"Wir rekrutieren Menschen und keine Lebensläufe"
Man sollte sich von diesen Wachstumsraten der akademischen Mobilität nicht so verrückt machen lassen, dass man einen wichtigen Fakt übersieht: Insgesamt gibt es mehr Studenten, die zu Hause bleiben, als solche, die es in die Ferne zieht. Zwar wohnt während des Erststudiums nur jeder Vierte noch wie Saskia bei den Eltern. Das geht aus der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks für das Jahr 2009 hervor. Die meisten bleiben aber doch in der Nähe ihres Elternhauses: Rund zwei Drittel der Studienanfänger gaben in einer Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS) an, dass die Nähe zum Heimatort ausschlaggebend für die Wahl ihres Studienplatzes war. Gut ein Viertel traf die Entscheidung auch deshalb, weil Eltern und Verwandte am Hochschulort leben. »Das liegt vor allem daran, dass sich das Verhältnis zu den Eltern verändert hat«, sagt Ulrich Heublein vom HIS. Eltern seien heute oft auch gute Freunde und wichtige Ansprechpartner ihrer Kinder – also Menschen, die man in der Nähe haben will.
So geht es auch Juliane Harning, 24, die schon mehrmals von zu Hause weggezogen ist – aber doch jedes Mal wieder dorthin zurückkehrte. Aufgewachsen ist sie in Rostock. Im Frühjahr 2010 ging sie zum Studieren nach Greifswald, rund eine Autostunde entfernt. Weit genug, um nicht dauernd die Familie in der WG stehen zu haben, aber doch so nah, um sie am Wochenende gut besuchen zu können. Nach dem Abitur war Juliane schon einmal im Ausland gewesen, später arbeitete sie als Aushilfslehrerin in einer Dorfschule im Südwesten Großbritanniens. Auf dem Dorf war die Internetverbindung so schlecht, dass Skype meistens nicht funktionierte. »In der Zeit habe ich meine Freunde sehr vermisst«, sagt Juliane. Sooft es ging, schrieb sie E-Mails oder Nachrichten über Facebook. Sie dachte, sie verpasse was, wenn sie zu den Geburtstagen und Partys nicht kommen konnte, sagt sie. »Aber das Schlimmste war, dass ich bei der Geburt meines Neffen nicht dabei sein konnte.« Stattdessen bekam Juliane eine Nachricht auf ihr Handy, als bei ihrer Schwester die Wehen einsetzten, und dann noch eine: »Das Baby ist da, Du bist Tante!« Inzwischen ist Juliane wieder in Greifswald, also nah bei ihren Freunden und ihrer Familie und will so schnell nicht wieder weg.
Das ist nicht ungewöhnlich, zeigt die Studie des HIS: Rund die Hälfte der Absolventen arbeiten später in dem Bundesland, in dem sie ihr Abitur und Examen gemacht haben, und acht Prozent derer, die zum Studium weiter weg gezogen sind, kehren für den Job in den Heimatort zurück.
Saskia ist zwar inzwischen bei ihren Eltern ausgezogen. Sie wohnt jetzt in einer WG mit einer Freundin – aber bis zur neuen Wohnung der Eltern fährt sie nur zehn Minuten mit dem Fahrrad. Zweimal pro Woche sitzen Vater, Mutter und Kind zusammen am Tisch, essen gemeinsam und erzählen sich vom Tag; eine Szene, die viele nur noch aus der Kindheit oder von den Weihnachtstagen kennen.
Die Botschaft »Seht mal her, ich bin übrigens schon ganz weit herumgekommen« nütze für sich genommen gar nichts, sagt Marc-Stefan Brodbeck, Leiter der Recruiting-Abteilung der Deutschen Telekom. »Auslandserfahrung ist niemals Selbstzweck.« Statt eines besonders ausgefallenen Lebenslaufes könne es sogar von Vorteil sein, stark in seiner Region verwurzelt zu sein. »Wer zehn Jahre bei der Freiwilligen Feuerwehr in seinem Heimatdorf war, hat dort womöglich mehr gelernt und erlebt als jemand, der einen Auslandsaufenthalt an den anderen reiht«, sagt Brodbeck. »Wir rekrutieren Menschen und keine Lebensläufe.« Und auch der Arbeitsmarktexperte Werner Eichhorst vom Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit bestätigt: »Diese absolute Norm, dass man unbedingt im Ausland gewesen sein muss, gibt es nicht. Absolventen überschätzen da die Anforderungen.«
Dass man seine Heimat nicht verlassen muss, um erfolgreich zu sein, sieht man an Daniel Baier. Der 31-Jährige kommt aus Trebur, einem kleinen Ort im Rhein-Main-Gebiet. Als er Wirtschaftsrecht an der Universität Mainz studierte, blieb er bei seinen Eltern wohnen. Mit 24 ging er für ein Semester nach Rotterdam. Seinen Fernseher nahm er mit und stellte eine Antenne auf, um deutsche Programme empfangen zu können. Fast jedes Wochenende fuhr Daniel nach Hause zu seiner neuen Freundin. »Manchmal ärgere ich mich, dass ich an den Wochenenden nicht in Rotterdam geblieben bin«, sagt er, »aber die Beziehung war noch ganz frisch – und sehr wichtig für mich.«
Nach dem Studium arbeitete er zuerst als Unternehmensberater in Frankfurt am Main, mittlerweile ist er Personalreferent im Bereich »International« bei einem Automobilzulieferer. Seine Freundin von damals hat er geheiratet und mit ihr ein Kind bekommen. Vor Kurzem haben die beiden ein Haus gekauft, das nur zwei Kilometer von Daniel Baiers Elternhaus entfernt ist. Die Eltern kümmern sich manchmal um das Kind, das findet Daniel gut: »Ich habe das Glück, in meiner Heimat Familie, Freunde und Karriere unter einen Hut zu bekommen.«
Danach sehnen sich viele: Mehr als die Hälfte aller 17- bis 27-Jährigen wünschen sich, sesshafter zu sein. Das ergab eine Studie, die Klaus Hurrelmann, der Berliner Soziologieprofessor, geleitet hat. »Der mobile Mensch ist eine Mär«, sagt er, »eine große, innere Sehnsucht, sich ständig zu bewegen, gibt es nicht.« Hurrelmann ist überzeugt: »Wenn es irgendwie geht, möchte man doch bleiben, wo man ist, und einen überschaubaren, klar strukturierten Weg vor sich haben.«
Selbst Malte Kolb, der in den letzten Jahren neunmal umgezogen ist, hat inzwischen seine Heimat gefunden. Er wohnt jetzt in München und fühlt sich dort wohl, sagt er. Jederzeit könne er sich in einen Zug setzen und sei in wenigen Stunden bei seinen Eltern. Heimat, das sei auch die Gewissheit darüber, wie die Menschen um ihn herum so ticken. Und die Tradition, sonntags um 20.15 Uhr gemeinsam den neuen Tatort zu schauen. Heimat ist zu einer bewussten Entscheidung geworden. In seinem Regal steht das Buch 1000 Orte, die du gesehen haben musst, bevor du stirbst. Das Buch daneben heißt: 111 Gründe, München zu lieben.









Danke für diesen schönen Artikel, der so wunderbar entspannt mit dem Thema Ausland umgeht. Es ist einfach nicht jedermanns Sache länger ins Ausland zu gehen. Oft genug bekommt man zu hören: "die Bachelorstudenten gehen zu wenig ins Ausland...oh Gott du hast noch keine Auslandserfahrung?...willst du nicht noch ins Ausland gehen?..."
Da ist es entspannend mal einen Artikel zu lesen, der die andere Seite beschreibt. Sesshaftigkeit ist in vielen Fällen eben auch notwendige Grundlage um sich eine Familie aufzubauen.
Wer geht denn ins Ausland für die Zeilen im Lebenslauf? Eine schlechtere Motivation kann ich mir in der Tat nicht vorstellen. Wer der Ferne nichts abgewinnen kann und sich dadurch unter Druck gesetzt fühlt kann sich die Freiheit nehmen zu Hause zu bleiben.
Es gibt nicht den Einen richtigen Weg!
Allerdings soll es auch Menschen geben, die unabhängig von optimierten Karriereverläufen neugierig auf die Welt sind und begeistert neue Erfahrungen auf fremden Terrain machen.
...hat manchmal auch großes Suchtpotential ;)
... wie viele meiner ehemaligen KommilitonInnen und heute auch Studierenden ins Ausland wegen "der Karriere" oder "den paar Zeilen im Lebenslauf" gehen, würden Sie sich umsehen. Eine Freundin von mir zwei verschiedene HiWi Stellen angenommen, mit denen sie inhaltlich eigentlich nur wenig zu tun hatte und anfangen konnte, weil es sich gut in ihrem Lebenslauf macht. Diese Einstellung findet man heute immer mehr, nicht nur, weil einem dies von allen Seiten erzählt wird, sondern weil die Individuen das auch selbst glauben und damit reproduzieren.
Zum Thema:
Ich selbst habe keine Auslandserfahrung, auch wenn ich nicht immer am gleichen Ort bzw. an den gleichen Orten studiert habe. Sicherlich hätte man das irgendwo, irgendwie sinnvoll umsetzen können, aber mir erschien es in meiner damaligen Situation einfach als unnötig und extrem aufwendig. Davon abgesehen, dass es mich auch Zeit und meine Familie und mich viel Geld gekostet hätte, was wohl eine zusätzliche Belastung gewesen wäre.
Ich finde man muss letztlich einfach abwägen was man später machen möchte und ob sich der Aufwand lohnt, also auch nicht nur beruflich, sondern auch für seine persönliche Entwicklung. Die Pauschalisierung "Auslandserfahrung ist ein Muss" halte ich jedenfalls für Unfug.
... wie viele meiner ehemaligen KommilitonInnen und heute auch Studierenden ins Ausland wegen "der Karriere" oder "den paar Zeilen im Lebenslauf" gehen, würden Sie sich umsehen. Eine Freundin von mir zwei verschiedene HiWi Stellen angenommen, mit denen sie inhaltlich eigentlich nur wenig zu tun hatte und anfangen konnte, weil es sich gut in ihrem Lebenslauf macht. Diese Einstellung findet man heute immer mehr, nicht nur, weil einem dies von allen Seiten erzählt wird, sondern weil die Individuen das auch selbst glauben und damit reproduzieren.
Zum Thema:
Ich selbst habe keine Auslandserfahrung, auch wenn ich nicht immer am gleichen Ort bzw. an den gleichen Orten studiert habe. Sicherlich hätte man das irgendwo, irgendwie sinnvoll umsetzen können, aber mir erschien es in meiner damaligen Situation einfach als unnötig und extrem aufwendig. Davon abgesehen, dass es mich auch Zeit und meine Familie und mich viel Geld gekostet hätte, was wohl eine zusätzliche Belastung gewesen wäre.
Ich finde man muss letztlich einfach abwägen was man später machen möchte und ob sich der Aufwand lohnt, also auch nicht nur beruflich, sondern auch für seine persönliche Entwicklung. Die Pauschalisierung "Auslandserfahrung ist ein Muss" halte ich jedenfalls für Unfug.
Ich war vor meinem Studium im Ausland und werde auch ein Auslandssemester machen. Ich tue beides nicht für eine Zeile in meinem Lebenslauf. Meine erste Motivation dabei ist auch nicht später besser an einen Job zu kommen. Die eigentliche Motivation ist über den Tellerrand zu gucken, andere Kulturen und Menschen kennenzulernen, die eigene Denkweise mit Menschen, die ganz anders denken zu reflektieren etc.
Ich denke auch nicht, dass viele Studenten ein Auslandssemester machen, weil es jetzt den Bachlor gibt, sondern weil die Welt globalisiert, mehr zusammenwächst und weil einem das Auslandssemester von allen Seiten als positive Erfahrung empfohlen wird (nicht aber als MUSS oder Bedingung). Das Mädchen aus Bremen tut mir ein bisschen Leid, nie etwas von der Welt gesehen zu haben oder mit anderen Kulturen in Kontakt zu kommen finde ich sehr traurig, grade in den Erziehungswissenschaften lernt man so viel von andersdenkenden Menschen. Hier würde ja Schweden oder Finnland schon sehr hilfreich sein
"Die eigentliche Motivation ist über den Tellerrand zu gucken, andere Kulturen und Menschen kennenzulernen, die eigene Denkweise mit Menschen, die ganz anders denken zu reflektieren etc."
So löblich das Über-den-Tellerrand-Blicken und das Andere-Kulturen-Kennenlernen ja ist, es ist ein bissche naiv anzunehmen, dass man dazu unbedingt ins Ausland muss. Ich bin ziemlich sicher, dass, wer andere Blickweisen auf die Welt erfahren will, auch in seiner gewohnten Umgebung einfach mal ungewohnte Dinge tun kann, sei es, dass man das gewohnte Rockkonzert gegen Rap- oder Jazzabende eintauscht oder einen Handarbeitskurs an der Volkshochschule besucht. Es gibt zigtausend Möglichkeiten, seinen Horizont zu erweitern und andere Menschen kennenzulernen, ohne dass man dafür tausende von Kilometern weit wegfliegen muss. (Ohnehin halte ich nicht viel von der weitverbreiteten Annahme, dass die Menschen in Deutschland "typisch deutsch" seien und überall anders die Menschen "fundamental anders". Fremde Kulturen hin oder her, letztlich sind die Unterschiede zwischen individuellen Menschen immer größer als zwischen ganzen Kulturen.)
Darüber hinaus bin ich sicher, dass man mehr über fremde Kulturen und sich selbst erfahren kann, wenn man sich ehrenamtlich in einem Problemviertel seiner Heimatstadt engagiert, als wenn man in Rotterdam im WG-Zimmer liegt und deutsches Fernsehen sieht... :)
Insofern vielen Dank für diesen Artikel, der mit der Fehlannahme aufräumt, dass weit weg immer besser sei.
"Die eigentliche Motivation ist über den Tellerrand zu gucken, andere Kulturen und Menschen kennenzulernen, die eigene Denkweise mit Menschen, die ganz anders denken zu reflektieren etc."
So löblich das Über-den-Tellerrand-Blicken und das Andere-Kulturen-Kennenlernen ja ist, es ist ein bissche naiv anzunehmen, dass man dazu unbedingt ins Ausland muss. Ich bin ziemlich sicher, dass, wer andere Blickweisen auf die Welt erfahren will, auch in seiner gewohnten Umgebung einfach mal ungewohnte Dinge tun kann, sei es, dass man das gewohnte Rockkonzert gegen Rap- oder Jazzabende eintauscht oder einen Handarbeitskurs an der Volkshochschule besucht. Es gibt zigtausend Möglichkeiten, seinen Horizont zu erweitern und andere Menschen kennenzulernen, ohne dass man dafür tausende von Kilometern weit wegfliegen muss. (Ohnehin halte ich nicht viel von der weitverbreiteten Annahme, dass die Menschen in Deutschland "typisch deutsch" seien und überall anders die Menschen "fundamental anders". Fremde Kulturen hin oder her, letztlich sind die Unterschiede zwischen individuellen Menschen immer größer als zwischen ganzen Kulturen.)
Darüber hinaus bin ich sicher, dass man mehr über fremde Kulturen und sich selbst erfahren kann, wenn man sich ehrenamtlich in einem Problemviertel seiner Heimatstadt engagiert, als wenn man in Rotterdam im WG-Zimmer liegt und deutsches Fernsehen sieht... :)
Insofern vielen Dank für diesen Artikel, der mit der Fehlannahme aufräumt, dass weit weg immer besser sei.
Wer nur für den Lebenslauf etwas macht, macht es immer falsch!
Wer gerne reist und die Welt sehen möchte, der sollte alle Auslandssemester nutzen.
Wer sehr Familie oder Freundin liebt, oder eine Familie gründen möchte, der sollte seinen Studienort in Bachelor und Master behalten.
Beim Studium geht es ums Lernen und Leben. Beides sollte nicht zu kurz kommen und der Lebenslauf ist erstmal völlig egal. Der beste Job ist nicht der bestbezahlteste, sondern der, der zu einem passt und Spaß macht. Ein Lebenslauf mit Selbstbetrug führt also eher in den falschen Job als in den richtigen.
Endlich eine differenzierte Sichtweise auf das Thema. Platte, generalisierende Aussagen wie „Jeder muss heutzutage maximal mobil sein“ sind ziemlicher Unfug. Ich kann dazu nur eines sagen: Lasst Euch nichts einreden und Euch zu nichts überreden, was ihr nicht wollt oder was Euch nicht gut tut! Versucht, Euren eigenen Weg zu finden und zu gehen. Ich habe mich zum Studium (auch im Ausland) aus der Heimat „vertreiben“ lassen und auch unter der Trennung gelitten, trotzdem nie den Weg zurück gefunden, da ich geglaubt habe, man „müsse“ das eben (weggehen, wegbleiben). Weggehen kann beides sein: Bereicherung, Erfahrung von Neuem, Aufbruch zu neuen Ufern – aber auch Verlust von Zugehörigkeit, Vertrautheit bis hin zu Wurzellosigkeit. Also: Hört ehrlich in Euch hinein, findet heraus, was ihr wirklich wollt und braucht (wieviel Sesshaftigkeit, wieviel Globetrottertum - das kann in unterschiedlichen Lebensphasen auch unterschiedlich gewichtet sein), folgt der Lebensweise, die Euch entspricht, dann besteht am ehestens die Chance, im Leben glücklich zu werden.
... wie viele meiner ehemaligen KommilitonInnen und heute auch Studierenden ins Ausland wegen "der Karriere" oder "den paar Zeilen im Lebenslauf" gehen, würden Sie sich umsehen. Eine Freundin von mir zwei verschiedene HiWi Stellen angenommen, mit denen sie inhaltlich eigentlich nur wenig zu tun hatte und anfangen konnte, weil es sich gut in ihrem Lebenslauf macht. Diese Einstellung findet man heute immer mehr, nicht nur, weil einem dies von allen Seiten erzählt wird, sondern weil die Individuen das auch selbst glauben und damit reproduzieren.
Zum Thema:
Ich selbst habe keine Auslandserfahrung, auch wenn ich nicht immer am gleichen Ort bzw. an den gleichen Orten studiert habe. Sicherlich hätte man das irgendwo, irgendwie sinnvoll umsetzen können, aber mir erschien es in meiner damaligen Situation einfach als unnötig und extrem aufwendig. Davon abgesehen, dass es mich auch Zeit und meine Familie und mich viel Geld gekostet hätte, was wohl eine zusätzliche Belastung gewesen wäre.
Ich finde man muss letztlich einfach abwägen was man später machen möchte und ob sich der Aufwand lohnt, also auch nicht nur beruflich, sondern auch für seine persönliche Entwicklung. Die Pauschalisierung "Auslandserfahrung ist ein Muss" halte ich jedenfalls für Unfug.
Wenn es ja immer so rational zuginge in der Welt, wäre es wohl Unfug. Wenn man sich auf einen Job bewirbt und davon ausgehen könnte, dass dort auf "sinnvolle" Kriterien geschaut wird, ob ein Bewerber den Zuschlag erhält, wäre ja alles schön.
Die Realität ist aber, dass bei 100 Bewerbungen auf eine Stelle niemand diese alle durchsehen wird, sondern nach simplen Kriterien eine Auswahl trifft. Und da sind solche Pauschalurteile wie Auslandsstudium=gut leider an der Tagesordnung.
Nicht zuletzt weil in allen Firmen fleissig nach kapitalistischen Grundsatz der Profitmaximierung Stellen kurz gehalten werden und keine Resourcen für eine genauere PPrüfung zur Verfügung stehen.
Wenn es ja immer so rational zuginge in der Welt, wäre es wohl Unfug. Wenn man sich auf einen Job bewirbt und davon ausgehen könnte, dass dort auf "sinnvolle" Kriterien geschaut wird, ob ein Bewerber den Zuschlag erhält, wäre ja alles schön.
Die Realität ist aber, dass bei 100 Bewerbungen auf eine Stelle niemand diese alle durchsehen wird, sondern nach simplen Kriterien eine Auswahl trifft. Und da sind solche Pauschalurteile wie Auslandsstudium=gut leider an der Tagesordnung.
Nicht zuletzt weil in allen Firmen fleissig nach kapitalistischen Grundsatz der Profitmaximierung Stellen kurz gehalten werden und keine Resourcen für eine genauere PPrüfung zur Verfügung stehen.
Diese Verallgemeinerung, dass jeder Mensch nicht nach seinem zu Hause sehnt ist doch völlig überzogen. Es gibt genug Menschen, die einfach Lust darauf haben die Welt zu erkunden und bei denen der Lebenslauf trotzdem an zweiter Stelle steht. In meinem Freundeskreis gibt es einige davon. Wenn man dann nach langer Zeit wieder zu Hause ist kann man es dann so richtig genießen. Außerdem: Ich habe überall auf der Welt Menschen gefunden, die mit mir zusammen den Tatort gucken. Das kann man dank Livestream heutzutage überall tun. Herzlichst, aus meiner Übergangsheimat
Stimme dem Kommentar insofern zu, dass man durchaus einfach aus "Lust" ins Ausland gehen kann.
Wenn Sie allerdings noch nie Probleme mit einem Livestream gehabt haben, wage ich zu behaupten, dass Sie so viel noch nicht rumgekommen sind und sich Ihre Erfahrungen eher auf "besser entwickelte" Länder beziehen.
Stimme dem Kommentar insofern zu, dass man durchaus einfach aus "Lust" ins Ausland gehen kann.
Wenn Sie allerdings noch nie Probleme mit einem Livestream gehabt haben, wage ich zu behaupten, dass Sie so viel noch nicht rumgekommen sind und sich Ihre Erfahrungen eher auf "besser entwickelte" Länder beziehen.
"Die eigentliche Motivation ist über den Tellerrand zu gucken, andere Kulturen und Menschen kennenzulernen, die eigene Denkweise mit Menschen, die ganz anders denken zu reflektieren etc."
So löblich das Über-den-Tellerrand-Blicken und das Andere-Kulturen-Kennenlernen ja ist, es ist ein bissche naiv anzunehmen, dass man dazu unbedingt ins Ausland muss. Ich bin ziemlich sicher, dass, wer andere Blickweisen auf die Welt erfahren will, auch in seiner gewohnten Umgebung einfach mal ungewohnte Dinge tun kann, sei es, dass man das gewohnte Rockkonzert gegen Rap- oder Jazzabende eintauscht oder einen Handarbeitskurs an der Volkshochschule besucht. Es gibt zigtausend Möglichkeiten, seinen Horizont zu erweitern und andere Menschen kennenzulernen, ohne dass man dafür tausende von Kilometern weit wegfliegen muss. (Ohnehin halte ich nicht viel von der weitverbreiteten Annahme, dass die Menschen in Deutschland "typisch deutsch" seien und überall anders die Menschen "fundamental anders". Fremde Kulturen hin oder her, letztlich sind die Unterschiede zwischen individuellen Menschen immer größer als zwischen ganzen Kulturen.)
Darüber hinaus bin ich sicher, dass man mehr über fremde Kulturen und sich selbst erfahren kann, wenn man sich ehrenamtlich in einem Problemviertel seiner Heimatstadt engagiert, als wenn man in Rotterdam im WG-Zimmer liegt und deutsches Fernsehen sieht... :)
Insofern vielen Dank für diesen Artikel, der mit der Fehlannahme aufräumt, dass weit weg immer besser sei.
Allerdings ist beim Umzug (und der muss nicht unbedingt tausende Kilometer weit ins Ausland sein) nur eine Entscheidung notwendig - die zum Umziehen - zum Rest des Ungewohnte-Dinge-Tuns wird man dann quasi gezwungen. Ich vermute, dass dies für viele Menschen die einzige Methode ist, mit der sie tatsächlich über den Teller schauen würden.
Von "fundamental anders" war nie die Rede - manchmal kann der größte Kulturschock in einem Land(esteil) kommen, von dem man dachte, die Kultur sei der eigenen sehr ähnlich. Oder wie erklären Sie sich die kleinen aber feinen Unterschiede, wenn Sie beispielsweise vom Süden in den Norden Deutschlands ziehen?
Ich stimme Ihnen zu, zumal viele Auslandssemester ja ohnehin in Ländern und an Orten verbracht werden, die relativ wenig mit "neuen Kulturen" oder "über den Tellerrand" blicken zu tun haben. Wer nicht wirklich den okzidentalen Raum verlässt, wird, abgesehen von kleineren Abstufungen im Lebensstandard, nur wenig fundamental neues, den Horizont erweiterndes, erfahren. Die Leute gehen ja eben i.d.R. nicht in Länder, die sich wirklich von ihrem Herkunftsland unterscheiden, sondern studieren auf Zeit gerade dort, wo es zwar ein paar Unterschiede gibt, diese aber im Vergleich recht gering sind.
Viele dieser Reisen gehören bei vielen Leuten einfach "zum guten Ton", ohne das sie sich wirklich Gedanken darüber machen. "Macht man halt so" als Studierender und genau diese Punkte verwässern dann eben auch die Aussage der Horizonterweiterung bzw. dem Interesse an anderen Kulturen.
Tut mir leid, aber mit einem Handarbeitskurs an der Volkshochschule oder mal auf ein Jazzkonzert anstelle eines Rockkonzertes gehen werden Sie im Leben nicht die Erfahrungen machen, die Sie machen, wenn Sie im Ausland LEBEN.
Sie werden nie die Erfahrung machen, wie es ist, in einer Umgebung zu leben, in der niemand Ihre Sprache spricht und in der Sie dennoch kommunizieren müssen. Sie werden niemals die Erfahrung machen, wie in anderen Kulturen gedacht und gehandelt wird und wie Sie sich da anpassen müssen. In Ihrer Heimatstadt mit Eltern, Verwandten und Freunden in der Nähe werden Sie nie die Grenzen Ihrer eigenen Selbständigkeit austesten können.
Ich lebe und arbeite mittlerweile im Ausland und habe auch ein Auslandssemester und eine weitere längere Ausbildungsstation im Ausland verbracht. Ich muss leider ein bischen schmunzeln, wenn mir jemand suggeriert, diese Erfahrungen hätte ich auch mit einem Handarbeitskurs an der Volkshochschule machen können.
Ich bin der Meinung, dass jeder sein Leben so gestalten soll, wie es ihm am liebsten ist. Wer in dem Städtchen seiner Geburt aufwachsen, leben und sterben will, soll dies tun. Das bewerte ich nicht!!! Aber er soll mir nicht erzählen, sein Handarbeitskurs an der Volkshochschule sei die selbe Erfahrung wie meine mittlerweile drei Jahre in drei Ländern auf zwei Kontinenten.
Und um ganz klar zu stellen: Ich werte nicht, ich möchte nur herausstellen, dass man im Ausland Erfahrungen macht, die man nur im Ausland machen kann.
Ich muss Ihnen vehement widersprechen! Ich kenne auch einige Leute aus meiner Heimatstadt die genauso reden wie Sie und die auch nie weg waren. Man merkt einfach, dass sie davon keine Ahnung haben, denn was Sie dort schreiben ist weit weg von der Realität. Wenn man alleine im Ausland ist, kommen Probleme auf einen zu, die man im Leben nicht vorher erraten oder einschätzen kann und die mit nichts vergleichbar sind, was man schon kennt.
Sie können natürlich gerne glauben, was sie sich so überlegt haben und wie sie sich das vorstellen. Aber Ihre Meinung beruht auf einer völlig falschen Annahme.
Ich möchte Sie mal sehen, wie sie pakistanischen Männern im VHS-Kurs erklären, dass ein Studentenwohnheim mit nicht nach Geschlechtern getrennten Fluren, kein Puff ist. Oder wie Sie einem französischem Mitstudenten im Streit mit einem Schweden auf einem Konzert deutlich machen, dass man fremde Schweden bitte tunlichst nicht küsst. Mussten Sie Ihren Nachbarn schon einmal erklären, warum Deutsche Hitlerwitze nicht zum schreien komisch finden?
Allerdings ist beim Umzug (und der muss nicht unbedingt tausende Kilometer weit ins Ausland sein) nur eine Entscheidung notwendig - die zum Umziehen - zum Rest des Ungewohnte-Dinge-Tuns wird man dann quasi gezwungen. Ich vermute, dass dies für viele Menschen die einzige Methode ist, mit der sie tatsächlich über den Teller schauen würden.
Von "fundamental anders" war nie die Rede - manchmal kann der größte Kulturschock in einem Land(esteil) kommen, von dem man dachte, die Kultur sei der eigenen sehr ähnlich. Oder wie erklären Sie sich die kleinen aber feinen Unterschiede, wenn Sie beispielsweise vom Süden in den Norden Deutschlands ziehen?
Ich stimme Ihnen zu, zumal viele Auslandssemester ja ohnehin in Ländern und an Orten verbracht werden, die relativ wenig mit "neuen Kulturen" oder "über den Tellerrand" blicken zu tun haben. Wer nicht wirklich den okzidentalen Raum verlässt, wird, abgesehen von kleineren Abstufungen im Lebensstandard, nur wenig fundamental neues, den Horizont erweiterndes, erfahren. Die Leute gehen ja eben i.d.R. nicht in Länder, die sich wirklich von ihrem Herkunftsland unterscheiden, sondern studieren auf Zeit gerade dort, wo es zwar ein paar Unterschiede gibt, diese aber im Vergleich recht gering sind.
Viele dieser Reisen gehören bei vielen Leuten einfach "zum guten Ton", ohne das sie sich wirklich Gedanken darüber machen. "Macht man halt so" als Studierender und genau diese Punkte verwässern dann eben auch die Aussage der Horizonterweiterung bzw. dem Interesse an anderen Kulturen.
Tut mir leid, aber mit einem Handarbeitskurs an der Volkshochschule oder mal auf ein Jazzkonzert anstelle eines Rockkonzertes gehen werden Sie im Leben nicht die Erfahrungen machen, die Sie machen, wenn Sie im Ausland LEBEN.
Sie werden nie die Erfahrung machen, wie es ist, in einer Umgebung zu leben, in der niemand Ihre Sprache spricht und in der Sie dennoch kommunizieren müssen. Sie werden niemals die Erfahrung machen, wie in anderen Kulturen gedacht und gehandelt wird und wie Sie sich da anpassen müssen. In Ihrer Heimatstadt mit Eltern, Verwandten und Freunden in der Nähe werden Sie nie die Grenzen Ihrer eigenen Selbständigkeit austesten können.
Ich lebe und arbeite mittlerweile im Ausland und habe auch ein Auslandssemester und eine weitere längere Ausbildungsstation im Ausland verbracht. Ich muss leider ein bischen schmunzeln, wenn mir jemand suggeriert, diese Erfahrungen hätte ich auch mit einem Handarbeitskurs an der Volkshochschule machen können.
Ich bin der Meinung, dass jeder sein Leben so gestalten soll, wie es ihm am liebsten ist. Wer in dem Städtchen seiner Geburt aufwachsen, leben und sterben will, soll dies tun. Das bewerte ich nicht!!! Aber er soll mir nicht erzählen, sein Handarbeitskurs an der Volkshochschule sei die selbe Erfahrung wie meine mittlerweile drei Jahre in drei Ländern auf zwei Kontinenten.
Und um ganz klar zu stellen: Ich werte nicht, ich möchte nur herausstellen, dass man im Ausland Erfahrungen macht, die man nur im Ausland machen kann.
Ich muss Ihnen vehement widersprechen! Ich kenne auch einige Leute aus meiner Heimatstadt die genauso reden wie Sie und die auch nie weg waren. Man merkt einfach, dass sie davon keine Ahnung haben, denn was Sie dort schreiben ist weit weg von der Realität. Wenn man alleine im Ausland ist, kommen Probleme auf einen zu, die man im Leben nicht vorher erraten oder einschätzen kann und die mit nichts vergleichbar sind, was man schon kennt.
Sie können natürlich gerne glauben, was sie sich so überlegt haben und wie sie sich das vorstellen. Aber Ihre Meinung beruht auf einer völlig falschen Annahme.
Ich möchte Sie mal sehen, wie sie pakistanischen Männern im VHS-Kurs erklären, dass ein Studentenwohnheim mit nicht nach Geschlechtern getrennten Fluren, kein Puff ist. Oder wie Sie einem französischem Mitstudenten im Streit mit einem Schweden auf einem Konzert deutlich machen, dass man fremde Schweden bitte tunlichst nicht küsst. Mussten Sie Ihren Nachbarn schon einmal erklären, warum Deutsche Hitlerwitze nicht zum schreien komisch finden?
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