Selbstorganisation"Damit klarkommen, abgelenkt zu werden"

Wie organisiert man sich im neuen Job? Der Experte Martin-Niels Däfler erklärt seine Strategien. von Catalina Schröder

ZEIT CAMPUS: Herr Däfler, wie präzise kann man seinen Tag im Büro planen?

Martin-Niels Däfler: Da immer unvorhergesehene Dinge passieren, lohnt es sich nicht, den ganzen Tag zu verplanen. Ich nehme mir maximal für die Hälfte des Tages feste Aufgaben vor, die ich dann auch wirklich erledige.

Anzeige

ZEIT CAMPUS: Womit beginnt man morgens?

Däfler: Wer morgens einen Frosch küsst, fühlt sich danach meistens gut. Sprich: Als Erstes erledige ich etwas, das ich nicht so gerne mache. Viele rufen morgens zuerst ihre E-Mails ab. Davon rate ich ab. Unsere Leistungsfähigkeit ist vor zehn Uhr und gegen 16 Uhr am höchsten. Es lohnt sich, dann besonders konzentrationsintensive Aufgaben zu erledigen.

ZEIT CAMPUS: Wie oft ruft man seine E-Mails denn am besten ab?

Däfler: Wenn möglich nur dreimal täglich. Zum Beispiel morgens gegen zehn Uhr, nach dem Mittagessen und noch einmal am späten Nachmittag. Ich empfehle, auf jeden Fall den Benachrichtigungston auszustellen. Da wir von Natur aus neugierig sind, reagieren wir automatisch auf das Signal und müssen zwangsläufig die neue Mail lesen.

ZEIT CAMPUS: Viele Firmen erwarten, dass man schnell auf E-Mails reagiert. Das schafft man nicht, wenn man sie nur dreimal täglich abruft.

Martin-Niels Däfler
Martin-Niels Däfler

Martin-Niels Däfler ist Professor für Ökonomie und Management an der FOM Hochschule Frankfurt am Main.

Däfler: Natürlich muss man sich an die Gewohnheiten des Unternehmens anpassen. Aber ich kann zum Beispiel in meiner Signatur nett darauf hinweisen, dass ich meine Mails nicht ständig abrufe, und darum bitten, mich anzurufen, wenn ich sofort auf etwas reagieren soll.

ZEIT CAMPUS: Wenn ständig das Telefon klingelt, arbeitet man auch nicht konzentriert...

Däfler: Das stimmt. Hier kann man versuchen, die Kollegen ein bisschen zu erziehen: Können sie auf meine Antwort warten, ist die E-Mail das richtige Kommunikationsmittel. Wer sofort meine Reaktion braucht, soll anrufen. Ich rate dazu, sich eine Stunde täglich Telefon-frei zu nehmen. Ich vereinbare mit einem Kollegen, dass er in dieser Zeit meine Gespräche annimmt. Später beantworte ich seine Telefonate, und er arbeitet ungestört. Das geht natürlich nur, wenn ich nicht permanent Kontakt zu Kunden halten muss.

ZEIT CAMPUS: Aber Kollegen, die ins Büro kommen, kann man schlecht ignorieren.

Däfler: Bis zu einem gewissen Grad muss ich im Büro damit klarkommen, abgelenkt zu werden. Wenn man sich mit seinen Kollegen gut versteht, ist es wichtig, auch mal über den Betriebsausflug zu reden. Das gehört dazu. Wenn ein Kollege aber ständig reinkommt, stehe ich direkt auf und gehe ihm entgegen. Das signalisiert ihm, dass er mich gerade stört, ohne dass ich unfreundlich wirke. Habe ich das drei- oder viermal gemacht, weiß der Kollege, dass er sich besser mit mir für ein Feierabendbier verabredet, um über Dinge zu reden, die nichts mit der Arbeit zu tun haben.

ZEIT CAMPUS: Trotzdem ist es im Büro nicht immer leicht, alles rechtzeitig zu erledigen. Was kann man tun, wenn man mit der Zeit, die man für Aufgaben einplant, nie auskommt?

Däfler: Legen Sie für jeden Tag drei Aufgaben fest, die höchste Priorität haben, und erledigen Sie diese auch tatsächlich. Wer sich für jeden Tag 20 Aufgaben vornimmt, scheitert automatisch.

ZEIT CAMPUS: Wie überprüft man, ob man effizient arbeitet?

Däfler: Zum Beispiel, indem man Dinge, die man auf jeden Fall abarbeiten möchte, auf einzelne Klebezettel schreibt. Sobald ich eine Aufgabe erledigt habe, klebe ich den Zettel in ein Notizbuch. Mit diesem Arbeitstagebuch habe ich im Blick, was ich an einem Tag geschafft habe.

Leserkommentare
    • Ranjit
    • 06. März 2012 15:49 Uhr

    "Unsere Leistungsfähigkeit ist vor zehn Uhr und gegen 16 Uhr am höchsten."

    Die Hoch- und Tiefphasen im Tagesverlauf weisen enorme interindividuelle Unterschiede auf.
    Vereinfacht kann man Eulen und Lerchen unterscheiden.
    http://de.wikipedia.org/w...

    Hier sind Unternehmen gefragt endlich das starre Arbeitszeitkorsett abzuschaffen.

    Es wird auch nicht wirklich klar, ob Herr Däfler hier aus Erfahrung spricht oder sich auf belastbare, empirische Studien stützt. Als Professor hat er sicherlich einen reichen Erfahrungsschatz an Strategien zum Zeitmanagement. Aber empirische Belege würde den Ratschlägen mehr Gewicht verleihen.

    Vielleicht generell eine Idee für die ZEIT: Eine kurze List relevanter Studien als Literaturhinweise nach solchen Interviews. (Gerne auch zusammen gestellt von den Interviewten selbst)

    Eine Leserempfehlung
    • Ortrun
    • 06. März 2012 16:06 Uhr

    Mal wieder so eine unpraktische "mach das" und "tu bloß nicht das" Anleitung. Ich für mich kann nur sagen:

    3 Mal täglich mails abrufen ist hochgeradig unpraktisch, dann kann ich das ganz knicken.

    Kollegen, die bei mir in der Tür stehen, wollen nicht über private Dinge reden, sondern Informationen zu einem der zahlreichen Projekte, an denen ich gleichzeitig arbeite. Das stört zwar auch, aber andererseits will ich ja auch Antworten auf meine Fragen, wenn ih mal dringend was wissen muss.

    "...dann soll er mich lieber anrufen..." kann auch nur jemand sagen, bei dem das Telefon eher selten klingelt.

    Papierstapel soll ich auch nicht bilden, aber wo lagere ich die Informationen zu meinen 15 verschiedenen Projekten?

    Fazit: Jeder muss seinen eigenen Stil finden. Der hängt zum einen von der Persönlichkeit, zum anderen vom konkreten Job ab, den man macht. Ein bisschen rumprobieren ist da schon nötig.

    DAS sollte man Berufsanfängern sagen: Probier was aus. Set Prioritäten. Lass Dir nicht ständig von anderen einen Stil aufzwingen, der Dir nicht liegt, egal wie diese damit fahren.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    und wahr für das ganze Leben!

    • serins
    • 07. März 2012 1:05 Uhr

    Sie sind der Macher 15 Projekte gleichzeitig, möchte lieber nicht wissen, als was sie arbeiten und wie die Qualität der Projekte ist. Hätte da aber schon eine Vermutung.
    Tut mir Leid, das ist lachhaft, oder sie sind der prepotente Schmock der Firma, dem man alles aufdrückt und der glaubt, wie es ein dt. Kollege letzte ausdrückte, John Wayne zu sein und dann ein Hauptprojekt verk**** hat.
    Natürlich haben sie auch noch Familie mit Kindern und sind gesellschaftlich aktiv (Sport, Verein, Charity Work etc).

    @Thema
    Wenn es auch Altbekanntes ist und imho kaum Berufsanfänger die ZEIT lesen, mal eine nette Zusammenfassung, die man wie immer mit einem Quentchen Skepsis nehmen sollte. Und jeder ist auch anders organisisert.

  1. und wahr für das ganze Leben!

    Antwort auf "Gähn..."
    • Floak
    • 06. März 2012 16:28 Uhr

    Wer diese Vorschläge umsetzt, dürfte bei seinen neuen Kollegen eher ziemlich schnell als Sonderling und Exzentriker, denn als Teammitglied gelten.

    • Zack34
    • 06. März 2012 18:54 Uhr
  2. der sich mit "Ratschlaegen" wichtig machen will. Meine Erfahrung: jeder Job, jede Firma ist anders. Erfolg haengt vom Wissen, der Persoenlich, der Erfahrung und von der Anpassungsfaehigkeit ab.

    Eine Leserempfehlung
    • serins
    • 07. März 2012 1:05 Uhr

    Sie sind der Macher 15 Projekte gleichzeitig, möchte lieber nicht wissen, als was sie arbeiten und wie die Qualität der Projekte ist. Hätte da aber schon eine Vermutung.
    Tut mir Leid, das ist lachhaft, oder sie sind der prepotente Schmock der Firma, dem man alles aufdrückt und der glaubt, wie es ein dt. Kollege letzte ausdrückte, John Wayne zu sein und dann ein Hauptprojekt verk**** hat.
    Natürlich haben sie auch noch Familie mit Kindern und sind gesellschaftlich aktiv (Sport, Verein, Charity Work etc).

    @Thema
    Wenn es auch Altbekanntes ist und imho kaum Berufsanfänger die ZEIT lesen, mal eine nette Zusammenfassung, die man wie immer mit einem Quentchen Skepsis nehmen sollte. Und jeder ist auch anders organisisert.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Gähn..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Ortrun
    • 07. März 2012 8:15 Uhr

    >15 Projekte gleichzeitig, möchte lieber nicht wissen, als was sie arbeiten
    Das verrate ich Ihnen auch nicht :-)

    >und wie die Qualität der Projekte ist.
    Das verrate ich Ihnen gern: Die ist gut.

    >Tut mir Leid, das ist lachhaft...
    Nur weil Sie nicht genug Vorstellungskraft haben, um über den Tellerrand zu gucken, müssen Sie ja nicht gleich ausfallend werden.

    >Natürlich haben sie auch noch Familie mit Kindern und sind gesellschaftlich aktiv.
    Ja, das stimmt so ungefähr, ist daran was falsch?

    Um zum Thema zurückzukommen:
    Vernünftige Arbeits-Organisation hilft sehr. Und dazu gehört bei mir zum Beispiel, dass auf dem Schreibtisch Papierstapel liegen. Für den unbeteiligten Beobachter mag das wie Chaos aussehen, ist es aber nicht. Letztlich geht es doch darum, dass ich auf die Frage "Wo stehen wir denn mit Projekt XY" schnell eine fundierte Antwort geben kann, auch wenn ich die letzten 10 Tagen an anderen Projekten gearbeitet habe.

    Natürlich kann man das auch alles einscannen (bzw. gar nicht erst ausdrucken). Dann sieht zwar der Scheibtisch aufgeräumt aus, aber das Chaos oder eben nicht-Chaos verlagert sich auf die Festplatte oder in den Maileingang. Schlimmstenfalls in beides.

    Ich habe Kollegen, die alle Mails in Projektordner einsortieren und nie was wiederfinden und ich habe Kollegen, die einfach alles im Maileingang lassen und superschnell jede beliebige Mail herausfischen. Jeder muss da seine eigene, für ihn/sie passende Methode finden.

    • Ortrun
    • 07. März 2012 8:15 Uhr

    >15 Projekte gleichzeitig, möchte lieber nicht wissen, als was sie arbeiten
    Das verrate ich Ihnen auch nicht :-)

    >und wie die Qualität der Projekte ist.
    Das verrate ich Ihnen gern: Die ist gut.

    >Tut mir Leid, das ist lachhaft...
    Nur weil Sie nicht genug Vorstellungskraft haben, um über den Tellerrand zu gucken, müssen Sie ja nicht gleich ausfallend werden.

    >Natürlich haben sie auch noch Familie mit Kindern und sind gesellschaftlich aktiv.
    Ja, das stimmt so ungefähr, ist daran was falsch?

    Um zum Thema zurückzukommen:
    Vernünftige Arbeits-Organisation hilft sehr. Und dazu gehört bei mir zum Beispiel, dass auf dem Schreibtisch Papierstapel liegen. Für den unbeteiligten Beobachter mag das wie Chaos aussehen, ist es aber nicht. Letztlich geht es doch darum, dass ich auf die Frage "Wo stehen wir denn mit Projekt XY" schnell eine fundierte Antwort geben kann, auch wenn ich die letzten 10 Tagen an anderen Projekten gearbeitet habe.

    Natürlich kann man das auch alles einscannen (bzw. gar nicht erst ausdrucken). Dann sieht zwar der Scheibtisch aufgeräumt aus, aber das Chaos oder eben nicht-Chaos verlagert sich auf die Festplatte oder in den Maileingang. Schlimmstenfalls in beides.

    Ich habe Kollegen, die alle Mails in Projektordner einsortieren und nie was wiederfinden und ich habe Kollegen, die einfach alles im Maileingang lassen und superschnell jede beliebige Mail herausfischen. Jeder muss da seine eigene, für ihn/sie passende Methode finden.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Ich brech zusammen"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sehr schlecht organisiert. Wenn Stakeholder etwas über den Fortschrittsgrad eines Projektes wissen möchten, dann rufe ich die zuständige Software auf.
    Status- und Situationsberichte sollten in einen projektbezogenen Ordner in eine Datei. Benötigt jemand Unterlagen, bekommt er die per Mail und kann sie selbst ausdrucken.
    Sie arbeiten auf einem Amt, einer Behörde oder anverwandten Organisation ? Dann verständlich; (nicht nur)dort ist auch der Begriff "Projekt" bis ins Unendliche überdehnt.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Arbeit
Service