Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Im guten alten Italien, das noch den Charme der Rückständigkeit hatte, waren die Leute keineswegs fauler als heute. Die römischen Ministerien wimmelten mittags vor Leben, es war ein reger Publikumsverkehr. Das hieß aber nicht, dass die Beamten keine Mittagspause hatten. Sie nutzten sie nur anders als heute: Sie verkauften Eier in ihren Büros, Selbstgestricktes, Eingemachtes, schwarz importierte Transistorradios oder Waren aus den Asservatenkammern der Polizei. Die Beamten lebten davon – nicht von ihren Gehältern. Es waren fleißige Kaufleute, sie demonstrierten, dass eine Verwaltung auch überleben kann, wenn sie ihren eigentlichen Zweck gar nicht mehr erfüllt.

Was braucht der Mensch? Zunächst einmal nur ein Büro, alles weitere findet sich.

Das italienische Beispiel könnte eine Hoffnung und eine Lehre für die Zukunft sein. Was etwa soll mit den Tausenden von Angestellten werden, von denen sich, wie man hört, die deutschen Banken trennen wollen? Wahrscheinlich könnte man sich alle Sozialpläne sparen, wenn man den Gekündigten ihre Büros erhielte. Ihnen würde schon etwas einfallen, was sie darin verkaufen könnten – wertloser als die Derivate der Vergangenheit kann gar nichts sein.