Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Sie haben vor zwei Wochen Ihre Bewerbung abgeschickt und noch nichts gehört? Sie rufen beim Arbeitgeber an, nächste Woche wieder, übernächste noch einmal? Und jedes Mal beginnen Sie das Gespräch mit "Ich wollte nur mal nachfragen..."? Keine gute Idee! Denn Aufdringlichkeit schadet eher, als dass sie hilft.

Grundsätzlich ist es nämlich so: Als Mensch kann ich verstehen, dass Sie gespannt sind, ob Sie eingeladen werden, dass Sie Hoffnungen hegen, dass Sie in Gedanken schon das Vorstellungsinterview durchgehen. In meiner Rolle als Personaler sehe ich Sie meist durch die Brille einer Frau, die in Arbeit ertrinkt. Sie sind dann leider mit Ihrer Bewerbung eine Arbeitsbelastung.

Es gibt eine einfache Regel, die man sich merken kann: Je größer das Unternehmen, umso mehr Bewerbungen, und umso weniger sollten Sie nachfragen und Druck machen. In kleinen und mittelgroßen Firmen ist das anders, denn dort sind Sie vielleicht eine Bewerbung unter zehn, da kann man nachfragen.

Ehrlichkeit ist besser als Floskeln

Es gibt aber zwei absolute No-Gos, die immer gelten und die man dennoch oft erlebt. Die erste Todsünde ist der Anruf mit der Frage "Wollte nur mal fragen, ob meine Bewerbung angekommen ist...". Wo sollte sie denn sein? Der Anteil verschwundener Post liegt, glaube ich, unter einem Prozent. Diese Frage ist überflüssig und einfallslos, denn eigentlich möchten Sie ja was anderes wissen. Es gibt eine zweite Frage, die man sich verkneifen sollte: Man wolle mal wissen, wann man eingeladen wird, denn man habe ein anderes Angebot und müsse sich da schnell entscheiden. Das ist nur sehr selten wahr, und dann klingt es anders, meist zerknirschter, aber nie tough. Man erkennt, was Sie eigentlich wollen, nämlich Druck erzeugen. Und was glauben Sie, wie das ankommt? Genau, das mag niemand.

Beide Fragen sind nicht authentisch und ehrlich, sondern Floskeln. Besser ist es, wenn es Ihnen gelingt, bei dem gestressten Gegenüber einen menschlichen Kontakt aufzubauen. Also erst einmal zu fragen, ob Ihr Anruf gelegen kommt oder wann es besser passt. Und dann ehrlich zu sagen: "Ich weiß, Sie haben viele andere Dinge auf dem Tisch, und ich habe lange überlegt, ob ich anrufen soll. Aber ich bin so gespannt, dass ich wie ein Irrer zum Briefkasten laufe und meine Mails stündlich checke. Deshalb möchte ich Sie fragen, wie gut meine Chancen stehen, eingeladen zu werden."

Dabei sollten Sie davon ausgehen, dass das niemand aus dem Stegreif sagen kann, denn Ihre Bewerbung liegt sicher nicht oben auf dem Schreibtisch. Sie muss gesucht und gesichtet werden, und Ihr Gegenüber möchte selbst entscheiden, wann er das macht. Sie können höflich fragen, ob Sie am nächsten Tag noch mal anrufen dürfen. Letztlich gilt für die Bewerbungssituation leider, dass man dem Prozess ausgeliefert ist und mit zwei Zeitmaßstäben messen muss. Ihre Zeit vergeht langsam, während Sie auf Antwort warten. Die Zeit der Menschen, die Bewerber auswählen, vergeht dagegen sehr schnell. Es gibt so vieles, was mindestens genauso wichtig ist – und so zieht es sich manchmal Wochen oder Monate hin, auch wenn es eigentlich eilig ist. Mit Ihnen hat das nichts zu tun.