Partnerschaft Du bist mein Zweitstudium
Wer verliebt ist, studiert das Fach des Partners gleich mit. Vier Paare erzählen, was sie dabei gelernt haben.
»Ich kann meine Möbel jetzt selbst umbauen«
Marina Lessig, 23, macht ihren Magister in Philosophie. Ihr Freund Moritz Greil, 27, studiert Holztechnik
Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.
Seit Moritz mir mal gezeigt hat, wie man bohrt, schraubt und sägt, will ich ständig Ikea-Möbel neu lackieren, umbauen oder etwas Neues entwerfen. Dabei geraten wir oft aneinander. Ich habe sehr abstrakte Vorstellungen, die in der Realität aber meistens nicht so richtig funktionieren. Moritz wirft mit Fachbegriffen um sich oder malt hoch komplizierte Zeichnungen, die ich nicht verstehe. Wenn ich ihm das vorwerfe, zeichnet er alles exakt noch mal so auf, nur dass die Striche sauberer sind.
Wenn ich es dann wieder nicht kapiere, ist er beleidigt und sagt: »Ich bin vom Fach – du nicht!« Ich finde dann »komplett scheiße«, was er macht, und nenne ihn Macho. Er motzt, ob er mir den Bohrer »noch pink besprühen soll«, damit ich ihn richtig in die Hand nehme. So war das mit meinem Hochbett. Meine WG ist in einem Altbau, wenn man ein Loch bohrt, kommt einem der Putz entgegen. Wir haben gestritten, wo wir bohren sollen. Irgendwann war ich so sauer, dass ich eine Holzlatte nach ihm geworfen habe. Zum Schluss sehen die Möbel aber super aus, und wir vertragen uns schnell wieder.
- Datum 10.01.2013 - 16:58 Uhr
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- Quelle ZEIT Campus
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Seit ich (Germanistik/Geschichte) mit meiner Freundin (Medienwissenschaft) zusammen bin, diskutieren wir regelmäßig über die Gutenberg-Galaxis, das "Ende der Geschichte", den "iconic turn", Mentalitätsgeschichte, charismatische Herrschaft, Platons Höhlengleichnis oder was uns eben sonst gerade beschäftigt. Sehr befruchtend und unbedingt empfehlenswert!
Leider habe ich den Eindruck, dass viele Studenten gar keine Lust verspüren, etwas tiefer in ihr Fach einzutauchen und sich mit anderen darüber auszutauschen. Als ich kürzlich bei einem Bier mit Kommilitonen auf Kleist zu sprechen kam, stieß ich auf breite Ablehnung: "Fang doch jetzt nicht damit an, wir wollen Spaß haben." Manche Physikstudenten schmunzeln schon, wenn man erwähnt, dass man sich mit Literaturwissenschaft befasst. Ich finde das bedauerlich, da man viel voneinander lernen könnte. Wer den interdisziplinären Austausch auf das Erklären von Sitcom-Witzen beschränkt (sehr sexy, ich weiß!), verpasst in meinen Augen das Beste.
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