StudienfinanzierungMehr Bürokratie wagen

Mehr als 90 Prozent aller Bafög-Anträge werden falsch ausgefüllt. Wie man klassische Fehler vermeidet und schneller an das Geld kommt. von Katja Bosse

Schnell sein

Erst fehlte die Zusage, dann stand der Umzug an – und die ersten Studienwochen waren einfach zu spannend, um sich mit Bafög-Formularen herumzuschlagen. Verständlich, aber verschenkt: Rückwirkend zahlt das Bafög-Amt nur, wenn man vorher einen formlosen Antrag gestellt hat – und alles Weitere nachreicht, sobald sich der erste Sturm gelegt hat.

Nachfragen

Wo sitzt das Bafög-Amt überhaupt? Bis wann muss mein Antrag spätestens eingehen? Wer gleich zu Beginn tausend Fragen hat und sich orientierungslos durchs Netz klickt, sollte lieber die Hotline des Studentenwerks und des Bundesbildungsministeriums anrufen: Unter 0800-223 63 41 bekommt man wochentags von 8 bis 20 Uhr gebührenfreie Auskünfte, die den Antrag betreffen.

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Online ausfüllen

Wer das Bafög online beantragen kann (geht noch nicht in allen Bundesländern), sollte es tun. Statt sich durch unübersichtliche Erläuterungsblätter im Anhang zu quälen, poppen hilfreiche Anmerkungen direkt auf. Wird ein Punkt vergessen, kann man den Antrag gar nicht erst absenden. Wer in einem Bundesland studiert, das noch hinterherhinkt, kann die Online-Formulare einer anderen Uni ausfüllen und nach dem Ausdruck das Deckblatt austauschen. Achtung: Der Antrag wird zwar online verschickt, muss aber trotzdem ausgedruckt und zum Amt gebracht werden. Sonst gelten Unterschriften und beglaubigte Nachweise nicht.

ZEIT Campus 5/2013
ZEIT Campus 5/2013

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Stoßzeiten vermeiden

Im Oktober kommen alle, im August kommt so gut wie niemand. Es lohnt sich also, Streber zu sein und rechtzeitig beim Bafög-Amt auf der Matte zu stehen. Dann kann man guten Gewissens Ferien machen und hat den Bescheid vor Semesterbeginn. Das gilt auch für den Weiterförderungsantrag: Am besten zwei Monate vor Fristablauf im Kalender notieren. Auslands-Bafög mindestens sechs Monate vorher beantragen.

Nicht verzetteln

Es gibt Formblätter, Anlagen zu Formblättern, Aktualisierungsanträge, Vordrucke für erklärungsbedürftige Details. Welche der vielen Zettel man überhaupt benötigt, wird auf bit.ly/campus_antrag aufgedröselt. Zum Herunterladen stehen alle Bögen auf bit.ly/campus_bafögneu.

Gründlich sein

Werden Felder frei gelassen, gilt der Antrag als unvollständig. Es folgt: ein Brief des Sachbearbeiters. Wer sich das Hickhack sparen will, prüft am Schluss noch mal alle Kästchen – und macht Striche, wo nichts hin soll.

Leserkommentare
    • fempton
    • 29. August 2013 12:24 Uhr

    ganz offensichtlich nicht an den Antragstellern sondern am Antrag selber. Dieser muss anscheinend dringend überarbeitet werden.

    7 Leserempfehlungen
  1. Neben Formularbergen gibt es auch immer mal wieder Willkür der Sachbearbeiter. Dem einen fehlt an dieser Stelle etwas, was einem anderen völlig egal ist. So wurde ich z.B. bei einem Antrag am Ende aufgefordert alle nicht-zutreffenden Felder zu Streichen. Dies war aber scheinbar nur auf einer Seite relevant, auf den anderen Seite müsse das nicht sein. Steht nirgendswo dran, ist völlig sinnfrei und habe ich so auch noch nie von anderen gehört die ebenfalls Bafög beziehen. Ähnliche Geschichten bekommt man von denen aber hin und wieder auch zu hören, ebenso wie Fehler auf Amtsseite, die wahrscheinlich in ihrer Vielzahl aus Unterbesetzung vieler Ämter in Großstädten herrühren. Vielfach kann sich das ganze Prozedere dann auch nach Bundesland in Details unterscheiden.

    3 Leserempfehlungen
  2. "Erst fehlte die Zusage, dann stand der Umzug an – und die ersten Studienwochen waren einfach zu spannend, um sich mit Bafög-Formularen herumzuschlagen. "

    Sorry, aber wem das so ergeht, der scheint ja genug Geld/Polster zu haben. Die Frage, wie man sein Studium finanziert, sollte sich ja wohl lange VOR dem Umzug und den ersten Semesterwochen stellen...

    Eine Leserempfehlung
  3. Seltsam, dass ich jedes mal (5 mal an der Zahl) 3-4 Monate auf den Bescheid und damit auch auf das Geld warten musste...

    4 Leserempfehlungen
  4. "Drei Wochen Wartezeit bis zum Bescheid sind normal"

    Lange nicht so gelacht. Bafög 1998: im August beantragt, im Februar 1999 vorläufiger Bescheid mit Vorauszahlung, endgültiger Bescheid im Juni 1999.

    Wie oft ich meiner Schwester im Verlauf ihres zehnsemestrigen Studiums aus der Finanzpatsche helfen musste, weil die Pfosten vom Bafög-Amt irgendwas verschludert haben, weiß ich nicht mehr. Erschwerend kommt noch hinzu, dass nur einmal im Monat Bescheide verschickt und Geld angewiesen wird. Wenns am Stichtag nicht fertig ist, heißt das automatisch einen weiteren Monat warten...

    Vielleicht schafft man mal den Unsinn ab, dass man für jeden Sch* einen Nullbescheid braucht (der trotzdem vollständig beantragt werden muss) oder etabliert wenigstens ein vereinfachtes Verfahren für Nullbescheide (wenn jemand eh kein Bafög bekommt, z.B. wg. Studiengangswechsel), dann haben die Sachbearbeiter auch wieder mehr Zeit, sich mit den wichtigen Anträgen zu befassen.

    Eine Leserempfehlung
  5. Hab den Antrag einen Tag vor dem Artikellesen abgeschickt und muss sagen, dass jedesmal mich eine Abneigung überkommt, die Blätter überhaupt anzusehen. Man fühlt sich schon etwas bloßgestellt, aber naja, man ist ja froh, dass es hier eine Ausbildungsförderung gibt.
    Beim ersten Mal musste ich auch sehr lange warten (~4 Monate), da wird man schon nervös, besonders weil Miete und Strom bezahlt werden wollten, hat dann aber auch geklappt. Die Formulierungen sollten aber wirklich mal geändert werden, das geht sicher auch einfacher.
    Anzumerken wäre dann noch, dass, wenn man den Bescheid rechtzeitig abschickt, ruhig ein paar Sachen nachreichen kann. Der Einkommenssteuerbescheid der Eltern braucht manchmal halt etwas länger, genauso wie der Leistungsnachweis, aber da kann man sicher mit den Leuten vor Ort reden, die kennen das ja schon jahrelang und zeigen oft Verständnis.

    • malox
    • 29. August 2013 17:59 Uhr

    1. falsch ausgefüllte Anträge:
    Der Fehler liegt ganz klar im System. Dieser unübersichtliche Wust von Zetteln, Anlagen, Merkblättern ist Wahnsinn.

    2. Wartezeit:
    Drei Wochen ist ein schlechter Scherz.
    Meine Kommilitonen warteten - trotz vollständig ausgefülltem Antrag - mehrere Monate auf das den Bescheid bzw. das Geld und mussten tw. einen Folgeantrag stellen, bevor der Erstantrag überhaupt durch war.
    Zudem kann nicht jeder im August gleich den Antrag stellen - denn viele Zusagen kommen erst nachträglich oder man ist selbst ist noch auf Wohnungssuche etc.

    3. Unsinnige Angaben
    Vollständig ausgefüllte "Pflicht-Nullbescheide" könnte man weglassen, genauso wie sich semesterweise wiederholende Angaben, die eindeutig festehen.

    4. Fazit:
    Endlich ein einkommensunabhängiges Bafög einführen! Das erspart auch viel Bürokratie - und damit auch wieder Geld.

    4 Leserempfehlungen
  6. Eine von mir und Bekannten häufig gemachte Erfahrung bei allen Arten von Behördenkontakten war, dass diese in Baden-Württemberg und Bayern sehr bürgerfreundlich, verhältnismäßig unbürokratisch (im Rahmen des Ermessens) und rasch erfolgten und im Norden alle Klischees über die "deutsche" Bürokratie erfüllt werden. Ich weiss nicht ob es nur an der Finanzierung liegt oder auch an einer Mentalitätsfrage. Aber ungerecht ist es allemal, dass es vom Wohnort abhängt ob man z.B. auf der KFZ Zulassungsstelle den ganzen Tag verbringen und dafür einen Urlaubstag nehmen muss oder in 10 Minuten wieder draußen ist. Im Falle von Bafög finde ich Unterbesetzung der zuständigen Behörden besonders problematisch, wie soll ein Student denn die Monate überbrücken bis sein Antrag bearbeitet wurde, auch wenn er das alles nachgezahlt bekommt. Der Bafög-Höchstsatz ist meines Wissens deutlich niedriger als der ALGII-Höchstsatz und der gilt ja schon als zu niedrig, man redet bei Bafög-Empfängern also von den "Ärmsten der Armen", auch wenn die ehrgeizigen jungen Leute die ein Studium anstreben zunächst nicht den Eindruck von Hilfebedürftigkeit vermitteln bzw. auch nicht vermitteln wollen. Sie sind es und gerade wenn wir Bildungsgerechtigkeit wollen gehört dazu auch, dass sich auch Kinder aus kleinen Verhältnissen ein Studium leisten können ohne mit leeren Händen dazustehen weil der Antrag Monate in der Bearbeitung liegt. Oder sehe ich das falsch?

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