Soziale Medien: "Hier fallen Bomben"
Das Fernsehen zeigt täglich Bilder der Gewalt – aber in keinem Medium kommt uns der Krieg so nahe wie auf Facebook. Protokoll einer Überforderung.
- Datum: 05.03.2013 - 11:28 Uhr
Es ist der 15. November 2012, 22.23 Uhr, als der Krieg zu mir nach Hause kommt. Er steckt in dem kurzen Satz eines Status-Updates auf Facebook – zwischen Werbeanzeigen, Veranstaltungseinladungen und Fotos, die meine Freunde von ihrem Abendessen gemacht haben. "The sound of bombing is everywhere!", schreibt Amira.
Amira ist 31 Jahre alt, Übersetzerin, Mutter von zwei Kindern und einer meiner 436 Facebook-Freunde, ebenso wie Oren, 27 Jahre alt, Musikstudent und DJ. Ich kenne die beiden von Reisen in den Nahen Osten, wo ich sie traf, als ich an einem Fotoprojekt arbeitete. Amira ist Palästinenserin, Oren ist Israeli. Sie sind sich noch nie begegnet, doch manchmal liken sie beide die Katzenfotos, die Stefan aus Berlin hochlädt. Heute nicht. Denn Amiras alter PC steht in Gaza-Stadt, und dort detonieren gerade israelische Bomben.
"Fuck", schreibe ich. "How are you?"
Ich denke: Da stehen sie, drei einfache Wörter, die ich schon oft in das Chatfenster getippt habe, eine Frage, deren Antwort meistens ziemlich banal ausfällt.
"Hi. I am at home with Fady and the kids."
"What’s going on? R U safe?"
"Don’t know. Bombs everywhere."
"Any information what’s happening?"
"Guess they are bombing the house of a
hamas leader around the corner."
Danach tippe ich nichts mehr. Nachrichten als Erstes bei Facebook oder Twitter zu lesen ist für mich normal. Krieg auf meiner Pinnwand ist es nicht. Ich bin überfordert.
Mit jeder technischen Innovation kommt der Krieg näher an die Menschen, die selbst nicht an der Front sind: Mir fällt das Bild von Robert Capa ein, der im Spanischen Bürgerkrieg einen Menschen fotografierte, der gerade erschossen wird. Zeitschriften wie Vu und Life druckten Capas Foto und brachten so den Schrecken des Krieges in die Wohnzimmer. Zuvor hatte es im 19. Jahrhundert nur Fotos gegeben, die Soldaten vor dem Kampf zeigten oder Schlachtfelder danach: Leichenhaufen bei Gettysburg, Ruinen in Richmond, Folgen des Amerikanischen Bürgerkriegs.
Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.
Im Zweiten Weltkrieg berichtete dann Edward Murrow aus London, während deutsche Bomben auf die Stadt fielen. Seine amerikanischen Zuhörer folgten ihm vor den Radiogeräten, im Hintergrund dröhnten Sirenen. Während des Vietnamkriegs kamen bereits bunte Fernsehbilder von der Front nach Hause. Und als nach dem Terroranschlag am 11. September 2001 die Türme des World Trade Centers in New York einstürzten, sahen unzählige Menschen live im Fernsehen dabei zu. Alle diese Fälle hatten gemeinsam, dass Journalisten bestimmten, welches Schicksal gesehen und welches ungesehen blieb, welche Stimmen gehört und welche überhört wurden. Viele Kriege waren noch immer unsichtbar und die Opfer verborgen. Durch Blogs und Soziale Netzwerke änderte sich das, zumindest ein bisschen. Bei den Aufständen in Tunesien und Ägypten waren es Privatleute, die die Welt mit Bildern und Nachrichten versorgten, auf YouTube, Facebook und Twitter. Auch im Syrienkrieg sind es Rebellen und Zivilisten, die sich an den zensierten Staatsmedien vorbei eine Stimme gaben. Subjektiv, aber hörbar.
Jetzt chatte ich mit einer Bekannten, während um sie herum Bomben einschlagen.
"Amira? Are you still there?"
Sie antwortet nicht, aber sie ist noch online. Der grüne Punkt neben ihrem Namen vermittelt Normalität – als ob sie das schützen könnte vor den Luftschlägen. Die Bomben sind die Antwort der israelischen Regierung auf Raketen, die aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert wurden, auch in Richtung Tel Aviv, wo Oren wohnt.
"Yes", antwortet Amira. "I am here."
"Are they still bombing?"
"Yes. They hit again and again and again"
"What about your parents, they live near
the wall?"
"They R ok. But I’m worried. I am scared."
"Don’t be."
"It’s so crazy here."
"Yes."
Seit ich Amira und Oren kenne, sehe ich die Bilder der Tagesschau vom Nahostkonflikt mit anderen Augen. Für mich heißt der Krieg jetzt: Amiras Krieg. Und: Orens Krieg.
Auch Oren ist online. Sein Profilbild zeigt einen großen Mann mit lockigem Haar und schönem Lächeln. Er hat verschiedene Fotoalben, die seine Freunde anschauen dürfen. Die meisten Alben zeigen den Frieden: Reisen und Partys. Sie haben hebräische Titel und heißen "Berlin-Zeit" oder "Taglits Geburtstag". Andere Ordner zeigen den Krieg: Oren während seines Wehrdienstes in der beigefarbenen Uniform der israelischen Armee. Oren oben ohne in der Wüste. Oren mit seinen Kameraden, in der Hand ein Maschinengewehr. Die israelische Regierung könnte in den nächsten Tagen Reservisten einziehen und für eine Bodenoffensive in den Gazastreifen schicken. Oren wäre dann einer von ihnen.
Dann postet er ein neues Foto: Junge Menschen tanzen im Kunstnebel. "Jetzt erst recht", schreibt er auf Hebräisch unter das Bild. Typisch Tel Aviv, denke ich, feiern gegen die Angst. Aber kann ich das jetzt liken? Während Amiras grüner Onlinepunkt nebenan in der Chatleiste leuchtet? Sie würde es sehen. Auf meiner Pinnwand sind Amira, die Palästinenserin, und Oren, der Israeli, nur ein like voneinander entfernt. Wie würde Amira reagieren, wenn ich meine Loyalität per Mausklick auch der anderen Seite zeige? Würde sie das zynisch finden? Oder würde es für sie einen Unterschied machen, Oren als Menschen zu sehen und nicht nur als Soldaten, wie alle Israelis, die ihr im Alltag begegnen? Und was ist mit Oren: Was würde er denken, wenn er sehen könnte, was Amira gerade erlebt?
Facebook ist perfekt dafür geeignet, Alltagsbilder zu teilen, Normalität zu zeigen. Eine Normalität, die es auch in Israel und Palästina gibt, die sich aber nur selten in den Medien widerspiegelt. Journalismus und Propaganda liegen manchmal dicht beieinander mit ihren Täter- und Opferbildern.
Amira hat ein neues Foto gepostet. Es zeigt die Gesichter zweier Kinderleichen, die halb unter Trümmern begraben sind. Ihre toten Augen blicken staubgrau am Betrachter vorbei. Auf dem Bild steht in weißer Blockschrift: "These children are sleeping forever." Amira kommentiert, dass es das Foto einer palästinensischen Familie sei, die von israelischen Bomben getötet wurde.
Der Krieg wird durch die Sozialen Medien nicht nur abgebildet. Er wird dort auch ausgetragen. Auf Twitter kann man sowohl den Nachrichten der Hamas als auch denen der israelischen Armee folgen. Beide verweisen nur auf die jeweiligen Opfer des Krieges auf ihrer eigenen Seite. @IDFSpokesperson verlinkt das Foto einer ausgebrannten Wohnung in einer Kleinstadt im Süden Israels: "This is the house in Kiryat Malachi damaged by direct rocket hit two days ago. 3 civilians were killed." @AlqassamBrigade schreibt: "Four #Palestinians reported killed in an #Israeli air strike on Al Mghazi refugee camp in Central #Gaza Strip #Hamas #Humanrights"
Amira postet, weshalb man eben postet: um durch Bilder Gefühle auszudrücken. Doch woher hat sie dieses Bild? Ist das virale Propaganda, die Menschen für eine der Kriegsparteien einnehmen soll? Lässt sie sich gerade von der Hamas instrumentalisieren? Aber wie könnte ich sie verurteilen? Ich sitze in der Sicherheit meiner Wohnung, weit weg von Gaza-Stadt und Tel Aviv. Ich lebe in Hamburg, wo keine Bomben fallen, wo höchstens einmal Mülleimer brennen, die Autonome am 1. Mai anzünden.
Ich bin nicht wie die Blogger in Berlin, die von ihren WG-Zimmern aus die syrischen Rebellen unterstützen, indem sie deren Videos bearbeiten und ihre Botschaften verbreiten. Ich bin keine politische Aktivistin. Ich bin nur Zuschauerin – und ich fühle mich dabei wie ein Voyeur. "I wish I could help you", schreibe ich an Amira, deren grüner Punkt weiterhin leuchtet.
Noch drei weitere Tage lang werden in Gaza-Stadt Bomben fallen. Auch in Tel Aviv wird es weiter Luftalarm geben. Es wird keine Bodenoffensive kommen. Ein Onkel von Amiras Mann Fady wird bei einem Bombenangriff sterben. Und ich werde das alles verfolgen, vor meinem Rechner und auf meinem Smartphone, im Bus, bei der Arbeit, vor dem Schlafengehen – und mich weiter fragen: Was ist das für eine seltsame Nähe, die dabei zwischen uns entsteht?
Vielleicht haben sich Menschen auch früher schon diese Frage gestellt, als sie das Foto von Robert Capa aus dem Spanischen Bürgerkrieg sahen. Aber sie haben den Menschen nicht gekannt, dessen Tod sie auf dem Foto betrachten konnten. Vielleicht haben auch sie sich überfordert gefühlt, als sie im Zweiten Weltkrieg die Geräusche aus dem bombardierten London hörten oder später die Fernsehbilder aus dem Vietnamkrieg sahen.
Aber sie waren zum Zuhören und Zuschauen verdammt, sie haben nicht mit den Menschen sprechen können, bei denen gerade die Bomben explodierten. Welche Verantwortung habe ich, die ich Amira schreiben kann, während in ihrer Stadt Bomben einschlagen? Und was nützt es Amira, dass ich ihr zuschauen, aber nicht helfen kann?
Es ist nach Mitternacht, als sich das Chatfenster ein letztes Mal für heute öffnet und Amira mir antwortet. Sie tut etwas, was mich erst überrascht, dann beschämt und schließlich berührt. Sie schreibt: "Thank U for being there in the wartime. At least, I wasn’t alone." Ich sitze da, während Amiras Punkt von Grün zu Grau wechselt. Ich habe nichts gemacht, ich war nur auf Facebook.











Mich hat Ihr Artikel sehr berührt. Auch wenn ich selbst Facebook nicht nutze, kann ich mir diese unglaubliche Nähe sehr gut vorstellen.
Auch glaube ich, dass wir diese Nähe eigentlich gar nicht gut aushalten können. Nähe ohne wirklich da zu sein, ohne helfen zu können, ohne sich "einmischen" zu können.
Es wäre bestimmt gut, es nicht bei Facebook zu belassen und zu versuchen doch etwas (reales) zu tun. Nicht in dieser Ohnmacht und Lähmung verbleiben.... Ich glaube sonst läuft man Gefahr, dieses ganz Großartige in sich zu verlieren: Empathie und der ehrliche, blanke Schreck über Gewalt. Ich glaube unsere Psyche würde langfristig versuchen diese nicht auszuhaltende Frustration und Ohnmacht auszublenden, zu relativieren oder zu verdecken.
http://www.liveleak.com/c...
zur zeit erscheinen viele videoschnipsel, ein bis zwei tage später auf liveleak oder sonstigen einschlägigen seiten. die technischen möglichkeiten lassen diese zeitspanne immer kürzer werden. irgendwann ist es soweit und der geneigte zuschauer, kann per livestream durch die helmkamera des soldaten hochdefinierte videoaufnahmen verfolgen oder per satellit das ganze schlachtfeld in echtzeit beobachten.
Schon Walter Benjamin hat gezeigt, dass die bürgerliche Kultur den Tod ins Private verdrängt. Das Schreckliche am Kriege für den Bürger ist der öffentlich getragene Tod. Dieser Artikel bestätigt seine These. Tanzen im Krieg ist pervers, aber dem will der Bürger applaudieren, weil es (die sog. Normalität) die Verdrängung widerspiegelt und die Scheibe vor dem Tod beibehält.
Bitte achten Sie auf Ihren Ton. Danke, die Redaktion/mo.
Bitte achten Sie auf Ihren Ton. Danke, die Redaktion/mo.
"(...) irgendwann ist es soweit und der geneigte zuschauer, kann per livestream durch die helmkamera des soldaten hochdefinierte videoaufnahmen verfolgen oder per satellit das ganze schlachtfeld in echtzeit beobachten."
Nicht irgendwann, man kann bereits ueber bambuser.com den Krieg in Syrien live mitverfolgen.
Zum Beispiel jetzt gerade live aus Daraa Alballad:
http://bambuser.com/v/341...
Ob man dass jetzt liken soll ist eine andere Frage.
Da gibts auch Aufzeichnungen von live broadcasts um Schlachten in Aleppo vor zwei Monaten oder so, und da ist jemand mit der FSA direkt mitgegangen und das alles live in unmittelbarer Naehe mit gefilmt.
Verlinke ich aber jetzt nicht, ist mir einfach zu blutig dass mir der Wuergereflex in der Gurgel hochkommt.
Ob man dass jetzt liken soll ist eine andere Frage.
Da gibts auch Aufzeichnungen von live broadcasts um Schlachten in Aleppo vor zwei Monaten oder so, und da ist jemand mit der FSA direkt mitgegangen und das alles live in unmittelbarer Naehe mit gefilmt.
Verlinke ich aber jetzt nicht, ist mir einfach zu blutig dass mir der Wuergereflex in der Gurgel hochkommt.
Ob man dass jetzt liken soll ist eine andere Frage.
Da gibts auch Aufzeichnungen von live broadcasts um Schlachten in Aleppo vor zwei Monaten oder so, und da ist jemand mit der FSA direkt mitgegangen und das alles live in unmittelbarer Naehe mit gefilmt.
Verlinke ich aber jetzt nicht, ist mir einfach zu blutig dass mir der Wuergereflex in der Gurgel hochkommt.
Mir gefällt der Artikel gut, er wertet nicht, verurteilt keine Seite, sondern berichtet schlicht wie der Autor diese Situation wahrgenommen hat.
Danke für den interessanten bericht.
MfG
Bitte achten Sie auf Ihren Ton. Danke, die Redaktion/mo.
Mir fällt Tiziano Terzani http://de.wikipedia.org/w... ein, der ein wunderbares Buch über seine " Kriegsschauplätze " geschrieben hat. Er hat 20 Jahre für den Spiegel recherchiert. Er sagte auch, dass es kaum noch gute Recherchejournalisten gibt, aber das war vor 20 Jahren. Er konnte ja nicht ahnen, dass Kriege aus technisierten Ländern inzwischen LIFE-Schauplätze für jedermann geworden sind. Anteilnahme, wie im Artikel beschrieben, kann helfen und Mut machen, aber sie kann eben nicht schützen. Irgendwie macht dieser Artikel eine gewisse Hilflosigkeit deutlich, aber reicht das? Mir ist er zu schöngeredet und veranschaulicht wieder einmal mehr, dass Sentimentalitäten vielleicht menschlich sind, aber eben in unserer Welt nur ein müdes Lächeln hervorrufen, weil die Kriegstreiber sich wohl kaum von uns gedankenvollen Schreibern beeindrucken lassen.
Sie bringen es sehr schön auf den Punkt: nur Sentmentalitäten und schlechtes Gewissen reichen nicht, vorallem wenn man sich als Journalist versteht. Ich erwarte eine leidenschaftliche und fundierte Recherche und einen begründeten eigenen Standpunkt.
Auf mich wirkt der Artikel nicht sentimental, auch wenn er die Hilflosigkeit einer Einzelperson angesichts einer Bombardierung beschreibt.
Der Artikel verdeutlicht, dass Meinungsbildung heute anders funktioniert als den meisten Politikern klar ist.
"Reisen bildet", heißt es. Früher hat man von Reisen Fotos, Souvenirs und viele Eindrücke mitgebracht. Heute bringt man Kontakte mit, die über soziale Netzwerke auf sehr eigentümliche Weise zu losen Beziehungen werden. Jeden Moment kann man durch eine Statusmeldung aus seiner Alltagsperspektive gerissen werden. Schlaglichtartig erfahren wir etwas aus einem uns fremden Universum, und jemand hat offenbar gefunden, dass es uns etwas angeht.
Auch wenn meine eigene Einkommensklasse noch so weit von Hartz IV entfernt ist - irgendwo im Facebook-Bekanntenkreis schreibt bestimmt jemand, der Hartz IV bezieht, über seine akute Geldnot, und ich muss das nicht "liken", aber ich muss es doch zur Kenntnis nehmen. Genauso muss ich zur Kenntnis nehmen, dass es echte Menschen sind, die von Bombardements betroffen sind, deren Versicherung nicht für Hurricane-Schäden aufkommt, die durch Mobbing klinisch depressiv geworden sind.
Dass diese Informationen uns heute auf Beziehungsebene erreichen und nicht nur auf Nachrichtenebene, verändert den Prozess unserer Meinungsbildung von Grund auf. Und genau dieser Prozess ist die Grundlage aller späteren Aktionen oder eben des Stillhaltens. Das hat der Artikel sehr gut erfasst.
Sie bringen es sehr schön auf den Punkt: nur Sentmentalitäten und schlechtes Gewissen reichen nicht, vorallem wenn man sich als Journalist versteht. Ich erwarte eine leidenschaftliche und fundierte Recherche und einen begründeten eigenen Standpunkt.
Auf mich wirkt der Artikel nicht sentimental, auch wenn er die Hilflosigkeit einer Einzelperson angesichts einer Bombardierung beschreibt.
Der Artikel verdeutlicht, dass Meinungsbildung heute anders funktioniert als den meisten Politikern klar ist.
"Reisen bildet", heißt es. Früher hat man von Reisen Fotos, Souvenirs und viele Eindrücke mitgebracht. Heute bringt man Kontakte mit, die über soziale Netzwerke auf sehr eigentümliche Weise zu losen Beziehungen werden. Jeden Moment kann man durch eine Statusmeldung aus seiner Alltagsperspektive gerissen werden. Schlaglichtartig erfahren wir etwas aus einem uns fremden Universum, und jemand hat offenbar gefunden, dass es uns etwas angeht.
Auch wenn meine eigene Einkommensklasse noch so weit von Hartz IV entfernt ist - irgendwo im Facebook-Bekanntenkreis schreibt bestimmt jemand, der Hartz IV bezieht, über seine akute Geldnot, und ich muss das nicht "liken", aber ich muss es doch zur Kenntnis nehmen. Genauso muss ich zur Kenntnis nehmen, dass es echte Menschen sind, die von Bombardements betroffen sind, deren Versicherung nicht für Hurricane-Schäden aufkommt, die durch Mobbing klinisch depressiv geworden sind.
Dass diese Informationen uns heute auf Beziehungsebene erreichen und nicht nur auf Nachrichtenebene, verändert den Prozess unserer Meinungsbildung von Grund auf. Und genau dieser Prozess ist die Grundlage aller späteren Aktionen oder eben des Stillhaltens. Das hat der Artikel sehr gut erfasst.
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