StudienwahlHelfen Rankings bei der Studienwahl?

Ja, wenn sie gut durchdacht sind, sagt der Ranking-Macher Frank Ziegele. Im Gegenteil, sie führen in die Irre, sagt die Soziologin Martina Löw. Ein Streitgespräch von Nadja Kirsten

Die Kontrahenten: Frank Ziegele, 46, ist der Geschäftsführer des Centrums für Hochschulentwicklung in Gütersloh (CHE). Das CHE erstellt das größte deutsche Hochschulranking, dessen Ergebnisse regelmäßig im ZEIT Studienführer und auf ZEIT ONLINE veröffentlicht werden. Auch das Masterranking Informatik auf den vorangegangenen Seiten gehört dazu. Martina Löw, 47, ist Professorin an der TU Darmstadt und die Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS). Die DGS ruft Uni-Institute dazu auf, die Erhebungen für das Ranking zu boykottieren

ZEIT Campus: Frau Löw, Sie raten davon ab, sich bei der Studienwahl an Rankings zu orientieren. Was ist so schlecht daran?

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Martina Löw: Rankings täuschen Objektivität vor. Aber was dabei genau gemessen wird, beruht auf subjektiven Entscheidungen.

ZEIT Campus: Herr Ziegele, sind die CHE-Rankings, für die Sie verantwortlich sind, subjektiv?

Frank Ziegele: Natürlich. Jedes Ranking ist subjektiv in dem Sinne, dass jemand die Entscheidung trifft, was gemessen wird. Viele Uni-Rankings mischen die Ergebnisse für verschiedene Aspekte zu einem Wert zusammen. Dann weiß keiner, was dahintersteckt. Aber genau das machen wir nicht.

ZEIT Campus: Was machen Sie stattdessen?

Ziegele: Unser Ranking gibt Auskunft über verschiedene Faktoren, je nach Fach gibt es 20, 30 Kriterien. Zum Beispiel fragen wir, ob sich die Studenten gut betreut fühlen, wie groß das Lehrangebot ist, ob neue Forschungsergebnisse in die Lehre einfließen und wie es um den Praxisbezug steht. Zudem bitten wir die Studenten vor Ort, eine Gesamtnote für ihr Studium abzugeben. Jeder Nutzer kann dann auf diejenigen Kriterien achten, die ihm persönlich wichtig sind.

Löw: Aber sobald Sie eine Bewertung vornehmen, sobald Sie also sagen, wer in der Spitzengruppe, wer im Mittelfeld und wer in der Schlussgruppe ist, vereinfachen Sie ganz extrem. Sie erzeugen den Eindruck, man habe mit dem Ranking eine bessere Entscheidungsgrundlage, als wenn man an die Wunsch-Unis fährt und dort mit Studenten redet. Dabei gibt es vieles, was Sie mit Ihrer Erhebung gar nicht erfassen können.

ZEIT Campus: Was zum Beispiel?

Löw: Wird eine Professur neu besetzt, können sich die Forschungsschwerpunkte eines Instituts und auch die Inhalte der Lehre rasch ändern. Das kann ein Ranking so schnell gar nicht abbilden. Aber auch Veränderungen in der Uni-Stadt können eine Rolle spielen: Ein Militärstützpunkt wird geschlossen, ein riesiges Areal ist frei. Mit einem Mal sind dort Forschungsprojekte von Studierenden gemeinsam mit den Lehrenden möglich, die vorher undenkbar waren. Wer genau dann an der Universität ist, hat eine super Zeit. Es kann aber auch einfach Unterschiede in der Wahrnehmung geben: Der eine Student kommt mit einem Dozenten nicht klar, der andere aber ganz wunderbar. Man kann eben nicht alles in Zahlen fassen.

ZEIT Campus 1/2013
ZEIT Campus 1/2013

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Ziegele: Wir werden in der Tat nie zur Weltformel gelangen, die alle denkbaren Kriterien abdeckt. Deshalb betonen wir immer, dass niemand seine Studienwahl allein aufgrund unseres Rankings treffen sollte. Ich rate jedem: Fahren Sie zu den Hochschulen, die für Sie in der engeren Wahl sind. Reden Sie mit den Studenten dort, sammeln Sie Eindrücke. Das Ranking liefert nur Anhaltspunkte für die Entscheidung. Aber es sind sehr wertvolle Anhaltspunkte. Was wäre denn Ihre Alternative, Frau Löw? Wollen Sie die Leute im Ungewissen lassen und darauf hoffen, dass sie bei ihrer Uni-Wahl einfach Glück haben?

Löw: Der richtige Weg wäre, gut aufbereitete, aktuelle Informationen über die einzelnen Studiengänge zur Verfügung zu stellen, ohne ein Ranking vorzunehmen. So könnte jeder sehen, was an den einzelnen Instituten los ist. Die Deutsche Gesellschaft für Soziologie arbeitet an einem entsprechenden Portal für Soziologiestudenten. Es soll 2013 online gehen.

Ziegele: Das finde ich eine super Sache! Wir würden das gerne sofort an unser Ranking anbinden. Aber solche Informationen und das, was wir im Ranking messen, sollte man nicht gegeneinander ausspielen. Studieninteressierte brauchen doch beides: Informationen über die Profile einzelner Institute und Antworten auf die Frage, wie zufrieden die Studenten an einem Standort mit ihrem Studiengang sind. Durch die Befragung in unserem Ranking wird die Stimme der Studenten hörbar.

ZEIT Campus: Frau Löw, wollen Sie, dass man auf diese Stimme verzichtet?

Löw: Ich verstehe sehr gut, dass es für die Studienwahl interessant ist, zu erfahren, wie es anderen ergangen ist. Aber das CHE- Ranking beruht zum Teil auf den Antworten von nur 15 Studenten. Das sind einfach viel zu wenig Befragte, um eine komplexe Einschätzung verlässlich wiedergeben zu können.

Ziegele: Das stimmt so pauschal nicht. Wir machen eine gigantische empirische Studie. Für alle Fächer zusammengenommen liegen uns die Antworten von mehr als 120.000 Studenten vor. Die Zahl 15 ist die Untergrenze für einen einzelnen Fachbereich an einer Hochschule. Sie müssen bedenken: In manchen Fachbereichen sind nur um die hundert Studenten eingeschrieben. Erstsemester befragen wir grundsätzlich nicht, weil sie erst kurz dabei sind. Wir nehmen die Werte außerdem nur auf, wenn eine Reihe weiterer statistischer Bedingungen erfüllt sind. Dafür haben wir ein Verfahren entwickelt, mit dem wir auf der sicheren Seite sind.

Löw: Die Mehrheit unserer Experten aus der Soziologie sieht Sie nicht auf der sicheren Seite. Und es gibt weitere Probleme. Studien zeigen zum Beispiel, dass Studierende einen Dozenten besser bewerten, wenn er oder sie als attraktiv eingeschätzt wird. Wie aussagekräftig sind Urteile in einem Ranking dann noch? Außerdem muss man, wenn man wirklich gut informiert sein will, auch über Ursachen reden. Woran liegt es, wenn eine bestimmte Uni Probleme mit der Methodenausbildung hat? Das kann man mit einem Ranking nicht hinkriegen.

Ziegele: Klar, das Ranking sagt nichts über Ursachen. Aber es zeigt, wo Probleme liegen, und kann auf diese Weise dazu beitragen, dass Abhilfe geschaffen wird.

ZEIT Campus: Können Sie ein Beispiel nennen?

Ziegele: Die Universität Klagenfurt hatte im Fach Psychologie katastrophale Ergebnisse in unserem Ranking. Schnell wurde klar, dass das mit fehlendem Personal zu tun hatte. Die Studenten und Professoren dort haben gemeinsam für eine Aufstockung gekämpft und waren damit erfolgreich.

ZEIT Campus: Können Ranking-Ergebnisse also auch eine positive Wirkung für die geprüften Fachbereiche haben, Frau Löw?

Löw: Ich habe Kolleginnen und Kollegen in meinem Fach gefragt, aber es konnte mir niemand eine solche Erfolgsgeschichte erzählen. Im Gegenteil: In Zeiten knapper Kassen kann man sich vorstellen, dass schlechte Ranking-Werte als Anlass dienen können, Mittel zu kürzen. Das Ranking zeigt eben nicht nur Unterschiede, es zementiert sie auch. Denn wenn ein Studiengang einmal schlecht abgeschnitten hat, fällt es schwer, diesen Ruf wieder loszuwerden.

Ziegele: Aber die Konsequenz daraus kann doch nicht sein, die Unterschiede zu verschweigen! Sie tun dann so, als ob an allen Instituten alles gleich gut ist, nur die Inhalte sind ein bisschen verschieden. Das stimmt doch einfach nicht!

Löw: Natürlich gibt es Unterschiede. Aber wenn man in einem Ranking der komplexen Realität nun einmal nicht gerecht werden kann, dann ist es doch sinnvoller, auf das Ranking zu verzichten und sich darauf zu konzentrieren, gute Informationen bereitzustellen. Es kostet die Hochschulen ja auch unheimlich viel Geld, die Daten für das Ranking zu liefern. Diese Mittel könnte man sinnvoller investieren, etwa in der Lehre.

Ziegele: Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen, den Studieninteressierten wertvolle Ranking-Informationen zu geben, ohne unzulässig zu vereinfachen. Ich möchte jeden ermutigen, sich ein eigenes Bild zu machen.

Löw: Da schließe ich mich an.

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Leserkommentare
  1. Studentenbefragungen sind für ein fachliches Ranking wertlos. Wieviele verschiedene Universitäten kennt ein Student, so dass er die Qualität vergleichen kann? Wieviele verschiedene Dozenten? Wie soll er die fachliche Kompetenz beurteilen, wenn er selbst noch keine erworben hat?

    Die meisten Studenten kennen eine Universität - nein, einen Fachbereich einer Universität, an dem sie zu einem bestimmtem Thema bei einem Dozenten einmal eine Vorlesung besucht haben. Die allermeisten Studenten kennen nicht einmal ihre eigene Studienordnung, kennen nur die Zusammenfassung, die sie meist von der verfassten Studierendenschaft bekommen. Wie soll ein Student einschätzen können, ob die Ausstattung gut ist oder er nur zuviel individuelle Betreuung erwartet hat; wie soll er beurteilen können, ob der Dozent fachlich geeignet ist oder nur er selbst Probleme hat; wie soll er beurteilen, ob die Arbeitsbelastung angemessen ist? Dies gelingt nur in den offensichtlichen Extremfällen, reicht aber nicht für die Bildung einer Reihenfolge. Ist ein Dozent gut, wenn alle Studenten die Prüfung mit guten Noten bestehen? Aus Studentensicht sicherlich.

    Nein, Rankings, die sich auf Studentenbefragungen stützen, sollte man ignorieren. Sie können höchstens Auskunft über die Attraktivität, aber nicht über die Qualität geben.

    Eine Leserempfehlung
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    Natürlich kann ein Student die wissenschaftliche Qualität nicht beurteilen. Wer so etwas mit in ein Ranking nicht, der verstärkt halt nur die Legendenbildung. (Wer als Student einen Platz an einer "Elite-Universität" ergattern konnte, wird deren Qualität höher beurteilen, ohne überhaupt eine Ahnung zu haben.)

    Wo Studenten aber eine gute Auskunft geben können, sind die "Service-Dienstleistungen". Wie reagiert das WP auf Fragen, in welchem Zustand befinden sich Werkzeug und Messgeräte in den Laboren. Wie sieht es mit Mensa, Parkplätzen und Studentenwohnungen aus...

    • Billy51
    • 26. Dezember 2012 11:14 Uhr

    Als Ergänzung zwei Extreme:
    1) Das Ausfüllen der Befragungslisten durch die Stud. ist freiwillig. Wer macht sich die Arbeit den Fragebogen auszufüllen? Richtig: Nur die Unzufriedenen! Die Uni rutscht im Ranking ab.

    2) Alle Stud. derselben Uni nehmen teil und geben kollektiv über die Maßen gute Bewertungen ab. Die Uni wird im Ranking nach oben gepuscht, wodurch die Stud. die Gelegenheit genutzt haben, die Wertigkeit ihres eigenen Studienabschlusses aufzubessern.

    Fazit: Für Außenstehende sind Rankings wie das Lesen im Kaffeesatz.

    Gut gerankte Unis sind immer auch die, die bessere Noten vergeben. Erfolglose Studenten machen nur zu gerne die Dozenten oder andere äußere Umstände dafür verantwortlich.

    Es trifft sicher nicht für alle Unis zu, aber ich denke einige der Unis die bei den Rankings auf den hinteren Plätzen landen sind Unis, an denen hart/fair bewertet wird und ein gewisser Anspruch gestellt wird.

    Ich studiere an einer österreichischen Hochschule einen wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang. Ich kenne sehr viele Studenten dort und das Bild ist typisch: erfolgreiche Studenten sind zufrieden und wissen die Arbeit der Universität sowie ihrer Dozenten zu schätzen. Die Studenten bei welchen der Erfolg ausbleibt (durch eigene Faulheit) sind diejenigen, die auf die Lehre schimpfen.

    Das Ganze wird zu einem TEufelskreis, wenn die Leute mit viel Potential auf die gut gerankten Unis gehen und die anderen sich auf die schlecht gerankten verteilen.

    Ein Student kann vielleicht nicht die wissenschaftliche Qualität beurteilen - aber darum geht es bei der Studienplatzwahl auch nicht. Da geht es darum, die Qualität der Institution in der Lehre zu bewerten. Und der Student kann durchaus bewerten, wieviel er aus den Vorlesungen und Seminaren mitnimmt. Die wissenschaftliche Qualität wird allenfalls dann relevant, wenn man auch eine Promotion plant - und abgesehen von den Naturwissenschaften dürften in den wenigsten Fächern den Studenten frühzeitig klar sein, ob sie promovieren wollen oder nicht.

    Das tatsächliche Problem der Studentenbefragungen ergibt sich an anderer Stelle:

    "Das stimmt so pauschal nicht. Wir machen eine gigantische empirische Studie. Für alle Fächer zusammengenommen liegen uns die Antworten von mehr als 120.000 Studenten vor. Die Zahl 15 ist die Untergrenze für einen einzelnen Fachbereich an einer Hochschule. Sie müssen bedenken: In manchen Fachbereichen sind nur um die hundert Studenten eingeschrieben. Erstsemester befragen wir grundsätzlich nicht, weil sie erst kurz dabei sind. Wir nehmen die Werte außerdem nur auf, wenn eine Reihe weiterer statistischer Bedingungen erfüllt sind. Dafür haben wir ein Verfahren entwickelt, mit dem wir auf der sicheren Seite sind."

    Ein derartiges Verfahren gibt es nicht. Wenn ich nur 15 Studenten an einem Fachbereich befrage, kann ich kaum signifikante Unterschiede zu anderen Universitäten, wo ich ähnlich wenig Studenten befrage, feststellen - das funktioniert nicht.

    Diese Reaktion ist ja echt so vorhersehbar... Studenten haben doch keine Ahnung von nix. Alle. Pauschal.
    Ich persönlich finde Rankings ja auch bescheuert, aber nicht, weil Studenten zu blöd sind einen Fragebogen objektiv auszufüllen.
    Vielleicht bin ich ja die seltene Ausnahme, aber ich bewerte ein Seminar doch nicht als gut, bloß, weil der Dozent gut aussieht oder mit super Noten nur so um sich schmeißt...
    In einem guten Seminar / einer guten Vorlesung sollte ich...
    1. Etwas lernen können
    2. Nicht die Arbeit des Dozenten machen müssen
    3. Ein ordentliches Skript haben
    4. Vom Dozenten konstruktive Kritik für Vorträge und Arbeiten bekommen
    5. Nicht auf dem Boden sitzen müssen
    6. Nicht wochenlang auf Antwort des Dozenten warten müssen
    7. Nicht nur Informationen, sondern auch theoretische Verknüpfungen bekommen, sodass alles einen 'Sinn ergibt'
    Und ich beurteile nicht alleine nach diesen Punkten (Ich rede hin und wieder auch mit anderen Studenten, wer hätte das gedacht)

    Die Probleme, die ich aufgezählt habe (schlechte Konzeption, schlechte Erreichbarkeit der Dozenten, räumliche Schwierigkeiten) lassen sich auf 2 Hauptprobleme runterschlagen:
    1. Zu wenig Geld für Räume und Personal.
    2. Kein Interesse seitens des Dozierenden.

    Im übrigen kann ich als Student unterschiedliche Dozenten wohl vergleichen. Sicher gibt es eine 'Fachbereichsmoral', es hängt am Ende aber am Dozenten.
    2 meiner Lieblingsdozenten sind optisch unattraktiv bzw. behindert und dennoch genial. Nur so.

  2. Herr Löw fördert die Mittelmäßigkeit, die Herr Ullrich http://www.zeit.de/campus/2013/01/krebsforscher-biotechnologie-axel-ullrich anprangert.

    Wer im Schweinsgalopp Forschungsergebnisse produzieren muss, um im Ranking nicht abzufallen, der produziert halt viel Mittelmäßigkeit. "Erfindungen am laufenden Meter" gibt es nur bei Daniel Düsentrieb.

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    Sorry, da habe ich wohl die Namen vertauscht. Ich meinte Herrn Ziegele und nicht Frau Löw.

  3. Natürlich kann ein Student die wissenschaftliche Qualität nicht beurteilen. Wer so etwas mit in ein Ranking nicht, der verstärkt halt nur die Legendenbildung. (Wer als Student einen Platz an einer "Elite-Universität" ergattern konnte, wird deren Qualität höher beurteilen, ohne überhaupt eine Ahnung zu haben.)

    Wo Studenten aber eine gute Auskunft geben können, sind die "Service-Dienstleistungen". Wie reagiert das WP auf Fragen, in welchem Zustand befinden sich Werkzeug und Messgeräte in den Laboren. Wie sieht es mit Mensa, Parkplätzen und Studentenwohnungen aus...

    Antwort auf "Studentenbefragungen"
  4. Sorry, da habe ich wohl die Namen vertauscht. Ich meinte Herrn Ziegele und nicht Frau Löw.

  5. Ich bin etwas angewidert von der Argumentation von Frau Löw. Mir ist keine Universität bekannt, die ihre Studienganginformationen so objektiv darstellt, wie dies die Kennzahlen des CHE tun. Die Darstellungen lesen sich wie Werbetexte. Jede Uni hat angeblich den besten, innovativsten, forschungsorientiertesten Studiengang. Das dies nicht der Wahrheit entspricht, ist ja kein Geheimnis, lässt sich aber auf den Homepages der Hochschulen nicht nachlesen und auch das Urteil anderer Studierender ist immer nur ein kleiner subjektiver Bestandteil.

    Ich selber habe seinerzeit meine Studienortwahl nach dem Ranking getroffen, als Bafög-Empfänger war mir dabei beispielsweise besonders die Betreuungsrelation und die Absolventenquote in der Regelstudienzeit wichtig.

    Aufgrund meiner aktuellen Tätigkeit im Hochschulwesen darf ich mir das Urteil erlauben, dass die guten Ranking-Werte meines Studienortes nicht von ungefähr kamen. Ich glaube, da liegt der Hase im Pfeffer begraben.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Petka
    • 26. Dezember 2012 19:02 Uhr

    > [...] keine Universität bekannt, die ihre Studienganginformationen so objektiv darstellt, wie dies die Kennzahlen des CHE tun [...]

    Du hast also keine Ahnung davon, dass Institute und Fakultäten seit Jahrzehnten auch in Eigenregie sehr fundiert ihre Studiengänge darstellen.

    Das machen sie vor allem aus reinem Eigeninteresse. Viele fehlinformierte Anfänger nach wenigen Semestern zu exmatrikulieren ist für keinen Fachbereich wirklich erstrebenswert.

    Seit Jahren gibt es Broschüren, Studieninformationstagen und im Netz. Vor allem der direkte Besuch an einem universitär veranstalteten Studieninformationstag erzählt einem so unendlich viel mehr ganz objektive Fakten als eine Ranking-Zahl.

    > [...] Aufgrund meiner aktuellen Tätigkeit im Hochschulwesen darf ich mir das Urteil erlauben [...]

    Du betreibst du hier schlicht Kaffeesatzlesen mit dem Vorzeichen deiner vermeintlichen Autorität und deiner vorgeblich gut gerankten Universität. Ersteres kann ich auch: in zehn Jahren Fachschaftsaktivität an zwei Universitäten ist nie ein Ranking-Institut sichtbar an Studenten herangetreten. Ich weiss beim besten Willen nicht, woher das CHE meint, seine Zahlen zu haben. Die einzigen Rankings die je stattgefunden haben, waren interne Auswertungen, vorgenommen via direkt in den Lehrveranstaltungen verteilten Fragebögen.

    "Ich bin etwas angewidert von der Argumentation von Frau Löw. Mir ist keine Universität bekannt, die ihre Studienganginformationen so objektiv darstellt, wie dies die Kennzahlen des CHE tun. "

    Und ich bin angewidert von Leuten, die sich als Hochschulexperten auspielen, aber leichtfertig mit dem Wort "objektiv" umgehen.

    "Aufgrund meiner aktuellen Tätigkeit im Hochschulwesen darf ich mir das Urteil erlauben, dass die guten Ranking-Werte meines Studienortes nicht von ungefähr kamen. Ich glaube, da liegt der Hase im Pfeffer begraben."

    Nein, der liegt eher da, wo Sie Anekdoten für Belege halten. Wenn Sie im Hochschulwesen tätig sind, dann sind Sie mit einer derartigen Einstellung eher eine Gefahr für das Ranking der Institution - denn das Handwerkszeug zur seriösen Datenanalyse scheint Ihnen nicht vermittelt worden zu sein. Stattdessen versuchen Sie's halt damit, "angewidert" zu sein. Für Emotionen muss man sich halt keine Arbeit machen.

    • Billy51
    • 26. Dezember 2012 11:14 Uhr

    Als Ergänzung zwei Extreme:
    1) Das Ausfüllen der Befragungslisten durch die Stud. ist freiwillig. Wer macht sich die Arbeit den Fragebogen auszufüllen? Richtig: Nur die Unzufriedenen! Die Uni rutscht im Ranking ab.

    2) Alle Stud. derselben Uni nehmen teil und geben kollektiv über die Maßen gute Bewertungen ab. Die Uni wird im Ranking nach oben gepuscht, wodurch die Stud. die Gelegenheit genutzt haben, die Wertigkeit ihres eigenen Studienabschlusses aufzubessern.

    Fazit: Für Außenstehende sind Rankings wie das Lesen im Kaffeesatz.

    Antwort auf "Studentenbefragungen"
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    Wir haben immer wieder Laptops, iPads, etc. uner den Teilnehmern verlost .....

  6. Gut gerankte Unis sind immer auch die, die bessere Noten vergeben. Erfolglose Studenten machen nur zu gerne die Dozenten oder andere äußere Umstände dafür verantwortlich.

    Es trifft sicher nicht für alle Unis zu, aber ich denke einige der Unis die bei den Rankings auf den hinteren Plätzen landen sind Unis, an denen hart/fair bewertet wird und ein gewisser Anspruch gestellt wird.

    Ich studiere an einer österreichischen Hochschule einen wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang. Ich kenne sehr viele Studenten dort und das Bild ist typisch: erfolgreiche Studenten sind zufrieden und wissen die Arbeit der Universität sowie ihrer Dozenten zu schätzen. Die Studenten bei welchen der Erfolg ausbleibt (durch eigene Faulheit) sind diejenigen, die auf die Lehre schimpfen.

    Das Ganze wird zu einem TEufelskreis, wenn die Leute mit viel Potential auf die gut gerankten Unis gehen und die anderen sich auf die schlecht gerankten verteilen.

    Antwort auf "Studentenbefragungen"
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    • ST_T
    • 27. Dezember 2012 13:58 Uhr

    "Gut gerankte Unis sind immer auch die, die bessere Noten vergeben. Erfolglose Studenten machen nur zu gerne die Dozenten oder andere äußere Umstände dafür verantwortlich."

    Ausgerechnet die Spitzenunis in Deutschland sind gerade die Härtesten, siehe z.B. RWTH Aachen oder Uni Heidelberg.
    Schauen Sie sich in einigen der Fachbereiche, die so hoch gerankt werden mal die Durchfallquoten an und überlegen Sie sich noch einmal Ihre Argumentation.

    "Es trifft sicher nicht für alle Unis zu, aber ich denke einige der Unis die bei den Rankings auf den hinteren Plätzen landen sind Unis, an denen hart/fair bewertet wird und ein gewisser Anspruch gestellt wird."

    Es ist eher der Fall einer self-fulfilling prophecy:
    Angenommen in Fachbereich A sind zu wenig Dozenten, das Ranking ist ergo schlecht: Dann werden weniger Studenten kommen, eine bessere Finanzierung fällt weg, da weniger Studenten da sind und die Verhältnisse werden zementiert. Dasselbe funktioniert auch in umgekehrter Richtung und so verschlimmbessern diese Rankings nur die Situation!

    Die Folgen sind dann wohl Rationierungen auf Kosten der Lehre, die sogar im Schließen eines Studiengangs resultieren können und nur noch eine Konzentration von potentiellen Studenten auf bestimmte Studienorte.
    Den Rest kann man sich wohl selbst denken...

    Je nach FAchbereich tummelt sich Quantität eher an schlechtgerankten Unis, während sich gutgerankte Unis auch Qualität raussuchen können.

  7. "Studienwahl"Rankings täuschen Objektivität vor"

    Hochschulrankings sollen die Qualität von deutscher Unis vergleichen. Aber helfen wirklich sie bei der Studienwahl? Ein Ranking-Macher und eine Soziologin diskutieren. "

    Wer auch immer diese Zeilen geschrieben hat, hat offensichtlich niemals eine Schulform oberhalb der 10. Klasse besucht.

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