Schauspieler Lars Eidinger ©Florian Kleinschmidt/dpa

Lars Eidinger, 37, steht in der Cafeteria der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin und spielt mit Essen, damit es schöne Fotos gibt. So was kann er: Als Alceste schiebt er sich im "Menschenfeind" an der Berliner Schaubühne eine Wurst in den Po. Gerade inszeniert er dort "Romeo und Julia". Zum Interview bestellt Lars Eidinger Kohlrouladen. "Ist doch geil, wenn Sie das Schmatzen später auf dem Tonband hören", sagt er.

ZEIT Campus: Schmeckt’s?

Lars Eidinger:  Super. Früher hätte ich das aber nicht gegessen. Als Student war ich Vegetarier. Damals gab es in der Cafeteria noch keine vegetarischen Gerichte. Deshalb habe ich hier jeden Tag vor dem Essen die Speckwürfel aus der Bohnensuppe rausgesammelt.

ZEIT Campus: Waren Sie gerne hier?

Eidinger: Bei der Aufnahmeprüfung habe ich mich gefragt: Willst du hier überhaupt studieren? Die Schauspielschule im ehemaligen Ost-Berlin fand ich schon sehr hässlich. Diese Einrichtung und der Geruch! Daran wurde bis heute nichts groß geändert. Das Gebäude hat einen sehr speziellen Geruch, alle Materialien riechen komisch, auch der PVC-Boden. Mittlerweile liebe ich das. Es erinnert mich an eine gute Zeit.

ZEIT Campus: Wie sah der Student Lars Eidinger aus?

Eidinger: Das war in den neunziger Jahren, und ich war ganz offensichtlich vom Kapitalismus und von Popkultur gezeichnet. Jeden Morgen bin ich aus Tempelhof mit meinem roten Heinkel-Roller hierhergekommen. Ich sah Hip-Hop-mäßig aus, aber nicht wie die Jungs heute, mehr wie ein Skater. Mit Dickies-Hosen, die in den Kniekehlen hingen. Die anderen Leute an der Schule sahen mehr nach Schauspielstudenten aus. Auch irgendwie ostiger. Mit Altherrenhosen, Hosenträgern, Hemden oder sogar im Anzug. Da wusste man manchmal gar nicht, ob die schon im Kostüm waren.

ZEIT Campus: Als Schüler wussten Sie nicht, dass man Schauspiel überhaupt studieren kann, haben Sie mal gesagt. Wie haben Sie davon erfahren?

Eidinger: Früher dachte ich immer, Schauspieler ist man einfach. Dann hat sich ein Freund von mir an der Ernst Busch beworben. Dasselbe habe ich dann auch gemacht.

Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

ZEIT Campus: Kann man Schauspiel denn lernen?

Eidinger: Absolut. Am Anfang hatte ich Angst, dass einem an der Schule nur so Eso-Kram beigebracht wird. Schauspiel war für mich so was Unbenennbares und Intuitives. Aber stattdessen habe ich dann das Handwerk des Berufs gelernt. Die Schule hat für mich das Schauspielern dadurch im positiven Sinne entmystifiziert. Ich hatte auch Sprecherziehung und Bewegungsunterricht. Da lernt man hinzufallen, ohne sich wehzutun. Darin bin ich übrigens absoluter Spezialist. Ich bin Deutschlands bester Faller.

ZEIT Campus: In den Kinofilmen Was bleibt und Alle anderen spielen Sie Typen Mitte 30, die nicht richtig klarkommen und planlose Beziehungen führen. Hat man als Schauspieler immer ein paar Rollen, die man besonders gut kann?

Eidinger: Natürlich gibt es Figuren, die einem eher liegen. Aber besonders reizen mich expressive, extreme Charaktere und Psychopathen. Das finde ich interessanter, als immer nur den Alltag nachzuspielen.