Karriere-Starter: Die Körperhaltung bei Einstellungsgesprächen Managementtrainerin Marion Knaths über die angemessene Körperhaltung bei Bewerbungsgesprächen.

ZEIT CAMPUS: Frau Geiger, ist eigentlich schon mal jemand mit Bermudashorts und Flipflops zu Ihnen ins Vorstellungsgespräch gekommen?

Ines Geiger: Ich kenne solche Geschichten. Aber nein, mir ist so was noch nie passiert. Unsere Bewerber sind in der Regel angemessen gekleidet und ziemlich gut aufs Gespräch vorbereitet. Nur Telefoninterviews – so meine Erfahrung – gehen viele Bewerber inhaltlich etwas zu locker an. Dabei sind die genauso ernst zu nehmen wie Gespräche, in denen man sich gegenübersitzt.

ZEIT CAMPUS: Wie bereitet man sich auf das Bewerbungsgespräch vor?

Geiger: Zum Beispiel sollte ein Bewerber seinen Lebenslauf gut kennen, also nicht lange überlegen müssen, wenn wir ihn darum bitten, seinen Werdegang zu erzählen. So steigen wir nämlich oft ins Gespräch ein.

ZEIT CAMPUS: Aber warum fragen Sie den Lebenslauf noch mal ab? Er liegt doch vor Ihnen.

Geiger: Wir merken an der Art, wie ein Bewerber seinen Werdegang zusammenfasst, einfach sehr schnell, wo er selbst seine Schwerpunkte setzt. Von da aus können wir dann in die Tiefe gehen.

ZEIT CAMPUS: Was haben Sie davon, wenn man seine Stationen auswendig herunterbetet?

Geiger: Dass jemand bestimmte Formulierungen auswendig gelernt hat, kommt schon mal vor, ist aber wirklich nicht die Regel. Außerdem entsteht dann ja ganz schnell ein Gespräch, in dem man spontan reagieren muss.

ZEIT CAMPUS: Sie fragen nach den berühmten Stärken und Schwächen?

Geiger: Die interessieren uns natürlich auch, das ist klar.

ZEIT CAMPUS: Dafür überlegt man sich eine Schwäche, die im Grunde eine Stärke ist. Ungeduld etwa.

Geiger: So platt würde ich davon abraten. Aber man kann solche Standardfragen schon nutzen, um zwischen den Zeilen zu vermitteln, warum man ein Gewinn für das Unternehmen sein kann. Wenn jemand sagt, er sei penibel und detailverliebt, ist er vielleicht andererseits analytisch besonders stark. Je nachdem, um welche Stelle es geht, kann man so Pluspunkte sammeln. In der Regel kommen wir aber eher indirekt auf diese Standards zu sprechen. »Was sind Ihre Stärken?« – das würde ich einen Bewerber wahrscheinlich so gar nicht fragen.

ZEIT CAMPUS: Wie machen Sie das stattdessen?

Geiger: Meistens bekomme ich einen guten Eindruck, wenn ein Bewerber von bisherigen Arbeitssituationen berichtet. Jeder Bewerber ist aber anders, und deshalb verläuft auch jedes Gespräch anders.

ZEIT CAMPUS: Hochschulabsolventen haben doch meist noch gar nicht so viel Arbeitserfahrung, von der sie berichten könnten.

Geiger: Mehrere Wochen Praktika haben die meisten aber schon hinter sich. Viele Bewerber sind in Vereinen aktiv, haben sich als Student engagiert oder Projektarbeiten angefertigt. Uns geht es darum, ein Gesamtbild zu bekommen. Die Bewerbungsunterlagen verraten uns nur, was jemand gemacht hat. Im Gespräch wollen wir herausfinden, wie jemand dabei vorgeht, und auch, wie er mit Konflikten umgeht. Da kann ich dann nachhaken, mit »Ist Ihnen das schwergefallen?« beispielsweise. Meine Kollegen und ich merken dadurch, wie der Bewerber eine Situation reflektiert.

ZEIT CAMPUS: Worauf kommt es dabei an?

Geiger: Es ist völlig normal, dass etwas mal nicht so gut klappt und man zum Beispiel ein Praktikum abbricht. Uns interessiert dann, ob der Bewerber dafür schlüssige Gründe nennen kann. Wir geben auch schon mal ein helfendes Stichwort und fragen: »Wie sind Sie damit umgegangen?«, oder: »Wie hat das auf andere gewirkt?« Keinen guten Eindruck macht, wer auch darauf nicht eingeht und zeigt, dass er sich über die Ursachen von Schwierigkeiten keine Gedanken macht.