Pro und ContraBraucht man an der Uni eine Anwesenheitspflicht?

Die Kontrollen sind juristisch umstritten. Sind sie überhaupt sinnvoll? Zwei Professoren diskutieren von Wilhelm Pfähler und Uwe Wagschal

NEIN

Wer die Anwesenheitspflicht an Universitäten fordert, vergisst, was Hochschulreife ist.

Für Studenten ist sie mehr als ein Abi-Zeugnis: Sie ist eine menschliche Qualität. Wer Abitur gemacht hat, ist reif genug, zu entscheiden, welches Fach er studieren will. Er besitzt das geistige und handwerkliche Rüstzeug, sich in neue Wissensgebiete einzuarbeiten. Er kann selbst entscheiden, wie er sich auf Prüfungen vorbereiten und welche Lehrangebote er nutzen will. Wer die Hochschulreife erlangt hat, wird sich nicht freiwillig in langweilige oder unverständliche Veranstaltungen setzen. Und das ist gut so! Studenten per Anwesenheitspflicht zu schlechter akademischer Kost zu zwingen verletzt ihre Würde und beschädigt den akademischen Geist von Hochschulen.

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Zwar führen die meisten Bundesländer ihre Gymnasiasten heute nicht mehr zu einer solchen Hochschulreife. Diese Aufgabe aber kann nicht an die Unis verlagert, sondern muss den Schulen wieder zur Pflicht gemacht werden. Sie dürfen die Ansprüche nicht senken, nur um die Abiturientenquote zu erhöhen.

Wilhelm Pfähler

Der Ökonom Wilhelm Pfähler, 66, lehrt nur noch an Privat-Unis, weil er die Anwesenheitspflicht an staatlichen Unis unakademisch findet.

Für Dozenten gehört zur Hochschulreife, dass sie ihre Studenten in das Abenteuer Forschung einführen können und wollen. Indem sie Neugier und Begeisterung wecken, die Pfade zur Erfüllung dieser Neugier aufzeigen und vermitteln, wie man wissenschaftlich arbeitet. Natürlich gilt auch hier: Nicht alle Lehrenden haben diese Hochschulreife. Das kann aber nicht bedeuten, dass man sie durch die Anwesenheitspflicht der Studenten ersetzt. Eher sollten die Hochschulen für didaktisch und pädagogisch gut ausgebildete Dozenten sorgen. Helfen könnten dabei verpflichtende Weiterbildungen – und ein Gehaltsbonus bei guter Bewertung durch die Studenten.


Leserkommentare
  1. Auch wenn ich seltenst dann anwesend war, habe ich die abschließenden Pruefungen bestanden.

    Daemlich ist im Allgemeinen an der Anwesenheitspflicht,daß man nur 2 mal fehlen darf, mit Absprache 3 mal, es kam schon vor, daß jemand krank wurde oder familiaere Probleme hatte und mehr als 2 mal fehlte, was dazu fuehrte,daß die Seminare oder Vorlesungen damit obsolet waren, obwoohl die Pruefungsleistung weiterhin haetten erbracht werden koennen...

    Jeder soll kommen und gehen wie er mag, wenn er seine leistung dennoch einbringen kann, ist das doch okay, das wuerde auch die Ueberfuellung der Raeumlichkeiten reduzieren , schonmal in einem Raum gesessen, wo soviele Leute anwesend waren, daß manche auf den Fensterbaenken sitzen muessen?

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    die Leistung nicht bringt? Man sollte nicht vergessen für dieses Studium zahlt jemand und zwar der Steuerzahler und er zahlt ob jemand anwesend ist oder nicht und man nimmt jemand anderem evtl. einen Studienplatz weg.

  2. 6. Contra

    Bei teils übervollen Seminaren dient die Anwesenheitspflicht nur dazu, gelangweilte und uninteressierte Studenten in die Übungsräume zu holen. Ergebnis: Es ist laut, viele lauschen nur bedingt dem Unterricht oder lassen andere unterschreiben (was aufgrund von teils 60 Studenten nicht weiter auffällt).
    Vielleicht ist die Anwesenheitspflicht gerechter, der arme Kfz-Lehrling wünscht sich sicher auch mehr "Freizeit". Aber andererseits, es werden an den Unis keine Kfz-Lehrlinge ausgebildet, sondern Wissenschaftler, Juristen, Volkswirtschaftler und andere. Ohne Ausbildungsberufe schlecht reden zu wollen, zu den Anforderungen, die man schon vorher mitgebracht werden müssen (oder sich früh angeeignet werden müssen) gehört auch meines Verständnisses eigenverantwortliches Lernen. Und damit auch die Freiheit selbst zu entscheiden, wie man lernt. Ich stimme Herrn Wagschal zu, dass vieles sich nicht im stillen Kämmerchen lernen lässt - aber jeder lernt auch irgendwie anders, was sogar von Fach zu Fach unterscheiden kann. Für Sprachen sind Seminare wirklich wichtig, aber warum nicht auch Skripte zur Hand nehmen, wenn das Seminar einfach schlecht ist, man eher der Leselerntyp ist oder ähnliches.

    Außerdem wird oft vergessen, dass im Gegensatz zu einem Kfz-Lehrling viele auch nebenbei noch arbeiten (müssen).

    Ich persönlich würde mir am meisten wünschen, für Klarheit zu sorgen, wie es sich verhält - zum Semesterstart immer die gleichen Fragen, ob nun Anwesenheitspflicht besteht oder nicht.

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  3. Zunächst ist es unsinnig eine Lehre mit einem Studium zu vergleichen. Der Lehrling erhält eine Vergütung für seine Anwesenheit und Arbeitskraft.
    Hinzu kommt, dass ein großer Teil der Studenten neben dem Studium auf einen Nebenjob angewiesen ist und der lässt sich nicht immer mit dem Vorlesungsplan in Einklang bringen. Im übrigen sollte vielmehr über eine Anwesenheits- und Arbeitspflicht von Professoren diskutiert werden. Da gibt es genügend, die viel zu oft woanders Geld einnehmen, während ihre Mitarbeiter die VL halten.
    Und wenn ein Student nicht in der Lage ist, den in der VL verpassten Stoff nachzuholen, dann wird er die Prüfung nicht bestehen. So einfach ist das.

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    • doof
    • 03. Mai 2013 14:16 Uhr

    Zudem verdient der Prof im Gegensatz zu den Studenten auch noch nicht geringes Entgelt - und Lehre (gerne auch Forschung an und für die Uni) wäre eigentlich Sinn der Berufung und nicht, weils fürs eigene Geschäft besser klingt, wenn man noch einen Professorentitel bei hat - zudem sind es Steuergelder, aus denen dieser "Titel" finanziert wird.
    Selbst erlebt: der Prof war innert eines Semesters zu max. 5 Veranstaltungen (inkl. Prüfung) anwesend.

  4. 8. [...]

    Doppelt. Die Redaktion/mak

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