehrling, der während seiner zeitlich klar umrissenen Lehre selbstverständlich auch in zunehmendem Maße eine für den Lehrbetrieb brauchbare Arbeit abliefern muss!

    Es mag recht merkwürdig klingen, aber ich denke, dass viele wirklich arme Studenten von Bafög nur träumen können.
    Ich habe nie Bafög bekommen. Meine Eltern haben wohl zu viel verdient. Leider habe ich davon noch nie was gemerkt, denn Geld für mein Studium hatten sie nie. Na ja, das Geld musste wohl ins Benzin für den Arbeitsweg investiert werden.

    Ich denke viele Studenten verstecken sich gerne hinter der ganzen Bafög-Rückzahlung.
    Ich habe so ziemlich alles zum Bafög gelesen was es gibt und ich kenne die Grenzsätze wirklich gut.
    Wenn ein Student den Höchstförderungsbetrag beim Bafög bekommt, dann ist ein Elternteil höchstwahrscheinlich verstorben oder geht maximal Teilzeit arbeiten. Mathematisch ist das nicht anders zu erklären.
    Bafög ist dafür da, dass Mutti schön zu Hause bleiben kann und das Kind trotzdem studieren kann. Es geht also vornemlich um die Erhaltung des klassischen Familienbildes.

    Ich gönne wirklich jedem sein Bafög, aber das man darüber jammert, dass man mit Bafög maximal 10 000 Euro Schulden macht, ist schon ein wenig übertrieben.

    Insofern, wer über die Deadline beim Bafög jammert, sollte nicht vergessen, dass mancher Student mit weit über 10.000 Euro Schulden ins Berufsleben startet und nebenbei trotzdem jobben geht.
    Bafögberechtigte Studenten tragen nicht die Last der Welt auf ihren Schultern.
    Dieses Wissen macht das Studieren auch entspannter.

    • DK1987
    • 14.12.2012 um 15:01 Uhr

    Ich kenne genug Leute, die in ihrer Welt lebten, aber das sind diejenigen, die gerade Erfolg (Finanzielle Erfolge) haben.

    Schauen Sie sich Dietrich Mateschitz an.
    Er hat für sein Wiwi-Studium 10 Jahre gebraucht und ist heute der Redbull-Gründer.

    Ausnahmen? Sicher, aber mittlerweile gibt es zu viele Ausnahmen davon.

    Ich sage nicht, dass man deshalb extra extremst "chillen" sollte, aber es gibt immer offene und spannende Wege.

    Oder wollen Sie wirklich ganz abstrakt 6 Semester, Praktika, ohne Lücken im Lebenslauf erfüllen und sich selbst zum Sklaven machen?

    Fehlt nur noch der Hinweis, dass die Studiengebühren auch bei einer solchen Haltung (..."gehört mir!"...) absolut unsozial angesehen und offen bekämpft werden.
    Sagen Sie das mal jemandem, der als Geselle neben der Arbeit die Meisterprüfung machen möchte! Oder dem 16-jährigen Lehrling, der während seiner zeitlich klar umrissenen Lehre selbstverständlich auch in zunehmendem Maße eine für den Lehrbetrieb brauchbare Arbeit abliefern muss!

    Es mag recht merkwürdig klingen, aber ich denke, dass viele wirklich arme Studenten von Bafög nur träumen können.
    Ich habe nie Bafög bekommen. Meine Eltern haben wohl zu viel verdient. Leider habe ich davon noch nie was gemerkt, denn Geld für mein Studium hatten sie nie. Na ja, das Geld musste wohl ins Benzin für den Arbeitsweg investiert werden.

    Ich denke viele Studenten verstecken sich gerne hinter der ganzen Bafög-Rückzahlung.
    Ich habe so ziemlich alles zum Bafög gelesen was es gibt und ich kenne die Grenzsätze wirklich gut.
    Wenn ein Student den Höchstförderungsbetrag beim Bafög bekommt, dann ist ein Elternteil höchstwahrscheinlich verstorben oder geht maximal Teilzeit arbeiten. Mathematisch ist das nicht anders zu erklären.
    Bafög ist dafür da, dass Mutti schön zu Hause bleiben kann und das Kind trotzdem studieren kann. Es geht also vornemlich um die Erhaltung des klassischen Familienbildes.

    Ich gönne wirklich jedem sein Bafög, aber das man darüber jammert, dass man mit Bafög maximal 10 000 Euro Schulden macht, ist schon ein wenig übertrieben.

    Insofern, wer über die Deadline beim Bafög jammert, sollte nicht vergessen, dass mancher Student mit weit über 10.000 Euro Schulden ins Berufsleben startet und nebenbei trotzdem jobben geht.
    Bafögberechtigte Studenten tragen nicht die Last der Welt auf ihren Schultern.
    Dieses Wissen macht das Studieren auch entspannter.

    • DK1987
    • 14.12.2012 um 15:01 Uhr

    Ich kenne genug Leute, die in ihrer Welt lebten, aber das sind diejenigen, die gerade Erfolg (Finanzielle Erfolge) haben.

    Schauen Sie sich Dietrich Mateschitz an.
    Er hat für sein Wiwi-Studium 10 Jahre gebraucht und ist heute der Redbull-Gründer.

    Ausnahmen? Sicher, aber mittlerweile gibt es zu viele Ausnahmen davon.

    Ich sage nicht, dass man deshalb extra extremst "chillen" sollte, aber es gibt immer offene und spannende Wege.

    Oder wollen Sie wirklich ganz abstrakt 6 Semester, Praktika, ohne Lücken im Lebenslauf erfüllen und sich selbst zum Sklaven machen?

  2. Fehlt nur noch der Hinweis, dass die Studiengebühren auch bei einer solchen Haltung (..."gehört mir!"...) absolut unsozial angesehen und offen bekämpft werden.
    Sagen Sie das mal jemandem, der als Geselle neben der Arbeit die Meisterprüfung machen möchte! Oder dem 16-jährigen Lehrling, der während seiner zeitlich klar umrissenen Lehre selbstverständlich auch in zunehmendem Maße eine für den Lehrbetrieb brauchbare Arbeit abliefern muss!

    2 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Eliteproblemchen"
  3. Parties, lange brauchen und verliebt sein geben den zukünftigen Chefs die Ecken und Kanten, deren Fehlen sie bemängeln?
    Schließe mich dem ersten Kommentar zudem an - wenn man's Geld hat (und sich zudem später vorm zukünftigen Chef plausibel rechtfertigen kann/möchte)... Mit so enger Semesterbegrenzung beim Bafög und Langzeitstudiengebühren (bei meiner Uni nach 4 Semestern über Regelstudienzeit - worin auch Urlaubssemester enthalten sind, d.h. da kommt man doch recht schnell hin) ist das sehr vielen Studenten jedoch nicht möglich. Da kann bereits ein Semester mehr zur Qual werden.

    Eine Leser-Empfehlung
  4. "Aber inzwischen beschweren sich einige Personalchefs darüber, dass ihnen viele Bewerber die gleichen Bewerbungsunterlagen schicken: mit rotem Faden, aber ohne Persönlichkeit."

    Tja, das kommt halt davon, wenn man im BA/MA-System nicht mal Milimeter vom vorgegeben Stoff abweichen darf, will man keine Credits riskieren. Heraus kommt dann eben der austauschbare 08/15 - Bewerber, der sich nur in der Endnote von anderen unterscheidet. Aber selbst da geht ja die Tendenz dazu, nur noch gute Noten zu vergeben.

    Aufgrund spontaner Amnesie wird dann natürlich vergessen, dass es gerade die Wirtschaft war, die dieses absurde System auf den Weg bringen wollte.

    9 Leser-Empfehlungen
  5. ich verfolge nach einem fast reinem dauer-lern informatik bachelor einen ausgeglichenen master mit hin und wieder partyeinlagen und erlernen eines 2ten fachs auf eigene faust (musik) und belege nur kurse die mich interessieren und würde nie auf die idee kommen potentielle arbeit"geber" in meinen gedanken um erlaubnis zu fragen was ich lernen soll...

    soweit kommts noch. die können ihre BA studenten damit volltrödeln. Das einzigste argument das zieht ist die finanzierung aber das muss sich ja nicht ausschließen. ich verstehe die völlig arbeitgeber unterwürfige menge an studenten überhaupt nicht, erwartet ihr einen korb geschenke dafür oder was? im endeffekt zählt auch die persönlichkeit des menschen an sich, wie "weit" er die leiter nach oben klettern kann (sich verkaufen können) und damit meine ich nicht powerpoint folien zusammen zu klicken. Im wissenschaftlichem bereich braucht man eben eien gewisse zeit um die theoretischen dinge auch soweit zu durchdringen bis man es praktisch umsetzen kann, mit prüfungsfragen lernen klappt das leider nicht.

    ich denke den trugschluss den sich die (böse) wirtschaft macht ist das immer jüngere studenten weniger ausgaben bedeuten aber sie haben vergessen das sie sich wohl bewusst sind für den stress auch angemessen bezahlt zu werden...

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  6. Was soll denn dieser Artikel aussagen? Jeder Student soll doch selbst entscheiden, was er will. Und ganz ehrlich: Jemand, der nicht weiss, wie man feiert, ist kein Student, sondern ein Langweiler.

    Also aus meiner Sicht kein Elitenproblem, sondern ein Problem des Pöbels, der sich an der Uni rumtreibt....

    Und einen Tipp noch: Nehmt IMMER die Studienordnung GANZ WICHTIG! Sonst kann man sich das Studium in den Hintern stecken, auch wenn man toll feiern geht, reisen war oder sonst was gemacht hat.
    Die einzige Verpflichtung, die ein Student nämlich hat, ist sich an die Studienordnung zu halten. Und wem das nicht passt, der soll halt nicht studieren!

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