NEIN

Wer die Anwesenheitspflicht an Universitäten fordert, vergisst, was Hochschulreife ist.

Für Studenten ist sie mehr als ein Abi-Zeugnis: Sie ist eine menschliche Qualität. Wer Abitur gemacht hat, ist reif genug, zu entscheiden, welches Fach er studieren will. Er besitzt das geistige und handwerkliche Rüstzeug, sich in neue Wissensgebiete einzuarbeiten. Er kann selbst entscheiden, wie er sich auf Prüfungen vorbereiten und welche Lehrangebote er nutzen will. Wer die Hochschulreife erlangt hat, wird sich nicht freiwillig in langweilige oder unverständliche Veranstaltungen setzen. Und das ist gut so! Studenten per Anwesenheitspflicht zu schlechter akademischer Kost zu zwingen verletzt ihre Würde und beschädigt den akademischen Geist von Hochschulen.

Zwar führen die meisten Bundesländer ihre Gymnasiasten heute nicht mehr zu einer solchen Hochschulreife. Diese Aufgabe aber kann nicht an die Unis verlagert, sondern muss den Schulen wieder zur Pflicht gemacht werden. Sie dürfen die Ansprüche nicht senken, nur um die Abiturientenquote zu erhöhen.

Für Dozenten gehört zur Hochschulreife, dass sie ihre Studenten in das Abenteuer Forschung einführen können und wollen. Indem sie Neugier und Begeisterung wecken, die Pfade zur Erfüllung dieser Neugier aufzeigen und vermitteln, wie man wissenschaftlich arbeitet. Natürlich gilt auch hier: Nicht alle Lehrenden haben diese Hochschulreife. Das kann aber nicht bedeuten, dass man sie durch die Anwesenheitspflicht der Studenten ersetzt. Eher sollten die Hochschulen für didaktisch und pädagogisch gut ausgebildete Dozenten sorgen. Helfen könnten dabei verpflichtende Weiterbildungen – und ein Gehaltsbonus bei guter Bewertung durch die Studenten.