Bafög-System : Pleite in den Master

Viele Studenten warten auf ihr Bafög, manchmal monatelang. Das Fördersystem ist überlastet und lückenhaft – und die Verantwortlichen tun nichts dagegen.

Bisher war Laila Oudrey, 22, zielstrebig und diszipliniert. Dann war sie plötzlich auch pleite. Im Bachelorstudium hatte Laila monatlich 597 Euro Bafög bekommen, doch damit war Schluss, als sie ihren Master antrat. »Ich war entsetzt und fühlte mich im Stich gelassen«, sagt sie.

Viele Studenten haben in diesem Semester länger als bisher auf ihr Geld gewartet. Meist ist die Überlastung der Bafög-Ämter der Grund dafür. »Mit der Zahl der Studienanfänger und Studenten ist auch die Zahl der Bafög-Antragsteller erheblich gestiegen«, sagt Achim Meyer auf der Heyde, der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks und damit auch oberster Sprecher der Bafög-Ämter, die zu den regionalen Studentenwerken gehören. Der »Bearbeitungsstau«, sagt er, »ist ein durchgängiges Problem in den Ländern.« Gelöst werden könne es, indem die Landesregierungen mehr Geld für Personal in den Bafög-Ämtern freigeben.

Es gibt aber noch ein zweites Problem und das betrifft Laila Oudrey: Weil sie keine Zeit verlieren wollte, bewarb sie sich schon vor dem Ende ihres Bachelorstudiums auf einen Masterplatz in Germanistik an der Uni Bonn. Im letzten September gab sie ihre Bachelorarbeit ab, und schon im Oktober konnte sie ihr Masterstudium anfangen – dank einer vorläufigen Zulassung. Weil diese Zulassung aber nicht verbindlich ist, ist Lailas Bafög-Anspruch erloschen.

An vielen Hochschulen ist eine vorläufige Zulassung möglich, an manchen ist sie sogar die Regel: An der Uni Hamburg zum Beispiel wurden im letzten Herbst rund 1600 der insgesamt 2500 Masterstudenten vorläufig zugelassen. Die Hochschulen reagieren so auf das Ziel der Bologna-Reform, das Studium effizienter zu machen. 60 Studenten betreut ein Professor im Schnitt – da vergehen oft Monate, bis alle Arbeiten korrigiert, benotet und an die Prüfungsämter weitergeleitet sind, die dann die Zeugnisse ausstellen.

Bafög-Vergabe wurde nie richtig angepasst

Doch ohne Bachelorzeugnis gibt es kein Geld mehr vom Staat, so steht es in dem Gesetz, das die Bafög-Vergabe regelt. »Eine Förderung für das Masterstudium kann erst nach endgültiger Zulassung für dieses Masterstudium durch die Hochschule beginnen«, sagt Katharina Koufen, Sprecherin des Bundesbildungsministeriums. Und Corinna Sell-Keiderling, die Leiterin des Bonner Bafög-Amtes, das für Laila Oudrey zuständig ist, sagt: »Uns sind die Hände gebunden. Wir haben Verständnis für sie, aber wir müssen uns an das Gesetz halten.«

Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Laila erzählt, dass ihr im Bafög-Amt empfohlen wurde, das Masterstudium abzubrechen. Sie solle sich einen Job suchen, einige Monate in Vollzeit jobben und sich später, wenn die Korrektur ihrer Bachelorarbeit fertig ist, wieder neu bewerben. »Ich will studieren«, sagt Laila, »Abbrechen kommt nicht infrage.« Sie entschied sich, parallel zum Masterstudium zu arbeiten: Werktags ging sie nach der Uni ins Büro und jobbte auch am Wochenende.

Fleißige Studenten sollen sich voll auf ihr Studium konzentrieren können – auch dann, wenn sie keine wohlhabenden Eltern haben. Das war die Idee, als das Bafög 1971 eingeführt wurde. Wer gefördert werden will, stellt einen Antrag. Ob es Geld gibt, entscheidet das zuständige Bafög-Amt nach den Regeln des Bundesgesetzes. Mit der Abgabe der Diplom- oder Magisterarbeit endet der Bafög-Anspruch dann wieder.

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Kommentare

46 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Richtigstellung

Natürlich hätte ich mich besser informieren müssen, allerdings lag dem BaföG-Amt mein Abschlusszeugnis auch vor (da ich es dort abgegeben habe). Was mich allerdings stört ist dieses Ungleichgewicht zwischen dem was gefordert wird und wie gefördert wird. Ich kann gerne 3 Monate auf mein Geld warten, aber wehe ich gebe irgendwas nicht innerhalb von 2 Wochen an. Gerade auf diese bürokratische Diskrepanz wollte ich aufmerksam machen. Die besagte Regelung wurde nämlich auch nicht im BaföG-Amt selber zugänglich gemacht (ist ja, wie im Artikel beschrieben, nicht für die Gesetze verantwortlich).
Desweiteren finde ich es ein Unding, einen Betrag festzusetzen der ausdrücklich das Minimum darstellt und im Nachhinein diesen noch zu kürzen, also unter die Bedarfgrenze zu gehen.
Eingeverantwortung muss natürlich erbracht werden, aber man muss es doch den Studenten nicht noch Steine in den Weg legen...