Professorenkolumne : Schuldgefühle vor dem Fahrstuhl

Der Anblick des Profs weckt oft das schlechte Gewissen: Die Hausarbeit steht noch aus, die Klausur war mies. Was Studenten nicht wissen: Auch Profs schämen sich manchmal.

Neulich hat sich einer der Studenten aus meinem Seminar ganz schnell abgewendet, als er mich vor dem Fahrstuhl erkannte. Er hatte wohl Angst, dass ich ihn nach seiner ausstehenden Hausarbeit frage.

Was er nicht wusste: Eigentlich bin ich es, der sich verstecken müsste.

Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Als ich an der Uni anfing, hatte ich große Ziele: Jeden Studenten zweimal pro Semester in die Sprechstunde einladen, jede Hausarbeit persönlich besprechen, nicht mit Referaten Zeit schinden und jede E-Mail in 24 Stunden abarbeiten.

Davon ist nicht viel geblieben. Stattdessen kenne ich jetzt die kleinen Tricks, mit denen man einem Studenten in der Sprechstunde das Gefühl vermittelt, man habe seine Seminararbeit genau gelesen, während man krampfhaft versucht, sich daran zu erinnern, in welchem Kurs der Student überhaupt war.

Wir Professoren schämen uns manchmal für die Show, die wir abliefern. Was aber macht das schlechte Gewissen mit uns? Entweder wir leiden. Oder wir werden gewiefte Ausreden-Fabrizierer: Das »System« hat Schuld, denn wir betreuen zu viele Studenten! Das stimmt ja auch.

Professor Fritz Breithaupt

 44, erklärt an dieser Stelle regelmäßig das Innenleben der Profs. Er lehrt an der Indiana University, USA

Ausreden machen es leicht. Sie helfen so lange, bis man vor dem Fahrstuhl einem der Betrogenen begegnet. Dann gilt: schnell wegschauen!

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Kommentare

7 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Immer wieder

gerne lese ich die Artikel zum Thema Professoren, Uni & Co.
Gerade bei diesem spannenden Aspekt hätte ich mir aber doch mehr Inhalte gewünscht. Ich glaube, dass diese Art der Schilderung gut zum gegenseitigen Verständnis beitragen kann. Von daher liebe ZEIT: Nutzt die Chance und füllt die Inhalte auf!