Aber gleichzeitig gibt es auch deshalb mehr Konkurrenz um den knappen Wohnraum, weil seit einigen Jahren die Stadtzentren als Wohnort besonders angesagt sind. Familien ziehen mit ihren Kindern seltener als früher weg. Senioren kommen aus den Vororten zurück in die Städte. »Die ziehen in Wohnungen, die auch für Studenten geeignet wären, deren Vermieter jetzt aber auf höhere Einkommensschichten abzielen«, sagt der Immobilienökonom Michael Voigtländer.

Seit 2003 sind die Mieten in Berlin um 40 Prozent gestiegen, sagt Voigtländer. Zwar seien die Einkommen in der gleichen Zeit ebenfalls gewachsen. Doch das gilt eben nicht für alle. »Studenten und andere Niedrigverdiener sind von solchen Steigerungen entkoppelt. Das macht es für sie schwieriger, Wohnraum zu finden«, sagt Voigtländer.

Die Entwicklung ist in Berlin besonders rasant – im Prinzip gilt jedoch für die meisten Universitätsstädte das Gleiche. 

Immer mehr Menschen leben alleine

Die Nachfrage nach Wohnungen ist groß – warum werden also nicht einfach neue gebaut? Bei einem größeren Angebot würden die Mieten sinken. Aber Investoren gehen mit jedem neuen Haus ein Risiko ein: Wird dort jemand einziehen? Und finden sich auch in zehn Jahren noch Mieter? Es sei sehr schwer zu berechnen, wie sich die Nachfrage nach Wohnungen in Zukunft entwickelt, sagt der Volkswirt Reiner Braun. Braun beschäftigt sich für das Beratungsunternehmen Empirica mit Immobilienmärkten. Er erklärt, dass sich viele Investoren in den vergangenen Jahren dachten: Die Bevölkerung wird älter und schrumpft, warum sollen wir bauen?

»Das war ein Fehler«, sagt Braun. Denn die Zahl der Haushalte steigt, obwohl die Bevölkerungszahl zurückgeht. Der Grund dafür ist, dass immer mehr Menschen in ihren Wohnungen allein leben. Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass es bis zum Jahr 2025 noch mehr Ein- und Zweipersonenhaushalte geben wird. Damit würde auch die Nachfrage nach Wohnraum weiter steigen.

Warum neben einer Stadt wie Berlin, die Mieter und auch Touristen aus aller Welt anzieht, selbst in Münster die Wohnungen knapp werden, kann Reiner Braun ebenfalls erklären. Eine Region sei dann attraktiv und wachse, wenn vier Faktoren stimmen: Landschaft, Infrastruktur, Lebensqualität und Arbeit – kurz LILA. Münster ist dunkellila eingefärbt: Viel Grünfläche, eine große Universität, vor einigen Jahren bekam Münster sogar eine internationale Auszeichnung als besonders lebenswerte Stadt.

Die Folge beschreibt das Anleger-Magazin Capital: »In Münster gibt es nur Gewinner. Fast überall werden die Preise steigen.« Was Capital nicht schreibt: Zu diesen Gewinnern zählen ausschließlich die Investoren und Vermieter, nicht die Mieter – und schon gar nicht die Studenten.

Doch wie geht es jetzt weiter? Langfristig lässt sich das Problem vielleicht lösen: In den nächsten Jahre dürften die Wohnungsmärkte wohl auf die hohe Nachfrage nach Wohnraum reagieren, die Investoren in Münster und in anderen Universitätsstädten würden dann wieder neue Häuser bauen, der Platzmangel wäre abgemildert. In Berlin steigt zudem der Druck auf die Landespolitik, endlich wieder mehr Sozialwohnungen zu schaffen. Außerdem werden die Studentenzahlen nach der aktuellen Boomphase wieder leicht sinken.

Für Alexander Schäfer, den Erzieher aus Köln, der zum Studieren nach Münster ziehen möchte, wird das alles ein paar Jahre zu spät kommen. Sollte er gar nichts finden, will er erst einmal wieder bei seiner Mutter in Köln einziehen und jeden Tag nach Münster pendeln – zweieinhalb Stunden dauert die Fahrt pro Strecke. Für den 22-Jährigen ist das immer noch besser, als im Zelt vor der Universität zu schlafen.