Professorenkolumne"Was vom Helden übrig blieb"

Früher waren Forscher große Entdecker, heute gelten sie als normale Menschen. Eben deshalb sind viele Profs Neurotiker, schreibt F. Breithaupt. Ihnen fehlt das Heldentum.

Die Universitäten von heute haben ein Problem: Ihnen gehen die Mythen verloren. Als die Alchemisten früher ihre Säfte zusammenmischten, konnte es knallen oder Gold regnen. Darwin und Humboldt erkundeten eine Welt, in der es überall vor allem zwei Dinge gab: Abenteuer und Gefahr. Heute gibt es keine Kontinente mehr zu entdecken, kein Gold zu destillieren.

ZEIT Campus 2/13
Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

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Geblieben ist theoretischer Wettstreit: Wer entwickelt eine noch abgefahrenere Theorie? Ein noch besseres Modell? Das ist nicht nichts. Aber etwas fehlt. Bei unserer Arbeit vollbringen wir keine Wunder, keine Narben zeugen von Heldenmut.Vielleicht gibt es deshalb so viele neurotische Profs: Sie müssen den Verlust des Abenteuers in ihrem Forscherleben kompensieren. Sie reden von Kollegen wie von Raubrittern: Je kämpferischer das Vokabular, desto mehr werden sie in ihrem Streit zu Helden. Die Doktoranden werden zu eingeschworenen Gefährten auf dunklen Pfaden wie in Tolkiens Welt. Das Präsidium der Uni gibt den zu entthronenden Drachen.

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Professor Fritz Breithaupt

 44, erklärt an dieser Stelle regelmäßig das Innenleben der Profs. Er lehrt an der Indiana University, USA

Diese professoralen Macken sind das Ergebnis eines Mangels an Mythen. Man könnte fast Verständnis dafür haben. Oder die Leute alle ins Kino schicken. Da können sie sich ihre Dosis Verzauberung abholen.

 
Leser-Kommentare
  1. 33. Danke

    Mit dem besten Dank möchte ich hier auf die vielen Einwände danken. Auch ich sehe zum Glück noch sehr viele große Herausforderungen, wie etwa Corinna Loeckenhoff herausstellt. Worum es mir hier und den meisten Kolumnen auf 1250 Zeichen geht, ist etwas anderes, nämlich was die Institution Universität aus „dem Professor“ macht. Wie sie ihn erschafft und prägt. Das was ich hier „Neurose“ nenne, ist die Art und Weise wie diese Prägungen durch die Institution Universität sich im Professor niederschlagen und sein Verhalten steuern. Zum Glück sind viele leibhaftige Profs als Menschen anders. In der hier vorliegenden Kolumne geht es mir um die Spannung zwischen zwei gegensätzlichen Vorgaben: einerseits nach wie vor Geniekult und Starsystem, andererseits Lehre und bürokratischer Alltag. –Ich freue mich weiter über jede Kritik.

    • gorgo
    • 27.02.2013 um 5:40 Uhr

    Entschuldigung, aber auch ein kurzer Text kann anregend sein! Dieser hier kommt aber nur mit eiskaltem Kaffee ( Die Wissen schaft braucht wieder "Helden") und einem wahrlich ausgekauten Klischee (der Wissenschaftler als Neurotiker) - thats it.
    Nein, nicht jede Provokation ist eine fruchbare; und ja, es gibt auch Dinge, die den Geist derart unterfordern, dass er sich zu Widerrede provoziert fühlt. Etwas in Kürze, dennoch auf einem gewissen Niveau formulieren - das ist die Kunst (!) der Kolumne.

    Antwort auf "Kurz...."
    • Dakra
    • 27.02.2013 um 18:20 Uhr

    Menschen, die nicht tagtäglich forschen laufen Gefahr, den Aussagen dieses Artikels zu glauben. Auch wenn er als Kolumne formuliert ist. Dies schädigt den Ruf der Forschung.

    Eine Leser-Empfehlung
  2. taugt noch nicht mal als Notiz. Man hätte lieber 250 Quadratzentimeter freien Raum publiziert - das wäre spannender gewesen, und könnte sogar zum Denken anregen. Der obige Ansatz ist noch nicht einmal wertlos, er ist lediglich spinnert und abstrus. Das eine hat und hatte mit dem anderen nicht das Geringste zu tun. Abgesehen davon, daß Darwin gar kein Professor war (was soll dann der Vergleich?). Der Schreiberling stellt sich offensichtlich vor, daß früher jeder Forscher ein großer Entdecker gewesen sein muß. Das ist "Was-ist-was"-Heft-Niveau oder darunter. Das waren vor Urzeiten Ausnahmefälle, und sind es heute ganz genauso. Ich vermute, an den Relationen (Anzahl Forscher bzw. Professoren (was, nebenbei bemerkt, zwei ganz unterschiedliche Kategorien sind) zu Anzahl berühmt gewordener Forscher bzw. Professoren) hat sich seit Jahrhunderten nichts oder nicht viel geändert.
    Und wenn man von Alchimisten [!] faselt, dann sollte man es wenigstens richtig zu schreiben versuchen. Noch nicht mal dazu hat es gereicht.
    Mit freundlichen Grüßen

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