Studium Muss ich woanders studiert haben?
Je nach Fach und Berufswunsch zählen Auslanderfahrung und Fremdsprachenkenntnisse unterschiedlich viel.
Wirtschaftswissenschaftler
Für Wirtschaftswissenschaftler, die in einem großen Konzern arbeiten möchten, ist ein Auslandsaufenthalt inzwischen fast Pflicht. Denn sie arbeiten oft in internationalen Teams, machen Dienstreisen oder werden vom Unternehmen für mehrere Monate in eine Auslandsvertretung geschickt.
Wer zügig studieren will, sollte eine Hochschule wählen, deren Angebot gut zu dem der Heimat-Uni passt. So kann man sich Kurse anerkennen lassen. Wer es nicht eilig hat, für den lohnt sich zusätzlich ein Auslandspraktikum.
Mittelständische Unternehmen legen in der Regel nicht ganz so viel Wert auf Auslandsaufenthalte. Manche befürchten sogar, dass Bewerber mit viel Auslandserfahrung bei der ersten Gelegenheit zu einem internationalen Konzern wechseln. Da Mittelständler aber zunehmend mit ausländischen Firmen zusammenarbeiten, verlangen auch sie Fremdsprachenkenntnisse. Englisch ist hier am wichtigsten.
In großen Konzernen wird Englisch vorausgesetzt, sehr gern gesehen sind aber auch Spanisch-, Französisch- und Chinesischkenntnisse. Wer schon früh weiß, dass er sich beispielsweise auf den Handel mit einer ganz bestimmten Weltregion spezialisieren will, kann sich auch eine weniger verbreitete Sprache aussuchen.
Geistes- und Sozialwissenschaftler
»Ein Auslandsstudium ist für Geistes- und Sozialwissenschaftler sehr hilfreich«, sagt Alfred Fuhr vom Berufsverband der Deutschen Soziologinnen und Soziologen. Viele Studenten gehen besonders gern in die USA oder nach England. Beliebt sind auch Italien, Frankreich und die skandinavischen Länder. Interessant macht man sich für potenzielle Arbeitgeber allerdings oft durch eine exotischere Wahl – etwa, wenn man sich für ein osteuropäisches Land wie Polen oder Kroatien entscheidet. Wer eine Fremdsprache studiert, sollte natürlich möglichst einen Auslandsaufenthalt im entsprechenden Land absolvieren.
Da Geistes- und Sozialwissenschaftler während ihres Studiums häufig nicht ganz so viele Prüfungen erbringen müssen wie etwa Mediziner oder Juristen, haben sie meist mehr Zeit, um ein Praktikum im Ausland zu machen.
Wer im Ausland weder studieren noch ein Praktikum absolvieren will, der hat auch die Möglichkeit, Freiwilligenarbeit zu leisten. Psychologen können in manchen Ländern Südamerikas beispielsweise Ärzten bei der Betreuung von Patienten helfen. Studenten der Fächer Deutsch als Fremdsprache oder Germanistik werden gern eingesetzt, um an ausländischen Schulen Deutsch zu unterrichten.
Naturwissenschaftler
Die meisten Unis empfehlen Naturwissenschaftlern ein Auslandssemester. Das bietet sich schon an, weil ein Großteil der Fachliteratur im Studium auf Englisch ist.
Die Universität Frankfurt rät, sich die ausländische Hochschule je nach Studienschwerpunkt auszusuchen. Wer Bioinformatik, Biochemie oder Molekulare Biophysik studiert, kann beispielsweise an die Universität Stockholm gehen; Geologen, Astrophysiker oder Toxikologen an die Universität Oslo. Gerade in Skandinavien werden viele Masterprogramme auf Englisch unterrichtet.
Für Naturwissenschaftler gibt es auch internationale Studiengänge in Kooperation mit ausländischen Hochschulen. Die Universitäten Basel, Freiburg, Karlsruhe und Straßburg bieten einen gemeinsamen Master in Biotechnologie an. Unterrichtssprachen sind Deutsch, Englisch und Französisch. In Kiel gibt es den Master Applied Ecology in Kooperation mit Unis in Portugal, Frankreich und England. »Für die Karriere sind nicht nur Aufenthalte in den USA und England wichtig«, sagt Carsten Roller vom Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin. »Wer bereits gut Englisch spricht, sollte eine zweite Sprache lernen und sich hierfür einen Kulturkreis aussuchen, in dem er sich wohlfühlt.«
- Datum 31.12.2012 - 14:36 Uhr
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Ich glaube, man sollte nicht allzu sehr verklären, aber auch ganz bestimmt nicht banalisieren.
Das "Muss" ist doch letztlich nichts weiter, als ein "trendiges" Selektionsinstrument der Wirtschaft, dass sich in den letzten Jahren salonfähig gemacht hat, wenn es um die Job-Tombola geht.
Betrachtet man jedoch den Auslandsaufenthalt (in jeglicher Form) nicht nur berufsperspektivisch, sondern einfach mal unaufgeregt für sich selbst, dann muss man unweigerlich die positiven Eigenschaften erkennen, die er mitsichbringen kann. Ich muss mich vorbereiten, planen, organisieren, mich auf ein Abenteuer einlassen wollen, andere Menschen mit anderen Sitten (oder gleichen, egal). Jedendalls passiert etwas auf geistger und physischer Ebene, ich bewege mich, werde aktiv. Natürlich ist das was anderes, wenn Töchterchen/Söhnchen von Vaddi und Mammi alles vorbereiten bekommen und das Geld den Rest erledigt. Hier liegt der Fall sicherlich anders, muss aber dennoch nicht zwangsläufig kontraproduktiv sein (je nach Persönlichkeit der Eltern).
Ein zweiter Punkt ist der Reisende selbst. Niemand wird zu einer interessanteren Person, nur weil er im Ausland war. Jemand, der sich für nichts interessiert, nirgends eintaucht, was wagt und neugierig ist (was für mich diese ominöse "Comfort-Zone repräsentiert), bleibt langweilig und bieder. Da ändert auch das Ausland nichts daran. Meist ist es aber genau das, was denjenigen in die Welt hinaustreibt.
Unter diesem Aspekt ist dann der Schritt über die eigenen Grenzen (egal wohin) niemals falsch.
Was ich allerdings empörend am Trend des "Auslands-Muss" finde, ist, dass es nicht jedem vergönnt ist, die Mittel und Chancen zu haben, das zu tun. D.h., dass anderen Menschen, bei denen es nicht geklappt hat, unterschwellig zu implizieren, dass sie keine der positiv assoziierten Eigenschaften aufzuweisen hätten oder zumindest weniger "interessant" seien. Man sollte den Auslandsaufenthalt also auch nicht verklären.
Ich finde dennoch nicht, dass man im Falle des Glücks/ der Chance, im Ausland gewesen zu sein, sich verstecken muss. Wenn es stattgefunden hat und zum Berufsbild passt, kann ich dass auch ruhig im CV angeben. Prahlerei offenbart sich meiner Meinung erst dann, wenn ich es dementsprechend überhöht und reißerisch "verkaufe". Womit es wieder ein Aspekt der Persönlichkeit ist.
Ich würde aus eigener Erfahrung sagen, dass jeder, der eine Gelegenheit bekommt, mal woanders hinzukommen -egal ob sie Standards wie USA/England/Australien heißen oder Afrika, Indien, Slowakei, Rumänien usw., sollte man sie sich nicht entgehen lassen, wenn es machbar ist. Man kann nur gewinnen.
Als Naturwissenschaftler kann man ein Auslandssemester zwar während des Studiums machen, es lohnt sich aber nicht unbedingt. Das Englisch, das man braucht, lernt man auch an der Heimatuni, wenn die AGs nur halbwegs international besetzt sind.
Viel eher würde ich dazu raten, im Ausland zu promovieren oder aber 1-2 Jahre als Postdoc zu arbeiten. Dann verliert man erstens keine Zeit, sammelt Auslands- und Berufserfahrung gleichzeitig. Und zweitens tut man seiner Geldbörse etwas Gutes...
Na ja, das kann man gemischt sehen. In einigen Nachbarländern ist die Bezahlung der Doktoranden deutlich besser (ca. 2000 €/Monat, z. B. in Belgien und Dänemark). Im letzteren Land sind die Lebenshaltungskosten aber auch deutlich höher.
Und Postdocgehälter sind durchweg nicht höher als in D, die Mieten dafür sehr wohl - außer man wohnt vielleicht in München...
Naja, das gibts doch wohl aber auch in jedem Land, oder?
Die Asiaten bei uns bleiben auch gern unter sich oder berühmtes Beispiel, die türkischen Zuwanderer.
Zudem ist das Verhältnis Deutscher/Schweizer recht angespannt und das habe ich von beiden Seiten erlebt.
Habe aber auch schon gehört, in welcher Form sich Deutsche bei euch unbeliebt machen und da kann ich diese Abneigung durchaus verstehen. Auch wenn ich, selbst Deutsche, bei Schweizern dann schon gleich gern in einer Schublade stecke, weil sich einige meiner Landsleute nicht integrieren wollen.
Woher nehmen Autoren solcher Texte eigentliche ihre Informationen? Selten habe ich jedenfalls derlei Unfug gelesen. Ich studiere Politikwissenschaft im Master, eine Geistes-, bzw. Sozialwissenschaft, wie bekannt sein dürfte. Im Bachelor habe ich zusätzlich Soziologie und Neuere Geschichte studiert. Sätze, wie "Da Geistes- und Sozialwissenschaftler während ihres Studiums häufig nicht ganz so viele Prüfungen erbringen müssen wie etwa Mediziner oder Juristen, haben sie meist mehr Zeit, um ein Praktikum im Ausland zu machen." bringen mich dann beim Lesen solcher Texte immer wieder aus der Fassung. Denn an meiner Hochschule (das mag entsprechend des Studienstandortes abweichen) hat man pro Semester im Schnitt drei Klausuren oder Seminararbeiten, die eingereicht werden müssen. Im Master sind es dann meist weniger oder gar keine Klausuren mehr, dafür deutlich mehr Seminararbeiten von höherem Umfang, die am Ende eines jeden Semesters eingereicht werden müssen und deren Note ausschlaggebend für den Abschluss ist. Wer in der Regelstudienzeit (insg. fünf Jahre, bzw. zehn Semester) mit dem Studium fertig sein möchte, findet mit Sicherheit nicht mehr Zeit, als ein Student der Rechtswissenschaft. Insofern unterscheiden sich diese Studiengänge oft nur in gewissen Phasen oder in der Art der Lehrveranstaltungen und Prüfungsleistungen. Medizin mit Politologie oder Jura zu vergleichen, ist hingegen, wie Äpfel mit... Orangen zu vergleichen.
Hier findet jemand das 3 Klausuren je Semester besonders viel sind.:-)
Zum eigentlichen Thema muss ich sagen das, wie bei vielen Dingen, eine Pauschalisierung unangebracht ist. Es gibt sicherlich Personaler die sich bei der Auswahl von zwei etwa ebenbürtigen Kandidaten (was die Qualifikation angeht) durch einen Auslandsaufenthalt positiv beeinflussen lassen. Es ist in diesem Fall als Alleinstellungsmerkmal zu sehen. Das heisst aber auch das es nicht unbedingt um die im Ausland erworbenen Fähigkeiten oder sowas gehen muss!
Leider scheint es heute auch oft nötig, sich die Fähigkeiten der Selbstorganisation, die vor Bologna ganz selbstverständlich während des Studiums erworben werden mussten, nun im Ausland zu holen (bzw. über die Organisation dieses Aufenthaltes).
Fixe Studienpläne und sogar begleitete Doktorandenprogramme erleichtern dies nicht unbedingt.
Zum Thema ausländische Studierende im Ausland: Wer schon erlebt hat wie eine Gruppe von Studenten der University of New York eine Stadtführung macht (oder halt teilnimmt) und wieviel Betreuer da rumschwirren damit man sich ja nicht mit den Einheimischen "mischen" muss, der weiss das diese Leute nicht wirklich was von Land und Kultur mitbekommen haben. Zum besser Akademiker (durch Fachwissen) werde ich aber durch eine Rundreise durch Indien mit Sicherheit auch nicht.
Hier findet jemand das 3 Klausuren je Semester besonders viel sind.:-)
Zum eigentlichen Thema muss ich sagen das, wie bei vielen Dingen, eine Pauschalisierung unangebracht ist. Es gibt sicherlich Personaler die sich bei der Auswahl von zwei etwa ebenbürtigen Kandidaten (was die Qualifikation angeht) durch einen Auslandsaufenthalt positiv beeinflussen lassen. Es ist in diesem Fall als Alleinstellungsmerkmal zu sehen. Das heisst aber auch das es nicht unbedingt um die im Ausland erworbenen Fähigkeiten oder sowas gehen muss!
Leider scheint es heute auch oft nötig, sich die Fähigkeiten der Selbstorganisation, die vor Bologna ganz selbstverständlich während des Studiums erworben werden mussten, nun im Ausland zu holen (bzw. über die Organisation dieses Aufenthaltes).
Fixe Studienpläne und sogar begleitete Doktorandenprogramme erleichtern dies nicht unbedingt.
Zum Thema ausländische Studierende im Ausland: Wer schon erlebt hat wie eine Gruppe von Studenten der University of New York eine Stadtführung macht (oder halt teilnimmt) und wieviel Betreuer da rumschwirren damit man sich ja nicht mit den Einheimischen "mischen" muss, der weiss das diese Leute nicht wirklich was von Land und Kultur mitbekommen haben. Zum besser Akademiker (durch Fachwissen) werde ich aber durch eine Rundreise durch Indien mit Sicherheit auch nicht.
"Muss ich woanders studiert haben?" Wer sich diese Frage so stellt, sollte lieber nicht ins Ausland gehen und zu Hause bleiben. Wer sich nicht für die jeweilige Landeskultur öffnen will und kann, ist in jedem Land fehl am Platz.
Ich habe mit vielen Rückkehrern, die im Ausland studiert haben, gesprochen. Ja, sie haben dort studiert und auch eine Menge gelernt. Aber erst als sie von ihren neuen Freundschaften (auch Liebe!) und Netzwerken zu sprechen begannen, haben ihre Augen geleuchtet. Außerdem mussten sie viele Entscheidungen für sich allein treffen - ohne diese im vertrautem Umfeld ausführlich durchsprechen zu können.
Zusammenfassend kann ich allen Studierenden - und nicht nur diesen! - folgende Empfehlung mit auf den Weg geben: Manchmal musst du Deutschland den Rücken kehren, um Vorteile wirklich schätzen zu lernen. Und genauso musst du manchmal erst nach Deutschland zurückkehren, um zu merken, dass vermeintliche Vorteile oft nur eine Sache jahrelanger Gewohnheit sind. Du hast gelernt, dass es wichtig ist, nicht in den Kategorien gut oder schlecht zu denken - sondern, dass es vieles gibt, was einfach anders ist. Die Sehnsucht nach der Ferne und der stetig wachsende Appetit auf neue Erlebnisse werden deine ständigen Begleiter - egal wo du gerade lebst.
Hier findet jemand das 3 Klausuren je Semester besonders viel sind.:-)
Zum eigentlichen Thema muss ich sagen das, wie bei vielen Dingen, eine Pauschalisierung unangebracht ist. Es gibt sicherlich Personaler die sich bei der Auswahl von zwei etwa ebenbürtigen Kandidaten (was die Qualifikation angeht) durch einen Auslandsaufenthalt positiv beeinflussen lassen. Es ist in diesem Fall als Alleinstellungsmerkmal zu sehen. Das heisst aber auch das es nicht unbedingt um die im Ausland erworbenen Fähigkeiten oder sowas gehen muss!
Leider scheint es heute auch oft nötig, sich die Fähigkeiten der Selbstorganisation, die vor Bologna ganz selbstverständlich während des Studiums erworben werden mussten, nun im Ausland zu holen (bzw. über die Organisation dieses Aufenthaltes).
Fixe Studienpläne und sogar begleitete Doktorandenprogramme erleichtern dies nicht unbedingt.
Zum Thema ausländische Studierende im Ausland: Wer schon erlebt hat wie eine Gruppe von Studenten der University of New York eine Stadtführung macht (oder halt teilnimmt) und wieviel Betreuer da rumschwirren damit man sich ja nicht mit den Einheimischen "mischen" muss, der weiss das diese Leute nicht wirklich was von Land und Kultur mitbekommen haben. Zum besser Akademiker (durch Fachwissen) werde ich aber durch eine Rundreise durch Indien mit Sicherheit auch nicht.
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