LebensplanungMein Studium gehört mir
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Ziel Nr. 3: Lieben

Kann man ein Paar bleiben trotz Erasmusjahr? Die Liebesgeschichte von Mattes Liebsch, 27, und Juliane Petereit, 23, zeigt: Ja

Juliane hält den Schmerz kaum aus. Sie wollte einmal um Jena wandern, 100 Kilometer in 24 Stunden, doch schon bald drückt eine Blase an ihrem Fuß. Fast möchte sie aufgeben, da dreht sich jemand zu ihr um und lächelt. Mattes. Er sagt etwas, sie hört es kaum, dann laufen sie gemeinsam über die Ziellinie. Bis heute ist es dieses Lächeln, das Juliane an Mattes am liebsten mag.

An die Wanderung denkt Juliane Monate später, als sie für ein Erasmusjahr in Grenoble ist. Sie sitzt allein in ihrem Zimmer, in einer WG, in der sie niemanden so richtig kennt, und wartet auf die Skype-Melodie. Wenn sie auf den kleinen grünen Hörer klickt, sieht sie Mattes, der auf seiner Matratze in Dortmund liegt und hofft, dass auf seinem Monitor gleich das Gesicht von Juliane erscheint. In diesen Sekunden denkt Mattes manchmal: »Es war eine blöde Idee, kurz vor dem Auslandsjahr eine Beziehung anzufangen.« Aber sobald er Julianes Sommersprossen sieht, bedauert er nur noch, dass die Internetverbindung so langsam ist, dass ihre roten Haare verpixeln und auf dem Bildschirm nicht so schön leuchten wie in echt.

In der Nacht nach dem 100-Kilometer-Lauf, als Juliane sich zum ersten Mal in Mattes Arm kuschelt, kann sie nicht einschlafen. Stunde um Stunde zählt sie die Schläge der Kirchturmuhr. Sie spürt, wie die Zeit vergeht. In ein paar Wochen wird es mit Mattes und ihr vorbei sein. Juliane, die seit vier Semestern ihren Bachelor in Politik und Wirtschaft in Erfurt macht, wird dann für ein ganzes Jahr nach Frankreich gehen. »Das macht doch keinen Sinn«, sagt er zu ihr. Er hat gerade sein Physik-Diplom in Jena geschafft und will für seine Promotion nach Dortmund ziehen. Sie sind sich einig: Fernbeziehung – auf keinen Fall. Schon gar nicht über tausend Kilometer.

Fernbeziehung – ja oder nein?

An einem Abend im Juni ist alles anders. Juliane und Mattes sitzen auf einer Bank, hinter ihnen rauscht der Verkehr über die Straße. Bald wird Juliane in ein Auto steigen und in Richtung Süden verschwinden. Obwohl das so nicht geplant war, haben Juliane und Mattes seit der Wanderung jede freie Minute zusammen verbracht. Juliane ist meistens direkt nach der Uni zu Mattes gefahren, dann haben sie gekocht, gekuschelt, miteinander geschlafen. Sich für immer zu verabschieden, diese Vorstellung kann auch Mattes auf einmal nicht mehr ertragen. Deshalb spricht er aus, was ihn umtreibt: »Vielleicht sollten wir es doch mit der Fernbeziehung probieren?«

In Grenoble fährt Juliane jeden Abend mit dem Fahrrad von der Uni in ihre neue WG, direkt neben dem Kneipenviertel. Damals, an dem Juniabend auf der Bank, hat sie mit Mattes etwas abgemacht: Zusammenbleiben ja, aber bloß nicht jeden Tag skypen. Höchstens zwei, drei Mal die Woche, damit sie sich beide auf ihr neues Leben einlassen können. Aber wenn Juliane auf ihrem Heimweg ihre Kommilitonen trifft, geht sie fast nie mit ihnen etwas trinken. Lieber telefoniert sie mit Mattes. Jeden Abend von elf bis halb eins. Manchmal nervt sie das, weil Juliane spürt, dass sie nicht richtig in Frankreich angekommen ist. Sie kann sich in den Vorlesungen nicht konzentrieren, die meisten Kurse interessieren sie nicht, zu Makro-Ökonomie geht sie bald gar nicht mehr hin. Doch Mattes ist auch nicht richtig da. Sie kann ihn auf ihrem Laptop sehen, aber nicht in seinem Arm einschlafen.

Immer, wenn Juliane und Mattes sich nach ein paar Wochen wiedersehen, sind sie einander ein bisschen fremd geworden, es dauert, bis die Distanz zwischen ihnen kleiner wird. Und immer, wenn sie sich wieder ganz nah sind, ist der Besuch vorbei. Für Mattes ist die Rückfahrt nach Dortmund schlimm. Dann schreibt er Juliane eine SMS: »Ich sitz im Zug, der immer weiter weg fährt :( und guck in den franz. Sonnenuntergang.«

Das Warten und Skypen nimmt kein Ende

Irgendwann hält Juliane es nicht mehr aus. Sie verflucht ihr Bett in Grenoble, auf dem sie alleine liegen muss. Das ständige Warten! Wochen, Monate! Sie holt ein Foto hervor, das Mattes ihr geschenkt hat. Es zeigt ihn grinsend hinter einem Berg von Physikbüchern. Auf dem Foto steht: »Baby, I treat you like my homework: I slam you on the table and do you all night long«. Egal, wie traurig Juliane ist, darüber muss sie immer lachen.

Dann fährt Mattes zum letzten Mal nach Grenoble. 13 Stunden mit dem Auto seiner Eltern, um Juliane und ihre ganzen Sachen abzuholen und nach Deutschland zu bringen. Das Erasmusjahr ist vorbei.

Das Warten und Skypen nimmt aber kein Ende: Juliane muss zurück nach Erfurt, ihren Bachelor machen. Bis nach Dortmund, bis zu Mattes, ist die Distanz immer noch sehr weit, fast 400 Kilometer. Juliane wünscht sich, dass sie irgendwann jeden Abend nebeneinander einschlafen können, Mattes träumt vom gemeinsamen Aufwachen.

»Maximalstens in 14 Monaten werden wir zusammenziehen«, schreibt Juliane Mattes in einer SMS. Und wenn plötzlich doch einmal Zweifel in ihr aufsteigen, erinnert sie sich daran, was Mattes zu ihr gesagt hat, als sie ihr Erasmusjahr in Grenoble einmal fast abgebrochen hätte: »Das ist jetzt unser 100-Kilometer-Lauf, wir schaffen das!«

Leser-Kommentare
  1. Gleich im ersten Beispiel - Bachelor in 9 statt 6 Semestern. Wie schön, wenn man reiche Eltern hat oder irgendwelchen Pillepalle studiert, wo man nebenbei Zeit hat, zu arbeiten. Allen anderen sitzt die BaföG-Deadline im Nacken, und da ist es nicht wirklich realistisch, 9 Semester statt 6 zu brauchen, schon gar nicht, wenn man sich aufs Studium auch konzentrieren möchte, weil man gute Noten will und braucht.

    Sorry, aber solche Artikel sind doch bescheuert. Hedonistische Lebenstips für Leute, die sich's leisten können.

    9 Leser-Empfehlungen
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    Fehlt nur noch der Hinweis, dass die Studiengebühren auch bei einer solchen Haltung (..."gehört mir!"...) absolut unsozial angesehen und offen bekämpft werden.
    Sagen Sie das mal jemandem, der als Geselle neben der Arbeit die Meisterprüfung machen möchte! Oder dem 16-jährigen Lehrling, der während seiner zeitlich klar umrissenen Lehre selbstverständlich auch in zunehmendem Maße eine für den Lehrbetrieb brauchbare Arbeit abliefern muss!

    Es mag recht merkwürdig klingen, aber ich denke, dass viele wirklich arme Studenten von Bafög nur träumen können.
    Ich habe nie Bafög bekommen. Meine Eltern haben wohl zu viel verdient. Leider habe ich davon noch nie was gemerkt, denn Geld für mein Studium hatten sie nie. Na ja, das Geld musste wohl ins Benzin für den Arbeitsweg investiert werden.

    Ich denke viele Studenten verstecken sich gerne hinter der ganzen Bafög-Rückzahlung.
    Ich habe so ziemlich alles zum Bafög gelesen was es gibt und ich kenne die Grenzsätze wirklich gut.
    Wenn ein Student den Höchstförderungsbetrag beim Bafög bekommt, dann ist ein Elternteil höchstwahrscheinlich verstorben oder geht maximal Teilzeit arbeiten. Mathematisch ist das nicht anders zu erklären.
    Bafög ist dafür da, dass Mutti schön zu Hause bleiben kann und das Kind trotzdem studieren kann. Es geht also vornemlich um die Erhaltung des klassischen Familienbildes.

    Ich gönne wirklich jedem sein Bafög, aber das man darüber jammert, dass man mit Bafög maximal 10 000 Euro Schulden macht, ist schon ein wenig übertrieben.

    Insofern, wer über die Deadline beim Bafög jammert, sollte nicht vergessen, dass mancher Student mit weit über 10.000 Euro Schulden ins Berufsleben startet und nebenbei trotzdem jobben geht.
    Bafögberechtigte Studenten tragen nicht die Last der Welt auf ihren Schultern.
    Dieses Wissen macht das Studieren auch entspannter.

    • DK1987
    • 14.12.2012 um 15:01 Uhr

    Ich kenne genug Leute, die in ihrer Welt lebten, aber das sind diejenigen, die gerade Erfolg (Finanzielle Erfolge) haben.

    Schauen Sie sich Dietrich Mateschitz an.
    Er hat für sein Wiwi-Studium 10 Jahre gebraucht und ist heute der Redbull-Gründer.

    Ausnahmen? Sicher, aber mittlerweile gibt es zu viele Ausnahmen davon.

    Ich sage nicht, dass man deshalb extra extremst "chillen" sollte, aber es gibt immer offene und spannende Wege.

    Oder wollen Sie wirklich ganz abstrakt 6 Semester, Praktika, ohne Lücken im Lebenslauf erfüllen und sich selbst zum Sklaven machen?

    Fehlt nur noch der Hinweis, dass die Studiengebühren auch bei einer solchen Haltung (..."gehört mir!"...) absolut unsozial angesehen und offen bekämpft werden.
    Sagen Sie das mal jemandem, der als Geselle neben der Arbeit die Meisterprüfung machen möchte! Oder dem 16-jährigen Lehrling, der während seiner zeitlich klar umrissenen Lehre selbstverständlich auch in zunehmendem Maße eine für den Lehrbetrieb brauchbare Arbeit abliefern muss!

    Es mag recht merkwürdig klingen, aber ich denke, dass viele wirklich arme Studenten von Bafög nur träumen können.
    Ich habe nie Bafög bekommen. Meine Eltern haben wohl zu viel verdient. Leider habe ich davon noch nie was gemerkt, denn Geld für mein Studium hatten sie nie. Na ja, das Geld musste wohl ins Benzin für den Arbeitsweg investiert werden.

    Ich denke viele Studenten verstecken sich gerne hinter der ganzen Bafög-Rückzahlung.
    Ich habe so ziemlich alles zum Bafög gelesen was es gibt und ich kenne die Grenzsätze wirklich gut.
    Wenn ein Student den Höchstförderungsbetrag beim Bafög bekommt, dann ist ein Elternteil höchstwahrscheinlich verstorben oder geht maximal Teilzeit arbeiten. Mathematisch ist das nicht anders zu erklären.
    Bafög ist dafür da, dass Mutti schön zu Hause bleiben kann und das Kind trotzdem studieren kann. Es geht also vornemlich um die Erhaltung des klassischen Familienbildes.

    Ich gönne wirklich jedem sein Bafög, aber das man darüber jammert, dass man mit Bafög maximal 10 000 Euro Schulden macht, ist schon ein wenig übertrieben.

    Insofern, wer über die Deadline beim Bafög jammert, sollte nicht vergessen, dass mancher Student mit weit über 10.000 Euro Schulden ins Berufsleben startet und nebenbei trotzdem jobben geht.
    Bafögberechtigte Studenten tragen nicht die Last der Welt auf ihren Schultern.
    Dieses Wissen macht das Studieren auch entspannter.

    • DK1987
    • 14.12.2012 um 15:01 Uhr

    Ich kenne genug Leute, die in ihrer Welt lebten, aber das sind diejenigen, die gerade Erfolg (Finanzielle Erfolge) haben.

    Schauen Sie sich Dietrich Mateschitz an.
    Er hat für sein Wiwi-Studium 10 Jahre gebraucht und ist heute der Redbull-Gründer.

    Ausnahmen? Sicher, aber mittlerweile gibt es zu viele Ausnahmen davon.

    Ich sage nicht, dass man deshalb extra extremst "chillen" sollte, aber es gibt immer offene und spannende Wege.

    Oder wollen Sie wirklich ganz abstrakt 6 Semester, Praktika, ohne Lücken im Lebenslauf erfüllen und sich selbst zum Sklaven machen?

  2. Fehlt nur noch der Hinweis, dass die Studiengebühren auch bei einer solchen Haltung (..."gehört mir!"...) absolut unsozial angesehen und offen bekämpft werden.
    Sagen Sie das mal jemandem, der als Geselle neben der Arbeit die Meisterprüfung machen möchte! Oder dem 16-jährigen Lehrling, der während seiner zeitlich klar umrissenen Lehre selbstverständlich auch in zunehmendem Maße eine für den Lehrbetrieb brauchbare Arbeit abliefern muss!

    2 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Eliteproblemchen"
  3. Parties, lange brauchen und verliebt sein geben den zukünftigen Chefs die Ecken und Kanten, deren Fehlen sie bemängeln?
    Schließe mich dem ersten Kommentar zudem an - wenn man's Geld hat (und sich zudem später vorm zukünftigen Chef plausibel rechtfertigen kann/möchte)... Mit so enger Semesterbegrenzung beim Bafög und Langzeitstudiengebühren (bei meiner Uni nach 4 Semestern über Regelstudienzeit - worin auch Urlaubssemester enthalten sind, d.h. da kommt man doch recht schnell hin) ist das sehr vielen Studenten jedoch nicht möglich. Da kann bereits ein Semester mehr zur Qual werden.

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  4. "Aber inzwischen beschweren sich einige Personalchefs darüber, dass ihnen viele Bewerber die gleichen Bewerbungsunterlagen schicken: mit rotem Faden, aber ohne Persönlichkeit."

    Tja, das kommt halt davon, wenn man im BA/MA-System nicht mal Milimeter vom vorgegeben Stoff abweichen darf, will man keine Credits riskieren. Heraus kommt dann eben der austauschbare 08/15 - Bewerber, der sich nur in der Endnote von anderen unterscheidet. Aber selbst da geht ja die Tendenz dazu, nur noch gute Noten zu vergeben.

    Aufgrund spontaner Amnesie wird dann natürlich vergessen, dass es gerade die Wirtschaft war, die dieses absurde System auf den Weg bringen wollte.

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  5. ich verfolge nach einem fast reinem dauer-lern informatik bachelor einen ausgeglichenen master mit hin und wieder partyeinlagen und erlernen eines 2ten fachs auf eigene faust (musik) und belege nur kurse die mich interessieren und würde nie auf die idee kommen potentielle arbeit"geber" in meinen gedanken um erlaubnis zu fragen was ich lernen soll...

    soweit kommts noch. die können ihre BA studenten damit volltrödeln. Das einzigste argument das zieht ist die finanzierung aber das muss sich ja nicht ausschließen. ich verstehe die völlig arbeitgeber unterwürfige menge an studenten überhaupt nicht, erwartet ihr einen korb geschenke dafür oder was? im endeffekt zählt auch die persönlichkeit des menschen an sich, wie "weit" er die leiter nach oben klettern kann (sich verkaufen können) und damit meine ich nicht powerpoint folien zusammen zu klicken. Im wissenschaftlichem bereich braucht man eben eien gewisse zeit um die theoretischen dinge auch soweit zu durchdringen bis man es praktisch umsetzen kann, mit prüfungsfragen lernen klappt das leider nicht.

    ich denke den trugschluss den sich die (böse) wirtschaft macht ist das immer jüngere studenten weniger ausgaben bedeuten aber sie haben vergessen das sie sich wohl bewusst sind für den stress auch angemessen bezahlt zu werden...

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  6. Was soll denn dieser Artikel aussagen? Jeder Student soll doch selbst entscheiden, was er will. Und ganz ehrlich: Jemand, der nicht weiss, wie man feiert, ist kein Student, sondern ein Langweiler.

    Also aus meiner Sicht kein Elitenproblem, sondern ein Problem des Pöbels, der sich an der Uni rumtreibt....

    Und einen Tipp noch: Nehmt IMMER die Studienordnung GANZ WICHTIG! Sonst kann man sich das Studium in den Hintern stecken, auch wenn man toll feiern geht, reisen war oder sonst was gemacht hat.
    Die einzige Verpflichtung, die ein Student nämlich hat, ist sich an die Studienordnung zu halten. Und wem das nicht passt, der soll halt nicht studieren!

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