LebensplanungMein Studium gehört mir

Lesen, Reisen, Lieben – oder möglichst schnell fertig werden? Wir zeigen, wie man an der Uni den eigenen Zielen folgt und die Studienordnung dabei nicht zu wichtig nimmt.

Was mache ich hier eigentlich? Irgendwann kommt wohl in jedem Studium dieser Moment, in dem man sich die Frage stellt. In einer trockenen Vorlesung vielleicht oder kurz danach, beim Auswendiglernen des Stoffes. Beim Blick auf den Modulplan, der kaum Freizeit lässt. Oder im Seminar, wenn der Termin für die sechste Klausur des Semesters bekannt gegeben wird. Was mache ich hier eigentlich?

Die Beantwortung dieser Frage kann einem niemand abnehmen. Wie ein Studium auszusehen hat, glauben zwar viele zu wissen. Doch sie widersprechen sich dabei ständig. Zum Beispiel steht im Studienverlaufsplan, wie man alle Module genau so belegt, dass man in jedem Semester die richtige Menge an Creditpoints sammelt, um in der Regelstudienzeit wieder aus der Uni raus zu sein. Dazu passt nicht, was viele Dozenten schon in ihrer ersten Seminarsitzung sagen: Wer sich wirklich für ein Fach begeistere, wer eine Theorie oder eine Technik verstehen und nicht bloß auswendig lernen wolle, der müsse viel Zeit investieren. Was denn jetzt?

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»Man braucht einen roten Faden im Studium!«, das fordern seit Jahren die Personalchefs der großen Unternehmen. Sie wollen die passenden Praktika im Lebenslauf sehen, die passenden Schwerpunktfächer, am besten noch die passenden Hobbys. Aber inzwischen beschweren sich einige Personalchefs darüber, dass ihnen viele Bewerber die gleichen Bewerbungsunterlagen schicken: mit rotem Faden, aber ohne Persönlichkeit. Sie sagen, es fehle vielen Uni-Absolventen an Außergewöhnlichem, an Ecken und Kanten und auch an Lebenserfahrung. Tja, dumm gelaufen.

Deshalb wäre es ehrlicher, wenn jede Studienordnung statt mit einer Modulbeschreibung mit denselben Sätzen beginnen würde. Sie lauten: »Machen Sie sich frei von dem, was andere von Ihnen wollen, und überlegen Sie, welche Ziele Sie an der Uni erreichen wollen. Und dann: Machen Sie das einfach.«

ZEIT Campus 6/2012

Denn schaut man sich unter den älteren Kommilitonen um, dann scheint es so, als könne das wirklich klappen: sich trotz Praktika, Creditpoints und Klausurterror im Bachelorstudium Freiräume erkämpfen.

»Was machen Sie hier eigentlich?« – das haben wir Studenten gefragt. Wir haben Geschichten gesammelt, wie man trotz Bachelorstress das Lernen, Leben und Lieben nicht vergisst (oder wie man schneller studiert als alle anderen). Das Ergebnis sind sechs ganz unterschiedliche Ziele fürs Studium – und dazu Tipps, wie man ihnen näher kommt.

Leser-Kommentare
  1. Es mag recht merkwürdig klingen, aber ich denke, dass viele wirklich arme Studenten von Bafög nur träumen können.
    Ich habe nie Bafög bekommen. Meine Eltern haben wohl zu viel verdient. Leider habe ich davon noch nie was gemerkt, denn Geld für mein Studium hatten sie nie. Na ja, das Geld musste wohl ins Benzin für den Arbeitsweg investiert werden.

    Ich denke viele Studenten verstecken sich gerne hinter der ganzen Bafög-Rückzahlung.
    Ich habe so ziemlich alles zum Bafög gelesen was es gibt und ich kenne die Grenzsätze wirklich gut.
    Wenn ein Student den Höchstförderungsbetrag beim Bafög bekommt, dann ist ein Elternteil höchstwahrscheinlich verstorben oder geht maximal Teilzeit arbeiten. Mathematisch ist das nicht anders zu erklären.
    Bafög ist dafür da, dass Mutti schön zu Hause bleiben kann und das Kind trotzdem studieren kann. Es geht also vornemlich um die Erhaltung des klassischen Familienbildes.

    Ich gönne wirklich jedem sein Bafög, aber das man darüber jammert, dass man mit Bafög maximal 10 000 Euro Schulden macht, ist schon ein wenig übertrieben.

    Insofern, wer über die Deadline beim Bafög jammert, sollte nicht vergessen, dass mancher Student mit weit über 10.000 Euro Schulden ins Berufsleben startet und nebenbei trotzdem jobben geht.
    Bafögberechtigte Studenten tragen nicht die Last der Welt auf ihren Schultern.
    Dieses Wissen macht das Studieren auch entspannter.

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    Antwort auf "Eliteproblemchen"
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    • 15thMD
    • 14.12.2012 um 1:15 Uhr

    Ich habe einen Bekannten bei mir in der Vorlesung, da arbeiten beide Eltern ganztags seit vielen Jahren. Bafög gibts trotzdem, verdientermaßen. Dennoch ist mir die Bemessung zu beliebig, Bürokratie macht eben doch nicht alles fairer.

    Und wenn es eben irgendwann keins mehr gibt, dann muss man eben noch zusätzlich einen Kredit aufnehmen, wenn es einem die zusätzliche Zeit wert ist. Wenn man kein Problem mit dem relativ minimalistischen Studentenleben hat.

    Haben Sie Erfahrung mit Studentenkrediten? Wie sind die Konditionen?

    • 15thMD
    • 14.12.2012 um 1:15 Uhr

    Ich habe einen Bekannten bei mir in der Vorlesung, da arbeiten beide Eltern ganztags seit vielen Jahren. Bafög gibts trotzdem, verdientermaßen. Dennoch ist mir die Bemessung zu beliebig, Bürokratie macht eben doch nicht alles fairer.

    Und wenn es eben irgendwann keins mehr gibt, dann muss man eben noch zusätzlich einen Kredit aufnehmen, wenn es einem die zusätzliche Zeit wert ist. Wenn man kein Problem mit dem relativ minimalistischen Studentenleben hat.

    Haben Sie Erfahrung mit Studentenkrediten? Wie sind die Konditionen?

  2. Ich finde erstaunlich wie anders wir die Lage sehen. Ich selbst werde meinen Bachelor in 9-10 Semestern machen und studiere VWL.

    Ich finanziere mein Studium selbst, gehe viel weg und gönne mir auch Zeit Bücher zu lesen und andere Interessen zu verfolgen. Das ist zum Beispiel möglich indem man in der Gastronomie arbeitet (hier ist das Thema "Trinkgeld und Steuern" wichtig).

    Ehrenamtlich betreue ich im Sommer und Winter Kinder und Jugendliche, wodurch ich gleichzeit selbst "Urlaub" machen kann.

    Ich studiere übrigens nicht 10 Semester weil ich ständig durchfalle, sondern weil ich lieber Zeit in anderen Ländern verbringe um studienferne Dinge zu lernen..

    Also schreibt bitte nicht, dass das ein "Eliteproblem" ist - lasst die Leute doch studieren oder sonstwas tun.
    Nicht jeder hat Lust und Laune mit 22 für 100k im Jahr in einer Unternehmensberatung zu schaffen.

    3 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Mir fehlt Punkt 0"
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    Entfernt, bitte gehen Sie sachlicher auf andere Kommentare ein. Danke, die Redaktion/se

    Entfernt, bitte gehen Sie sachlicher auf andere Kommentare ein. Danke, die Redaktion/se

    • 15thMD
    • 14.12.2012 um 1:15 Uhr

    Ich habe einen Bekannten bei mir in der Vorlesung, da arbeiten beide Eltern ganztags seit vielen Jahren. Bafög gibts trotzdem, verdientermaßen. Dennoch ist mir die Bemessung zu beliebig, Bürokratie macht eben doch nicht alles fairer.

    Und wenn es eben irgendwann keins mehr gibt, dann muss man eben noch zusätzlich einen Kredit aufnehmen, wenn es einem die zusätzliche Zeit wert ist. Wenn man kein Problem mit dem relativ minimalistischen Studentenleben hat.

    Haben Sie Erfahrung mit Studentenkrediten? Wie sind die Konditionen?

  3. Ich muss einfach mal anmerken, dass ich dieses Artikel und einige Kommentare sehr inspirierend finde und ich mich sehr gut damit identifizieren kann.
    Ich bin kein besonderer Mensch, ich würde mich als durchschnittlich beschreiben. Ein junger(20), unerfahrener Student, mit langfristigen Zielen und wenig Lebenserfahrung, der manchmal das Gefühl der Orientierungslosigkeit hat. In meinen zwei Semestern habe ich bis jetzt viele sehr talentierte Menschen kennengelernt die das Herz & Verantwortungsbewusstsein am rechten Fleck haben jedoch schlichtweg mit den tausenden Möglichkeiten des Lebens überfordert sind. Wie soll man denn auch am Anfang seiner 20er Jahre wissen wohin der Weg einen führen sollte? Auch wenn ich (zurecht) kein Bafög bekomme werde ich später, wie meine Eltern zur Zeit, sehr gerne einen Teil meiner Steuern für die Menschen aufbringen, die ihren Platz im Leben noch nicht gefunden haben. Dank eigener Bologna-Erfahrungen bekomme ich jetzt schon eine Gefühl dafür, dass es Zeit braucht für zielgerichtete Orientierung und Entwicklung. Meine Schwester musste z.B. ihr Studium beenden und ist nun sehr glücklich mit ihrer neuen Wahl. Natürlich gibt es vereinzelt das ein oder andere schwarze Schaaf, welches sich auf Kosten von anderen Steuerzahler länger gut gehen lässt. Aber die Mehrheit nicht!
    Nichtsdestotrotz, gibt uns Studenten Zeit für die Entwicklung... die vielfältigen Möglichkeiten des Lebens eines jungen Menschen haben sich über die letzten Jahrzehnte verändert.

    2 Leser-Empfehlungen
  4. Ich kann den meisten Kommentargebern nur beipflichten. Wie habe ich im Studium die reichern Töchter und Söhne gehasst, die mal eben zweimal im Jahr für 4 Wochen hier , mal dorthin fliegen. Shoppen bis die Karte glüht und mir dann noch erzählen, das gutes Schuhwerk erst ab 700 € anfängt. Deren ständig gute Laune, weil immer Geld da ist, möchte ich mal nachvollziehen. Habe geackert wie ein Tier, teilweise zwei Nebenjobs gehabt und bis Nachts in der Uni gesessen. So ein verwöhntes Gör soll mir mal später unter die Augen kommen. Der oder dem lese ich aber die Leviten. Und solche Leute machen dann auch noch Karriere. Das macht mich krank.....

    2 Leser-Empfehlungen
  5. 22. [...]

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    Antwort auf "Eliteproblem?"
  6. Auch wenn inzwischen ganze Horden, so ein mir bekanneter Prof. in Köln, an den Hochschulen sind: Die weitaus große Mehrheit verdingt sich in Jobs außer(nicht "unter-)-halb des akademischen Bereichs. Und die zahlen dafür Steuern, Krankenkassenbeiträge und vor allem auch Rentenbeiträge. Es ist einfach unsozial dieser Gruppe gegenüber, sich einen feinen Lenz zu machen. Wenn dann einer auf eigene Kosten nach abgeschlossenem Studium einen Trip um die Welt macht, um seine Laufbahn 08/15-frei zu machen: O.K. Manchmal ist so eine Erfahrung wirklich gut. Nur: Hoffentlich sehen es die Arbeitgebner auch so und die fehlenden Punkte in der Rentenversicherung sollte man dann nicht bemänglen oder später durch Forderungen nach leistungsunabhängigen Grundrenten argumentieren!Wirklich frei ist nur der, der von anderen nichts will!

  7. Lieber Steuerzahler,

    mein Studium gehört mir.Denn ich bin Du.Ich habe mich dafür entschieden nicht auf dem direkten Weg über (das Karriere-)Los zu ziehen und mir als Geselle/Meister/Ausgeb. Facharbeiter eine der letzten echten Festanstellungen im Berufsmononopoly zu sichern.Statt dessen will ich:Lernen, Wissen, Untersuchen - kurz: studieren.Ich will begreifen, wie jeder Handgriff den ich & Du tun damit zusammenhängt, dass unsere Wirtschaft wächst,während der durchschnittliche Wohlstand gleichzeitig abnimmt (kuck mal hier: http://www.zeit.de/wirtsc...);ich will wissen,wie mein Mittagessen dafür sorgt, dass ein äthiopischer Bauer nicht mehr von seiner Arbeit Leben kann - und ich will wissen, warum es in einem global ständig zunehmenden Reichtum sein kann,dass Du und ich uns um eine Festanstellung streiten müssen,unsere Elite jeglichen
    Realitätsbezug verloren hat und der Bauer in Afrika hungert.
    Nimm Du die Anstellung,ich will's wissen!

    Deswegen nehme ich seit 6,5 Jahren ein Leben am Existenzminimum auf mich.Dein Darlehen mag ich nicht, sonst sagst Du mir irgendwann wie ich Leben soll.Und dazu hab ich dann dank der Neugier meiner Profs und der 3-Mini-Jobs die ich mir irgendwann zugelegt habe um die von Dir geforderten "Studiengebühren" zu bezahlen, nicht mal mehr Zeit. Übrigens:Das "mehr" Geld wurde idR. à la "Stuttgart-Hbf" investiert und verwaltet.Frag mal an deiner örtlichen Uni nach! Die Wissen Bescheid!

    Dein Student.

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