Professorenkolumne: "Was vom Helden übrig blieb"
Früher waren Forscher große Entdecker, heute gelten sie als normale Menschen. Eben deshalb sind viele Profs Neurotiker, schreibt F. Breithaupt. Ihnen fehlt das Heldentum.
Die Universitäten von heute haben ein Problem: Ihnen gehen die Mythen verloren. Als die Alchemisten früher ihre Säfte zusammenmischten, konnte es knallen oder Gold regnen. Darwin und Humboldt erkundeten eine Welt, in der es überall vor allem zwei Dinge gab: Abenteuer und Gefahr. Heute gibt es keine Kontinente mehr zu entdecken, kein Gold zu destillieren.
Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.
Geblieben ist theoretischer Wettstreit: Wer entwickelt eine noch abgefahrenere Theorie? Ein noch besseres Modell? Das ist nicht nichts. Aber etwas fehlt. Bei unserer Arbeit vollbringen wir keine Wunder, keine Narben zeugen von Heldenmut.Vielleicht gibt es deshalb so viele neurotische Profs: Sie müssen den Verlust des Abenteuers in ihrem Forscherleben kompensieren. Sie reden von Kollegen wie von Raubrittern: Je kämpferischer das Vokabular, desto mehr werden sie in ihrem Streit zu Helden. Die Doktoranden werden zu eingeschworenen Gefährten auf dunklen Pfaden wie in Tolkiens Welt. Das Präsidium der Uni gibt den zu entthronenden Drachen.
44, erklärt an dieser Stelle regelmäßig das Innenleben der Profs. Er lehrt an der Indiana University, USA
Diese professoralen Macken sind das Ergebnis eines Mangels an Mythen. Man könnte fast Verständnis dafür haben. Oder die Leute alle ins Kino schicken. Da können sie sich ihre Dosis Verzauberung abholen.










Ich muss schon sagen, die Frage, die hier aufgeworfen wird hat was. Darüber könnte man sicher 2-3 Seiten schreiben. Ich höre hier trotzdem lieber auf, sonst wird mein Kommentar am Ende noch länger als die als Artikel gekennzeichnete Notiz.
Die "Notiz" ist eindeutig als Kolumne gekennzeichnet. Just sayin'.
Die "Notiz" ist eindeutig als Kolumne gekennzeichnet. Just sayin'.
... so kommt einem dieser Artikel vor.
In der Schule lernt man eigentlich, eine Behauptung zu begründen. Davon kann hier kaum die Rede sein. Ein unmotiviert dahingeworfener Fetzen Text, den zu veröffentlichen sich die Zeit auch noch herablässt. ist mir unverständlich.
Fakt ist, nicht jeder Prof ist ein potentieller Einstein, und muss es auch nicht. Der Impetus eines Forschers darf nicht nur am Entdecken liegen, sondern auch am Weiterentwickeln. Wer nach Superlativen hechelt und groß raus kommen will, der soll eben Fussballer oder “Superstar“ werden.
Von Bohlen & Reibach lässt grüßen...
in der Mathematik gibt es kaum Helden (glücklicherweise). Herr Galois mag einer gewesen sein. Die meisten Mathematiker/innen erleben Abenteuer im Kopf. Die Resultate hervorragender Mathematiker könnte man als "heldenhaft" bezeichnen.
Es passt letztlich gut in unsere Zeit nach dem "höher, schneller, weiter" zu streben. Von diesem Zeitgeist zeugen doch auch all die "Exzellenzinitiativen" und der sonstige Größenwahn, von dem nur wenige profitieren, aber unter dem viele zu leiden haben. Dass dabei so manches auf der Strecke bleibt, gilt hierbei häufig nur als notwendiges Übel bzw. Begleiterscheinung bzw. -schaden.
Doch Kolumne hin oder her, der besagte Artikel ist dermaßen dürftig, dass er.nicht mal als Aufhänger zählen kann. Selbst in aller gebotener Kürze muss die nötige Würze beigegeben werden, sonst kommt nur unausgegorenes dabei heraus.
Die Zeit tut ohnehin gut daran, bei der Auswahl ihrer externen Schreiber mehr Sorgfalt an den Tag zu legen, selbst wenn es sich dabei um Professoren handelt, die mit ihren steilen Thesen abgründig schlecht argumentieren.
in der Mathematik gibt es kaum Helden (glücklicherweise). Herr Galois mag einer gewesen sein. Die meisten Mathematiker/innen erleben Abenteuer im Kopf. Die Resultate hervorragender Mathematiker könnte man als "heldenhaft" bezeichnen.
Es passt letztlich gut in unsere Zeit nach dem "höher, schneller, weiter" zu streben. Von diesem Zeitgeist zeugen doch auch all die "Exzellenzinitiativen" und der sonstige Größenwahn, von dem nur wenige profitieren, aber unter dem viele zu leiden haben. Dass dabei so manches auf der Strecke bleibt, gilt hierbei häufig nur als notwendiges Übel bzw. Begleiterscheinung bzw. -schaden.
Doch Kolumne hin oder her, der besagte Artikel ist dermaßen dürftig, dass er.nicht mal als Aufhänger zählen kann. Selbst in aller gebotener Kürze muss die nötige Würze beigegeben werden, sonst kommt nur unausgegorenes dabei heraus.
Die Zeit tut ohnehin gut daran, bei der Auswahl ihrer externen Schreiber mehr Sorgfalt an den Tag zu legen, selbst wenn es sich dabei um Professoren handelt, die mit ihren steilen Thesen abgründig schlecht argumentieren.
... und welche Art von Neurose hat überhaupt dieser Herr Breithaupt?
oder Romantisierung. Als hätte sich Humboldt gedacht "Mensch, mit meinen Forschungsreisen werde ich die Welt verändern!", als hätte Kant gedacht "Mit meinen Gedanken werde ich einer der größten Philosophen noch in 300 Jahren sein" (bei Hegel ist das allerdings gut möglich ;) ). Oder Kolumbus hatte sicher andere Sorgen, als einen Entdeckermythos, waren doch Besatzung, Hunger, Krankheit und unwirtliches Neuland (woher nur Nahrung bekommen?) die realen Probleme. Aber selbst das kann man nicht mit Sicherheit sagen, denn wir können schlicht und einfach die glorifizierten "Universalgenies" und "Entdecker" (von was eigentlich?) nicht mehr fragen.
Hiervon ist es nicht mehr weit zur Verklärung von Soldaten als Kriegshelden. Als es noch heldenhaft war, für Volk und Vaterland zu sterben. Damals, als noch Ordnung und Disziplin herrschten. Schön Reihe gegen Reihe und dann Gemetzel im Nahkampf.
Das eigentliche Problem ist nicht irgendein fehlender Mythos, sondern die Ökonomisierung der Wissenschaft, wenn Präsidenten zu Manager werden etwa. Darüber sollte ein Artikel erscheinen, nicht über solch zwecklose Romantisierung.
Wenn ein amerikanischer Student so ein "paper" abliefern würde, bekäme er auf der Stelle ein "F". Ich habe in meinen bisher fast 20 Jahren Studenten- und Professorenleben in Deutschland und den USA noch nie einen Neurotiker kennengelernt. Dass soll nicht heissen, dass es keine gibt, nur eine solche Pauschalbehauptung ist sicher falsch.
Von meinen Eltern habe ich das Bonmot:
"Der Unterschied zwischen ordentlichen und außerordentlichen Professoren ist, daß die Ordentliches nichts Außerordentliches leisten und die Außerordentlichen nichts Ordentliches."
(Gibt es eigentlich noch "außerordentliche" Profs heutzutage? Lange nix mehr von ihnen gehört...)
Mythen brauchen die Unis mE nicht. Es reicht, wenn sie ihre Aufgabe erfüllen: Wissenschaftler auszubilden, die die ordentlichen Grundlagen haben, um dann - je nach Fähigkeiten - Ordentliches oder Außerordentliches zu leisten. Aber das braucht Zeit, Flexibilität und Engagement. Alles drei Dinge, die man heute an Unis kaum noch findet, denn das geht nur, wenn man erbittert Widerstand gegen alles leistet, was durch Regeln und Formalia erzwungen wird.
Immerhin wird dieser Widerstand noch erstaunlich
MGv Oyamat
Der außerplanmäßige Professor ist eine Art Ehrentitel, den jemand bekommt, der dafür ohne Geld extra zu kosten, Vorlesungen halten soll. Dies kann ein Angestellter eines Max-Planck-Instituts sein (der Deal ist dann Lehre gegen Titel), ein Konzern-Manager (meist nur eine Vorlesung im Semester, dafür Spenden gegen eitlen Titel) oder ein Universitätsangestellter, der etwas mehr Aufgaben bekommt (Betreuung von Abschlussarbeiten gegen akademisches Sportabzeichen).
Der außerplanmäßige Professor ist eine Art Ehrentitel, den jemand bekommt, der dafür ohne Geld extra zu kosten, Vorlesungen halten soll. Dies kann ein Angestellter eines Max-Planck-Instituts sein (der Deal ist dann Lehre gegen Titel), ein Konzern-Manager (meist nur eine Vorlesung im Semester, dafür Spenden gegen eitlen Titel) oder ein Universitätsangestellter, der etwas mehr Aufgaben bekommt (Betreuung von Abschlussarbeiten gegen akademisches Sportabzeichen).
in der Mathematik gibt es kaum Helden (glücklicherweise). Herr Galois mag einer gewesen sein. Die meisten Mathematiker/innen erleben Abenteuer im Kopf. Die Resultate hervorragender Mathematiker könnte man als "heldenhaft" bezeichnen.
Leider ist das ein arg zu kurz geratener Gedankenansatz. Physiker beispielsweise suchten selten Abenteuer und Gefahr und trotzdem gibt es da einen analogen Effekt.
Während die Physiker von Gallilei bis Feynman stets nach den Grundstrukturen der Materie oder gleich des Universums suchten, sind heutige Forschungsarbeiten eher an Fragestellungen wie der Veränderung irgendeiner Leitfähigkeit bei Zunahme der N-Dotierung eines Verbindungshalbleiters o.ä. orientiert. Dies kann in Einzelfällen spannend sein, in der Regel aber trauen sich Forscher nur Dinge zu erforschen, deren Ergebnis irgendwie absehbar ist. Riskieren sie nämlich negative Resultate (die eigentlich wichtig sind, um auf neue Wege zu kommen), riskieren sie weitere Forschungsgelder, Drittmittel und jedwede Zukunft für ihre Forschungsgruppe.
Die Ökonomisierung durch eine Pseudo-Retabilität hat schon lange auch in den Wissenschaftsbetrieb Einzug gefunden. Im Heimatland Einsteins beschäftigt sich kaum noch jemand mit Kosmologie - weil es dafür kaum Forscvhungsgelder gibt.
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