PartnerschaftDu bist mein Zweitstudium

Wer verliebt ist, studiert das Fach des Partners gleich mit. Vier Paare erzählen, was sie dabei gelernt haben.

»Ich kann meine Möbel jetzt selbst umbauen«

Marina Lessig, 23, macht ihren Magister in Philosophie. Ihr Freund Moritz Greil, 27, studiert Holztechnik

ZEIT Campus 1/2013
Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

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Seit Moritz mir mal gezeigt hat, wie man bohrt, schraubt und sägt, will ich ständig Ikea-Möbel neu lackieren, umbauen oder etwas Neues entwerfen. Dabei geraten wir oft aneinander. Ich habe sehr abstrakte Vorstellungen, die in der Realität aber meistens nicht so richtig funktionieren. Moritz wirft mit Fachbegriffen um sich oder malt hoch komplizierte Zeichnungen, die ich nicht verstehe. Wenn ich ihm das vorwerfe, zeichnet er alles exakt noch mal so auf, nur dass die Striche sauberer sind.

Wenn ich es dann wieder nicht kapiere, ist er beleidigt und sagt: »Ich bin vom Fach – du nicht!« Ich finde dann »komplett scheiße«, was er macht, und nenne ihn Macho. Er motzt, ob er mir den Bohrer »noch pink besprühen soll«, damit ich ihn richtig in die Hand nehme. So war das mit meinem Hochbett. Meine WG ist in einem Altbau, wenn man ein Loch bohrt, kommt einem der Putz entgegen. Wir haben gestritten, wo wir bohren sollen. Irgendwann war ich so sauer, dass ich eine Holzlatte nach ihm geworfen habe. Zum Schluss sehen die Möbel aber super aus, und wir vertragen uns schnell wieder.

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Leser-Kommentare
  1. 'Mal ehrlich, ein Student, der beim Streiten mit Dingen um sich wirft? Das macht man meiner Meinung nach zuletzt in der Grundschule, wenn nicht gar im Kindergarten.'

    Warum sind denn Dinge, die wir als Kind getan haben,im Erwachsenenalter automatisch schlecht?

    Mal ehrlich, ein Student, der beim Streiten mit Dingen um sich wirft? Das macht man meiner Meinung nach, wenn man emotional und temperamentvoll ist. ;-) Aber vielleicht können rein rational denkende Menschen nichts damit anfangen. Andererseits kann ich mit rein rationalen Erklärungen/Reaktionen in emotional geladenen Situationen auch nichts anfangen. Und das als MINTler! :-)

    2 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Schüttellts mich"
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    Meiner Meinung nach gibt es Grenzen. Sicherlich sind die Menschen sehr verschieden, der eine ist temperamentvoll, der andere eher zurückhaltend.

    Aber ich bin der Meinung, dass es Verhaltensweisen gibt, die man nicht mit "ich bin eben so" rechtfertigen kann.
    Und für mich gehört Gewalt, und dazu gehört ein nach einer Person geworfener Gegenstand, beim Streiten dazu. Es geht dabei weniger um das tatsächliche Schadenspotential als um die Verhaltensmuster.

    Ich sehe das ganze auch in einem etwas größerem Zusammenhang: ich versuche, diese Verhaltensweisen mit dem Porträt der Altersgruppe in den sonstigen Medien zu vergleichen und stoße dabei immer wieder auf den Trend, dass es völlig okay ist, sich extrem kindisch (nicht kindlich!) zu benehmen und auch mit 25 noch eine launische Rotznase, die nach dem Lustprinzip lebt und sich nicht im Griff hat, zu sein (überspitzt ausgedrückt).

    Es geht nicht darum, in emotionalen Momenten rational zu handeln. Das macht kein Mensch, liegt ja in der Natur der Sache. Ich erwate allerdings von einem erwachsenen Menschen genug Reife, sich auch bei starken Emotionen an bestimmte Grenzen zu halten. Das ist es nämlich, was meiner Meinung nach den Zustand "erwachsen" mit ausmacht.

    Meiner Meinung nach gibt es Grenzen. Sicherlich sind die Menschen sehr verschieden, der eine ist temperamentvoll, der andere eher zurückhaltend.

    Aber ich bin der Meinung, dass es Verhaltensweisen gibt, die man nicht mit "ich bin eben so" rechtfertigen kann.
    Und für mich gehört Gewalt, und dazu gehört ein nach einer Person geworfener Gegenstand, beim Streiten dazu. Es geht dabei weniger um das tatsächliche Schadenspotential als um die Verhaltensmuster.

    Ich sehe das ganze auch in einem etwas größerem Zusammenhang: ich versuche, diese Verhaltensweisen mit dem Porträt der Altersgruppe in den sonstigen Medien zu vergleichen und stoße dabei immer wieder auf den Trend, dass es völlig okay ist, sich extrem kindisch (nicht kindlich!) zu benehmen und auch mit 25 noch eine launische Rotznase, die nach dem Lustprinzip lebt und sich nicht im Griff hat, zu sein (überspitzt ausgedrückt).

    Es geht nicht darum, in emotionalen Momenten rational zu handeln. Das macht kein Mensch, liegt ja in der Natur der Sache. Ich erwate allerdings von einem erwachsenen Menschen genug Reife, sich auch bei starken Emotionen an bestimmte Grenzen zu halten. Das ist es nämlich, was meiner Meinung nach den Zustand "erwachsen" mit ausmacht.

  2. Meiner Meinung nach gibt es Grenzen. Sicherlich sind die Menschen sehr verschieden, der eine ist temperamentvoll, der andere eher zurückhaltend.

    Aber ich bin der Meinung, dass es Verhaltensweisen gibt, die man nicht mit "ich bin eben so" rechtfertigen kann.
    Und für mich gehört Gewalt, und dazu gehört ein nach einer Person geworfener Gegenstand, beim Streiten dazu. Es geht dabei weniger um das tatsächliche Schadenspotential als um die Verhaltensmuster.

    Ich sehe das ganze auch in einem etwas größerem Zusammenhang: ich versuche, diese Verhaltensweisen mit dem Porträt der Altersgruppe in den sonstigen Medien zu vergleichen und stoße dabei immer wieder auf den Trend, dass es völlig okay ist, sich extrem kindisch (nicht kindlich!) zu benehmen und auch mit 25 noch eine launische Rotznase, die nach dem Lustprinzip lebt und sich nicht im Griff hat, zu sein (überspitzt ausgedrückt).

    Es geht nicht darum, in emotionalen Momenten rational zu handeln. Das macht kein Mensch, liegt ja in der Natur der Sache. Ich erwate allerdings von einem erwachsenen Menschen genug Reife, sich auch bei starken Emotionen an bestimmte Grenzen zu halten. Das ist es nämlich, was meiner Meinung nach den Zustand "erwachsen" mit ausmacht.

  3. Ein im Streit geworfenes Objekt, das nicht näher beschrieben ist, ist also ein rotznasiges Verhaltensmuster einer Genration, das Akademikern nicht entspricht? Sie wissen anhand von wenigen Zeilen, ob jemand die Reife besitzt "erwachsen" zu sein? Nun ich glaube, dann mangelt es Ihnen wohl an erwachsener Reife. Denn jedem Erwachsenen, insbesondere einem Akademiker der Quellenbewertung und -Umgang gewohnt ist, sollte klar sein, dass in solchen Artikeln wohl nicht der Beziehungsnormalität, sondern anekdotische Situationen, welche sich schön illustrieren lassen, etwas überspitzt dargestellt werden. Zudem verwirrt es mich, dass "Gewalt" sich für einen Akademiker nicht ziert und sich anscheinend ihrer Meinung nach nur physisch ausdrückt. Bei einer Kassiererin mit Hauptschulabschluss wäre das in Ordnung? Und neigen nicht insbesondere gebildete Menschen dazu, in Schwächesituationen psychische Gewalt anzuwenden, welche oft viel schlimmere Schäden hinterlässt und keineswegs durch Kindlichkeit gezeichnet ist? Wenn die zwei sich ernsthaft bitterböse streiten würden, würden sie sicherlich ihre Konflikte nicht veröffentlichen. Dielektrikum, Sie sollten also dringend über ihre Vorurteile reflektieren. Zudem ist das Scheit nicht näher beschrieben. Eine Philosophiestudentin wird wohl kaum in der Verfassung sein, eine ernsthaft große Latte zu werfen. Und gegenüber einem ausgebildeten Schreiner, wie Xing verrät, wird so ein Holzklötzchen wohl eher wie Satire zu seiner Körperstatur wirken.

    Antwort auf "Schüttellts mich"
  4. Ich finde die Physik-Geschichte der beiden sehr schön. So wie ich den Artikel lese, haben die beiden ein spielerisches Element entdeckt, um sich gemeinsam zu entspannen und sich doch gleichzeitig kennenzulernen und ihre Kompetenzen zu trainieren. Das ist doch großartig! Und wieso ein Sitcom-Witz als Anlass einer Erklärung den Gehalt mindert, erschließt sich mir nicht. Es wäre ja eher befremdlich, wenn man gemeinsam beim Abendessen sitzen würde und dann sagt einer "Schatz, heute möchte ich dir Schrödingers Katze erklären", um ein Referat einzuläuten. Natürlich lernen Partner irgendwie nebenbei und in spaßigen Situationen. Ich lese es zudem so, dass er ihr wirklich den physikalischen Sachverhalt dahinter und nicht den Witz erklärt. Nachdem ich in meinem Studium mehr als 3 Semester gebraucht habe um wirklich zu verstehen und nicht nur beschreibend zu wissen, um was es bei diesem Gedankenexperiment geht, würde ich auch nicht mangelndes Allgemeinwissen unterstellen, wenn man das nicht nach dem Schmalspurphysikunterricht des Gymnasiums (bzw. ohne diesen über den zweiten Bildungsweg) kann.

    Eine Leser-Empfehlung

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