Professorenkolumne"Was vom Helden übrig blieb"

Früher waren Forscher große Entdecker, heute gelten sie als normale Menschen. Eben deshalb sind viele Profs Neurotiker, schreibt F. Breithaupt. Ihnen fehlt das Heldentum. von Fritz Breithaupt

Die Universitäten von heute haben ein Problem: Ihnen gehen die Mythen verloren. Als die Alchemisten früher ihre Säfte zusammenmischten, konnte es knallen oder Gold regnen. Darwin und Humboldt erkundeten eine Welt, in der es überall vor allem zwei Dinge gab: Abenteuer und Gefahr. Heute gibt es keine Kontinente mehr zu entdecken, kein Gold zu destillieren.

ZEIT Campus 2/13
ZEIT Campus 2/13

Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Geblieben ist theoretischer Wettstreit: Wer entwickelt eine noch abgefahrenere Theorie? Ein noch besseres Modell? Das ist nicht nichts. Aber etwas fehlt. Bei unserer Arbeit vollbringen wir keine Wunder, keine Narben zeugen von Heldenmut.Vielleicht gibt es deshalb so viele neurotische Profs: Sie müssen den Verlust des Abenteuers in ihrem Forscherleben kompensieren. Sie reden von Kollegen wie von Raubrittern: Je kämpferischer das Vokabular, desto mehr werden sie in ihrem Streit zu Helden. Die Doktoranden werden zu eingeschworenen Gefährten auf dunklen Pfaden wie in Tolkiens Welt. Das Präsidium der Uni gibt den zu entthronenden Drachen.

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Professor Fritz Breithaupt

 44, erklärt an dieser Stelle regelmäßig das Innenleben der Profs. Er lehrt an der Indiana University, USA

Diese professoralen Macken sind das Ergebnis eines Mangels an Mythen. Man könnte fast Verständnis dafür haben. Oder die Leute alle ins Kino schicken. Da können sie sich ihre Dosis Verzauberung abholen.

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Leserkommentare
    • anyweb
    • 25. Februar 2013 18:05 Uhr

    Ich muss schon sagen, die Frage, die hier aufgeworfen wird hat was. Darüber könnte man sicher 2-3 Seiten schreiben. Ich höre hier trotzdem lieber auf, sonst wird mein Kommentar am Ende noch länger als die als Artikel gekennzeichnete Notiz.

    16 Leserempfehlungen
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    Die "Notiz" ist eindeutig als Kolumne gekennzeichnet. Just sayin'.

  1. ... so kommt einem dieser Artikel vor.

    In der Schule lernt man eigentlich, eine Behauptung zu begründen. Davon kann hier kaum die Rede sein. Ein unmotiviert dahingeworfener Fetzen Text, den zu veröffentlichen sich die Zeit auch noch herablässt. ist mir unverständlich.

    Fakt ist, nicht jeder Prof ist ein potentieller Einstein, und muss es auch nicht. Der Impetus eines Forschers darf nicht nur am Entdecken liegen, sondern auch am Weiterentwickeln. Wer nach Superlativen hechelt und groß raus kommen will, der soll eben Fussballer oder “Superstar“ werden.
    Von Bohlen & Reibach lässt grüßen...

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    Es passt letztlich gut in unsere Zeit nach dem "höher, schneller, weiter" zu streben. Von diesem Zeitgeist zeugen doch auch all die "Exzellenzinitiativen" und der sonstige Größenwahn, von dem nur wenige profitieren, aber unter dem viele zu leiden haben. Dass dabei so manches auf der Strecke bleibt, gilt hierbei häufig nur als notwendiges Übel bzw. Begleiterscheinung bzw. -schaden.

    • bayert
    • 25. Februar 2013 20:52 Uhr

    in der Mathematik gibt es kaum Helden (glücklicherweise). Herr Galois mag einer gewesen sein. Die meisten Mathematiker/innen erleben Abenteuer im Kopf. Die Resultate hervorragender Mathematiker könnte man als "heldenhaft" bezeichnen.

    ... ist eine Kolumne eigentlich aus Ihrer Definition heraus. Das sollten die Damen und Herren Kritiker Mal bedenken. Wenn es hiesse Professorenessay, dann wuerde der Professor der Germanistik, der seine Genres sicher genau kennt, auch dort in der geforderten Laenge alle Begruendungen liefern, die man in einem Essay einbauen kann. Aber es ist halt eine Kolumne. Diese soll provokative zum Nachdenken anregen. Das mancher der hier kommentiert statt auf die kurze Provokation mit ueberlegten Ideen, Kommentaren, Argumenten eingeht, lieber noergelnd und unstatthaft schimpft oder "dissed' ist dann einfach nur schade, bedauernswert, und zeigt, dass es nicht nur die Professoren, sondern auch den Zeitungsleser sind, denen die Mythen, usw. abhanden gekommen sind. Wer keine Mythen hat, der pruegelt sich halt lieber um sich. Kommentariats-Hooliganismus. Aber wer weiss, das ist ja vielleicht auch nur so eine Provokation.

    Doch Kolumne hin oder her, der besagte Artikel ist dermaßen dürftig, dass er.nicht mal als Aufhänger zählen kann. Selbst in aller gebotener Kürze muss die nötige Würze beigegeben werden, sonst kommt nur unausgegorenes dabei heraus.
    Die Zeit tut ohnehin gut daran, bei der Auswahl ihrer externen Schreiber mehr Sorgfalt an den Tag zu legen, selbst wenn es sich dabei um Professoren handelt, die mit ihren steilen Thesen abgründig schlecht argumentieren.

    • Oyamat
    • 25. Februar 2013 18:32 Uhr

    Von meinen Eltern habe ich das Bonmot:
    "Der Unterschied zwischen ordentlichen und außerordentlichen Professoren ist, daß die Ordentliches nichts Außerordentliches leisten und die Außerordentlichen nichts Ordentliches."
    (Gibt es eigentlich noch "außerordentliche" Profs heutzutage? Lange nix mehr von ihnen gehört...)

    Mythen brauchen die Unis mE nicht. Es reicht, wenn sie ihre Aufgabe erfüllen: Wissenschaftler auszubilden, die die ordentlichen Grundlagen haben, um dann - je nach Fähigkeiten - Ordentliches oder Außerordentliches zu leisten. Aber das braucht Zeit, Flexibilität und Engagement. Alles drei Dinge, die man heute an Unis kaum noch findet, denn das geht nur, wenn man erbittert Widerstand gegen alles leistet, was durch Regeln und Formalia erzwungen wird.

    Immerhin wird dieser Widerstand noch erstaunlich

    MGv Oyamat

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    • saja
    • 25. Februar 2013 22:45 Uhr

    "Gibt es eigentlich noch "außerordentliche" Profs heutzutage? Lange nix mehr von ihnen gehört..."

    Ja, es gibt sie noch. Sie sind i.d.R. für Außenstehende auch nicht von ordentlichen Professoren zu unterscheiden.

    Der außerplanmäßige Professor ist eine Art Ehrentitel, den jemand bekommt, der dafür ohne Geld extra zu kosten, Vorlesungen halten soll. Dies kann ein Angestellter eines Max-Planck-Instituts sein (der Deal ist dann Lehre gegen Titel), ein Konzern-Manager (meist nur eine Vorlesung im Semester, dafür Spenden gegen eitlen Titel) oder ein Universitätsangestellter, der etwas mehr Aufgaben bekommt (Betreuung von Abschlussarbeiten gegen akademisches Sportabzeichen).

  2. ... und welche Art von Neurose hat überhaupt dieser Herr Breithaupt?

    6 Leserempfehlungen
    • edolfo
    • 25. Februar 2013 18:37 Uhr

    Momentan ist die Wissenschaft nicht bereit für eine Veränderung.

    Außerdem sind die meisten "PROFESSOREN" heute mehr an Ruhm, Geld und an Anerkennung interessiert, als sie sich Zeit für die Wissenschaft nehmen.

    Wir brauchen Professoren, die ihre Arbeit lieben, die sich für ihre Arbeit aufopfern. Denn Liebe heißt Aufopferung.

    Wer ein Held sein will, muss bereit sein, sich für die Wissenschaft aufzuopfern und die Wissenschaft muss für Werte und die Menschheit sein und nicht für die Wirtschaft!!!

    3 Leserempfehlungen
  3. Die "Notiz" ist eindeutig als Kolumne gekennzeichnet. Just sayin'.

    Eine Leserempfehlung
    • Oyamat
    • 25. Februar 2013 18:44 Uhr

    Immerhin wird dieser Widerstand in manchen Fakultäten noch erstaunlich hartnäckig und zäh geleistet. Aber es reicht eben nicht und vergeudet letztlich auch zu viele Kräfte.

    Dennoch: Professoren müssen keine Weltumsegler, noch weniger Weltenretter oder dergleichen sein. Sie müssen ihr Fach beherrschen und das Interesse, an die Begeisterungsfähigen auch die Begeisterung, für ihr Fach weitergeben.

    Nur mit Mythen und Möchtegern-Märtyrern macht man keine brauchbare Wissenschaft und bringt keine Nachfolge-Generation von gut ausgebildeten, zu ihrer Tätigkeit befähigten Wissenscahftlern hervor. Das mag härteres Brot sein, und natürlich auch weniger schmuck nach außen wirken. Aber es ist das, was NÖTIG ist.

    MGv Oyamat

    2 Leserempfehlungen
  4. Es passt letztlich gut in unsere Zeit nach dem "höher, schneller, weiter" zu streben. Von diesem Zeitgeist zeugen doch auch all die "Exzellenzinitiativen" und der sonstige Größenwahn, von dem nur wenige profitieren, aber unter dem viele zu leiden haben. Dass dabei so manches auf der Strecke bleibt, gilt hierbei häufig nur als notwendiges Übel bzw. Begleiterscheinung bzw. -schaden.

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    Antwort auf "kurz und wertlos"

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