ZEIT Campus: Herr Wendt, Sie sind heute ins Kölner Studentenwerk gekommen, um sich von Herrn Becker beraten zu lassen. Warum genau sind Sie hier?

Robert Wendt: Ich plane, in diesem Jahr meinen Master in Economics zu beginnen, und würde gern wissen, was so ein Masterstudium überhaupt kostet.

Hans-Peter Becker: Das kommt darauf an, wo Sie studieren und ob es dort Studiengebühren gibt. Das Deutsche Studentenwerk hat erhoben, dass ein Student in Deutschland durchschnittlich etwa 800 Euro pro Monat zum Leben braucht. Damit kommen Sie in einer Stadt wie Köln wohl knapp hin.

Wendt: Muss ich mir im Masterstudium wegen der Finanzierung über andere Dinge Gedanken machen als im Bachelor?

Becker: Sie müssen nur bedenken, dass für ältere Studenten ein paar Privilegien wegfallen. Ab dem 25. Geburtstag gibt es kein Kindergeld mehr, es sei denn, Sie haben Wehr- oder Ersatzdienst geleistet. Dann verlängert sich die Frist aber auch nur um die Zeit des Dienstes. Außerdem müssen Sie sich selbst versichern. Die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung kostet für Studenten rund 75 Euro im Monat. Wie finanzieren Sie sich denn?

Wendt: Ich habe einen Nebenjob als Mitarbeiter im Landtag bei einem Abgeordneten. Außerdem unterstützen mich meine Eltern.

ZEIT Campus: Welche Geldquellen nutzen andere Studenten in Deutschland, Herr Becker?

Becker: Fast alle bekommen Geld von ihren Eltern. Das ist meistens die Haupteinnahmequelle, wie eine Befragung des Deutschen Studentenwerks ergeben hat. Etwa 30 Prozent erhalten Bafög. Zwei Drittel der Studenten verdienen sich selbst etwas dazu.

Wendt: Ich versuche möglichst viel zu arbeiten, um meine Eltern zu entlasten. Muss ich beim Verdienst oder der Arbeitszeit irgendwelche Grenzen beachten?

Becker: Sie dürfen so viel verdienen, wie sie möchten. Am 1. Januar ist sogar die Einkommensgrenze für das Kindergeld weggefallen. Allerdings müssen Sie mehr für Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung zahlen, wenn Sie dauerhaft über 20 Stunden pro Woche arbeiten. Ab 8004 Euro Jahreseinkommen fallen Steuern an. Vor allem Bafög-Empfänger müssen aufpassen: Verdienen sie mehr als 400 Euro im Monat, bekommen sie weniger Bafög.

Wendt: Momentan gehe ich an zwei Tagen pro Woche arbeiten. Vorlesungen und Seminare kann ich dann nicht besuchen. Schaffe ich bei dem Arbeitspensum parallel ein Masterstudium?

Becker: Wenn Sie das im Bachelorstudium durchgehalten haben, dürfte es auch im Master klappen. In Beratungsgesprächen höre ich aber immer öfter von Studenten, dass es ihnen schwerfällt, Job und Studium zu koordinieren. Das liegt wohl daran, dass Bachelor und Master deutlich verschulter sind als die alten Studiengänge. Viele haben deswegen Schwierigkeiten, neben dem durchgeplanten Studium auch noch einen Nebenjob zu organisieren.

Wendt: Ich würde eher noch mehr nebenher arbeiten, als einen Kredit aufzunehmen, obwohl ich weiß, dass ich deswegen vielleicht etwas länger für mein Studium brauche. Ist das vernünftig?

Becker: Grundsätzlich ist es immer vernünftig, keine Schulden zu machen. Ein Grund, darüber nachzudenken, ist aber, wenn sich das Studium durch den Job zu sehr in die Länge zieht oder wenn Ihre Leistungen unter der Arbeit leiden. Auf jeden Fall sollten Sie sich über einen Kredit informieren, wenn Sie vor der Entscheidung stehen, auf den Master zu verzichten.