Studium in der HeimatWie flexibel muss ich sein?

Wer studiert, wird gehetzt: umziehen, ins Ausland gehen, beim ersten Job flexibel sein. Warum es auch eine gute Entscheidung ist, zu Hause zu bleiben.

Beim Lebenslauf von Malte Kolb, 27, würden Personalchefs vor Begeisterung wohl schwitzige Hände bekommen: ein Austauschjahr in den Vereinigten Staaten, Zivildienst in Chile, Bachelorstudium in Dresden, Auslandssemester auf La Réunion, einer Insel im Indischen Ozean, Masterstudium an der London School of Economics and Political Science, Praktika in Genf, Berlin und Köln. »Ich wollte über den Tellerrand gucken«, sagt Malte, »dass das im Lebenslauf auch gut aussieht, war mir natürlich bewusst.«

Während seiner Aufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten fand Malte neue Freunde, sagt er, manchmal verliebte er sich auch. Doch bevor es ernst wurde, war er immer schon wieder weg und unterwegs zu einer neuen Station seines globalen Lebens.

Anzeige

Zunächst einmal stimmt es, dass Mobilität sich auszahlt, das ist messbar: nicht nur an den Hunderten von Facebook-Freunden, die man mit den Jahren sammelt, oder an den Stationen des Lebenslaufs, der irgendwann nicht mehr auf eine DIN-A4-Seite passt – sondern auch an der Zahl der Bewerbungen, die man schreiben muss, um sich auf dem Arbeitsmarkt durchzusetzen. Glaubt man der Studie »Value of Erasmus Mobility« des Forschungsinstituts Incher an der Universität Kassel, dann hat Malte alles richtig gemacht. Die Studie zeigt, dass Studenten mit Auslandserfahrung im Schnitt weniger Bewerbungen schreiben und kürzere Zeit suchen, bevor sie eine Stelle bekommen. Wer schon vor und während des Studiums um die Welt jettet, hat später schneller Erfolg.

ZEIT Campus 1/2013
Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Saskia Illginnis, 23, hat trotzdem keine Lust auf ein mobiles Leben. Noch nie hat sie woanders gewohnt als in Bremen, einer Stadt mit rund 550.000 Einwohnern, umgeben von den Äckern des niedersächsischen Flachlands. Saskia ist in Bremen geboren, in Bremen zur Schule gegangen und hat in Bremen ihr Abitur gemacht. Während ihres Bachelorstudiums in Oldenburg blieb sie bei ihren Eltern wohnen und pendelte täglich, 50 Kilometer hin und 50 Kilometer zurück. Jetzt macht sie ihren Master in Erziehungswissenschaften – an der Uni Bremen. Wenn sie später einen guten Job in einer anderen Stadt als Bremen angeboten bekommt, dann wird sie ihn ablehnen, sagt Saskia. »Ein Job, der nicht in Bremen oder zumindest in der Nähe ist, ist kein Traumjob für mich.«

Immer an einem Ort, keinerlei Auslandserfahrung: Lebensläufe wie der von Saskia klingen langweilig. Sesshaftigkeit wird mit Stillstand und mit mangelnder Flexibilität verbunden. Mancher würde Saskia sogar Trägheit vorwerfen. Schließlich gibt es viele, die zum Studium in eine neue Stadt ziehen, während eines Praktikums zur Zwischenmiete wohnen und den Master noch mal ganz woanders machen. »Noch nie sind Lebensläufe so gestaltbar gewesen wie heute«, sagt Klaus Hurrelmann, Soziologieprofessor an der Hertie School of Governance in Berlin, »Heutzutage kann jeder alles machen.«

Doch aus diesen Möglichkeiten erwächst für viele eine Verpflichtung, zumindest eine gefühlte: nämlich das Beste aus dem Lebenslauf herauszuholen. Wer einfach nur ein Studium abschließt, hat damit keine Garantie, den passenden Arbeitsplatz zu finden. Der Stellenmarkt ist unübersichtlich: Physiker können forschen oder zu Unternehmensberatungen gehen, Germanisten können als Lektoren arbeiten oder in der Werbebranche.

Hinzu kommt der Konkurrenzdruck: In manchen Fächern wird Studenten nicht gerade Mut gemacht, dass sie später einen gut bezahlten Job bekommen. Man gerät unter Druck, wenn es heißt: Auf eine Stelle bewarben sich Hunderte. Also will man auffallen, zum Beispiel durch Auslandserfahrung. Jeder vierte Student geht während des Bachelors für mindestens einen Monat ins Ausland. Die Generaldirektion Bildung und Kultur der Europäischen Kommission, die unter anderem für das Austauschprogramm Erasmus zuständig ist, meldet: Zwischen den Jahren 2000 und 2010 hat sich die Gesamtzahl der Auslandsaufenthalte von Studenten verdoppelt. Bis 2013 wird sich die Zahl verdreifacht haben, so die Prognose. Das ist so gewollt: »Mobilität war immer ein Schlüsselelement des Bologna-Reformprozesses«, heißt es in einer Informationsbroschüre der Generaldirektion. Muss man also mobil sein, um überhaupt eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu haben? Werden Leute wie Saskia Illginnis unweigerlich abgehängt? Das ist keineswegs sicher. Eine starke Bindung an die Heimat kann ein Vorteil sein – nicht nur im Privatleben, sondern auch auf dem Arbeitsmarkt.

Leser-Kommentare
  1. Danke für diesen schönen Artikel, der so wunderbar entspannt mit dem Thema Ausland umgeht. Es ist einfach nicht jedermanns Sache länger ins Ausland zu gehen. Oft genug bekommt man zu hören: "die Bachelorstudenten gehen zu wenig ins Ausland...oh Gott du hast noch keine Auslandserfahrung?...willst du nicht noch ins Ausland gehen?..."
    Da ist es entspannend mal einen Artikel zu lesen, der die andere Seite beschreibt. Sesshaftigkeit ist in vielen Fällen eben auch notwendige Grundlage um sich eine Familie aufzubauen.

    8 Leser-Empfehlungen
    • cst
    • 27.02.2013 um 8:58 Uhr

    Wer geht denn ins Ausland für die Zeilen im Lebenslauf? Eine schlechtere Motivation kann ich mir in der Tat nicht vorstellen. Wer der Ferne nichts abgewinnen kann und sich dadurch unter Druck gesetzt fühlt kann sich die Freiheit nehmen zu Hause zu bleiben.
    Es gibt nicht den Einen richtigen Weg!
    Allerdings soll es auch Menschen geben, die unabhängig von optimierten Karriereverläufen neugierig auf die Welt sind und begeistert neue Erfahrungen auf fremden Terrain machen.

    ...hat manchmal auch großes Suchtpotential ;)

    7 Leser-Empfehlungen
  2. "Die eigentliche Motivation ist über den Tellerrand zu gucken, andere Kulturen und Menschen kennenzulernen, die eigene Denkweise mit Menschen, die ganz anders denken zu reflektieren etc."

    So löblich das Über-den-Tellerrand-Blicken und das Andere-Kulturen-Kennenlernen ja ist, es ist ein bissche naiv anzunehmen, dass man dazu unbedingt ins Ausland muss. Ich bin ziemlich sicher, dass, wer andere Blickweisen auf die Welt erfahren will, auch in seiner gewohnten Umgebung einfach mal ungewohnte Dinge tun kann, sei es, dass man das gewohnte Rockkonzert gegen Rap- oder Jazzabende eintauscht oder einen Handarbeitskurs an der Volkshochschule besucht. Es gibt zigtausend Möglichkeiten, seinen Horizont zu erweitern und andere Menschen kennenzulernen, ohne dass man dafür tausende von Kilometern weit wegfliegen muss. (Ohnehin halte ich nicht viel von der weitverbreiteten Annahme, dass die Menschen in Deutschland "typisch deutsch" seien und überall anders die Menschen "fundamental anders". Fremde Kulturen hin oder her, letztlich sind die Unterschiede zwischen individuellen Menschen immer größer als zwischen ganzen Kulturen.)

    Darüber hinaus bin ich sicher, dass man mehr über fremde Kulturen und sich selbst erfahren kann, wenn man sich ehrenamtlich in einem Problemviertel seiner Heimatstadt engagiert, als wenn man in Rotterdam im WG-Zimmer liegt und deutsches Fernsehen sieht... :)

    Insofern vielen Dank für diesen Artikel, der mit der Fehlannahme aufräumt, dass weit weg immer besser sei.

    7 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Ich stimme cst zu"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Allerdings ist beim Umzug (und der muss nicht unbedingt tausende Kilometer weit ins Ausland sein) nur eine Entscheidung notwendig - die zum Umziehen - zum Rest des Ungewohnte-Dinge-Tuns wird man dann quasi gezwungen. Ich vermute, dass dies für viele Menschen die einzige Methode ist, mit der sie tatsächlich über den Teller schauen würden.

    Von "fundamental anders" war nie die Rede - manchmal kann der größte Kulturschock in einem Land(esteil) kommen, von dem man dachte, die Kultur sei der eigenen sehr ähnlich. Oder wie erklären Sie sich die kleinen aber feinen Unterschiede, wenn Sie beispielsweise vom Süden in den Norden Deutschlands ziehen?

    Tut mir leid, aber mit einem Handarbeitskurs an der Volkshochschule oder mal auf ein Jazzkonzert anstelle eines Rockkonzertes gehen werden Sie im Leben nicht die Erfahrungen machen, die Sie machen, wenn Sie im Ausland LEBEN.

    Sie werden nie die Erfahrung machen, wie es ist, in einer Umgebung zu leben, in der niemand Ihre Sprache spricht und in der Sie dennoch kommunizieren müssen. Sie werden niemals die Erfahrung machen, wie in anderen Kulturen gedacht und gehandelt wird und wie Sie sich da anpassen müssen. In Ihrer Heimatstadt mit Eltern, Verwandten und Freunden in der Nähe werden Sie nie die Grenzen Ihrer eigenen Selbständigkeit austesten können.

    Ich lebe und arbeite mittlerweile im Ausland und habe auch ein Auslandssemester und eine weitere längere Ausbildungsstation im Ausland verbracht. Ich muss leider ein bischen schmunzeln, wenn mir jemand suggeriert, diese Erfahrungen hätte ich auch mit einem Handarbeitskurs an der Volkshochschule machen können.

    Ich bin der Meinung, dass jeder sein Leben so gestalten soll, wie es ihm am liebsten ist. Wer in dem Städtchen seiner Geburt aufwachsen, leben und sterben will, soll dies tun. Das bewerte ich nicht!!! Aber er soll mir nicht erzählen, sein Handarbeitskurs an der Volkshochschule sei die selbe Erfahrung wie meine mittlerweile drei Jahre in drei Ländern auf zwei Kontinenten.

    Und um ganz klar zu stellen: Ich werte nicht, ich möchte nur herausstellen, dass man im Ausland Erfahrungen macht, die man nur im Ausland machen kann.

    Ich muss Ihnen vehement widersprechen! Ich kenne auch einige Leute aus meiner Heimatstadt die genauso reden wie Sie und die auch nie weg waren. Man merkt einfach, dass sie davon keine Ahnung haben, denn was Sie dort schreiben ist weit weg von der Realität. Wenn man alleine im Ausland ist, kommen Probleme auf einen zu, die man im Leben nicht vorher erraten oder einschätzen kann und die mit nichts vergleichbar sind, was man schon kennt.

    Sie können natürlich gerne glauben, was sie sich so überlegt haben und wie sie sich das vorstellen. Aber Ihre Meinung beruht auf einer völlig falschen Annahme.

    Ich möchte Sie mal sehen, wie sie pakistanischen Männern im VHS-Kurs erklären, dass ein Studentenwohnheim mit nicht nach Geschlechtern getrennten Fluren, kein Puff ist. Oder wie Sie einem französischem Mitstudenten im Streit mit einem Schweden auf einem Konzert deutlich machen, dass man fremde Schweden bitte tunlichst nicht küsst. Mussten Sie Ihren Nachbarn schon einmal erklären, warum Deutsche Hitlerwitze nicht zum schreien komisch finden?

    Allerdings ist beim Umzug (und der muss nicht unbedingt tausende Kilometer weit ins Ausland sein) nur eine Entscheidung notwendig - die zum Umziehen - zum Rest des Ungewohnte-Dinge-Tuns wird man dann quasi gezwungen. Ich vermute, dass dies für viele Menschen die einzige Methode ist, mit der sie tatsächlich über den Teller schauen würden.

    Von "fundamental anders" war nie die Rede - manchmal kann der größte Kulturschock in einem Land(esteil) kommen, von dem man dachte, die Kultur sei der eigenen sehr ähnlich. Oder wie erklären Sie sich die kleinen aber feinen Unterschiede, wenn Sie beispielsweise vom Süden in den Norden Deutschlands ziehen?

    Tut mir leid, aber mit einem Handarbeitskurs an der Volkshochschule oder mal auf ein Jazzkonzert anstelle eines Rockkonzertes gehen werden Sie im Leben nicht die Erfahrungen machen, die Sie machen, wenn Sie im Ausland LEBEN.

    Sie werden nie die Erfahrung machen, wie es ist, in einer Umgebung zu leben, in der niemand Ihre Sprache spricht und in der Sie dennoch kommunizieren müssen. Sie werden niemals die Erfahrung machen, wie in anderen Kulturen gedacht und gehandelt wird und wie Sie sich da anpassen müssen. In Ihrer Heimatstadt mit Eltern, Verwandten und Freunden in der Nähe werden Sie nie die Grenzen Ihrer eigenen Selbständigkeit austesten können.

    Ich lebe und arbeite mittlerweile im Ausland und habe auch ein Auslandssemester und eine weitere längere Ausbildungsstation im Ausland verbracht. Ich muss leider ein bischen schmunzeln, wenn mir jemand suggeriert, diese Erfahrungen hätte ich auch mit einem Handarbeitskurs an der Volkshochschule machen können.

    Ich bin der Meinung, dass jeder sein Leben so gestalten soll, wie es ihm am liebsten ist. Wer in dem Städtchen seiner Geburt aufwachsen, leben und sterben will, soll dies tun. Das bewerte ich nicht!!! Aber er soll mir nicht erzählen, sein Handarbeitskurs an der Volkshochschule sei die selbe Erfahrung wie meine mittlerweile drei Jahre in drei Ländern auf zwei Kontinenten.

    Und um ganz klar zu stellen: Ich werte nicht, ich möchte nur herausstellen, dass man im Ausland Erfahrungen macht, die man nur im Ausland machen kann.

    Ich muss Ihnen vehement widersprechen! Ich kenne auch einige Leute aus meiner Heimatstadt die genauso reden wie Sie und die auch nie weg waren. Man merkt einfach, dass sie davon keine Ahnung haben, denn was Sie dort schreiben ist weit weg von der Realität. Wenn man alleine im Ausland ist, kommen Probleme auf einen zu, die man im Leben nicht vorher erraten oder einschätzen kann und die mit nichts vergleichbar sind, was man schon kennt.

    Sie können natürlich gerne glauben, was sie sich so überlegt haben und wie sie sich das vorstellen. Aber Ihre Meinung beruht auf einer völlig falschen Annahme.

    Ich möchte Sie mal sehen, wie sie pakistanischen Männern im VHS-Kurs erklären, dass ein Studentenwohnheim mit nicht nach Geschlechtern getrennten Fluren, kein Puff ist. Oder wie Sie einem französischem Mitstudenten im Streit mit einem Schweden auf einem Konzert deutlich machen, dass man fremde Schweden bitte tunlichst nicht küsst. Mussten Sie Ihren Nachbarn schon einmal erklären, warum Deutsche Hitlerwitze nicht zum schreien komisch finden?

  3. Allerdings ist beim Umzug (und der muss nicht unbedingt tausende Kilometer weit ins Ausland sein) nur eine Entscheidung notwendig - die zum Umziehen - zum Rest des Ungewohnte-Dinge-Tuns wird man dann quasi gezwungen. Ich vermute, dass dies für viele Menschen die einzige Methode ist, mit der sie tatsächlich über den Teller schauen würden.

    Von "fundamental anders" war nie die Rede - manchmal kann der größte Kulturschock in einem Land(esteil) kommen, von dem man dachte, die Kultur sei der eigenen sehr ähnlich. Oder wie erklären Sie sich die kleinen aber feinen Unterschiede, wenn Sie beispielsweise vom Süden in den Norden Deutschlands ziehen?

    5 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Überschrift"
  4. Tut mir leid, aber mit einem Handarbeitskurs an der Volkshochschule oder mal auf ein Jazzkonzert anstelle eines Rockkonzertes gehen werden Sie im Leben nicht die Erfahrungen machen, die Sie machen, wenn Sie im Ausland LEBEN.

    Sie werden nie die Erfahrung machen, wie es ist, in einer Umgebung zu leben, in der niemand Ihre Sprache spricht und in der Sie dennoch kommunizieren müssen. Sie werden niemals die Erfahrung machen, wie in anderen Kulturen gedacht und gehandelt wird und wie Sie sich da anpassen müssen. In Ihrer Heimatstadt mit Eltern, Verwandten und Freunden in der Nähe werden Sie nie die Grenzen Ihrer eigenen Selbständigkeit austesten können.

    Ich lebe und arbeite mittlerweile im Ausland und habe auch ein Auslandssemester und eine weitere längere Ausbildungsstation im Ausland verbracht. Ich muss leider ein bischen schmunzeln, wenn mir jemand suggeriert, diese Erfahrungen hätte ich auch mit einem Handarbeitskurs an der Volkshochschule machen können.

    Ich bin der Meinung, dass jeder sein Leben so gestalten soll, wie es ihm am liebsten ist. Wer in dem Städtchen seiner Geburt aufwachsen, leben und sterben will, soll dies tun. Das bewerte ich nicht!!! Aber er soll mir nicht erzählen, sein Handarbeitskurs an der Volkshochschule sei die selbe Erfahrung wie meine mittlerweile drei Jahre in drei Ländern auf zwei Kontinenten.

    Und um ganz klar zu stellen: Ich werte nicht, ich möchte nur herausstellen, dass man im Ausland Erfahrungen macht, die man nur im Ausland machen kann.

    5 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Überschrift"
  5. Ich war vor meinem Studium im Ausland und werde auch ein Auslandssemester machen. Ich tue beides nicht für eine Zeile in meinem Lebenslauf. Meine erste Motivation dabei ist auch nicht später besser an einen Job zu kommen. Die eigentliche Motivation ist über den Tellerrand zu gucken, andere Kulturen und Menschen kennenzulernen, die eigene Denkweise mit Menschen, die ganz anders denken zu reflektieren etc.
    Ich denke auch nicht, dass viele Studenten ein Auslandssemester machen, weil es jetzt den Bachlor gibt, sondern weil die Welt globalisiert, mehr zusammenwächst und weil einem das Auslandssemester von allen Seiten als positive Erfahrung empfohlen wird (nicht aber als MUSS oder Bedingung). Das Mädchen aus Bremen tut mir ein bisschen Leid, nie etwas von der Welt gesehen zu haben oder mit anderen Kulturen in Kontakt zu kommen finde ich sehr traurig, grade in den Erziehungswissenschaften lernt man so viel von andersdenkenden Menschen. Hier würde ja Schweden oder Finnland schon sehr hilfreich sein

    4 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Die eigentliche Motivation ist über den Tellerrand zu gucken, andere Kulturen und Menschen kennenzulernen, die eigene Denkweise mit Menschen, die ganz anders denken zu reflektieren etc."

    So löblich das Über-den-Tellerrand-Blicken und das Andere-Kulturen-Kennenlernen ja ist, es ist ein bissche naiv anzunehmen, dass man dazu unbedingt ins Ausland muss. Ich bin ziemlich sicher, dass, wer andere Blickweisen auf die Welt erfahren will, auch in seiner gewohnten Umgebung einfach mal ungewohnte Dinge tun kann, sei es, dass man das gewohnte Rockkonzert gegen Rap- oder Jazzabende eintauscht oder einen Handarbeitskurs an der Volkshochschule besucht. Es gibt zigtausend Möglichkeiten, seinen Horizont zu erweitern und andere Menschen kennenzulernen, ohne dass man dafür tausende von Kilometern weit wegfliegen muss. (Ohnehin halte ich nicht viel von der weitverbreiteten Annahme, dass die Menschen in Deutschland "typisch deutsch" seien und überall anders die Menschen "fundamental anders". Fremde Kulturen hin oder her, letztlich sind die Unterschiede zwischen individuellen Menschen immer größer als zwischen ganzen Kulturen.)

    Darüber hinaus bin ich sicher, dass man mehr über fremde Kulturen und sich selbst erfahren kann, wenn man sich ehrenamtlich in einem Problemviertel seiner Heimatstadt engagiert, als wenn man in Rotterdam im WG-Zimmer liegt und deutsches Fernsehen sieht... :)

    Insofern vielen Dank für diesen Artikel, der mit der Fehlannahme aufräumt, dass weit weg immer besser sei.

    "Die eigentliche Motivation ist über den Tellerrand zu gucken, andere Kulturen und Menschen kennenzulernen, die eigene Denkweise mit Menschen, die ganz anders denken zu reflektieren etc."

    So löblich das Über-den-Tellerrand-Blicken und das Andere-Kulturen-Kennenlernen ja ist, es ist ein bissche naiv anzunehmen, dass man dazu unbedingt ins Ausland muss. Ich bin ziemlich sicher, dass, wer andere Blickweisen auf die Welt erfahren will, auch in seiner gewohnten Umgebung einfach mal ungewohnte Dinge tun kann, sei es, dass man das gewohnte Rockkonzert gegen Rap- oder Jazzabende eintauscht oder einen Handarbeitskurs an der Volkshochschule besucht. Es gibt zigtausend Möglichkeiten, seinen Horizont zu erweitern und andere Menschen kennenzulernen, ohne dass man dafür tausende von Kilometern weit wegfliegen muss. (Ohnehin halte ich nicht viel von der weitverbreiteten Annahme, dass die Menschen in Deutschland "typisch deutsch" seien und überall anders die Menschen "fundamental anders". Fremde Kulturen hin oder her, letztlich sind die Unterschiede zwischen individuellen Menschen immer größer als zwischen ganzen Kulturen.)

    Darüber hinaus bin ich sicher, dass man mehr über fremde Kulturen und sich selbst erfahren kann, wenn man sich ehrenamtlich in einem Problemviertel seiner Heimatstadt engagiert, als wenn man in Rotterdam im WG-Zimmer liegt und deutsches Fernsehen sieht... :)

    Insofern vielen Dank für diesen Artikel, der mit der Fehlannahme aufräumt, dass weit weg immer besser sei.

  6. Man muss ja nicht in eine grundlegend andere Kultur gehen, um fremde Kulturen zu verstehen. Das ist gar nicht nötig. Die meisten Europäer verstehen ja nicht einmal ihre Nachbarn!

    Wenn man einige Zeit in einem anderen Land gewohnt hat, dann weiß man, dass die Uhren dort anders ticken als in Deutschland. Dan wird man sich zukünftig solche beknackten Sätze wie "In Deutschland wäre das nicht passiert!" oder "In Deutschland macht man sowas nicht!" im Urlaub ersparen.

    Selbst wenn es nur kleinste Unterschiede sind, die einem aber täglich über den Weg laufen, dann stellt man sie irgendwann nicht mehr in Frage, sondern akzeptiert sie einfach. Hat man diesen Zusammenhang einmal verstanden und erlebt, dann kann man ihn beliebig anwenden.
    Dann nimmt man einfach hin, dass Franzosen prinzipiell mindestens 30 Minuten später kommen. Ist eben so, auch wenn das "in Deutschland ein Unding" ist. Und deswegen laufen in Indien eben überall Kühe rum. Man muss die Kultur nicht mehr verstehen um sie zu akzeptieren, man nimmt sie einfach wie sie ist.

    Das ist der Unterschied!

    4 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf
  7. "Man gewinnt einen neuen Blick auf die heimische Situation und oft fängt man auch an das zu schätzen, was man hat."

    Die Fähigkeit, seinen eigenen kulturellen Hintergrund einmal aus kritischer Distanz zu betrachten erwirbt man am einfachsten, wenn man sein Heimatland einfach mal für eine beträchtliche Zeit verlässt.

    Übrigens kommt der oft genannte Kulturschock meistens erst bei der Rückkehr. So war es bei mir jedesmal. Während des Auslandsaufenthaltes ist alles neu und ungewohnt und man muss sich einfinden. Kehrt man nach dieser Eingewöhnung zurück nach Deutschland kommt der Kulturschock.

    Seine eigene Kultur nicht mehr für die Erde im Zentrum des Universums zu halten um welche die Sonne kreist, ist die größte Bereicherung des Lebens im Ausland.

    4 Leser-Empfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service