Die Universitäten von heute haben ein Problem: Ihnen gehen die Mythen verloren. Als die Alchemisten früher ihre Säfte zusammenmischten, konnte es knallen oder Gold regnen. Darwin und Humboldt erkundeten eine Welt, in der es überall vor allem zwei Dinge gab: Abenteuer und Gefahr. Heute gibt es keine Kontinente mehr zu entdecken, kein Gold zu destillieren.

Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Geblieben ist theoretischer Wettstreit: Wer entwickelt eine noch abgefahrenere Theorie? Ein noch besseres Modell? Das ist nicht nichts. Aber etwas fehlt. Bei unserer Arbeit vollbringen wir keine Wunder, keine Narben zeugen von Heldenmut.Vielleicht gibt es deshalb so viele neurotische Profs: Sie müssen den Verlust des Abenteuers in ihrem Forscherleben kompensieren. Sie reden von Kollegen wie von Raubrittern: Je kämpferischer das Vokabular, desto mehr werden sie in ihrem Streit zu Helden. Die Doktoranden werden zu eingeschworenen Gefährten auf dunklen Pfaden wie in Tolkiens Welt. Das Präsidium der Uni gibt den zu entthronenden Drachen.

Diese professoralen Macken sind das Ergebnis eines Mangels an Mythen. Man könnte fast Verständnis dafür haben. Oder die Leute alle ins Kino schicken. Da können sie sich ihre Dosis Verzauberung abholen.