Ein Student aus meinem Seminar steckt den Kopf in mein Büro. "Ab Donnerstag wird gestreikt." – "Wogegen streiken wir denn?", frage ich zurück. "Na, gegen euch natürlich", sagt er froh. "Gegen uns?" Ich verstehe die Welt nicht mehr. "Ist doch klar: wegen der Studienbedingungen, des Geldmangels und der Verwirtschaftlichung der Bildung."

"Aber", will ich erwidern, "wir sind doch die Guten!" Da ist er schon weiter, Flugzettel verteilen.

Manche Menschen glauben, dass Politik von links nach rechts organisiert ist. Für die meisten Profs ist Politik dagegen eine Sache des Oben und Unten. Und sie sehen sich unten. Bei den Studenten. Bei den 99 Prozent. Auch wenn die davon nichts merken. Woran liegt das?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen. © ZEIT CAMPUS

Professoren haben keine Macht. Verändern können wir selbst im eigenen Haus fast nichts. Und dass wir mit der Notenvergabe Macht ausüben, halten wir für ein Missverständnis.

Uns ist sie nämlich bloß lästig. Weil wir so wenig bewegen können, reden wir uns ein, wir gehörten zu den Jungen, zur Opposition. Und so benehmen wir uns dann auch. Damit niemand auf die Idee kommt, wir seien selbst Teil des Establishments, das es zu bekämpfen gilt. Wir streiken daher mit – gegen uns selbst.

Fritz Breithaupt erklärt an dieser Stelle das Innenleben der Profs. Er lehrt an der Indiana University.