Jan Böhmermann, 32, steht in der Mensa der Uni Köln und posiert für die Fotografin. Er trägt Anzug, so kennt man ihn aus der Sendung "Roche und Böhmermann" auf ZDFkultur. Die ist leider eingestellt worden. Als Gebührenzahler finde er es gut, sagt Böhmermann, dass kurz darauf beschlossen wurde, den Spartensender ganz zu schließen. Mit dem Geld könne man neue Sachen machen. Politische Satire zum Beispiel

ZEIT Campus: Sie haben Sahra Wagenknecht von der Linkspartei in einem Interview mal ein gemeinsames Date vorgeschlagen. Was interessiert Sie an Politikern?

Jan Böhmermann: Ihre Hilflosigkeit. Sie müssen konsensfähig reden, um wählbar zu bleiben. Und sie pendeln zwischen komplett humorbefreit und verkrampft witzig, das steigert die Fallhöhe. Leute wie Sahra Wagenknecht mit bizarren Fragen in Bedrängnis zu bringen ist doch wirklich sehr komisch. Und mich wärmt der Gedanke, dass Comedy-Kanzler Peer Steinbrück unser Land regieren will! Das wäre die erste ironische Kanzlerschaft seit 1945. Ach, womit soll man sich langfristig auseinandersetzen, wenn nicht mit Politik?

ZEIT Campus: Jetzt tun Sie das in einer neuen Sendung, einem satirischen Politikmagazin.

Böhmermann: Wenn Sie das sagen. Aber ich kann noch nicht mehr verraten, als dass die erste Sendung im Herbst auf ZDFneo laufen wird.

ZEIT Campus: Was wollen Sie mit Ihrer neuen Sendung erreichen?

Böhmermann: Ich will unterhalten.

ZEIT Campus: Stefan Raab will mit seiner neuen Sendung Absolute Mehrheit das politische Interesse der Zuschauer wecken.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen. © ZEIT CAMPUS

Böhmermann: Das ist mir zu beflissen. Raab ist einer der kreativsten Menschen im Fernsehen. Bewundernswert, dass so jemand noch die Zeit findet, uns einfache Jugendliche für Politik zu begeistern. Dabei kenne ich nur wenige Leute, die im Alltag weiter weg sind von den Nöten und Bedürfnissen meiner Generation als Stefan Raab. Vielleicht der Papst. Aber was ist denn überhaupt Politik? Das gibt’s doch gar nicht. Die Elterngeneration hält uns für politikverdrossen. Der Begriff begleitet mich seit meinem 14. Lebensjahr. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der politikverdrossen ist.

ZEIT Campus: Sondern?

Böhmermann: Der diffuse Vorwurf der Politikverdrossenheit ist völliger Quatsch. Das Wort entspringt dem Unverständnis der älteren Generation für das, was die jüngere macht. Nur weil wir uns nicht so verhalten wie unsere Eltern, heißt das nicht, dass wir politikverdrossen sind.

ZEIT Campus: Sind Sie ein politischer Mensch?

Böhmermann: Ich beschäftige mich mit gesellschaftlichen Themen wie jeder andere. Aber zu sagen: "Ich bin politisch", was heißt das? Ich fühle mich am wohlsten in dieser unseriösen Comedy-Ecke, alles andere ist mir zu kompliziert.

ZEIT Campus: Haben Sie deshalb Ihr Studium nach vier Semestern abgebrochen?

Böhmermann: Nach dem Abitur war ich erst jahrelang beim Radio und habe gearbeitet. Aus einer masochistischen Laune heraus hatte ich dann Lust, wieder gezwungen zu werden, etwas zu lernen. Ich habe deshalb Geschichte, Soziologie und TheFiFe, also Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften, studiert.

ZEIT Campus: Warum ist das nicht gut ausgegangen?

Böhmermann: Drei Semester lang war ich ein ehrgeiziger Student mit guten Noten. Nebenbei habe ich weiter beim Radio gearbeitet und schnell gemerkt: Mit einem abgeschlossenen Studium würde ich beruflich dasselbe machen wie ohne Abschluss. Die Entscheidung, wieder nur zu arbeiten und Geld zu verdienen, statt zu studieren, war deshalb nicht so schwer.