Lebensplanung Mein Studium gehört mir
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Ziel Nr. 2: Reisen

Ohne viel Geld die Welt sehen? Das geht, sagt Alexander Bernhardt, 27, der in seinen Semesterferien quer durch Afrika gewandert ist

»Die Idee, von Kapstadt nach Kairo zu wandern, kam mir kurz vor Semesterende. Ich habe das dritte und vierte Semester meines sprachwissenschaftlichen Bachelorstudiums an einer südafrikanischen Uni verbracht und hatte noch keinen Plan für die vorlesungsfreie Zeit, bevor ich zurück nach Marburg musste.

Als Kind hat mir meine Mutter manchmal Räuberpistolen über Afrika erzählt. Von europäischen Forschern zum Beispiel, die auf einer Sahara-Expedition Kamelpisse trinken mussten, damit sie nicht verdursteten. Diese Abenteuergeschichten haben mich neugierig gemacht. Ich beschloss, einmal durch den Kontinent zu reisen, und lief einfach los, ohne großen Plan, ohne genaue Route. Ab und zu hob ich meinen Daumen und schaute, dass ich vorwärtskam.

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Ob die Reise gefährlich ist – darüber dachte ich nicht nach. Ich fühlte mich unsterblich. Unterwegs bin ich an meine körperlichen Grenzen gestoßen, wegen der Hitze, wegen des unbekannten Essens. Aber überfallen wurde ich nie. Mit Englisch und Französisch kam ich in vielen der ehemaligen Kolonien gut durch. Ansonsten redete ich mit Händen und Füßen oder Vokabeln, die ich unterwegs aufschnappte: »Hallo«, »Tschüs«, »Ein Bier, bitte!« Es half, dabei zu lächeln.

Viele Menschen glauben, sich gegen alles absichern zu müssen, mit Wanderschuhen, Multifunktionswäsche und schwerem Gepäck. Ich hatte nur das dabei, was ich wirklich brauchte. Einen Rucksack, einen Kompass, das Geld, das ich in Marburg für Miete und Essen bezahlt hätte, und, ganz wichtig: meinen Kopf, mein Herz und meine Beine.

Die schönste Art des Reisens

Man kann sich viel Zeit sparen, wenn man den Reiseführer zu Hause lässt. Die ganzen Infos braucht man nicht. Busse fahren in Afrika sowieso nicht nach Plan, um die Preise muss man feilschen, und die besten Ausflugstipps bekommt man von den Einheimischen. Beim Trampen trifft man auf einen Querschnitt der Bevölkerung. Auf diese Weise lernt man ein Land relativ gut kennen, das ist das Schönste an dieser Art des Reisens.

Am Ende der Reise – nach knapp vier Monaten – feierte ich meinen 23. Geburtstag. In einem Café gönnte ich mir einen Milchshake und eine Wasserpfeife. In der Zwischenzeit hatte meine Mutter den Semesterbeitrag an die Uni Marburg überwiesen und meine Einschreibung übernommen, sodass ich nahtlos weiterstudieren konnte. Die erste Woche des Semesters habe ich verpasst, weil ich noch in Ägypten unterwegs war – alles kein Problem.

Für weniger Verwegene: Herz und ein ausgestreckter Daumen sind nicht genug? Dann lohnt sich vielleicht ein Flatrate-Angebot für Bahn oder Flugzeug. Der Klassiker ist Interrail: Ab 175 Euro für fünf Tage kommt man mit der Bahn durch ganz Europa. In den USA kostet der Amtrak Rail Pass 429 Dollar für 15 Tage. Weltreisen sind am einfachsten mit einem Round-the-World-Ticket, das von mehreren Fluglinien angeboten wird. Der Preis variiert je nach Strecke, mit 2000 bis 4000 Euro kann man rechnen.

Leser-Kommentare
  1. Gleich im ersten Beispiel - Bachelor in 9 statt 6 Semestern. Wie schön, wenn man reiche Eltern hat oder irgendwelchen Pillepalle studiert, wo man nebenbei Zeit hat, zu arbeiten. Allen anderen sitzt die BaföG-Deadline im Nacken, und da ist es nicht wirklich realistisch, 9 Semester statt 6 zu brauchen, schon gar nicht, wenn man sich aufs Studium auch konzentrieren möchte, weil man gute Noten will und braucht.

    Sorry, aber solche Artikel sind doch bescheuert. Hedonistische Lebenstips für Leute, die sich's leisten können.

    9 Leser-Empfehlungen
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    Fehlt nur noch der Hinweis, dass die Studiengebühren auch bei einer solchen Haltung (..."gehört mir!"...) absolut unsozial angesehen und offen bekämpft werden.
    Sagen Sie das mal jemandem, der als Geselle neben der Arbeit die Meisterprüfung machen möchte! Oder dem 16-jährigen Lehrling, der während seiner zeitlich klar umrissenen Lehre selbstverständlich auch in zunehmendem Maße eine für den Lehrbetrieb brauchbare Arbeit abliefern muss!

    Es mag recht merkwürdig klingen, aber ich denke, dass viele wirklich arme Studenten von Bafög nur träumen können.
    Ich habe nie Bafög bekommen. Meine Eltern haben wohl zu viel verdient. Leider habe ich davon noch nie was gemerkt, denn Geld für mein Studium hatten sie nie. Na ja, das Geld musste wohl ins Benzin für den Arbeitsweg investiert werden.

    Ich denke viele Studenten verstecken sich gerne hinter der ganzen Bafög-Rückzahlung.
    Ich habe so ziemlich alles zum Bafög gelesen was es gibt und ich kenne die Grenzsätze wirklich gut.
    Wenn ein Student den Höchstförderungsbetrag beim Bafög bekommt, dann ist ein Elternteil höchstwahrscheinlich verstorben oder geht maximal Teilzeit arbeiten. Mathematisch ist das nicht anders zu erklären.
    Bafög ist dafür da, dass Mutti schön zu Hause bleiben kann und das Kind trotzdem studieren kann. Es geht also vornemlich um die Erhaltung des klassischen Familienbildes.

    Ich gönne wirklich jedem sein Bafög, aber das man darüber jammert, dass man mit Bafög maximal 10 000 Euro Schulden macht, ist schon ein wenig übertrieben.

    Insofern, wer über die Deadline beim Bafög jammert, sollte nicht vergessen, dass mancher Student mit weit über 10.000 Euro Schulden ins Berufsleben startet und nebenbei trotzdem jobben geht.
    Bafögberechtigte Studenten tragen nicht die Last der Welt auf ihren Schultern.
    Dieses Wissen macht das Studieren auch entspannter.

    • DK1987
    • 14.12.2012 um 15:01 Uhr

    Ich kenne genug Leute, die in ihrer Welt lebten, aber das sind diejenigen, die gerade Erfolg (Finanzielle Erfolge) haben.

    Schauen Sie sich Dietrich Mateschitz an.
    Er hat für sein Wiwi-Studium 10 Jahre gebraucht und ist heute der Redbull-Gründer.

    Ausnahmen? Sicher, aber mittlerweile gibt es zu viele Ausnahmen davon.

    Ich sage nicht, dass man deshalb extra extremst "chillen" sollte, aber es gibt immer offene und spannende Wege.

    Oder wollen Sie wirklich ganz abstrakt 6 Semester, Praktika, ohne Lücken im Lebenslauf erfüllen und sich selbst zum Sklaven machen?

    Fehlt nur noch der Hinweis, dass die Studiengebühren auch bei einer solchen Haltung (..."gehört mir!"...) absolut unsozial angesehen und offen bekämpft werden.
    Sagen Sie das mal jemandem, der als Geselle neben der Arbeit die Meisterprüfung machen möchte! Oder dem 16-jährigen Lehrling, der während seiner zeitlich klar umrissenen Lehre selbstverständlich auch in zunehmendem Maße eine für den Lehrbetrieb brauchbare Arbeit abliefern muss!

    Es mag recht merkwürdig klingen, aber ich denke, dass viele wirklich arme Studenten von Bafög nur träumen können.
    Ich habe nie Bafög bekommen. Meine Eltern haben wohl zu viel verdient. Leider habe ich davon noch nie was gemerkt, denn Geld für mein Studium hatten sie nie. Na ja, das Geld musste wohl ins Benzin für den Arbeitsweg investiert werden.

    Ich denke viele Studenten verstecken sich gerne hinter der ganzen Bafög-Rückzahlung.
    Ich habe so ziemlich alles zum Bafög gelesen was es gibt und ich kenne die Grenzsätze wirklich gut.
    Wenn ein Student den Höchstförderungsbetrag beim Bafög bekommt, dann ist ein Elternteil höchstwahrscheinlich verstorben oder geht maximal Teilzeit arbeiten. Mathematisch ist das nicht anders zu erklären.
    Bafög ist dafür da, dass Mutti schön zu Hause bleiben kann und das Kind trotzdem studieren kann. Es geht also vornemlich um die Erhaltung des klassischen Familienbildes.

    Ich gönne wirklich jedem sein Bafög, aber das man darüber jammert, dass man mit Bafög maximal 10 000 Euro Schulden macht, ist schon ein wenig übertrieben.

    Insofern, wer über die Deadline beim Bafög jammert, sollte nicht vergessen, dass mancher Student mit weit über 10.000 Euro Schulden ins Berufsleben startet und nebenbei trotzdem jobben geht.
    Bafögberechtigte Studenten tragen nicht die Last der Welt auf ihren Schultern.
    Dieses Wissen macht das Studieren auch entspannter.

    • DK1987
    • 14.12.2012 um 15:01 Uhr

    Ich kenne genug Leute, die in ihrer Welt lebten, aber das sind diejenigen, die gerade Erfolg (Finanzielle Erfolge) haben.

    Schauen Sie sich Dietrich Mateschitz an.
    Er hat für sein Wiwi-Studium 10 Jahre gebraucht und ist heute der Redbull-Gründer.

    Ausnahmen? Sicher, aber mittlerweile gibt es zu viele Ausnahmen davon.

    Ich sage nicht, dass man deshalb extra extremst "chillen" sollte, aber es gibt immer offene und spannende Wege.

    Oder wollen Sie wirklich ganz abstrakt 6 Semester, Praktika, ohne Lücken im Lebenslauf erfüllen und sich selbst zum Sklaven machen?

  2. Fehlt nur noch der Hinweis, dass die Studiengebühren auch bei einer solchen Haltung (..."gehört mir!"...) absolut unsozial angesehen und offen bekämpft werden.
    Sagen Sie das mal jemandem, der als Geselle neben der Arbeit die Meisterprüfung machen möchte! Oder dem 16-jährigen Lehrling, der während seiner zeitlich klar umrissenen Lehre selbstverständlich auch in zunehmendem Maße eine für den Lehrbetrieb brauchbare Arbeit abliefern muss!

    2 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Eliteproblemchen"
  3. Parties, lange brauchen und verliebt sein geben den zukünftigen Chefs die Ecken und Kanten, deren Fehlen sie bemängeln?
    Schließe mich dem ersten Kommentar zudem an - wenn man's Geld hat (und sich zudem später vorm zukünftigen Chef plausibel rechtfertigen kann/möchte)... Mit so enger Semesterbegrenzung beim Bafög und Langzeitstudiengebühren (bei meiner Uni nach 4 Semestern über Regelstudienzeit - worin auch Urlaubssemester enthalten sind, d.h. da kommt man doch recht schnell hin) ist das sehr vielen Studenten jedoch nicht möglich. Da kann bereits ein Semester mehr zur Qual werden.

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  4. "Aber inzwischen beschweren sich einige Personalchefs darüber, dass ihnen viele Bewerber die gleichen Bewerbungsunterlagen schicken: mit rotem Faden, aber ohne Persönlichkeit."

    Tja, das kommt halt davon, wenn man im BA/MA-System nicht mal Milimeter vom vorgegeben Stoff abweichen darf, will man keine Credits riskieren. Heraus kommt dann eben der austauschbare 08/15 - Bewerber, der sich nur in der Endnote von anderen unterscheidet. Aber selbst da geht ja die Tendenz dazu, nur noch gute Noten zu vergeben.

    Aufgrund spontaner Amnesie wird dann natürlich vergessen, dass es gerade die Wirtschaft war, die dieses absurde System auf den Weg bringen wollte.

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  5. ich verfolge nach einem fast reinem dauer-lern informatik bachelor einen ausgeglichenen master mit hin und wieder partyeinlagen und erlernen eines 2ten fachs auf eigene faust (musik) und belege nur kurse die mich interessieren und würde nie auf die idee kommen potentielle arbeit"geber" in meinen gedanken um erlaubnis zu fragen was ich lernen soll...

    soweit kommts noch. die können ihre BA studenten damit volltrödeln. Das einzigste argument das zieht ist die finanzierung aber das muss sich ja nicht ausschließen. ich verstehe die völlig arbeitgeber unterwürfige menge an studenten überhaupt nicht, erwartet ihr einen korb geschenke dafür oder was? im endeffekt zählt auch die persönlichkeit des menschen an sich, wie "weit" er die leiter nach oben klettern kann (sich verkaufen können) und damit meine ich nicht powerpoint folien zusammen zu klicken. Im wissenschaftlichem bereich braucht man eben eien gewisse zeit um die theoretischen dinge auch soweit zu durchdringen bis man es praktisch umsetzen kann, mit prüfungsfragen lernen klappt das leider nicht.

    ich denke den trugschluss den sich die (böse) wirtschaft macht ist das immer jüngere studenten weniger ausgaben bedeuten aber sie haben vergessen das sie sich wohl bewusst sind für den stress auch angemessen bezahlt zu werden...

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  6. Was soll denn dieser Artikel aussagen? Jeder Student soll doch selbst entscheiden, was er will. Und ganz ehrlich: Jemand, der nicht weiss, wie man feiert, ist kein Student, sondern ein Langweiler.

    Also aus meiner Sicht kein Elitenproblem, sondern ein Problem des Pöbels, der sich an der Uni rumtreibt....

    Und einen Tipp noch: Nehmt IMMER die Studienordnung GANZ WICHTIG! Sonst kann man sich das Studium in den Hintern stecken, auch wenn man toll feiern geht, reisen war oder sonst was gemacht hat.
    Die einzige Verpflichtung, die ein Student nämlich hat, ist sich an die Studienordnung zu halten. Und wem das nicht passt, der soll halt nicht studieren!

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