StudiumMuss ich woanders studiert haben?

Je nach Fach und Berufswunsch zählen Auslanderfahrung und Fremdsprachenkenntnisse unterschiedlich viel. von Catalina Schröder

Wirtschaftswissenschaftler

Für Wirtschaftswissenschaftler, die in einem großen Konzern arbeiten möchten, ist ein Auslandsaufenthalt inzwischen fast Pflicht. Denn sie arbeiten oft in internationalen Teams, machen Dienstreisen oder werden vom Unternehmen für mehrere Monate in eine Auslandsvertretung geschickt.

Wer zügig studieren will, sollte eine Hochschule wählen, deren Angebot gut zu dem der Heimat-Uni passt. So kann man sich Kurse anerkennen lassen. Wer es nicht eilig hat, für den lohnt sich zusätzlich ein Auslandspraktikum.

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Mittelständische Unternehmen legen in der Regel nicht ganz so viel Wert auf Auslandsaufenthalte. Manche befürchten sogar, dass Bewerber mit viel Auslandserfahrung bei der ersten Gelegenheit zu einem internationalen Konzern wechseln. Da Mittelständler aber zunehmend mit ausländischen Firmen zusammenarbeiten, verlangen auch sie Fremdsprachenkenntnisse. Englisch ist hier am wichtigsten.

In großen Konzernen wird Englisch vorausgesetzt, sehr gern gesehen sind aber auch Spanisch-, Französisch- und Chinesischkenntnisse. Wer schon früh weiß, dass er sich beispielsweise auf den Handel mit einer ganz bestimmten Weltregion spezialisieren will, kann sich auch eine weniger verbreitete Sprache aussuchen.

Geistes- und Sozialwissenschaftler

»Ein Auslandsstudium ist für Geistes- und Sozialwissenschaftler sehr hilfreich«, sagt Alfred Fuhr vom Berufsverband der Deutschen Soziologinnen und Soziologen. Viele Studenten gehen besonders gern in die USA oder nach England. Beliebt sind auch Italien, Frankreich und die skandinavischen Länder. Interessant macht man sich für potenzielle Arbeitgeber allerdings oft durch eine exotischere Wahl – etwa, wenn man sich für ein osteuropäisches Land wie Polen oder Kroatien entscheidet. Wer eine Fremdsprache studiert, sollte natürlich möglichst einen Auslandsaufenthalt im entsprechenden Land absolvieren.

ZEIT Campus Ratgeber 2/2012
ZEIT Campus Ratgeber 2/2012

Da Geistes- und Sozialwissenschaftler während ihres Studiums häufig nicht ganz so viele Prüfungen erbringen müssen wie etwa Mediziner oder Juristen, haben sie meist mehr Zeit, um ein Praktikum im Ausland zu machen.

Wer im Ausland weder studieren noch ein Praktikum absolvieren will, der hat auch die Möglichkeit, Freiwilligenarbeit zu leisten. Psychologen können in manchen Ländern Südamerikas beispielsweise Ärzten bei der Betreuung von Patienten helfen. Studenten der Fächer Deutsch als Fremdsprache oder Germanistik werden gern eingesetzt, um an ausländischen Schulen Deutsch zu unterrichten.

Naturwissenschaftler

Die meisten Unis empfehlen Naturwissenschaftlern ein Auslandssemester. Das bietet sich schon an, weil ein Großteil der Fachliteratur im Studium auf Englisch ist.

Die Universität Frankfurt rät, sich die ausländische Hochschule je nach Studienschwerpunkt auszusuchen. Wer Bioinformatik, Biochemie oder Molekulare Biophysik studiert, kann beispielsweise an die Universität Stockholm gehen; Geologen, Astrophysiker oder Toxikologen an die Universität Oslo. Gerade in Skandinavien werden viele Masterprogramme auf Englisch unterrichtet.

Für Naturwissenschaftler gibt es auch internationale Studiengänge in Kooperation mit ausländischen Hochschulen. Die Universitäten Basel, Freiburg, Karlsruhe und Straßburg bieten einen gemeinsamen Master in Biotechnologie an. Unterrichtssprachen sind Deutsch, Englisch und Französisch. In Kiel gibt es den Master Applied Ecology in Kooperation mit Unis in Portugal, Frankreich und England. »Für die Karriere sind nicht nur Aufenthalte in den USA und England wichtig«, sagt Carsten Roller vom Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin. »Wer bereits gut Englisch spricht, sollte eine zweite Sprache lernen und sich hierfür einen Kulturkreis aussuchen, in dem er sich wohlfühlt.«

Leserkommentare
    • hh59
    • 31. Dezember 2012 15:00 Uhr

    Welche Faecher, in denen man nicht ins Ausland muss, bleiben denn nun?
    Medizin, Jura, Lehramt? Wobei fuer Lehrer je nach Fach wohl auch die im Artikel genannten Gruende gelten (zB Sprachen).

    Interessant ist auch, dass im Artikel nur Faecher erwaehnt werde, nicht aber Berufe oder Berufsfelder. Fuer Akademiker gilt grundsaetzlich, dass Auslandserfahrung oder zumindest Uniwechsel Pflicht ist. Fuer andere Berufe ist, was Kernkompetenzen angeht, ein Auslandsaufenthalt nicht Vorraussetzung. Interkulturelle Kompetenz etc. kann man auch in internationalen Unternehmen zu Hause lernen.

    Der wirkliche Punkt ist doch, dass Auslandsaufenthalt mehr eine bildene Funktion hat, die den Horizont erweitert, was sicherlich viele Menschen zu interessanteren Personen macht.

    Eine Leserempfehlung
  1. "Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen" (Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre)

    Ein Mensch wird erst dann zu einer "interessanten Person", wenn er unter Mühen über seine Grenzen gegangen ist. Ein Auslandsaufenthalt stellte einmal so eine Grenzerfahrung dar.

    Um in Goethes Bild zu bleiben: ein wenig gescheiter, der sich mit elterlichem Geld und dem vollen Service einer Vermittlungsorganisation von einer innländischen Vollkasko-Komfortzone in eine ausländische begibt, lernt dabei nur sehr, sehr wenig. Der Auslandsaufenthalt ist dann nur einer der vielen leeren "Credit-Points" einer formellen und verschulten Ausbildung.

    3 Leserempfehlungen
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    Ich - Biomediziner/Systembiologe - muss dem leider zustimmen: Ich habe unter anderem studiert (Ph.D und PostDoc eingeschlossen) in Stockholm, Singapore und den USA (Harvard/MIT). Ich habe diese Aufenthalte im Ausland (wobei ich nicht plane in die grauenhafte deutsche Hochschullandschaft zurückzukehren) nie als sonderlich horizonterweiternd wahrgenommen und würde niemals auf die Idee kommen im CV mit meiner "reichhaltigen Auslandserfahrung" zu prahlen. Ich bin einfach nur an die Orte gegangen, an denen mir die Arbeitsbedingungen (Forschungsschwerpunkte/Finanzierung) am besten erschienen und habe dort geforscht. Die ersten Semester meines Studiums (noch in Dtschl.), in denen ich mich mehr oder weniger erstmals alleine durchschlagen musste, waren um einiges prägender, als alles was danach kam.

    Die einschlägigste Erfahrung, die ich im Ausland wirklich gemacht habe, war die Erkenntnis, wie homogen das internationale, globalisierte Bildungsbürgertum doch ist. Ganz gleich woher das Gegenüber stammte, die kulturellen Gemeinsamkeiten schienen immer zu überwiegen. Die Menschheit in der globalisierten Welt ist schlichtweg stärker durch Klassenzugehörigkeit und Bildungsstatus geteilt als durch Kulturkreise und Nationalitäten. Demnach ist es für einen deutschen Jungakademiker sicherlich prägender ein halbes Jahr als Sozialarbeiter in Chemnitz zu verbringen als an irgendeiner anderen Hochschule im Ausland.

    Es wurde erwähnt, dass solche Auslandsaufenthalte den eigenen Horizont nicht wirklich erweitern, da man "unter Mühen über seine Grenzen gegangen ist", im Grunde man nur "von einer innländischen Vollkasko-Komfortzone in eine ausländische" wechselt (Chaosforscher).

    Ihr erwartet m.E zu viel, verklärt durch Abenteurer-Klitsch.

    Außerdem erweitert man seinen Horizont doch: Es ist nicht einfach, so einen Auslandsaufenthalt zu organisieren und koordinieren. Desweiteren lernt man, beinehe vollkommen auf sich allen gestellt sich in einer fremden Region zurechtzufinden. Man wird mir erwiedern, dass man das auch dann lernt, wenn man us einem sächsischen Kaff nach München fährt. Da ist schon was daran.

    Aber ein gescheiter Student wird mal auf die Idee kommen, seinen Campus zu verlassen und mal auf eigene Faust Teile des Landes zu erkunden, seine Menschen und Bräuche und Sitten kennenzulernen.

    Ferner wird es in unserer globalisierten Welt immer wichtiger, in internationalen Teams arbeiten zu können. Da läuft manches ziemlich anders ab als in der vertrauten Heimat. Das beweisen ja auch einige ZO-Artikel.

    Für Wirtschafts-und Sozialwissentschaftler ist ein Auslandsaufenthalt recht viel wert, wohl mehr als einem Naturwissentschafter, da erstgenannte auf mehreren Ebenen profitieren.

    N.H

  2. 3. Unfug.

    Es gibt sicherlich Berufe und Studienbereiche, in denen sich so ein Auslandssemester anbietet. Die Behauptung in den Sozialwissenschaften müsse man wenig(er) Prüfungen erbringen, weshalb man deshalb mehr Zeit zur Verfügung hätte, halte ich jedenfalls für ziemlich aus der Luft gegriffen, da es auch hier auf das spezifische Fach und dessen Prüfungsordnung ankommt.

    90% der Leute die ich kenne, welche in meinem Fachbereich ein Auslandssemester erbracht haben, haben dort jedenfalls nur sehr bedingt studiert, dafür war die Zeit zu kurz und es wurde auch nur ein Teil anerkannt. Was sie nun letztendlich mit der "Qualifikation" sollten, außer diese in ihren CV zu schreiben, konnten die meisten auch nicht schlüssig erklären... "macht man halt so" bzw. "braucht man halt". Ein Auslandssemster KANN gut sein, läuft bei vielen jedoch eher als verlängerter "Urlaub" ab. Zumal diese Aufenthalte mit erheblichen Kosten verbunden sind, die man sich eben auch leisten muss. Meist sind gerade die wohl betuchten KommilitonInnen gefahren, denen die Eltern ohnehin schon ihr Leben hinterher tragen und diejenigen, die es vielleicht gerne gemacht hätten, konnten nicht.
    Wie ein anderer Kommentator bereits geschrieben hat: von einer Komfortzone in die Andere ist kaum eine charakterlich-persönliche Entwicklung zu erwarten. Da lob ich mir eher die Leute, die sich hier durchboxen müssen und ohne Auslandsaufenthalt dennoch persönlich reifer sind.

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  3. Ich - Biomediziner/Systembiologe - muss dem leider zustimmen: Ich habe unter anderem studiert (Ph.D und PostDoc eingeschlossen) in Stockholm, Singapore und den USA (Harvard/MIT). Ich habe diese Aufenthalte im Ausland (wobei ich nicht plane in die grauenhafte deutsche Hochschullandschaft zurückzukehren) nie als sonderlich horizonterweiternd wahrgenommen und würde niemals auf die Idee kommen im CV mit meiner "reichhaltigen Auslandserfahrung" zu prahlen. Ich bin einfach nur an die Orte gegangen, an denen mir die Arbeitsbedingungen (Forschungsschwerpunkte/Finanzierung) am besten erschienen und habe dort geforscht. Die ersten Semester meines Studiums (noch in Dtschl.), in denen ich mich mehr oder weniger erstmals alleine durchschlagen musste, waren um einiges prägender, als alles was danach kam.

    Die einschlägigste Erfahrung, die ich im Ausland wirklich gemacht habe, war die Erkenntnis, wie homogen das internationale, globalisierte Bildungsbürgertum doch ist. Ganz gleich woher das Gegenüber stammte, die kulturellen Gemeinsamkeiten schienen immer zu überwiegen. Die Menschheit in der globalisierten Welt ist schlichtweg stärker durch Klassenzugehörigkeit und Bildungsstatus geteilt als durch Kulturkreise und Nationalitäten. Demnach ist es für einen deutschen Jungakademiker sicherlich prägender ein halbes Jahr als Sozialarbeiter in Chemnitz zu verbringen als an irgendeiner anderen Hochschule im Ausland.

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  4. Es wurde erwähnt, dass solche Auslandsaufenthalte den eigenen Horizont nicht wirklich erweitern, da man "unter Mühen über seine Grenzen gegangen ist", im Grunde man nur "von einer innländischen Vollkasko-Komfortzone in eine ausländische" wechselt (Chaosforscher).

    Ihr erwartet m.E zu viel, verklärt durch Abenteurer-Klitsch.

    Außerdem erweitert man seinen Horizont doch: Es ist nicht einfach, so einen Auslandsaufenthalt zu organisieren und koordinieren. Desweiteren lernt man, beinehe vollkommen auf sich allen gestellt sich in einer fremden Region zurechtzufinden. Man wird mir erwiedern, dass man das auch dann lernt, wenn man us einem sächsischen Kaff nach München fährt. Da ist schon was daran.

    Aber ein gescheiter Student wird mal auf die Idee kommen, seinen Campus zu verlassen und mal auf eigene Faust Teile des Landes zu erkunden, seine Menschen und Bräuche und Sitten kennenzulernen.

    Ferner wird es in unserer globalisierten Welt immer wichtiger, in internationalen Teams arbeiten zu können. Da läuft manches ziemlich anders ab als in der vertrauten Heimat. Das beweisen ja auch einige ZO-Artikel.

    Für Wirtschafts-und Sozialwissentschaftler ist ein Auslandsaufenthalt recht viel wert, wohl mehr als einem Naturwissentschafter, da erstgenannte auf mehreren Ebenen profitieren.

    N.H

  5. Früher wollte ich nie ins Ausland da ich es mir schlichtweg nie zugetraut habe.
    Ich wollte nie mit 16 als Au-Pair arbeiten und Australien hat mich auch nie gereizt.
    Nach meinem Bachelor war ich dann 2 Monate im Ausland, nicht als Tourist sondern als Volunteer.
    Das war die bisher schönste Zeit in meinem Leben. Mein Englisch hat sich verbessert (und mich somit auf den Sprachtest vorbereitet) und habe mit vielen Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammenarbeiten können.
    Ich bin daran so gewachsen, dass ich den Mut hatte, mich für einen recht anspruchsvollen Master zu bewerben, in dem ich heute sehr glücklich bin.
    Zudem steht in diesem Jahr ein weiteres Praktikum und ein Auslandssemester auf dem Programm.
    Letzteres wird noch einmal herausfordernd, da es schon etwas anderes ist, im Ausland zu studieren als ein Praktikum zu absolvieren.

    Für mich hat all dies Sinn gemacht, da ich später auch nicht in Deutschland bleiben möchte, weil mir hier als Naturwissenschaftlerin zu wenig geboten wird.
    Zudem habe ich das Glück ungebunden zu sein, was vieles einfacher macht in Bezug auf längere Aufenthalte im Ausland.

    Ausland meint auch immer Selbstständigkeit und das Schauen über den Tellerrand hinaus. Man lernt, organisierter zu sein, was viele Studierende meiner Meinung nach gut brauchen könnten. Zudem kann man von anderen Nationalitäten viel lernen- gerade als Deutscher.

  6. Das eine ist ja, ins Auland zu gehen, etwas anderes aber, diese Zeit auch zum Erweitern des eigenen Horizonts zu nutzen.

    An meiner ehamliger Uni (Schweiz) war insbesondere bei den Studenten, die aus Deutschland kamen, sehr oft das gleiche Phänomen zu beobachten: Sie bildeten homogene Grüppchen die sich partout nicht mit den Einheimischen mischten. Im CV steht dann zwar ein oder auch mehrere Semester im Ausland drin, aber ein kultureller Austausch fand nie statt. Ob das wirklich der Sinn der Sache ist? Schade...

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    Es war nicht einmal so, dass die deutschen Gaststudenten bei den Einheimischen auf Ablehnung gestossen wäre. Im Gegenteil: Versuche der einheimischen Studenten, mit den Gaststudenten aus Deutschland Kontakt aufzunehmen, wurden von ihnen leider oft zurückgewiesen. Sie gaben einem oft zu verstehen, dass sie nicht interessiert an den Einheimischen sind. Aber mit seinem CV kann man sich sich dann mit seinen interkulturellen Kompetenzen brüsten.

  7. Es war nicht einmal so, dass die deutschen Gaststudenten bei den Einheimischen auf Ablehnung gestossen wäre. Im Gegenteil: Versuche der einheimischen Studenten, mit den Gaststudenten aus Deutschland Kontakt aufzunehmen, wurden von ihnen leider oft zurückgewiesen. Sie gaben einem oft zu verstehen, dass sie nicht interessiert an den Einheimischen sind. Aber mit seinem CV kann man sich sich dann mit seinen interkulturellen Kompetenzen brüsten.

    Antwort auf "Homogene Gruppen"
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    Naja, das gibts doch wohl aber auch in jedem Land, oder?
    Die Asiaten bei uns bleiben auch gern unter sich oder berühmtes Beispiel, die türkischen Zuwanderer.
    Zudem ist das Verhältnis Deutscher/Schweizer recht angespannt und das habe ich von beiden Seiten erlebt.
    Habe aber auch schon gehört, in welcher Form sich Deutsche bei euch unbeliebt machen und da kann ich diese Abneigung durchaus verstehen. Auch wenn ich, selbst Deutsche, bei Schweizern dann schon gleich gern in einer Schublade stecke, weil sich einige meiner Landsleute nicht integrieren wollen.

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