Der Dönerhändler schaut skeptisch, als Jan Plewinski und Roman Will ihre Getränkekisten vor seinem Imbiss abstellen. "Wir wollen hier Papa Türk testen", sagt Will, "das neue Getränk gegen Knoblauchgeruch nach dem Döneressen." Vor vier Tagen hätten sie deshalb schon angerufen, sagt er. Doch Hüseyin Yoleri, der Inhaber des Imbisses am Bielefelder Bahnhof, kann sich an nichts erinnern. Will fährt sich durch die Haare, er ist nervös. In einigen Wochen soll Papa Türk deutschlandweit verkauft werden, dafür muss das Getränk jetzt schnell durch die Testphase. Dann macht er Yoleri ein Angebot: Wenn er den Test in seinem Laden erlaubt, dann bekommt er ein T-Shirt. "Papa Türk" steht darauf und darunter: "Chefkoch". Das passt. Will und Plewinski dürfen rein. Flaschen klirren, als sie ihre Kisten über die Türschwelle tragen.

Bloß keinen Bürojob, das hatten die Freunde Jan Plewinski, 27, und Roman Will, 27, schon während des Studiums beschlossen. "Ich will nicht im Büro eingesperrt sein und acht Stunden pro Tag PowerPoint-Präsentationen schreiben", beschließt Will nach seinem BWL-Bachelor und mehreren Praktika. Plewinski geht es ähnlich. Er hat Design und Kommunikation studiert und ist Trainee im Bereich Social-Media-Marketing. Manche Tage sind so langweilig, dass er sich während der Arbeit auf der Toilette versteckt und auf seinem Smartphone Angry Birds spielt. Viel besser wäre es doch, selbstständig zu sein!

Im Herbst 2011 sitzen Plewinski und Will in einer Kneipe und denken über Geschäftsideen nach. Sie wollen keine App erfinden und keinen Online-Store für Müsli gründen. Jede andere Produktidee schreiben sie auf, egal wie merkwürdig sie ist. Vielleicht könnten sie elektronische Armbänder entwickeln, die automatisch Facebook-Freundschaften schließen, wenn ihre Besitzer sich die Hände schütteln? Schokolade ohne Kalorien? Oder ein Getränk gegen Dönergeruch? "Wir lieben Döner", sagt Will, "doch der Knoblauchgeruch stört." Als sie beschließen, die Idee mit dem Döner-Drink durchzuziehen, sind die beiden schon ziemlich betrunken.

Weder Will noch Plewinski haben sich zu diesem Zeitpunkt jemals mit Lebensmittelchemie beschäftigt. Tagelang durchstöbern sie das Internet auf der Suche nach einem Wundermittel gegen schlechten Atem, möglichst ohne Chemie. Sie lesen, dass in manchen Ländern Petersilie gekaut wird, weil das gegen Zwiebel- und Knoblauchgerüche hilft. Das Geheimnis ist der hohe Anteil an Chlorophyll in der Petersilie, der gleiche Stoff, der Pflanzen grün färbt. In Deutschland gibt es Chlorophyll in jeder Apotheke – als Medikament gegen Mundgeruch.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen. © ZEIT CAMPUS

In den nächsten Wochen pendelt Will zwischen der niederländischen Stadt Groningen, wo er einen Master in Unternehmertum macht, und Bremen, wo Plewinski wohnt. In dessen WG-Küche zerstampfen sie Chlorophylltabletten, lösen das Pulver in Wasser auf und rühren Minztee, Ingwer und Nelken darunter. Eine Art orientalischer Eistee soll es werden, das Rezept haben sie aus dem Netz. Mit einem Sodamaxx fügen sie Kohlensäure hinzu. Heraus kommt eine sprudelnde, grüne Brühe. Beim Imbiss um die Ecke bestellen sie Döner mit extra Soße, trinken die Brühe und pusten sich gegenseitig ins Gesicht. Nichts zu riechen. Plewinski wohnt in einer WG mit fünf Frauen, die beiden hauchen jede von ihnen an. Immer noch nichts zu riechen. Bei einem Chlorophyllanteil von 40 Prozent ist die Knoblauchfahne weg.

Das ist der erste Durchbruch auf dem Weg zur eigenen Firma. Doch lange können sie sich nicht darüber freuen. Denn die Zauberbrühe schmeckt furchtbar: "Wie Pfeffersuppe mit alten Socken", sagt Jan Plewinski. Noch dazu färbt sie beim Trinken die Zunge grün. Den beiden wird klar: Sie brauchen ein Labor, Experten und eine richtige Rezeptur. Als ein Institut seinen Kostenvoranschlag schickt, sind sie deprimiert. Eine fünfstellige Summe haben sie nicht. Doch aufgeben wollen sie auch nicht.

Im Sommer 2012 ruft Jan Schneider an, er ist Professor für Lebensmitteltechnologie an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Plewinski und Will hatten ihm von ihrer Idee erzählt, jetzt präsentiert der Professor die Lösung für ihr knappes Budget: Tobias Balke, ein Student der Getränketechnologie, will den Dönerdrink zu seiner Bachelorarbeit machen. Balke kennt sich gut aus mit Getränken, er hat vor dem Studium als Schnapsbrenner gearbeitet. Plewinski und Will müssen ihm nur die Labornutzung zahlen, die Rohstoffe und ein Hiwi-Gehalt. Die beiden Gründer sagen sofort zu. Zusätzlich erhält Balke eine Gewinnbeteiligung, sollte das Getränk tatsächlich die Marktreife erlangen. Dafür unterschreibt er, das fertige Rezept geheim zu halten.