BerufseinstiegWas erwartet mich im Berufsleben?

Je nach Studienabschluss unterscheiden sich Anforderungen und Einstieg im Beruf. Wir zeigen, was Hochschulabsolventen je nach Fachrichtung im Berufsleben erwartet.

Anfangen als Wirtschaftswissenschaftler:

Meist haben Wirtschaftswissenschaftler schon im Studium entschieden, ob sie sich auf ein Fachgebiet wie Marketing, Finanzen oder Steuern spezialisieren möchten. Wer sich nicht spezialisiert, fängt auf einer Generalistenstelle an, zum Beispiel in der Beratung oder in der Unternehmensentwicklung. Bei der Bewerbung ist es wichtig, sich auf bestimmte Branchen zu konzentrieren, in denen man womöglich durch Praktika schon Erfahrung gesammelt hat. Unternehmen wollen genau wissen: Warum unbedingt in dieser Branche? Warum ausgerechnet bei uns? Derzeit gibt es besonders viele Stellen in den Bereichen Telekommunikation, Chemie, Auto- und Maschinenbau. Auch im öffentlichen Sektor finden Absolventen einen Job. Insgesamt können Betriebswirte zuversichtlich sein: Laut den aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit gab es 2010 22 Prozent mehr gemeldete Stellen als im Vorjahr. Für zukünftige Unternehmensberater, Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater sieht es ähnlich aus: 2010 gab es in etwa so viele offene Stellen wie zwei Jahre zuvor.

Für Wirtschaftswissenschaftler ist der Einstieg mit Bachelorabschluss inzwischen durchaus üblich. Besonders größere Unternehmen sind auf Bewerbungen von Bachelorabsolventen eingestellt. Berufseinsteiger beginnen oft als Sachbearbeiter in ihren Abteilungen und arbeiten nach Anweisung oder bekommen eine eigenständige Projektaufgabe. Vor allem Stellen im Controlling oder Vertrieb werden häufig mit Bachelorabsolventen besetzt. In Personalabteilungen und in der Öffentlichkeitsarbeit sind Wirtschafts-Bachelor seltener. Auch Trainee-Programme kommen infrage; sie bieten Weiterbildung und eine berufliche Perspektive. Langfristig ist für den beruflichen Aufstieg in der Regel die Leistung im Unternehmen entscheidender als der Abschluss. Wer aber gezielt eine Führungsposition anstrebt, weiterhin Interesse an der Theorie hat oder sogar über eine wissenschaftliche Laufbahn nachdenkt, ist mit einem Master gut beraten. Wer bereits konkret weiß, in welchem Bereich er später arbeiten möchte, kann das Thema der Masterarbeit darauf abstimmen.

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Wirtschaftswissenschaftler müssen sich oft auf lange Arbeitstage einstellen. Besonders bei den begehrten Unternehmensberatungen sind die Arbeitszeiten berüchtigt: Nicht selten sind es zwischen 60 und 70 Stunden pro Woche. Unternehmensberater sind häufig von montags bis donnerstags vor Ort bei einem Kunden und übernachten in Hotels. Geregeltere Zeiten gibt es meist bei Mittelständlern. Im Durchschnitt arbeiten Berufseinsteiger aus den Wirtschaftswissenschaften 45 Stunden in der Woche. Wie die Arbeitszeit erfasst wird, entscheidet das Unternehmen. Bei Vertrauensarbeitszeit müssen die anfallenden Aufgaben erledigt werden, der Mitarbeiter organisiert sich selbst. So kann man die Arbeit flexibel um das Privatleben herum planen. Es besteht aber die Gefahr, dass man bei diesem Modell insgesamt mehr arbeitet. Auf einem Arbeitszeitkonto dagegen wird festgehalten, wer wie viel arbeitet, beispielsweise mit einer Chipkarte, die man am Anfang und am Ende des Arbeitstages einliest. Ob Überstunden bezahlt werden oder ob man sie »abfeiert«, ist Verhandlungssache.

Wer als Wirtschaftswissenschaftler den Einstieg in ein großes Unternehmen schaffen möchte, muss damit rechnen, gemeinsam mit den Mitbewerbern zu einem Assessment-Center eingeladen zu werden. Eine Kommission stellt dort Aufgaben, die alleine oder im Team gelöst werden sollen. In einem Rollenspiel müssen die Bewerber zum Beispiel mit einem unzufriedenen Kunden verhandeln. Geprüft wird hier, wie man mit Konflikten umgeht und ob man unter Stress einen kühlen Kopf bewahrt. In anderen Übungen geht es etwa um Teamfähigkeit oder Führungsstärke. In Tests, zum Beispiel anhand von Fallbeispielen, wird die fachliche Eignung geprüft, in Einzelgesprächen die Motivation erfragt. Assessment-Centern wird manchmal vorgeworfen, dass sie Selbstdarsteller und Vielredner bevorzugten und nur aussagekräftig seien, wenn auf der anderen Seite gut geschulte Fachleute säßen. Wichtig ist dabei vor allem eines: Ruhe bewahren. Wer es schafft, seine Ergebnisse überzeugend und souverän zu präsentieren, ist immer schon ein ganzes Stück weiter.

Leser-Kommentare
  1. Viele Stellen, die für einen bestimmten Beruf ausgeschrieben sind, können ebenso gut mit Absolventen anderer Fächer besetzt werden. Fachkenntnisse, die in den Stellenanzeigen erwähnt sind, werden oft gar nicht oder nur in Ansätzen gebraucht.
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    Ein Unternehmen hat mit Diplom-Physikern gute Erfahrungen gemacht? Dann stellt es gern für verschiedenste Aufgaben Physiker ein. Das heißt aber nicht, dass es nur Physiker nehmen wird!
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    Wie erkennen Sie, dass Sie als Absolvebt eines anderen Faches Chancen haben? Achten Sie auf Stellenanzeigen, wo für eine Tätigkeit z.B. "Physiker, Psychologen oder Betriebswirtschaftler" gesucht werden! Die Schnittmenge der Fachkenntnisse ist dann klein, und darauf dürfen Sie im Bewerbungsschreiben auch hinweisen.
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    Wer einfach nett ist, und nicht auf den Mund gefallen, wer OFFICE und gut Englisch kann, der braucht sich nicht zu sorgen, dass er/sie etwa das falsche Fach studiert hätte. Die Ausschlusskriterien für Bewerber sind nämlich gar nicht fachlicher Natur!

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    hätte ich schon zwei Jahre Arbeit. Mit Office, Kommunikationsfähigkeit, Englisch usw. ist es leider nicht getan. Wäre schön, wenn es so einfach wäre! Aber bemängelt werden immer öfter fachfremde Kenntnisse aus anderen Studiengängen. Am besten man studiert mindestens vier Fächer auf einmal, damit man für den künftigen Arbeitgeber ALLES abdecken kann. So zumindest meine Erfahrung. Man muss eine eierlegende Wollmilchsau sein, um angestellt zu werden!

    hätte ich schon zwei Jahre Arbeit. Mit Office, Kommunikationsfähigkeit, Englisch usw. ist es leider nicht getan. Wäre schön, wenn es so einfach wäre! Aber bemängelt werden immer öfter fachfremde Kenntnisse aus anderen Studiengängen. Am besten man studiert mindestens vier Fächer auf einmal, damit man für den künftigen Arbeitgeber ALLES abdecken kann. So zumindest meine Erfahrung. Man muss eine eierlegende Wollmilchsau sein, um angestellt zu werden!

  2. Mir gefällt die Formatierung der Naturwissenschaftler iwie nicht. Fettgedruckt...

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    Redaktion

    Hi rndztkmmnttr,

    danke für den Hinweis, war ein technisches Problem. Sollte jetzt behoben sein!

    Redaktion

    Hi rndztkmmnttr,

    danke für den Hinweis, war ein technisches Problem. Sollte jetzt behoben sein!

  3. Redaktion

    Hi rndztkmmnttr,

    danke für den Hinweis, war ein technisches Problem. Sollte jetzt behoben sein!

    Antwort auf "Formatierung"
  4. Nur nebenbei: Mathematik ist keine Naturwissenschaft. Zwar wird das in dem Artikel nicht explizit behauptet, aber die Zuordnung zu diesem Bereich dort besteht trotzdem und ist falsch. Natürlich ist dieses Zuordnung verbreitet, trotzdem könnte man hier ja mit gutem Beispiel vorangehen und davon abweichen. Entweder mit einer eigenen Seite oder einer Zuordnung zu den Geisteswissenschaften oder als Kunst, also hier Kreativer...

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    schlimmer scheint mir, dass es an manchen FHs und Unis möglich ist, einen Bachelor in Wirtschaftslehre zu machen, der als "... Bachelor of Science (B.Sc.) mit dem Untertitel „Bakkalaureus/Bakkalaurea der Wissenschaft“ (B.Sc.) ..." bezeichnet wird.

    Typischerweise wird dieser Lehrgang auch an die Spitze des Artikels gestellt. Und das, obwohl ständig ein Fachkräftemangel beklagt wird. Da hätte man also eher mit Ingenieur- und naturwissenschaftlichen Studienabschlüssen beginnen müssen.

    schlimmer scheint mir, dass es an manchen FHs und Unis möglich ist, einen Bachelor in Wirtschaftslehre zu machen, der als "... Bachelor of Science (B.Sc.) mit dem Untertitel „Bakkalaureus/Bakkalaurea der Wissenschaft“ (B.Sc.) ..." bezeichnet wird.

    Typischerweise wird dieser Lehrgang auch an die Spitze des Artikels gestellt. Und das, obwohl ständig ein Fachkräftemangel beklagt wird. Da hätte man also eher mit Ingenieur- und naturwissenschaftlichen Studienabschlüssen beginnen müssen.

  5. hätte ich schon zwei Jahre Arbeit. Mit Office, Kommunikationsfähigkeit, Englisch usw. ist es leider nicht getan. Wäre schön, wenn es so einfach wäre! Aber bemängelt werden immer öfter fachfremde Kenntnisse aus anderen Studiengängen. Am besten man studiert mindestens vier Fächer auf einmal, damit man für den künftigen Arbeitgeber ALLES abdecken kann. So zumindest meine Erfahrung. Man muss eine eierlegende Wollmilchsau sein, um angestellt zu werden!

    Antwort auf "Fachfremd Bewerben"
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    Leider wird dies nie ausdrücklich gemacht. Die Wahl, die jeder treffen muss, ist nämlich, ob er/sie unternehmerisch, freiberuflich, verbeamtet oder angestellt arbeiten will. Danach richtet man dann nämlich auch seinen Studienwunsch als auch die das Studium an sich aus. Wer nicht aus einem unternehmerischen/selbständigen/freiberuflichen Elternhaus stammt, stellt sich in der Regel auf eine berufliche Laufbahn als Angestellter ein. Dann ergibt sich auch die Sachlage:"... Man muss eine eierlegende Wollmilchsau sein, um angestellt zu werden! ..." Man ist damit in der undankbaren, passiven und abhängigen Position desjenigen, der um eine Anstellung bettelt.

    Leider wird dies nie ausdrücklich gemacht. Die Wahl, die jeder treffen muss, ist nämlich, ob er/sie unternehmerisch, freiberuflich, verbeamtet oder angestellt arbeiten will. Danach richtet man dann nämlich auch seinen Studienwunsch als auch die das Studium an sich aus. Wer nicht aus einem unternehmerischen/selbständigen/freiberuflichen Elternhaus stammt, stellt sich in der Regel auf eine berufliche Laufbahn als Angestellter ein. Dann ergibt sich auch die Sachlage:"... Man muss eine eierlegende Wollmilchsau sein, um angestellt zu werden! ..." Man ist damit in der undankbaren, passiven und abhängigen Position desjenigen, der um eine Anstellung bettelt.

  6. Das war und ist mein erster Eindruck von dem Artikel. Aus meiner Sicht gibt er nicht sehr viel her. Besser scheint es mir dann doch, sich im Verwandten-, Freundes- und erweiterten Bekanntenkreis umzuhören und/oder verschiedene Firmen direkt zu befragen. Letzteres zum Beipiel bei Tagen der offenen Türe.

  7. schlimmer scheint mir, dass es an manchen FHs und Unis möglich ist, einen Bachelor in Wirtschaftslehre zu machen, der als "... Bachelor of Science (B.Sc.) mit dem Untertitel „Bakkalaureus/Bakkalaurea der Wissenschaft“ (B.Sc.) ..." bezeichnet wird.

    Typischerweise wird dieser Lehrgang auch an die Spitze des Artikels gestellt. Und das, obwohl ständig ein Fachkräftemangel beklagt wird. Da hätte man also eher mit Ingenieur- und naturwissenschaftlichen Studienabschlüssen beginnen müssen.

  8. Leider wird dies nie ausdrücklich gemacht. Die Wahl, die jeder treffen muss, ist nämlich, ob er/sie unternehmerisch, freiberuflich, verbeamtet oder angestellt arbeiten will. Danach richtet man dann nämlich auch seinen Studienwunsch als auch die das Studium an sich aus. Wer nicht aus einem unternehmerischen/selbständigen/freiberuflichen Elternhaus stammt, stellt sich in der Regel auf eine berufliche Laufbahn als Angestellter ein. Dann ergibt sich auch die Sachlage:"... Man muss eine eierlegende Wollmilchsau sein, um angestellt zu werden! ..." Man ist damit in der undankbaren, passiven und abhängigen Position desjenigen, der um eine Anstellung bettelt.

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